Das kommende Finanz-Chaos: Anleger sollten auf alles vorbereitet sein

Der Staatsanleihe-Crash kommt. Ob das Chaos in einer inflationären oder deflationären Depression enden wird, steht noch in den Sternen. Anleger sollten aber auf jedes Szenario eingestellt sein

Michael Pento, King World News, 09.11.2013

Mittlerweile haben wir es alle unzählige Male gehört: Das Mantra der Federal Reserve, dass sie die quantitativen Lockerungsmaßnahmen zurückfahren will, hört sich mittlerweile an, wie eine gesprungene Schallplatte. Die US-Notenbank ist sich natürlich im Klaren darüber, dass sie ihre Kredit- und Zinssatzmanipulationen eines Tages beenden muss, und im Grunde will sie dieses Spiel ja auch beenden, aber irgendwie scheint dafür einfach nie der richtige Zeitpunkt zu sein.

Zudem verliert die Federal Reserve jetzt gegenüber den Anlegern immer schneller an Glaubwürdigkeit. Schon bald wird die Fed für ihre Drohungen, die quantitative Lockerung auszusetzen, nur noch ausgelacht werden, genauso wie man über die leeren Versprechungen eines Kettenrauchers lacht.

Schließlich geht es bei der quantitativen Lockerung ja um die Absenkung der langfristigen Zinssätze, um auf diese Art die Kreditaufnahme anzukurbeln und ausländische Investoren dazu zu zwingen, Risikovermögenswerte zu kaufen. Daher ist es auch reine Heuchelei und pure Dummheit, wenn die Fed weiterhin behauptet, dass die Aussetzung der Lockerungsmaßnahmen das lange Ende der Renditekurve nicht in die Höhe treiben würde und am Aktien- und Immobilienmarkt nicht zu Abverkäufen führt.

Die Fed beharrt weiterhin darauf, dass dies nicht passieren wird, und versucht den Markt zu überzeugen, dass er falsch liegt. Sie wissen aber, dass die Zinsen wieder steigen werden, und genau das ist auch der Grund dafür, warum die US-Notenbank so zögerlich ist, die Anleiheaufkäufe zurückzufahren. Alles, was Bernanke jetzt noch tun kann, ist, wiederholt mit einer geldpolitischen Straffung zu drohen, in der Hoffnung, dass die Reaktion des Anleihemarkts dieses Mal anders ausfallen wird. Wird sie aber nicht – und umso länger die Fed mit dem Ende der quantitativen Lockerung wartet, desto drastischer wird der Zinsanstieg ausfallen.

Das Gerede über eine geldpolitische Straffung nahm während einer Anhörung von Bernanke vor dem US-Kongress am 22.05.2013 seinen Anfang. Während dieser Anhörung behauptete der Vorsitzende der Fed, dass die US-Notenbank die quantitative Lockerung bis Ende dieses Jahres reduzieren könnte. Diese erste Salve sorgte dafür, dass die Rendite für die 10-jährige US-Staatsanleihe von unter 2% bis zum 05.09.2013 auf 3% geschickt wurde.

Doch wie jeder gute Süchtige nahm die Fed die durch die steigenden Zinssätze ausgelöste Abschwächung der US-Wirtschaft zum Vorwand, ihre Gelddruckmaßnahmen weiter fortzusetzen. Die für die Märkte überraschende Erklärung während des Offenmarktausschusstreffens am 17. und 18.09.2013, doch keine geldpolitischen Straffungsmaßnahmen durchzuführen, sorgte dafür, dass die Rendite für die 10-jährige US-Staatsanleihe innerhalb eines Monats von 2,9% auf 2,5% absank.

Als Ausrede, keine geldpolitische Straffung durchzuführen, verwies man auf eine sich „eintrübende finanzielle Lage“ – eine Lage, die natürlich von der Fed selbst herbeigeführt worden war! Und dann erklärte die Fed auf ihrem letzten Offenmarktausschusstreffen am 29. und 30.10.2013, dass es kürzlich einige imaginäre Verbesserungen bei der US-Wirtschaft gegeben habe. Ungeachtet der Tatsache, dass die wirtschaftlichen Daten eher durchwachsen gewesen sind, nahm der Anleihemarkt den Überschwang der Fed als Signal, dass die Straffung jetzt wieder auf der Agenda steht, und verkaufte abermals US-Staatsanleihen ab. Nach Bernankes Erklärung stieg die Rendite für die 10-jährige US-Staatsanleihe innerhalb von 2 Tagen von 2,47% auf 2,62% und ist mittlerweile, innerhalb von weniger als zehn Tagen, wieder auf 2,74% geschossen.

10-year-treasury-yields

Fassen wir zusammen: Die US-Notenbank droht damit, ihre Anleihekäufe zurückzufahren, was die völlig rationale Reaktion hervorruft, Staatsanleihen abzuverkaufen. Diese Abverkäufe sorgen bei der Fed für Panik, so dass sie abermals verspicht, die Druckerpresse am Laufen zu halten, was wiederum zu einem Rückgang der Zinssätze führt. Durch diesen Zinssatzrückgang fasst die Federal Reserve wieder Mut, um abermals über geldpolitische Straffungsmaßnahmen zu sprechen. Meine Güte! Ist es nicht beruhigend, zu wissen, dass diese Typen am Ruder sind!

Natürlich weiß die Fed, dass die unbefristeten allmonatlichen Staatsanleiheaufkäufe von USD 85 Milliarden – egal zu welchem Preis – dafür gesorgt haben, dass die Anleihepreise und Risikovermögenswerte heute weit höher notieren, als es ohne Marktinterventionen jemals möglich gewesen wäre. Aber genau das wollte die Fed ja auch.

Und daher weiß die Fed auch, dass eine Aussetzung der quantitativen Lockerung einer massiven Kreditverknappung gleichkäme, ganz gleich, was die Fed Sie glauben machen möchte. Bernankes Behauptung, eine geldpolitische Straffung würde nicht zu einer Verschlechterung der Kreditmärkte führen, ist so glaubwürdig wie Obamas Behauptung, dass „Sie Ihre Krankenversicherung behalten könne, wenn Sie möchten, Punkt.“

Und auch Wall Street würde es begrüßen, wenn die Anleger glauben, dass der Aktienmarkt aufgrund starker Unternehmensgewinne steigt, die auf eine sich massiv verbessernde Wirtschaft zurückgehen. Doch wenn das wahr ist, ja warum geht dann der Aktienmarkt jedes Mal zurück, wenn die US-Notenbank damit droht, ihre Aufkäufe von über USD 1 Billion pro Jahr zu beenden?

Die Wahrheit ist, dass die Fed ihre quantitativen Lockerungsmaßnahmen erst dann beenden wird, wenn die Verbraucherschulden die fingierte Vermögensschaffung (also die Spekulationsblasen) abermals überflügeln. An diesem Punkt wird der Verbraucher wieder damit beginnen, mehr Schulden nachzufragen, und dann werden die Privatbanken auch wieder in der Lage sein, die Geldmenge auszuweiten.

Dadurch wird die Inflation auf ein Niveau gehievt, bei dem die US-Notenbank wieder genug Vertrauen fasst, um die Ausweitung ihrer eigenen Bilanz zu stoppen. Wenn die Privatbanken wieder mit ihrer Kreditvergabe an die Verbraucher beginnen – Kredite, die nicht zurückgezahlt werden können –, wird die Geldmenge wieder steigen, ohne dass die Fed die Geldbasis ausweiten muss. Und dann wird alles wieder in bester Ordnung sein, genauso wie es vor dem Wirtschaftszusammenbruch 2008 der Fall war.

Daher haben Anleger, die sich über die Inflation Sorgen machen, auch allen Grund dazu, sich zu fürchten. Die US-Notenbank wird erst dann mit der Ausweitung der Geldmenge aufhören, wenn die Kaufkraft des US-Dollars unter großem Druck steht und die Schuldenniveaus des Staatssektors und des Privatsektors auf unglaubliche Extreme getrieben worden sind. Die Fed will Ihnen glauben machen, dass, hat sie erst einmal massive Anleihe-, Aktien-, Immobilien- und Schuldenblasen geschaffen, sie die Zinssätze von den heutigen 0% aus – wo sie nun schon seit fünf Jahren stehen – wieder steigen lassen kann, ohne dass dies wirtschaftliche Nachteile mit sich bringt.

Die Anleger tun jedoch gut daran, zu einer völlig anderen Schlussfolgerung zu gelangen und ihre Portfolien auf das kommende Wirtschaftschaos vorzubereiten. Das bedeutet, dass man über die Fähigkeit verfügt, die hartnäckige Inflation und/oder eine deflationäre Depression und die unvermeidliche Krise an den Anleihemärkten zu antizipieren, und darauf vorbereitet ist, für jeden dieser Ausgänge eine entsprechende Investmentstrategie zum Einsatz zu bringen.