Vermögenstransfer: Physisches Gold wandert nach Asien ab

David Chapman, MGI Securities, 16.01.2014

Nick Laird’s „Gold Charts ´R` Us“ dürfte wohl die weltbeste Quelle für Goldcharts sein. Auf Sharelynx.com gibt es buchstäblich tausende von Seiten mit zigtausenden Goldcharts, Silbercharts, Charts zu Edelmetallminenaktien und anderen Dingen. Ich vermute, dass ich bisher nur einen kleinen Teil dieses Schatzes gesehen habe. Für die Abonnenten seiner Internetseite – der Zugang ist kostenpflichtig – ist Nick ein wahrer Glücksfall. Gibt es einen Chart einmal nicht, findet Nick die Daten und erstellt ihn einfach.

Manchmal ist es das Beste, einfach durch seine Charts zu surfen und zu schauen, was interessant ist. Dabei stieß ich auf eine Reihe von Charts, wo die Goldreserven der westlichen Zentralbanken (Großbritannien, USA, Japan, Europa, Kanada, Australien, Neuseeland, Mexiko, Zentral- und Südamerika und Afrika) mit den Goldreserven der östlichen Zentralbanken (Fernost, Vorderasien und Indien) verglichen werden. Darüber hinaus liefern die Charts auch Informationen zu der Angebots- und Nachfragesituation im Osten und im Westen.

Die Grafiken sind sehr aufschlussreich, da sie eine von vielen Marktbeobachtern vertretene Auffassung stützen: Obwohl Gold seit seinem Preishoch von September 2011 um USD 700 pro Unze gefallen ist, wandert das gelbe Metall mit ziemlich hoher Geschwindigkeit aus dem Westen in Richtung Osten ab.

Vor einiger Zeit erklärten chinesische Regierungsvertreter, dass sie ihre Währung, den Yuan, gerne mit Gold decken würden. Letztlich wollen die Chinesen mindestens so viel Gold halten wie die USA, ja sie wollen sogar beim Pro-Kopf-Goldbestand zu den USA aufschließen. Einige chinesische Regierungsvertreter haben erklärt, dass Goldbestände zur Währungsdeckung für Chinas wirtschaftliche Sicherheit von essentieller Bedeutung seien.

So gesehen ist es also keine allzu große Überraschung, dass die Nachfrage nach physischem Gold – speziell seitens der Chinesen – während des Preisrückgangs substantiell gestiegen ist. Die chinesische Goldnachfrage und die Goldeinfuhren haben die Goldabflüsse des börsennotierten Goldfonds SPDR Gold Shares (GLD-NYSE) in 2013 mehr als wettmachen können. Der GLD verzeichnete 2013 Goldabflüsse von geschätzten 800 Tonnen. Auf der anderen Seite beliefen sich die chinesischen Goldimporte 2013 auf ein Rekordniveau von 1.000 Tonnen, womit China nun sogar Indien als weltgrößten Goldkonsumenten überflügelt hat.

Was einer Person im Westen ihr Sparbuch ist, dass ist dem Asiaten sein Gold. Die USA wollen, dass der US-Dollar auch in Zukunft die Weltreservewährung bleibt, während China den Yuan gegenwärtig darauf vorbereitet, eine potentielle Weltreservewährung zu werden. Der Osten und der Westen haben unterschiedliche Auffassungen zu Gold, und das erklärt auch, warum die Goldnachfrage in Asien so starke Anstiege zu verzeichnen hat, während der Westen Gold zu meiden scheint.

Meidet der Westen Gold? Obwohl es 2013 einen riesigen Einbruch bei den Goldbeständen des GLD gab, kam es bei amerikanischen Gold Eagles und Silver Eagles zu einer Rekordnachfrage. Und auch kanadische Gold Maples und Silver Maples hatten eine Rekordnachfrage zu verzeichnen. Bei der britischen und der australische Prägeanstalt lag die Nachfrage ebenfalls auf mehrjährigen Hochs.

Die registrierten, zur Auslieferung bereitstehenden Goldbestände der Rohstoffbörse COMEX sind auf Rekordtiefs gesunken, während das Volumen an der Schanghaier Goldbörse 2013 um 61% stieg. Der physische Goldmarkt in London hatte mit einer vorübergehenden Verknappung bei den 400-Unzen Goldbarren zu kämpfen, was dazu beitrug, dass die Aufgelder für die Auslieferung dieser 400-Unzen Barren stiegen. Die Aufgelder für Gold- und Silber-Anlagemünzen waren so hoch wie seit Jahren nicht mehr.

Die nachfolgenden Grafiken scheinen nur bis zum Jahr 2012 zu gehen. Nichtsdestotrotz sind die Trends nach wie vor in Kraft, und wären die Zahlen von 2013 mit eingeflossen, würde das Pendel noch stärker zu Gunsten Asiens ausschlagen.

Die erste Grafik zeigt den langanhaltenden Rückgang der Goldreserven der westlichen Zentralbanken, speziell während der 1990er Jahre. In den letzten paar Jahren kam zu einem leichten Anstieg der Goldbestände der westlichen Zentralbanken. Die östlichen Zentralbanken stocken ihre Goldreserven schon seit vielen Jahren auf, aber es scheint, als hätte sich dieser Trend in den letzten paar Jahren noch weiter beschleunigt. Die Zentralbanken treten seit 2009 als Nettogoldkäufer auf, und das heißt, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt Nettogoldlieferanten waren, die das Angebot erhöhten.

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Die Investmentnachfrage nach Gold ist in den letzten Jahren explodiert, speziell die Investmentnachfrage aus Asien. Das hat dazu beigetragen, den Nachfragerückgang im Westen auszugleichen. Die steigende Nachfrage im Osten hat die zurückgehende Nachfrage im Westen mehr als wettmachen können. Die sinkende westliche Goldnachfrage geht zu weiten Teilen auf die Goldabflüsse des größten börsennotierten Goldfonds (GLD) zurück.

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Nach Jahren zurückgehender Goldproduktion im Westen und stagnierender Produktion im Osten steigt die Produktion nun wieder. In Asien war diese Trendwende jedoch früher zu beobachten und viel überdies stärker aus. China ist jetzt der weltgrößte Goldproduzent und hat Südafrika und die USA hinter sich gelassen. Das in China produzierte Gold wird nicht exportiert, sondern von China vollständig selbst verbraucht. Die chinesische Goldproduktion wird für 2013 mit 430 Tonnen veranschlagt.

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Einige bezeichnen diese Abwanderung des Goldes aus dem Westen in Richtung Osten als eine der größten Vermögenstransfers der Geschichte. Das lässt sich mit Sicherheit erst im Rückblick sagen und erst nachdem der Goldpreis auf höheren Niveaus notiert als dem jetzigen. Nichtsdestotrotz scheint diese Abwanderung des Goldes vom Westen nach Asien ein etablierter Trend zu sein, der sich sogar noch weiter intensivieren könnte.

Die entscheidende Frage ist, wer richtig liegt: Der Westen mit seiner Auffassung, dass Gold ein barbarisches Relikt ist und keinen Platz in Investmentportfolien hat, oder der Osten, wo man der Meinung ist, dass das Halten von Gold mit einem Sparbuch gleichgesetzt werden kann? Die Zeit wird zeigen, wer am Ende Recht behalten wird.

Gold kann auf eine lange Geschichte als Versicherung zurückblicken. Gerade in Phasen finanzieller Spannungen konnte das gelbe Metall seinen Wert bewahren. Der Westen ist zurzeit der Meinung, dass die Wirtschaft wächst und das Halten von Gold daher nicht mehr so wichtig ist. Asien scheint hingegen anderer Meinung zu sein, und das obwohl sich ihre Wirtschaften besser entwickeln als die des Westens.

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