Schuldenrausch: China schafft gigantische Geldmengen und kauft damit weite Teile der Welt auf

Michael Snyder, The Economic Collapse, 26.11.2013

Was die rücksichtlose Geldschaffung anbelangt, hat sich nun herausgestellt, dass China die Krone auf hat. Die von chinesischen Banken gehaltenen Vermögenswerte sind innerhalb von 5 Jahren von rund USD 9 Billionen auf über USD 24 Billionen gestiegen. Das geht auf die größte Schuldenparty zurück, die die Welt jemals gesehen hat. Laut einem jüngst veröffentlichten Bericht der Weltbank, ist das Niveau der Privatverschuldung in China von rund USD 9 Billionen in 2008 auf heute über USD 23 Billionen gestiegen.

Mit anderen Worten: Die chinesischen Banken haben in gerade einmal 5 Jahren ungefähr so viel Kredite vergeben, wie die US-Regierung seit Ende der Reagan-Administration an Staatsschulden angehäuft hat. Die chinesischen Bankvermögenswerte übersteigen nun die Bilanzen der US-Notenbank, der Europäischen Zentralbank, der Bank von Japan und der Bank von England zusammengenommen – und zwar bei Weitem.

Eine Menge dieses heißen Geldes strömte aus China in Richtung US-Unternehmen, US-Aktien und US-Immobilien. Bedauerlicherweise (für China und den Rest von uns) gibt es jedoch jede Menge Hinweise darauf, dass diese gigantische chinesische Schuldenblase kurz vor ihrem Platzen steht, und wenn das passiert, wird die ganze Welt darunter zu leiden haben.

Der Finanzblog Zero Hedge war das erste Medium, das darüber berichtete. In den letzten paar Jahren haben sich die Meisten auf die rücksichtlosen Gelddruckmaßnahmen der US-Notenbank konzentriert – in Wahrheit agiert China aber noch viel rücksichtsloser:

„Ja, Sie lesen richtig: In den letzten fünf Jahren sind die Gesamtvermögenswerte, die in den Büchern von US-Banken stehen, gerade einmal um läppische USD 2,1 Billionen gestiegen, während die von den chinesischen Banken gehaltenen Vermögenswerte im selben Zeitraum um beispiellose USD 15,4 Billionen in die Höhe geschossen und auf das gigantische Niveau von CNY 147 Billionen oder epische USD 24 Billionen geklettert sind – das entspricht ungefähr dem zweieinhalbfachen des chinesischen BIP!

Um diese Wachstumsrate in die richtige Perspektive zu setzen: Während die US-Notenbank aktiv USD 85 Milliarden pro Monat in US-Banken pumpt und so auf USD 1 Billion pro Jahr kommt, sind die Vermögenswerte chinesischer Banken von Anfang Oktober 2012 bis Ende September dieses Jahres um atemberaubende USD 3,6 Billionen gestiegen!“

Ich war neugierig und wollte wissen, was all diese neu geschaffenen Schulden für die chinesische Geldmenge zu bedeuten haben. Ich habe daher nachgeschaut und entdeckt, dass die Geldmenge M2 in China seit 1999 um rund 1.000% gestiegen ist.

M2-Money-Supply-China

Also, was macht China mit all diesem Geld?

Nun ja, die Chinesen sind in einem Kaufrausch, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Reuters meldete beispielsweise, dass China jetzt im Grunde die gesamte ecuadorianische Ölindustrie aufgekauft hat. So konnte China mit Ecuador eine Vereinbarung erzielen, durch die die Chinesen praktisch die vollständige Kontrolle über die Rohölexporte des Landes erlangen:

„Letzten November wurde Marco Calvopiña, der Direktor der staatlichen ecuadorianischen Ölfirma PetroEcuador, nach China gesandt, um dabei mitzuhelfen, USD 2 Milliarden zur Finanzierung seiner Regierung zu sichern. Die Verhandlungen, zu denen auch die Zusage gehört, bis 2020 Millionen von Barrel ecuadorianischen Öls an Chinas Staatsbetriebe zu verkaufen, zogen sich mehrere Tage hin.“

Und auch in den Vereinigten Staaten kaufen die Chinesen jede Menge Vermögenswerte auf. Der folgende Auszug stammt aus einem kürzlich veröffentlichten CNBC-Artikel mit dem Titel: „China kauft Kaliforniens Eigenheime auf“:

„Bei einem brandneuen Eigenheimprojekt in Irvine in Kalifornien haben sich einige von Amerikas größten Baufirmen nach dem lähmenden Eigenheim-Crash nun wieder an die Arbeit gemacht. Lennar, Pulte, Khovnanian, Ryland um nur einige zu nennen. Es ist die Wiedergeburt der US-Baubranche, doch bei den Kunden handelt es sich größtenteils um Chinesen.

´Sie gehen davon aus, dass der Markt immer noch Raum für eine Aufwertung bietet`, so Kinney Young, ein für das Gebiet von Irving zuständiger Makler von RE/MAX Premier Realty. ´Was sie hierher treibt, ist, dass sie Bargeld haben und es irgendwo parken oder investieren wollen.`“

Offensichtlich haben viele dieser Käufer so viel Geld, dass sie bereit sind, jeden zu überbieten, wenn sie ein bestimmtes Haus haben wollen.

„Die Eigenheime reichen von rund USD 750.000 bis weit über USD 1 Million. Nur Bares ist Wahres, und davon gibt es anscheinend unbegrenzte Mengen. ´Der Preis ist egal, 800.000, 1 Million, 1,5 Millionen. Wenn sie es mögen, werden sie es kaufen` sagte Helen Zhang von Tarbell Realtors.“

Wenn Sie also wieder einmal hören, dass der Eigenheimmarkt steigt, lohnt sich vielleicht ein genauer Blick auf die Zahlen. Ein Großteil der Anstiege dürfte auf ausländische Käufer zurückgehen, die in bestimmten „heißen“ Märkten wie wild Immobilien aufkaufen.

Und an der Ostküste ist es dasselbe. So hat eine chinesische Firma jüngst eines der wichtigsten Wahrzeichen von New York gekauft:

„Das chinesische Konglomerat Fosun International Ltd. wird das Bürogebäude One Chase Manhattan Plaza für USD 725 Millionen kaufen, wodurch die Liste von Immobilienkäufen durch chinesische Käufer in New York City weiter anwächst.

Die in Honkong gelistete Firma sagt, dass sie die Immobilie von der JP Morgan Chase Bank erwerben wird, so eine Erklärung auf der Internetseite der Hongkonger Börse.

Die chinesischen Firmen, speziell die einheimischen Bauentwickler, wenden sich dem Ausland zu, um ihre Immobilienbestände zu diversifizieren, während sich die Wirtschaft zuhause abschwächt. Chinesische Privatpersonen investieren ebenfalls in ausländische Immobilien, da im Wohnungsmarkt des chinesischen Festlands strenge Verordnungen in Kraft sind.

Anfang dieses Monats stimmte der im chinesischen Staatsbesitz befindliche Bauentwickler Greenland Holdings Group zu, einen 70%igen Anteil an einem Apartment-Projekt neben dem Barclays Center in Brooklyn N.Y. zu erwerben, wodurch das größte gewerbliche Immobilienprojekt der USA nun direkte Unterstützung durch eine chinesische Firma erfahren wird.“

Und in einem vorangegangenen Artikel hatte ich ja bereits darüber berichtet, dass die Chinesen gerade erst den größten Schweinefleischproduzenten der USA gekauft haben:

„Ja denken Sie mal darüber nach, was allein der Kauf von Smithfield Foods bedeutet. Smithfield Foods ist der weltgrößte Produzent und Verarbeiter von Schweinefleisch. Das Unternehmen hat in 26 US-Bundesstaaten Anlagen und beschäftigt zigtausende Amerikaner. Es besitzt direkt 460 Farmen und hat Verträge mit rund 2.100 weiteren Farmen. Aber jetzt wurde es von einer chinesischen Firma für USD 4,7 Milliarden gekauft, und das bedeutet, dass die Chinesen jetzt in dutzenden ländlichen Gemeinden überall in den USA der wichtigste Arbeitgeber sein werden.“

Es gibt noch viele weitere Beispiele, wie sich die Chinesen in den USA derzeit alle möglichen Unternehmen, Immobilien und Rohstoffe unter den Nagel reißen. Dies können Sie auch in meinem Artikel „Treffen Sie Ihren neuen Boss: Der Aufkauf großer Unternehmen ermöglicht es China, 1.000 US-Gemeinden zu beherrschen“ nachlesen.

Was die Chinesen aber mehr als alles andere zu interessieren scheint, ist der Aufkauf von echtem Geld.

Und damit meine ich Gold und Silber.

Die Chinesen haben in den letzten Jahren tausende Tonnen Gold zu sehr niedrigen Preisen gekauft. Unterdessen hat die westliche Welt ihr Gold mit atemberaubender Geschwindigkeit abgestoßen. Wenn das Ganze vorbei ist, wird der Westen diesen massiven Transfer von Realvermögen bitter bereuen.

Zum Leidwesen der Chinesen sieht es so aus, als würde die von ihnen geschaffene unersättliche Schuldenblase nun vor dem Platzen stehen. Laut Bloomberg ist die Menge an faulen Krediten, die von den fünf größten chinesischen Banken im ersten Halbjahr 2013 abgeschrieben wurde, drei Mal größer als die des Vorjahreszeitraums:

„Chinas Banken sind bereits betroffen. Die Menge an von ihnen abgeschriebenen faulen Krediten hat sich in der ersten Hälfte dieses Jahres verdoppelt, und sie bereinigen derzeit ihre Bilanzen im Vorfeld einer möglichen neuen Welle an Zahlungsausfällen. Die Industrial & Commercial Bank of China Ltd. und ihre vier größten Mitbewerber schrieben laut Daten der Regulierungsbehörden CNY 22,1 Milliarden ab, die bis Juni nicht eingetrieben werden konnten, während es ein Jahr zuvor CNY 7,65 Milliarden waren.“

Und Goldman Sachs prognostiziert, dass China mit Kreditausfällen in Höhe von USD 3 Billionen konfrontiert sein könnte, sollte diese Blase implodieren:

„Fitch Ratings schätzte im September, dass die von den Kreditnehmern geschuldeten Zinsen auf 12,5% der chinesischen Wirtschaft gestiegen sind, während sie in 2008 noch bei 7% lagen. Bis Ende 2017 könnte dieser Anteil auf bis zu 22% steigen und ´für die Kreditnehmer letztlich zu viel werden.`

Laut Fitch wird die chinesische Gesamtkreditmenge bis zu diesem Zeitpunkt auf fast 250% des Bruttoinlandsprodukts getrieben werden, was gegenüber den 130% von 2008 fast einer Verdopplung gleichkommt.

Die Nation könnte mit Kreditausfällen von bis zu USD 3 Billionen konfrontiert werden, wenn die aus der Kreditexpansion (vornehmlich Nichtbanken wie beispielsweise Fonds) der letzten vier Jahre resultierenden Zahlungsausfälle einsetzen, so eine Einschätzung von Goldman Sachs Group Inc. im August.“

Die Chinesen versuchen, diese Schuldenspirale mit geldpolitischen Straffungsmaßnahmen unter Kontrolle zu bekommen. Hört sich gut an, aber die Wahrheit ist, dass sie dadurch nur eine bedeutende Kreditkrise schaffen werden, unter der die ganze Welt leiden wird:

„Die Renditen für chinesische Staatsanleihen sind auf die höchsten Niveaus seit fast neun Jahren geschossen, während Peking unermüdlich versucht, die geldpolitischen Schleusentore der zweitgrößten Wirtschaft der Welt wieder ein wenig zu schließen.

Die höheren Renditen bei den Staatsschulden haben die Kreditkosten in die Höhe getrieben, wodurch die Unternehmen und die staatlichen Behörden bei ihren Versuchen, sich am Anleihemarkt zu finanzieren, nun vor neuen Herausforderungen stehen. Verschiedene chinesische Entwicklungsbanken, deren Aufgabe es ist, das Wachstum mittels bestimmter Investments anzuregen, mussten ihre Kreditaufnahmepläne verschieben oder Anleiheverkäufe aufschieben.“

Das könnte am Ende zu einer viel größeren Geschichte werden als die Frage, ob die US-Notenbank nun geldpolitische Straffungsmaßnahmen einleitet oder nicht.

Seit der letzten Finanzkrise sind die Chinesen die größte Quelle für frische Liquidität gewesen, und jetzt scheint es so, als würde diese Quelle schwächer werden.

Aber was hat das für den Rest der Welt zu bedeuten, wenn sich die Menge des aus China strömenden Fluchtkapitals abschwächt?

Und wenn man hier noch bedenkt, dass China gerade erst verkündet hat, dass es seine Aufkäufe von US-Dollars aussetzen wird, wird klar, dass wir in der Finanzwelt nun einen entscheidenden Umkehrpunkt erreicht haben. Es zeichnet sich ab, dass 2014 ein sehr interessantes Jahr werden dürfte, und niemand ist sich wirklich sicher, was als nächstes passieren wird.

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