Aktienmärkte heizen sich auf: Die spektakulärste Achterbahnfahrt aller Zeiten

Die großen US-amerikanischen Leitindizes könnten kurz vor ihrer Explosion stehen. Ein Blick in die Geschichte verrät, warum dennoch Vorsicht geboten ist

Robert Fitzwilson, King World News.com, 17.11.2013

Auf dem unten stehenden Chart sehen wir die Performance des Nasdaq 100, des Dow Jones Industrial Average, des S&P 500 und des Russell 2000 von 1995 bis Ende 1999.

Die oberste Linie ist der Nasdaq, der während dieser Phase um atemberaubende 426% zulegte. Danach kommen der S&P 500 mit 179%, der Dow Jones mit 144% und der Russell 2000 mit 71%. Dieser Chart zeigt eine sich entwickelnde Manie im Aktienmarkt, die ihren Höhepunkt im Zusammenbruch der Dot.com-Blase fand.

Fitzwilson_1

Ein bedeutender Teil der Überperformance des S&P 500 Index ging darauf zurück, dass die Technologieaktien einen immer größeren prozentualen Anteil dieses Index einnahmen, was bei den Indexkäufern dazu führte, dass sie immer größere Mengen dieser Aktien kauften. Das sorgte dafür, dass die Preise noch stärker stiegen und eine Rückkopplungsschleife geschaffen wurde, die kein Ende zu nehmen schien.

Und da immer mehr Technikfirmen mit astronomischen Kurs-Gewinn-Verhältnissen – die in vielen Fällen unendlich waren, da die Unternehmen überhaupt keine Umsätze generierten – an die Börse gingen, verlor diese Kennzahl zunehmend an Bedeutung. Wenn eine gefragte Internetfirma mit dem 200-fachen ihrer Umsätze gehandelt wurde, ja dann – so das Denken zu jener Zeit – sind doch die großen treibenden Aktien im S&P 500 (Microsoft, Intel, Cisco usw.) superbillig, da diese Titel nur mit einem Bruchteil dieses KGV gehandelt wurden.

Nun wissen wir ja alle, dass die Geschichte genauso böse endete wie die „Tulpen-Manie“ und die Bewertungen letztlich in sich zusammenbrachen, aber anhand der Grafik kann man erkennen, wie sich eine solche Manie in den Aktienmärkten entwickeln kann. Setzt der Wahn erst einmal ein, wird der Druck bei den großen Geldfonds immer stärker, so dass die Geldmanger dieser Fonds dann gezwungen sind, sich einzureden, dass derart riesige KGVs völlig vernünftig sind.

Die aktuelle Diskussion wird von der Frage beherrscht, ob der Aktienmarkt überbewertet ist oder nicht. Zu Beginn der 80er Jahre lagen die KGVs im einstelligen Bereich. Die Zinssätze lagen weit im zweistelligen Prozentbereich, so dass die Bewertungen wahrscheinlich angemessen waren. Die Zinssätze sind aber innerhalb der letzten 30 Jahre dramatisch gefallen, so dass die aktuellen KGVs ebenfalls angemessen sein könnten. Da wir Ende der 90er Jahre – als die Gelder in die „neue Welt“ der Technologie fluteten – KGVs zwischen 100 und 200 sahen, ja warum sollen dann Kurs-Gewinn-Verhältnisse zwischen 17 und 25 in der heutigen Nullzinswelt nicht langfristig überschritten werden?

Und obwohl auch der aktuelle Aktienmarktrausch böse enden wird, brauchen wir uns nicht darüber zu wundern, sollten die Aktien noch auf wesentlich höhere Niveaus steigen. Janet Yellen erklärte vor wenigen Tagen während einer Anhörung, dass die quantitativen Lockerungsmaßnahmen künftig weiter aufrecht erhalten werden. Ihres Erachtens gibt es für das aktuelle Schlamassel nur eine Lösung, nämlich eine wachsende Wirtschaft, die durch den Blankoscheck der quantitativen Lockerung befeuert wird. Ja derzeit wird sogar über negative Zinssätze gesprochen.

Und da wir derzeit in der Kunst- und Schmuckbranche Panikkäufe sehen (USD 142 Millionen für ein Bild und USD 83 Millionen für einen Diamanten), ist es ein Leichtes, sich auszumalen, dass wir auch am Aktienmarkt Panikkäufe sehen werden, bevor das Ganze vorbei ist. Nur die Wenigstens können sich Kunst und Edelsteine leisten, aber viele können sich Aktien und Edelmetalle leisten.

In einer Welt des unbegrenzten Gelddruckens sind reale Vermögenswerte die einzig verbleibenden Rettungsboote. Bargeld und festverzinsliche Papiere sind garantierte Verlustbringer, nominell wie auch real. Und aus der Geschichte der Weimarer Republik wissen wir, dass all jene, die Unternehmen gekauft und gehalten haben, die Krise mehr oder minder intakt überstanden. Und auch heute gibt es noch jede Menge qualitativ hochwertige Unternehmen, die unglaublich billig aussehen, sollte QEwigkeit weiter anhalten. Auf alle Fälle sollte man darüber nachdenken, diese Titel in sein Portfolio zu holen. Gold, Silber und Edelmetallminenfirmen sollten sich ebenfalls im Portfolio wiederfinden.

Viele verantwortungsbewusste Privatanleger und institutionelle Strategen sind zu der richtigen Einschätzung gelangt, dass ein Aktienmarkt, der durch eine nicht tragfähige Explosion der Kredit- und Fiatgeldmenge angeheizt wird, außerordentlich riskant ist. Wir haben das Gefühl, dass diese Vorsicht derzeit über Bord geworfen wird, während Angst und rationale Erwägungen von Gier und Gruppendruck verdrängt werden.

Es könnte durchaus zu einer spektakulären Kursexplosion kommen, wie sie auch in den 20er Jahren in Deutschland zu beobachten war. Die Anleger sollten aber daran denken, dass diese dramatischen Anstiege bei den Aktienpreisen innerhalb eines Nachmittags mittels eines Währungs-Neustarts wieder ausgelöscht wurden. Man bekam keine Gelegenheit, um zu verkaufen. Und wir sahen das auch in Silicon Valley am Ende der Dot.com-Blase. Die Preise brachen einfach in sich zusammen.

Jetzt herrscht in Silicon Valley wieder Euphorie. Und im Gegensatz zur Dot.com-Ära werden heute große Teile des Vermögens durch Firmen erwirtschaftet, die tatsächlich auch auf Umsätze und Gewinne blicken können. Dennoch erinnern uns die Social Media Firmen an die Zeit der Dot.com-Blase. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass eine nicht börslich gehandelte Firma, die keine Einnahmen generiert, zwei Kaufangebote von USD 3 Milliarden bzw. USD 4 Milliarden ablehnte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir aufgrund der Entschlossenheit der US-Notenbank, auf absehbare Zeit unbegrenzte Mengen an Geld zu drucken, und aufgrund des Aufkommens der Gier, die jetzt die Vernunft verdrängt, kurz vor der finalen Manie-Phase des Aktienmarkts stehen könnten. Sollte es zu dieser finalen Kursexplosion kommen, werden die großen Leitindizes auf Niveaus steigen, die bedeutend über den heutigen Notierungen liegen. Künftige Generationen werden darüber dann auf ewig als den größten und spektakulärsten Aufstieg und Niedergang der Investmentgeschichte schreiben.

Weitere Artikel zu diesem Thema