USD 23 Billionen: Wird die chinesische Kreditblase das Weltfinanzsystem in den Abgrund reißen?

Michael Snyder, The Economic Collapse, 20.01.2014

Wussten Sie, dass weltweite Finanzinstitutionen derzeit davor warnen, dass es bei einem sehr beliebten, hochverzinsten chinesischen Investmentprodukt am 31.01.2014 zu einem „Mega-Zahlungsausfall“ kommen könnte?

Es wird gesagt, dass dies zu einem stufenweisen Zusammenbruch des chinesischen Schattenbankensystems führen könnte, in dessen Folge es wohlmöglich zu „schwindelerregend hohen Zinssätzen“ und einem „jähen Einbruch bei den Krediten“ kommt. Mit anderen Worten: Es könnte einen asiatischen „Lehman Brothers Moment“ geben.

Und da das weltweite Finanzsystem heute vernetzter ist als je zuvor, wären das natürlich auch für die Vereinigten Staaten sehr schlechte Neuigkeiten. Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers in 2008 ist das Niveau chinesischer Inlandskredite von USD 9 Billion auf atemberaubende USD 23 Billionen gestiegen. Wir sprechen hier also von einem Anstieg von USD 14 Billionen in gerade einmal fünf Jahren. Und ein bedeutender Teil dieser Kredite ist in US-amerikanische Aktien, Anleihen und Immobilien geflossen.

Also: Was glauben Sie, wird passieren, wenn diese Blase zusammenbricht?

Die Privatkreditblase, die in China seit der Lehman-Krise aufgebläht wurde, ist weltweit einzigartig. Nie zuvor sind in einer solch kurzen Zeit so viele Privatschulden angehäuft worden. All diese Schulden haben zu dem unglaublichen Wirtschaftswachstum Chinas beigetragen, doch nun begreifen einige chinesische Firmen gerade, dass sie sich damit massiv übernommen haben. So wird gegenwärtig prognostiziert, dass die chinesischen Unternehmen in diesem Jahr Zinszahlungen von rund USD 1 Billion zu leisten haben. Das ist mehr als das Doppelte von dem, was die US-Regierung 2014 an Zinsen zahlen muss.

In den letzten paar Jahren sind die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank, die japanische Notenbank und die Bank von England dafür kritisiert worden, dass sie viel zu viel Geld geschaffen haben. Die Wahrheit ist aber, dass das, was sich China abspielt, all diese geldpolitischen Maßnahmen zusammengenommen in den Schatten stellt. Hier finden Sie einen erstaunlichen Chart, der diesen Sachverhalt noch einmal veranschaulicht.

Die britische Zeitung Telegraph wies vor einiger Zeit darauf hin, dass die Chinesen „das gesamte US-Geschäftsbankensystem innerhalb von fünf Jahren dupliziert“ haben:

„Die Gesamtkredite sind seit der Lehman-Krise von USD 9 Billionen auf USD 23 Billionen geschossen. ´Sie haben das gesamte US-Geschäftsbankensystem innerhalb von fünf Jahren dupliziert`, sagte sie [Charlene Chu, leitende Direktorin von Fitch in Peking].

Das chinesische Kredit/BIP-Verhältnis ist von 75% auf 200% geschossen – in den USA war es ein Anstieg von 40% über einen Zeitraum von fünf Jahren, der zur Subprime-Blase führte, dasselbe gilt für den Anstieg in Japan, bevor 1990 die Nikkei-Blase platzte.

´Das geht weit über irgendetwas hinaus, das wir in einer solch großen Wirtschaft je zuvor gesehen haben. Wir wissen nicht, wie es ausgehen wird. Die nächsten sechs Monate werden von entscheidender Bedeutung sein.`“

Und auch hier verhält es sich so, wie mit allen anderen Dingen in der Finanzwelt auch: Was steigt, kommt auch wieder herunter.

Und gegenwärtig sieht es so aus, als würde der 31.01.2013 zu einem wichtigen Tag für das chinesische Finanzsystem werden. Reuters meldete:

„Die Investmentfirma, die für das in Schwierigkeiten befindliche, hochverzinste Investmentprodukt verantwortlich ist, das von den größten Banken Chinas verkauft wurde, warnte die Anleger, dass sie unter Umständen nicht ausgezahlt werden, wenn das CNY 3 Milliarden (USD 496 Millionen) Produkt am 31.01. fällig wird, so Staatsmedien am Freitag.“

Sollte es am 31.01.2014 zu einem bedeutenden Zahlungsausfall kommen, könnte dies im gesamten chinesischen Finanzsystem für Erschütterungen sorgen. In einem kürzlich veröffentlichten Forbes-Artikel wird ausgeführt, warum dem so ist:

„Ein Zahlungsausfall eines solchen Investmentprodukts […] könnte das chinesische Bankensystem und die chinesische Wirtschaft insgesamt verheeren. Kurz gesagt: Seit Ende 2008 ist Chinas Wachstum auf ultralockere Kredite angewiesen gewesen. Diese Kredite flossen zunächst über die Staatsbanken wie die ICBC und die Construction Bank und dann über Finanzvehikel, die es den Staatsbanken erlaubten, den Kreditrisiken aus dem Weg zu gehen.

Jedwede Störung des Geldflusses von den Anlegern in Richtung zwielichtiger und riskanter Kreditnehmer mittels dieser Finanzvehikel würde China aufgrund schwindelerregend hoher Zinsen oder eines jähen Absturzes bei den Krediten … erschüttern. Das Ergebnis? Der beste Ausgang wären Jahrzehnte des Elends, so wie wir es auch in Japan sahen, als seine Blase Anfang der 1990er Jahre platze.“

Das grundlegende Problem ist die Tatsache, dass die Privatschulden und die Geldmenge in China viel zu schnell gewachsen sind. Laut Forbes ist die Geldmenge M2 im letzten Jahr um 13,6% gestiegen:

„Und zur selben Zeit wird Chinas Geld- und Kreditmenge nach wie vor weiter ausgeweitet. Im vergangenen Jahr ist die weithin beachtete Geldmenge M2 lediglich um 13,6% gestiegen, 2012 waren es 13,8%. Optimisten sagen, China würde seine Kreditsucht unter Kontrolle bekommen, aber das stimmt nicht. Fakt ist, dass die Kredite im vergangenen Jahr mindestens um 20% ausgeweitet wurden, da das Geld einfach in neue Kanäle fließt, die von den traditionellen Statistiken nicht erfasst werden.“

Die Geldmenge M2 ist in China seit 1999 um rund 1.000% gestiegen. Das ist absoluter Wahnsinn.

Und natürlich ist China nicht der einzige Ort auf dem Planeten, wo Hinweise auf Finanzprobleme zutage treten. Die Lage in Europa trübt sich zusehends ein, und nun haben wir gerade erst erfahren, dass Deutschlands größte Bank im vierten Quartal „überraschend“ einen Verlust verbuchen musste:

„Die Aktien der Deutschen Bank fielen am Montag, nachdem es im vierten Quartal überraschend zu Verlusten kam, die auf einen drastischen Rückgang beim Investmentbanking und enorme Gerichtsprozess- und Umstrukturierungskosten zurückgehen, was die Bank dazu veranlasste, vor einem herausfordernden Jahr 2014 zu warnen.

Deutschlands größte Bank sagte, dass die Einnahmen ihres wichtigen Geschäfts mit Anleihen und mit anderen festverzinslichen Wertpapieren sowie mit Devisen im vierten Quartal um 31% gefallen sind, was ein viel stärkerer Rückgang ist als bei den US-Rivalen, die ebenfalls unter einem schwachen Geschäft mit festverzinslichen Papieren zu leiden hatten.“

Sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen, dürften schon bald weitere Großbanken hinzukommen, die ebenfalls „Anleihe-Kopfschmerzen“ bekommen. Gegenwärtig ist die Stimmung im Hinblick auf US-Staatsanleihen so schlecht wie seit rund 20 Jahren nicht mehr. Die Anleger sind mehrheitlich der Auffassung, dass die Zinsen steigen werden.

Sollte sich das tatsächlich bewahrheiten, werden die Zinssätze in der gesamten Wirtschaft steigen. Wir werden dann die Anfänge einer bedeutenden Abschwächung bei der Wirtschaftsaktivität sehen, und es könnte sogar zu einem „Albtraum-Szenario“ kommen, über das ich schon viel geschrieben habe.

Aber ich bin nicht der Einzige, der darüber schreibt. Fakt ist, dass selbst das Weltwirtschaftsforum davor warnt:

„Die Fiskalkrise, die durch sich aufblähende Schuldenniveaus in den Industrienationen ausgelöst wurde, birgt für die Weltwirtschaft in 2014 die größten Risiken, so die Warnung in einem Bericht des Weltwirtschaftsforums.

Vor dem alljährlichen Weltwirtschaftsforum, das nächste Woche im schweizerischen Davos stattfindet, heißt es in der jährlichen Einschätzung weltweiter Gefahren, dass die hohen Schuldenniveaus in den Industrieländern – hierzu gehören auch Japan und Amerika – bei den Anlegern zu einer heftigen Gegenreaktion führen können.

Das würde zu einem ´Teufelskreis` aus sich stark aufblähenden Zinszahlungen, steigenden Schuldenbergen und Zweifeln bei den Anlegern führen, was die Zinsen immer weiter in die Höhe treiben würde.“

Also: Wird ein Zahlungsausfall in China am 31.01.2014 zum nächsten „Lehman Brother Moment“ werden oder wird es irgendetwas anderes sein?

Letztlich ist es völlig egal. Die Wahrheit ist, dass das, was sich im Weltfinanzsystem abgespielt hat, in keinster Weise tragfähig ist, und es ist unvermeidlich, dass das alles an irgendeinem Punkt in den nächsten paar Jahren zu einem entsetzlichen Crash führen wird. Das ist nur eine Frage der Zeit.

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