Gold am Scheideweg: Bullisch oder bärisch?

David Tablish, Rambus1.com, 09.01.2014

Um hier bei Rambus Chartology weiter am Thema dranzubleiben, werden wir uns im Folgenden das komplexe Schachspiel am Edelmetallmarkt anschauen. Ich möchte Ihnen heute einige bullische wie auch bärische Goldpreischarts zeigen.

Die Edelmetallbranche befindet sich gegenwärtig an einem Scheideweg, wo der Markt in jede der beiden Richtungen ausschlagen kann, um eine Art von kurz- bis mittelfristiger Kursbewegung hervorzubringen.

Viele dieser Charts sind Ihnen bereits bekannt. Beginnen wir mit den bärischen Charts für Gold, und davon gibt es einige, die wir uns anschauen werden. Doch bevor wir damit beginnen, möchte ich noch einmal klarstellen, dass ich mich immer noch im Lager der Bären befinde, aber es könnte, wie Sie gleich sehen werden, auch zu einer kurz- bis mittelfristigen Rally kommen, die in dieses Szenario passen und am Gesamtbild nichts ändern würde.

Die Fächerlinien von Gold: Wie Sie sehen, notiert Gold zurzeit über Fächerlinie Nr. 4 und unter der dicken gestrichelten schwarzen Stützungs-, Widerstands- oder Nackenlinie. Der Goldpreis bewegt sich aktuell in Richtung des Scheitelpunkts der beiden Linien, wobei die Fächerlinie Nr. 4 bei USD 1.220 pro Unze und die dicke schwarz gestrichelte Stützungs- und Widerstandslinie im Bereich von USD 1.250 pro Unze verläuft. Beide Trendlinien sind jetzt nur noch USD 30 voneinander entfernt. Heftige Kursbewegungen innerhalb dieser beiden Linien sind denkbar, bis eine der beiden Seiten gewinnt.

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Die Langzeit-Fächerlinien von Gold: Im Folgenden sehen Sie die langfristigen Fächerlinien von Gold, die beim Crash-Tief von 2008 beginnen. Wie Sie sehen, wird die unterste dieser Fächerlinien aktuell von unten getestet:

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Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation: Der nächste Chart zeigt ein Schulter-Kopf-Schulter-Konsolidierungsmuster, dem wir bereits seit November folgen, bevor der Goldpreis die Nackenlinie durchbrach. Wie zu sehen ist, gab es bisher bereits einen vollständigen Test dieser Linie, während gerade ein erneuter Backtest versucht wird, der im Bereich von USD 1.200 pro Unze liegt.

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Im nächsten Bild sehen Sie denselben Goldpreischart, nur dass ich dieses Mal einen Linienchart genommen habe, der über dem kleinen Höcker zwischen dem Doppeltief bei USD 1.220 pro Unze (gestrichelte Linie) eine kleine positive Kursbewegung zeigt. Das ist noch nicht sonderlich viel, aber sollte Gold über die Nackenlinie und den gleitenden 50-Tagesschnitt klettern, wäre es eine große Sache. Zumindest ist es schon mal ein Anfang.

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Diamant-Konsolidierungsmuster: Nachfolgend sehen Sie den großen blauen Diamanten, der sich aus einem kleinen Dreieck auf der linken Seite und dem Schulter-Kopf-Schulter-Muster auf der rechten Seite des Diamanten zusammensetzt. Der gleitende 150-Tagesschnitt, bei dem es sich um einen sehr wichtigen Durchschnitt handelt, kommt bei USD 1.300 pro Unze ins Spiel.

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Schauen wir uns nun einige bullische Goldpreischarts an und beginnen wir mit einem 1-Jahreschart auf Tagesbasis, der das jetzige Doppeltief gemeinsam mit dem Doppeltief vom Juni zeigt. Wie Sie sehen können, wurde die direkt über dem Juni-Tief horizontal verlaufende gestrichelte Linie viele Male getestet, bevor Gold dann letztlich nach oben hin ausbrach. Heute ist der 6. Tag, an dem Gold über USD 1.215 pro Unze notiert, also über dem Höcker des aktuellen Tiefs. Und wie Sie sehen können, kommt nun auch der gleitende 50-Tagesschnitt im Bereich von USD 1.250 pro Unze ins Spiel.

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Ein längerfristiger Blick auf den Tageschart zeigt, wie wichtig dieses potentielle Doppeltief für eine Zwischenrally an die obere Linie der möglichen Handelsspanne (USD 1.425 pro Unze) ist. Das wäre der dritte Umkehrpunkt innerhalb dieses Seitwärtskanals. Der vierte Umkehrpunkt würde dann irgendwo weiter oben verlaufen. Der Goldpreis muss ja nicht direkt in den Bereich von USD 1.425 pro Unze vordringen. Gold könnte auch ein niedrigeres Hoch ausbilden und dann im Laufe der Zeit ein absteigendes Dreieck ausbilden.

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Im folgenden Wochenchart sehen Sie noch einmal die mögliche Handelsspanne für Gold zwischen USD 1.180 und USD 1.425 pro Unze. Das blaue Rechteck mit seinen 6 Umkehrpunkten, war das erste Konsolidierungsmuster im Verlauf des aktuellen Bullenmarkts.

Wir wissen ja, dass es keine Regel gibt, die besagt, dass unsere aktuelle Handelsspanne nicht auch 6 Umkehrpunkte haben könnte. Genauso gut könnte es 5 Umkehrpunkte geben – mit einer Rally an die obere Linie der Handelsspanne bei USD 1.425 pro Unze, einem abermaligen Rückgang zur unteren Linie bei USD 1.180 und einem daraufhin einsetzenden Ausbruch nach oben. Wir hätten es dann mit einem nach oben hin ausbrechenden Seitwärtskanal mit 5 Umkehrpunkten zu tun, sollte es dem Goldpreis gelingen, durch die obere Linie bei USD 1.425 pro Unze auszubrechen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das natürlich reine Spekulation, aber zumindest wäre es in einem bullischen Szenario denkbar.

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Der nächste Goldpreischart ist ein sehr langfristiger Blick auf die parabolische Rally. Ich habe die mögliche Handelspanne, die Sie auch schon auf dem oben stehenden Chart gesehen haben, rot markiert. Es sieht so aus, als wäre jetzt – auf der Hälfte des Weges nach unten – ein guter Zeitpunkt für ein Konsolidierungsmuster.

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In der nächsten Grafik sehen Sie oben den Goldpreis und unten den Silberpreis. Es scheint, als würden die Rallys stärker und schneller verlaufen als die Rückgänge. Auf dem Chart sind auch die unteren roten Trendlinien zu sehen, die die letzten 6 Monate gehalten haben.

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Den letzten Chart hatte ich bisher noch nicht gezeigt. Er veranschaulicht einen 2-Monats-Zyklus, der in jüngster Zeit recht gut funktioniert hat. Sollte sich dieser 2-Monats-Zyklus noch einmal wiederholen, dürften wir jetzt ein Tief und eine daraufhin einsetzende Rally sehen, die bis Ende Februar/Anfang März anhält. Gewöhnlich ist es aber so, dass, fängt man an, sich auf zeitliche Zyklen zu verlassen, diese nicht funktionieren. Wir werden ja sehen, wie lange es hält.

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So, damit sollten Sie nun eigentlich auf dem aktuellen Stand sein, womit wir bei Gold an diesem sehr wichtigen Scheideweg rechnen können. Bekommen wir nun eine handelbare Rally, oder geht der Crash einfach weiter? Schachmatt? Die Dinge fangen jetzt an, richtig interessant zu werden.

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