Gold: 1974 & heute

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 12.11.2013

Frage: “Danke für Ihre wertvollen Prognosen und die Klarheit, mit der Sie die zyklische Natur der Dinge entschlüsseln, die unsere Welt steuern. Ich amüsiere mich immer über die Argumente zum Thema Gold, die ich hier und auch auf anderen Seiten finden. Ich neige dazu, rund 10% meines Portfolios in Edelmetallen und historisch wertvollen Münzen und Banknoten zu halten. Meine Hoffnung ist, dass diese Bestände irgendwann in der Zukunft wenigstens die Inflationsentwicklung ausgleichen werden, weshalb mich die kurzfristigen Schwankungen nicht allzu sehr aufregen. Ich frage mich, was Sie von dem jüngst bei Zero Hedge veröffentlichten Artikel halten, wo auf eine Reihe kürzlich deklassifizierter Regierungsdokumente eingegangen wird, aus denen der Wunsch der US-Regierung hervorgeht, Gold zu manipulieren. War das bloß ein Wunsch oder ist es Realität?“

Antwort: Es ist ein Memo aus dem Jahr 1974 und hat heute keine Relevanz mehr. Um das Ganze mal ins rechte Licht zu rücken: Das System freier Wechselkurse begann ad hoc 1971. Niemand ging damals davon aus, dass das eine dauerhafte Lösung sein würde. Das Memo bezüglich der Goldpreismanipulation ist der Grund dafür, warum Volcker die Zinssätze anhob und versuchte, die bis ins Jahr 1980 anhaltende Goldrally zu stoppen. Es funktionierte aber nicht.

In Wirklichkeit wurde das Goldfenster [1971] „vorübergehend“ geschlossen, um bei den Verhandlungen etwas in der Hand zu haben. Die damalige Auffassung war, dass die Europäer versuchen würden, den Goldpreis in die Höhe zu treiben und ihre Dollars gegen Gold einzutauschen.

Das ist der Grund, warum das Goldfenster geschlossen wurde. Dieses Memo aus dem Jahr 1974 spiegelt diesen Manipulationskrieg wider, da Frankreich tatsächlich versuchte, Gold in die Höhe zu treiben. Die Antwort der USA war, dass sie versuchten, die Rally zu verhindern, weil diese Rally den Crash des Dollars widerspiegelte.

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Diese Trends haben heute aber keine Bedeutung mehr. Es kam zu Watergate, Nixon wurde seines Amts enthoben und dann gab es die OPEC-Ölkrise. Bis Ende der 70er Jahre hatten alle den Goldstandard bereits vergessen und das System freier Wechselkurse akzeptiert. Die dann einsetzende Dollarrally führte zum Plaza-Akkord – der Geburtsstunde der G5-Länder, heute der G20-Länder –, wo man darauf aus war, den Dollar wieder nach unten zu manipulieren.

plazaaccordGold geriet nach 1980 in Vergessenheit. Der Anstieg oder Rückgang des Goldpreises wurde nicht mehr länger als Hinweis auf Währungsentwicklungen gedeutet. Die Titel des Dow Jones legten während der 80er Jahre eine Rally hin, bei der sie von 1.000 Punkten im Jahr 1980 auf fast 8.000 Punkte stiegen. Das verwandelte sich in den Übernahmeboom und Edelmetalle gerieten in Vergessenheit, da Gold 19 Jahre lang im Preis fiel.

Ja ich verstehe, dass die Gold-Promoter behaupten wollen, dass sie Recht haben, aber die Staaten manipulieren den Goldpreis nicht, um ihn unten zu halten. Die Staaten zollen Gold diesbezüglich keine Aufmerksamkeit mehr. Sie erachten Gold als eine [Steuerflucht-]Alternative und schränken die Goldlagerung und Goldtransaktionen aus steuerlichen Gründen ein, nicht aufgrund der Goldpreisentwicklung.

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Ab 1977 fing der Aktienmarkt an, massiv unterbewertet zu sein. Der Übernahmeboom bei Aktien rückte plötzlich in den Fokus, da die Werte spottbillig waren. Es wurde offenkundig, dass man die Firmen nur kaufen und ihre Vermögenswerte veräußern musste, um sein Geld zu verdoppeln. Die Aktien waren massiv unterbewertet, weil wir uns in einer Staatlichen Welle befanden, wo Aktien als „riskant“ erachtet wurden und die Anleger lieber Staatsanleihen kauften.

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Dasselbe wird mit Gold passieren. Am Ende wird das Kapital ebenfalls darauf aufmerksam werden, dass Gold massiv unterbewertet ist. Aber das wird erst der Fall sein, wenn es beim Economic Confidence Model im Herbst 2015 zu einer Trendwende gekommen ist, genauso wie die Goldrally erst nach dem ECM-Hoch von 2007 richtig abhob und gemeinsam mit dem ECM-Tief in 2011 zu Ende ging.

ecm-wave-2011-2020Es ist schlicht eine Frage des Zeitpunkts, denn würde Gold tatsächlich manipuliert werden, wie die Gold-Promoter behaupten, wäre es ein Einzelfall, eine Ausnahme – Gold wäre dann der einzige Rohstoff, der im Preis fällt. Das ist aber einfach nicht der Fall. Der ganze Rohstoffsektor ist betroffen, wenn wir mal von einigen wenigen Ausnahmen absehen.

Frage: „… Sie sagen, dass Gold 2015/2016 richtig abheben wird, was mit einem Abwärtstrend des ECM in Einklang steht. Wir befinden uns aber bis 2014 in einen Abwärtstrend, wenn auch einem kleinen, aber warum geht Gold dann im Preis zurück und steigt nicht wenigstens ein bisschen?“

Antwort: Gold bildet gerade eine Basis aus – Gold bricht nicht in sich zusammen. Eine Seitwärtsbewegung in einem Bärenmarkt ist das Äquivalent einer Rally. Das alte Sprichwort lautet: Was nicht steigt, wird doppelt so stark fallen. Das trifft bei Gold zu. Gold fällt unter die Marke von USD 1.300 pro Unze, weil es noch die Marke von USD 1.000 pro Unze testen wird und dann wahrscheinlich irgendwo zwischen USD 900 und USD 1.000 pro Unze zum Halten kommt. Das ist mehr eine Frage des Timings als des Preises. Wir arbeiten gerade an einem Bericht für das Jahr 2014. Es ist wie in der Bibel steht: Alles hat seine Zeit.

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