Was Sie über Marktmanipulationen wissen sollten

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 26.11.2013

Ich bekomme eine Menge Fragen, wo es darum geht, in welchem Umfang „der Club“ die Märkte manipulieren kann. Ironischerweise ist es so: Umso offener ein Markt ist und umso mehr Futures es gibt, desto geringer ist ihre Fähigkeit, den Markt (auch nur über kurze Zeiträume) zu manipulieren.

Verhindert oder begrenzt man das Trading, treibt man den Markt in eine Ecke, wo er sich kontrollieren lässt. Es wird aber immer unterschwellige Einflüsse geben, die die Marktmanipulationen zu 100% vereiteln, so wie es bei Diamanten der Fall ist. Umso kleiner der Markt, desto wahrscheinlicher ist es, dass er kontrolliert werden kann.

Schauen wir nur auf die Krise von 2008 bis 2009. Die Aktien der Finanzhäuser Bear Stearns und Lehman Brothers zu shorten, war in Ordnung. Doch sobald die Abverkäufe auf Goldman Sachs übersprangen, verbot ihr Handlanger Hank Paulson in seiner damaligen Funktion als US-Finanzminister Leerverkäufe von Finanzaktien. Er setzte den freien Markt außer Kraft, um Goldman Sachs zu retten.

Wenn wir auf die Weltwirtschaft blicken, zeigt das Economic Confidence Model (ECM), dass die Weltwirtschaft auf systemischer Basis nicht permanent manipuliert werden kann. Sicher, man kann eine Revolution haben und die freien Märkte komplett dichtmachen, so wie es beim Kommunismus der Fall war – aber selbst das erwies sich als Reinfall, ganz gleich, über wie viele Panzer sie verfügten.

Das ECM beinhaltet alles, auch Wetter- und Naturereignisse, die von Vulkanausbrüchen bis hin zu Erdbeben reichen. Es war das Erdbeben in San Francisco von 1906, das innerhalb der USA eine Kapitalbewegung in Gang setzte und dafür sorgte, dass die Gelder von der Westküste in Richtung Ostküste strömten, was zu einer Geldverknappung und der Panik von 1907 führte. Andere Finanzpaniken waren hingegen globaler Natur wie die Große Depression in den 1930er Jahren. Erdbeben haben Japan immer wieder beeinflusst, was wir jüngst erst wieder bei der Atomkatastrophe sehen konnten.

Die vom Club durchgeführten Marktmanipulationen sind zahlreich und erstrecken sich über viele weltweite Märkte. Sie reichen von Asien bis nach Europa. Aber das sind Geschäfte, bei denen sie schnell in den Markt hineingehen und schnell wieder herausgehen. Es gibt keinen systemischen Plan, einen bestimmten Markt unten zu halten. Es geht nur um das schnelle Geld für ihre Quartalszahlungen und Quartalsboni. Glauben Sie ernstlich, dass diese Leute an etwas arbeiten, wo sie 25 Jahre lang warten müssen, um davon zu profitieren?

In den 70er Jahren erhöhte Volcker die Zinssätze und nahm den Goldpreis als Leitindikator, da er irrigerweise der Meinung war, dass Gold mit der Inflation in Zusammenhang steht. Dem war aber nicht so. Die Gold-Rally ging in Wirklichkeit auf Währungsinflation zurück – also auf einen Rückgang des Werts einer Währung, der dafür sorgt, dass ein ganzer Sektor im Preis steigt.

Im Gegensatz dazu ist die nachfragegetriebene Inflation isoliert. Wenn beispielsweise die Orangenernte in Florida durch einen Sturm vernichtet wird, wird dadurch eine Angebotsverknappung bei Orangen geschaffen, während Äpfel davon nicht betroffen sind. Steigt hingegen das gesamte Spektrum, handelt es sich typischerweise und eine Währungsinflation, nicht um eine nachfragegetriebene Inflation.

Die Markt-Manipulanten sind darauf aus, Profite zu machen, und was sie dabei im Sinn haben, ist der garantiert sichere Trade, weil es erbärmliche Feiglinge sind, die Geld mehr anbeten als alles andere und es sogar höher wertschätzen, als ihre eigene Reputation. Risiko ertragen sie nicht. Und ihre Trades sind immer und ausnahmslos nach hinten losgegangen, woraufhin sie dann zur Regierung gerannt sind, um sich retten zu lassen. Sie haben keinen Stolz.

Die Long-Term Capital Management (LTCM) Krise des Jahres 1998 fand statt, weil alle Schmiergelder der Welt – die von den Bankern gezahlt wurden – nicht verhindern konnten, dass Russland kollabierte. Die US-Notenbank rettete LTCM. LTCM war ein Hedge-Fonds ohne irgendwelche Befugnisse. Warum wurde er gerettet? Weil er sich in Wahrheit im Besitz der Banken befand und man die Banken schützen und außen vor lassen wollte.

Der Club versuchte verzweifelt, mich dazu zu bringen, mit ihnen bei ihrer Russland-Manipulation gemeinsame Sache zu machen. Sie glaubten, dass sie mich als Lockvogel auf ihrer Seite hätten, wenn ich sagen würde, dass der Markt steigt. Als Russland dann zusammenbrach, gaben sie mir wieder einmal die Schuld für ihr mieses Trading – wenn man es überhaupt Trading nennen kann. Schmiergelder zu zahlen, hat nichts mit Trading zu tun. Da wird einfach mit gezinkten Karten gespielt.

Wenn sie mit gezinkten Karten spielen, interessiert sie der Markttrend überhaupt nicht, und das ist auch der Grund dafür, warum sie jedes einzelne Mal verlieren. Das ist genauso wie bei den Gold-Promotern, die auch immer nur „Kaufen“ sagen. Wären die Banken solch großartige Trader, bräuchten sie keine Rettungspakete. Die Tatsache, dass ihre Trades jedes Mal nach hinten losgehen, zeigt, dass die Märkte nicht systemisch manipuliert werden können – sie können nur in Einklang mit dem Trend manipulieren.

Und es gibt auch keine großen Trades, die dem Management einer Bank nicht bekannt sind. Wild gewordene Trader dienen nur als Sündenböcke – das Management weiß genau Bescheid. Bear Stearns weigerte sich, bei der LTCM-Rettung mitzumachen, daher standen sie bei dem Debakel des Jahres 2007 auch auf der Abschussliste, weil sie nicht mitspielten.

Wenn wir die staatliche Kreditaufnahme stoppen, die Besteuerung auf Bundesebene beenden, das globale Geldsystem einer Revision unterziehen und den Eigengeschäften der Banken, wo sie mit dem Geld anderer Leute handeln, ein Ende bereiten, können wir die Volatilität verringern und unsere Zukunft vielleicht retten. Gott sei Dank, dass ich sterblich bin. Ich habe mit Sicherheit keine Lust in den Nachwehen einer Welt zu leben, die von diesen Typen ein für allemal in die Luft gejagt wurde. Sie spielen mit wirtschaftlichen Massenvernichtungswaffen.

Bullen- & Bärenmärkte: Die besten Trades sind immer emotional

Frage: „Sie sagten, dass Ihre besten Trades immer die gewesen sind, wo Sie sich gefragt haben, was verdammt noch mal Sie gerade getan haben. Ich habe auch festgestellt, dass ich bei meinen besten Trades immer eine Riesenangst hatte, kurz nachdem ich sie getätigt hatte. Was halten Sie davon? […]“

 

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Antwort: Es scheint, dass es für eine große Trendwende notwendig ist, dass der Markt bis zu seinem absoluten Extrem getrieben wird. Genauso wie die Goldbugs überzeugt davon sind, dass es eine gigantische allmächtige Gruppe gibt, die ihren Märkte drückt, entwickelte sich dieselbe Markttheorie auch bei jedem anderen Markt-Crash.

Irgendjemand rief Herbert Hoover 1929 an und sagte, dass der Crash auf eine Verschwörung zurückgehen würde mit dem Ziel, die Republikaner zu ruinieren. Hoover startete daraufhin eine vollumfängliche Untersuchung, aus der die US-Börsenaufsicht SEC hervorging. Nie hat irgendeine Untersuchung festgestellt, dass es auf dem Höhepunkt eines erschöpften Marktes derartige Short-Positionen gibt.

Alle sind long. Sie werden müde und dann finden sich keine Käufer mehr. Dann muss man ihnen nur noch einen Schrecken einjagen und sie werden zum größten Pool von Verkäufern, den man sich vorstellen kann. Der Markt bricht dann zusammen, weil es keine Gebote mehr gibt! Das Ganze verwandelt sich in eine Abverkaufspanik.

Ein älterer Herr bestach einmal das Hotel, wo wir ein Seminar für institutionelle Anleger abhielten. Er entschuldigte sich dafür, dass er einfach ins Seminar hineingeplatzt war. Er sagte, dass er nur kurz mit mir sprechen wolle. Er hatte USD 50 Millionen in den Nikkei investiert, und zwar exakt an dem Tag, als der Index sein Hoch ausbildete. Der Markt brach in den drei darauffolgenden Monaten massiv ein. Er erklärte mir, dass dies das erste Mal gewesen sei, dass er überhaupt in Aktien investiert hatte. Jetzt war meine Neugier geweckt.

Ich fragte ihn, warum er an diesem Tag gekauft hatte. Er sagte, die Broker hätten ihn jedes Jahr angerufen und ihm erklärt, dass der Nikkei im Januar immer 5% zulegen würde. Das schaute er sich über sieben Jahre lang an und dann kaufte er auf dem Hoch, nur um die schnellen 5% zu machen. Der Index fiel um 50%.

Wenn Leute wie er in die Märkte gelockt werden, haben wir den allerletzten Käufer. Dem Markt geht die Energie aus und der bricht zusammen. Das ist so, als würde man seinen Arm in die Luft strecken. Das ist leicht. So, und nun halten Sie den Arm dort. Er wird so schwer werden, dass Sie ihn nicht mehr oben halten können. Ihnen geht die Energie aus, und die Märkte funktionieren auf dieselbe Art und Weise. […]

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