Schwere Bürgerunruhen & Aufstände: Worauf Sie sich gefasst machen sollten

Auch die westlichen Regierungen neigen bei schweren Wirtschaftskrisen dazu, Soldaten und Panzer gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen. Wer das als verschwörungstheoretische Spinnerei abtut, sollte mal in die Geschichtsbücher schauen

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 15.11.2013

Wo man auch hinblickt, überall bereiten sich die Politiker derzeit auf das Schlimmste vor. Wir vergessen gerne den Slogan der Amerikanischen Revolution: „Keine Besteuerung ohne [gewählte politische] Vertretung“. Deutschland wird seiner Bevölkerung keine demokratischen Referenden erlauben – das ist genau das, was auch Georg III. tat und für den Ausbruch der Amerikanischen Revolution sorgte.

Die US-Heimatschutzbehörde DHS hat 2.715 Panzerfahrzeuge für den inländischen Einsatz und genügend Hohlspitzgeschosse gekauft, um jede Person in Amerika gleich fünf Mal zu erschießen. Das ist schlicht und ergreifend die Art, wie Imperien zusammenbrechen – es ist ihr vorgezeichnetes Ende. Und Bürgerunruhen haben eine lange historische Tradition. Im Internet können Sie sich Listen mit verschiedenen Aufständen ansehen.

Bisher ist es bereits in Südamerika und Südeuropa zu Aufständen gekommen, und wir fangen gerade an, erste Aufstände in Skandinavien und Großbritannien zu beobachten. Mittlerweile taucht der Nationalismus nicht nur in Gegenden wie Griechenland auf, sondern war letzte Woche auch in Polen zu beobachten. Und natürlich gibt es im Nahen Osten derzeit überall Bürgerunruhen, auch in Ägypten.

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Die Bürgerunruhen werden ab 2014 gemeinsam mit dem erneuten Anstieg des Kriegszyklus zunehmen. Aber es ist immer die wirtschaftliche Entwicklung, die derartige Ereignisse richtig anheizt. [Der globale Wirtschaftszyklus (Economic Confidence Model) leitet ab Herbst 2015 eine Talfahrt ein, was den Trend zusätzlich verstärken wird.] Der Kommunismus wäre weder in Russland noch China gescheitert, wenn er wirtschaftlich erfolgreich gewesen wäre. Der Kupferaufstand in Russland im Jahr 1662 ist ein gutes Beispiel für wirtschaftliche angeheizte Bürgerunruhen.

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Es gibt eine immer stärker werdende separatistische Bewegung, die mit den ersten Phasen der Bürgerunruhen Hand in Hand geht. Das ist der Startpunkt eines nationalistischen Trends. In der obenstehenden Karte sehen Sie den zunehmenden Trend separatistischer Bewegungen, der immer stärker werden wird, während die nationalistischen Bewegungen stärker werden und diesen Trend anheizen.

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Wenn die Wirtschaft zurückgeht, führt das letztlich dazu, dass sich die Menschen wieder gegen Zuwanderer wenden und nationalistische Trends angeheizt werden. Das sahen wir in den sich entwickelnden Märkten der Vereinigten Staaten während der Schuldenkrise der US-Bundesstaaten von 1839 bis 1844. Diese Phase findet in US-Geschichtsbüchern in der Regel keine Erwähnung, aber in alten Zeitungen kann man noch Dinge darüber finden und es gibt auch Zeichnungen, die die Krise illustrieren. Das war ein sehr tiefgreifendes wirtschaftliches Ereignis, bei dem die Bonität aller US-Bundesstaaten und der US-Bundesregierung vernichtet wurde. Damals drehte sich auch alles nur um die Schulden.

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In China fand der Boxeraufstand statt. Es war eine gewaltsame, ausländerfeindliche Bewegung, da China gerade dabei war, von seinem historischen Thron als Finanzzentrum der Welt zu stürzen, und diesen Titel an Großbritannien abtreten musste. Der Boxeraufstand fand von 1899 bis 1901 stand. Der Aufstand wurde von den „Verbänden für Gerechtigkeit und Harmonie“ angezettelt und durch nationalistische Stimmungen und den Widerstand gegen die imperialistischen und christlichen Missionen der ausländischen Mächte befeuert. Die Weltmächte intervenierten und schlugen den Boxeraufstand nieder, was für China eine Erniedrigung war, da sie auf Chinas Boden gegen die eigene Bevölkerung Krieg führten. Das wäre ungefähr so, als würde die US-Heimatschutzbehörde nach Europa kommen, um in Polen einen Aufstand niederzuschlagen.

1873-Panic_4Finanzpaniken haben sich oft in gewaltsame Ausbrüche verwandelt, doch hierbei handelt es sich in der Regel um ein kurzes Aufflackern wie bei der Panik von 1873. Bei der Panik von 1869 war es ein Schwarzer Freitag, wo die Armee entsandt wurde, um während der Goldpanik an Wall Street wieder für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Wir müssen in diesem Zusammenhang also zwischen einem systemischen Wirtschaftsrückgang und einer einzelnen, isolierten Finanzpanik unterscheiden.

Bedauerlicherweise ist es so, dass Ereignisse wie Occupy Wall Street kommen und gehen, und das übertüncht die immer stärker werdende Unterströmung, die sich dann in große, langanhaltende Aufstände verwandelt.

Und wir sahen ja jüngst erst den „Marsch der Millionen Masken“ in London, wo wir beobachten konnten, dass die britische Regierung Twitter überwacht hat, um jeden zu verhaften, der die Menschen aufforderte, sich zu versammeln. Der „Million Mask March“ ist eine Warnung, dass es unter der Oberfläche immer stärker brodelt. Wenn die Wirtschaft kippt, werden diese Trends immer öfter zu beobachten sein.

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Und vergessen wir nicht den Marsch der Bonus-Armee auf Washington, wo die US-Regierung Soldaten und Panzer losschickte und amerikanische Veteranen auf den Straßen umbringen ließ. Die US-Regierung setzte in Washington im Jahr 1932 Panzer gegen unbewaffnete Zivilisten ein. Das war einfach atemberaubend. Und es veranschaulicht, warum die US-Heimatschutzbehörde Panzerfahrzeuge gekauft hat – weil sie wissen, dass sie sie einsetzen werden.

bonus-army_6Bei der Bonus-Armee ging es einfach nur um wirtschaftliche Versprechungen, die nicht eingehalten wurden. Das führte im Zweiten Weltkrieg zum GI-Bill für Veteranen, da der Regierung niemand mehr traute. Obama hat in jüngster Zeit Generäle entlassen, die Bedenken haben, mit Gewalt gegen die amerikanische Bevölkerung vorzugehen.

All jene, die behaupten, es sei eine Verschwörungstheorie und die US-Heimatschutzbehörde würde nie Panzerfahrzeuge gegen Amerikaner einsetzen, liegen falsch. Die Geschichte sagt, dass sie damit komplett danebenliegen. Es ist alles schon mal dagewesen und es offenbart die Natur des Menschen und den Weg, den er wieder einmal beschreiten wird.

Der Nika-Aufstand in Konstantinopel 532 n. Chr. hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass man über gehorsame Soldaten verfügt, und Obama hat seine Lehren daraus gezogen. Einheimische Truppen würden die Menschen ihrer eigenen Stadt nicht abschlachten und die Regierung verteidigen. Justinian hatte außerhalb der Stadt eine Armee, die aus einem anderen Teil des Imperiums stammte. Sie hatten kein Problem damit, einheimische Griechen zu töten. Daher werden die Militäroffiziere, die sich weigern, die Befehle zu befolgen, derzeit auch entlassen.

Und vergessen wir auch nicht Coxey´s Army, die nach der Panik von 1893 auf Washington marschierte, nachdem die Arbeitslosigkeit gestiegen war, so wie es zurzeit in Europa der Fall ist. Ja das wurde ja sogar zu einer politischen Satire, die dann später in einen Kinderfilm verwandelt wurde: Den Zauberer von Oz. Der goldene Pflastersteinweg war der Goldstandard, und nun raten Sie mal, wogegen man protestierte. Gegen die Austerität!

Wie Sie sehen, sind Deutschlands Austeritätsmaßnahmen, um den Euro stark zu halten, in der Vergangenheit bereits erfolglos probiert worden. J.P. Morgan musste 1896 das US-Finanzministerium retten, da es buchstäblich pleite war und seine Goldreserven aufgebraucht waren.

Der Zauberer von Oz war der US-Kongress. Der Blechmann war die Industrie, die Vogelscheuche die Landwirtschaft und der feige Löwe war William Jennings Bryan, der mit seiner leidenschaftlichen „Man darf die Menschheit nicht an ein Kreuz aus Gold schlagen“-Rede die Austerität attackierte.

Die ganze Austeritäts-Strategie ist in der Vergangenheit also schon ausprobiert worden – wir haben das alles schon einmal durchgemacht. Niemand scheint mal den Geschichtskatalog der Erfolge und Niederlagen der Menschheit zu bemühen. Unsere gehirnamputierten politischen Führer versuchen ein ums andere Mal dasselbe, wie wenn jemand immer wieder ans offene Stromkabel fasst und glaubt, dass beim nächsten Mal etwas anderes passieren würde.

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