Jeff Clark, Casey Research, 10.02.2014

Als Goldanleger in Nordamerika fühle ich mich manchmal so, als würde ich in einem fernen Land leben, wo alle an Märchen und Einhörner glauben.

Die meisten Menschen um mich herum scheinen der Meinung zu sein, dass nichts verkehrt daran ist, dass die US-Notenbank USD 65 Milliarden pro Monat aus dem Nichts schafft – hey, es sind ja keine USD 85 Milliarden mehr, eine echte Verbesserung! Es ist völlig normal, dass die US-Regierung jedes Jahr viele Milliarden US-Dollars mehr ausgibt, als sie einnimmt – und dass die Staatsschulden innerhalb von gerade einmal zehn Jahren von USD 7 Billionen auf USD 17,2 Billionen gestiegen sind, scheint so besorgniserregend wie ein Regenbogen.

Da ist es dann natürlich auch nicht verwunderlich, dass diese Menschen gar nicht die Notwendigkeit sehen, Vermögenswerte zu besitzen, die ihnen in Krisenzeiten helfen. Harte Vermögenswerte … wie Gold.

Ich erinnere mich an eine Reise nach China, die schon einige Jahre her ist. Eines Nachts wachte ich mitten in der Nacht auf, weil irgendetwas unter meiner Bettdecke herumkrabbelte. Ich schoss hoch, sprang aus dem Bett und haute auf den Lichtschalter. Ich suchte und suchte nach dem Käfer, der den Weg unter meine Bettdecke gefunden hatte, konnte das Ungeziefer aber nicht entdecken. Trotzdem war ich immer noch so aufgeregt, dass ich den Rest der Nacht auf der Couch verbrachte.

Am nächsten Morgen erzählte ich den Angestellten im Hotel was passiert war – sie taten nichts. Sie starrten mich einfach an. Sie sprachen Englisch, es war also nicht so, dass sie mich nicht verstanden hatten. Es war nur so, dass es niemand von ihnen für eine große Sache zu halten schien. Einer von ihnen hatte sogar gekichert. Offensichtlich interessierten sie die möglichen Gesundheitsgefahren gar nicht und von Kundenservice hatten sie auch keine Ahnung. Ich zog verwirrt davon und fragte mich, wie Menschen Bettwanzen als etwas Normales erachten können – ja und selbst wenn, wie kann es ihnen egal sein, wie der Gast sich fühlt. Es war, als befände ich mich auf einem anderen Planeten.

Ähnliche Gefühle schwingen mit, wenn ich über die heutigen Mainstream-Investoren nachdenke. Wie kann es sein, dass sie sich der möglichen finanziellen Gefahren, die etwas so offenkundig Gefährlichem wie der aktuellen beispiellosen Gelddruckerei innewohnen, nicht bewusst sind? Wie kann es sein, dass sie nicht daran interessiert sind, etwas Solides wie Gold zu besitzen? Wie kann es sein, dass Gold nicht den Kern ihres Investmentportfolios ausmacht? Es ist so, als würden diese Menschen glauben, auf Planet Sesamstraße zu leben.

Ja, die meisten Menschen scheinen tatsächlich zu glauben, dass die derzeitigen massiven staatlichen Interventionen nicht nur der richtige Weg sind, sondern überdies auch noch überhaupt keine negativen Konsequenzen haben werden. Die massive Verwässerung der Währung, die unaufhaltsam steigende Schuldenflut und die niemals enden wollenden Haushaltsdefizite sind ja wohl kaum der Weg, wie man Jahrzehnte des geldpolitischen Missmanagements heilt, und schon gar nicht folgenlos. Warum ist das nicht für jedermann offensichtlich?

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Vielleicht sind sich die Menschen darüber auf irgendeiner Ebene doch im Klaren, können der entsetzlichen Wahrheit aber nichts ins Auge sehen, weshalb sie sie einfach ignorieren.

Sehr wenige meiner Freunde und Nachbarn besitzen überhaupt irgendwelches Gold. In den seltensten Fällen wird mir mal eine Frage zum Thema Gold gestellt, und das gilt selbst für diejenigen, die genau wissen, womit ich mein Geld verdiene. Bei meinem Arztbesuch letzten Monat gab mir der Doktor deutlich zu erkennen, dass ich mit meinem Geld nach seinem Dafürhalten Besseres anstellen könnte. Der überwiegende Teil der Massenmedien ignoriert Gold einfach, während viele Großbanken ihre jüngsten Shortpositionen bei Gold hinausposaunen, so als würden sie über irgendeine Art von göttlicher Einsicht verfügen.

Ja, ich fange an, mich wie ein Rufer in der Wüste zu fühlen …

Aber hey, wir sind nicht alleine!

So verblendet die meisten Amerikaner auch zu sein scheinen, das gilt nicht für alle Menschen auf dem Planeten. Nehmen wir beispielsweise die Japaner, sie agieren viel verantwortungsbewusster und nüchterner.

Ich frage mich, ob meine Mitbürger die Dinge anders sehen und entsprechend handeln würden, wenn sie in einem dieser Länder leben würden, wo man den ökonomischen Wahnsinn am eigenen Leibe miterleben kann:

  • Japan: Japan war im Dezember ein Netto-Goldimporteur. Die Netto-Goldkäufe beliefen sich auf insgesamt 1.885 Kilogramm (60.604 Unzen). Das war erst das zehnte Mal, dass Japan seit Ende 2005 als monatlicher Netto-Goldkäufer auftrat. Es gibt Meldungen, dass die japanischen Pensionsfonds – die die zweitgrößten Pensionsbestände der Welt halten – derzeit Gold kaufen.
  • Dubai: Die Goldschmuckhändler in Dubai haben gerade erst ihre größten Goldverkäufe der letzten sieben Jahre gemeldet. Pure Gold Jewelers – einer der größten Goldhändler des Landes – meldete einen 25%igen Anstieg seiner Goldverkäufe während des diesjährigen Dubaier Shopping Festivals.
  • Indien: Der indische Bundessstaat Gujarat meldete, dass die Silberimporte zwischen April 2013 und Januar 2014 auf ein 5-Jahreshoch geschossen sind. Die Importe lagen mehr als 450% über dem Vorjahreszeitraum. Die indische Regierung hat jetzt die Importzölle auf Silber auf 15% erhöht. Bei Silber müssen nun also dieselben Einfuhrzölle entrichtet werden wie bei Gold, weshalb die offiziellen Silberimporte im Januar entsprechend zurückgingen. Die Schmuggler werden in ihre geheimen Gepäckfächer, die sie für den Goldschmuggel nutzen, nun mit Sicherheit auch Silber mit hineinpacken.
  • Australien: Die Perth Mint sagte, dass die Gold- und Silberverkäufe 2013 um 41% bzw. 33% gestiegen sind und die Gold- und Silbernachfrage im Januar insgesamt um 10% bzw. 8% zulegen konnte.
  • Mexiko: Die mexikanischen Pensionsfonds investieren jetzt in Gold, nachdem die stringenten Anlagevorschriften gelockert worden sind. Das World Gold Council sagt, dass es mit zehn der einflussreichsten Pensionsfonds-Manager des Landes gesprochen hat – die über USD 160 Milliarden an Vermögenswerten verwalten – und sie gesagt hätten, dass man in 2013 damit begonnen habe, in Gold und Rohstoffe zu investieren.

Und die Zentralbanken traten im letzten Jahr auch wieder als Käufer auf. Einige haben ihre Goldkäufe auch schon gemeldet:

  • Die Türkei kaufte 150,4 Tonnen Gold (4,83 Millionen Unzen),
  • Vietnam kaufte 110 Tonnen Gold (3,53 Millionen Unzen),
  • Russland kaufte 57,3 Tonnen Gold (1,84 Millionen Unzen),
  • Kasachstan kaufte 24,16 Tonnen Gold (776.762 Unzen),
  • Aserbaidschan kaufte 16,02 Tonnen Gold (515.054 Unzen),
  • Sri Lanka kaufte 6,51 Tonnen Gold (209.301 Unzen),
  • Nepal kaufte 6,22 Tonnen Gold (199.977 Unzen),
  • die Ukraine kaufte 6,22 Tonnen Gold (199.977 Unzen),
  • Indonesien kaufte 4,04 Tonnen Gold (129.889 Unzen),
  • Venezuela kaufte 1,87 Tonnen Gold (60.121 Unzen).

Ja, und dann haben wir natürlich noch China

ChineseGoldImportsin2013ARecord1139Tonnes

Die Rekord-Importe des letzten Jahres sind ja eigentlich beeindruckend genug, aber die Geschwindigkeit, mit der diese Käufe erfolgten, ist absolut atemberaubend. 1.139 Tonnen Gold – das sind

  • mehr als die chinesischen Goldimporte der Jahre 2011 und 2012 zusammengenommen,
  • über 42% der weltweiten Goldminenproduktion des letzten Jahres,
  • ungefähr Doppelt so viel Gold, wie der größte börsennotierte Goldfonds der Welt (GLD) 2013 abverkauft hat.

Unterdessen in den USA

Die Nachfrage nach Goldmünzen ist 2013 um 24% gestiegen. In einigen Meldungen wurde darauf hingewiesen, dass die Verkäufe von Gold- und Silbermünzen im Januar im Jahresvergleich gesunken sind – aber Januar 2013 wurden ja auch die höchsten Monatsverkäufe aller Zeiten verzeichnet. Darüber hinaus waren die Verkäufe von Gold-Eagles und Gold-Buffalos mehr als doppelt so hoch wie im Dezember und so hoch wie seit April nicht mehr. Die Verkäufe von Silbermünzen waren im Januar fast vier Mal so hoch wie im Dezember.

So, und schon fühle ich mich wieder besser.

Falls Sie sich manchmal wie ein einsamer Wolf fühlen, der als einziger in den Edelmetallmarkt investiert, sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass die weltweite Nachfrage nach Gold und Silber unvermindert anhält. Wenn Sie in den USA leben, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass die Menschen in vielen anderen Ländern mehr positive Gold-Schlagzeilen lesen, mehr Freunde haben, die Gold besitzen, und einfach nur in die nächste Bank zu gehen brauchen, wenn sie Gold kaufen wollen.

Ich glaube nicht, dass die Menschen in diesen Ländern dumm sind. Welche Konsequenzen uns aufgrund der historischen weltweiten Währungsentwertung auch immer erwarten mögen, für Gold – so viel kann ich Ihnen versichern – wird es auf alle Fälle gut sein.