Greyerz: 2014 wird ein Jahr massiver Vermögensvernichtung werden

King World News, 15.11.2013

Während die weltweiten Aktienmärkte nach wie vor Aufwind haben, warnte der seit 42 Jahren aktive Marktveteran Egon von Greyerz – der korrekt vorhergesagt hatte, dass die Federal Reserve keine geldpolitische Straffung durchführen würde – die Zuhörer von King World News heute, dass sich die Vereinigten Staaten bereits in einem „katastrophalen Zahlungsausfall“ befänden. Im Folgenden finden Sie, was der Gründer der schweizerischen Firma Matterhorn Asset Management in diesem außerordentlichen Interview zu sagen hatte:

Greyerz: „Seit 2008 haben die großen Zentralbanken – die US-Notenbank, die EZB, die Bank von Japan, die Bank von England, und die Schweizerische Nationalbank – ihre Bilanzen um atemberaubende 50% ausgeweitet. Aber gebracht hat es nichts, da all diese Gelddruckmaßnahmen keinerlei Wirkungen zeigen.

Wenn man sich die US-Notenbank anschaut, sieht man, dass sie seit 2008 praktisch jeden Monat Geld gedruckt hat. Und wenn wir auf Anfang nächsten Jahres blicken, ist es unwahrscheinlich, dass wir bei der US-Schuldenobergrenze eine Einigung sehen werden. Alles, was mit dieser Gelddruckerei erreicht wurde, ist, einen vorübergehenden Aufschub der weltweiten Probleme zu bekommen. In der Zwischenzeit werden die Schulden aber weiterhin mit exponentieller Rate steigen.

Letzte Woche wies ich darauf hin, dass die US-Staatsverschuldung innerhalb der letzten drei Jahrzehnte von USD 1 Billion auf USD 17 Billionen um das 17-fache gestiegen ist, während die Steuereinnahmen lediglich von USD 1 Billion auf USD 2,5 Billionen gestiegen sind. Das bedeutet, dass die Schulden wesentlich schneller wachsen als die Steuereinnahmen. Noch wichtiger ist es jedoch, zu begreifen, dass mit diesen Steuereinnahmen angeblich die Schulden zurückgezahlt werden sollen. Doch anstatt die Schulden zurückzuzahlen, haben die USA ihre Schulden in den letzten Jahren sogar noch um USD 1 Billion pro Jahr erhöht.

Wir brauchen uns nur den Trend bei den Schulden und den Trend bei den Steuereinnahmen anzuschauen, und schon wissen wir, dass die USA niemals in der Lage sein werden, ihre Schulden wieder zurückzuzahlen. Das hängt mit dem exponentiellen Anstieg der Schulden zusammen. Und es bedeutet, dass sich die USA jetzt in einem katastrophalen Zahlungsausfall befinden. Ich weiß, dass sich die Menschen nun denken werden: ´Die Zinsen werden ja bezahlt, also ist es kein Zahlungsausfall.` Nun, wenn man sich erst Geld leihen muss, um dann damit seine eigenen Schulden zu kaufen, dann ist das ein Zahlungsausfall.

Die Trends der letzten zehn Jahre machen deutlich, dass diese Schulden nie wieder abgebaut werden. Stattdessen werden sie im Stile eines Schneeballsystems immer größer werden. Das wird passieren, während die USA immer mehr Schulden machen und immer mehr Geld drucken werden, um ihre eigenen Schulden zu kaufen. Die USA müssen das tun, um ihre Schulden zu bedienen, aber auch, um die anhaltenden Haushaltsdefizite zu finanzieren. Japan und viele europäische Länder befinden sich in derselben hoffnungslosen Situation. Das wird den Abwärtswettlauf der großen Währungen nur noch beschleunigen und in vielen Wirtschaften zu einer Hyperinflation führen.

Ich bin der Meinung, dass 2014 ein Jahr des Wandels und ein Jahr massiver Vermögensvernichtung werden wird. Bei den meisten weltweiten Aktienmärkten sehen wir nun Hinweise darauf, dass der lange, säkulare Bullenmarkt endet. Das wird zu einem sehr hässlichen und vermögensvernichtenden Bärenmarkt werden. Und die Anleger sind nicht darauf vorbereitet. Wir könnten sogar eine große Sucker-Rally sehen, bei der die Massen in den Aktienmarkt gelockt werden, bevor es zu einem großen Rückgang kommt.

Und während die Währungen und Aktienmärkte fallen, werden die Zinssätze steigen. Wir wissen ja, dass der Anleihemarkt die größte Spekulationsblase von allen ist. Die permanente Ausgabe neuer US-Staatsanleihen durch die US-Regierung und der daraufhin folgende Aufkauf der US-Notenbank – die alles kauft, was die Regierung neu auflegt –, werden dazu führen, dass der Rest der Welt US-Staatsanleihen abstößt. An diesem Punkt werden die langfristigen Zinssätze dann stark zu steigen beginnen.

Die Fed hat keine Chance, diese Entwicklung aufzuhalten. Sie wird darauf reagieren, indem sie noch mehr Geld druckt, und das wird die Lage nur noch verschlimmern und dazu führen, dass die Anleihen noch schneller im Wert fallen und die Zinsen in die Höhe schießen. Die Realität ist, dass die Welt jetzt schlechter dasteht als 2008, weil wir heute weltweit zig Billionen an zusätzlichen Schulden und auch mehr Finanzderivate haben. Und bei den besicherten Schuldverschreibungen, den CDOs, sind wir ebenfalls wieder auf den Niveaus des Jahres 2008, da die Ausgabe dieser Papiere heute so hoch ist, wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Was mir ebenfalls Sorgen bereitet, ist, dass die Reichen immer reicher werden, während sich die Armen immer stärker verschulden. Das ist eine sehr gefährliche Situation. Was Venezuelas Präsident getan hat ist ein gutes Beispiel. Er hat 100 Kapitalisten inhaftiert, weil sie die Güterpreise zu stark angehoben haben.

In Venezuela liegt die offizielle Inflation aktuell bei 54%. In Wahrheit dürfte sie viel höher sein, aber 54% ist ja bereits hoch genug. Natürlich gehen die Unternehmen, die nicht in der Lage sind, die Preise zu erhöhen, pleite. Das ist in einem inflationären Umfeld nun einmal so. Der Staat versucht das aufzuhalten, was die Menschen gut finden, aber niemand kann ein Unternehmen in einem inflationären oder hyperinflationären Umfeld am Leben erhalten, wenn es Verluste einfährt. Und genau das könnte in den kommenden Jahren in vielen anderen Ländern passieren […]

Unterdessen schaut sich Gold das Ganze von der Seitenlinie aus an. Während Kunst und Diamanten im Preis explodieren, leidet Gold immer noch unter der Papiermanipulation. Wir wissen, dass der physische Markt sehr stark ist und es eine anhaltende und robuste Nachfrage aus Asien gibt. 2014 werden wir eine dramatische Veränderung des Goldmarkts sehen.

Während der Dollar und andere Währungen fallen, wird Gold diese Entwicklung widerspiegeln und die Verluste der letzten zwei Jahre mehr als wieder wettmachen. Für Gold- und Silberanleger wird das eine sehr aufregende Zeit werden. Der zyklische Bärenmarkt gelangt an sein Ende und die Gold- und Silberbullen werden dann wieder Rückenwind haben.“

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