Goldbullenmarkt: Was kickt den Goldpreis in die Höhe?

Frank Holmes, U.S. Global Investors, 12.02.2014

Jetzt, wo die Olympischen Winterspiele in Sotschi im Gang sind, sitzen die Leute weltweit vorm Fernsehen und beobachten, wie sich die Wettkämpfer für ihre Lieblings-Wintersportarten warmmachen. Hierzu gehört natürlich auch Skilanglauf und Eishockey.

In Washington hat Ben Bernanke den Puck bereits offiziell zu Janet Yellen gepasst. Seit letzter Woche ist Janet Yellen die neue Vorsitzende der US-Notenbank.

Wenn der Puck die Fed-Bilanz wäre, würde das bedeuten, dass der Puck heute fünf Mal größer ist, als zu dem Zeitpunkt, wo Bernanke 2006 den Vorsitz der Federal Reserve übernahm. Am Anfang seiner Amtszeit belief sich die Fed-Bilanz auf USD 834,6 Milliarden. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist die Bilanz auf USD 4,1 Billionen angeschwollen, also auf ein Niveau, das einst noch als völlig undenkbar galt.

Bis 2013, dem Jahr, wo der mehrjährigen Goldbullenherrschaft ein Ende bereitet wurde, bewegten sich die Bilanz der US-Notenbank und der Goldpreis über ein Jahrzehnt hinweg praktisch gleichförmig. Von 1999 bis 2012 lag der Korrelationskoeffizient des steigenden Goldpreises und der anschwellenden Fed-Bilanz bei 0,95.

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Und trotz der geldpolitischen Straffungsmaßnahmen – also der Reduzierung der Anleihekäufe durch die Fed –, die Ende 2013 begannen, weist die Fed-Bilanz nach wie vor einen Aufwärtstrend auf und liegt mittlerweile bedeutend über dem Goldpreis. Das legt nahe, dass wir einen viel höheren Goldpreis sehen dürften.

Doch was wird Gold aus seiner Verlustserie herausreißen? Wird die Inflation, ein verzögerter Indikator, stärker ausfallen, als erwartet? In einem meiner Artikel von 2013 sagte ich, dass die Fed aufgrund der Arbeitsmarktdaten, der schwachen Erholung am Eigenheimmarkt und der durch staatliche Regulierungen verringerten Geldumlaufgeschwindigkeit keine andere Wahl haben wird, als Straffungsmaßnahmen einzuleiten und die Zinssätze sukzessive zu erhöhen, um die Wirtschaft weiterhin zu beleben.

Christopher Woods weist in seinem Newsletter „CLSA Greed & Fear“ auf die Frühindikatoren der US-Wirtschaft hin. So legt der Eigenheim-Verkaufsindex „ganz eindeutig eine sich abschwächende Dynamik“ nahe. Die in der Abwicklung befindlichen Eigenheimverkäufe sind nun bereits den siebten Monat in Folge rückläufig und „im Dezember gegenüber dem Vormonat um 8,7% auf das tiefste Niveau seit Oktober 2011 eingebrochen.“

Und auch bei der Hypothekennachfrage sind im letzten Quartal Rückgänge zu verzeichnen gewesen. Laut einer Umfrage unter den Banken meldeten 30% von ihnen eine schwächere Nachfrage nach Hypotheken, was „die schlimmsten Daten seit April 2011“ sind, so CLSA. Rund 46% der Banken rechnen mit einer schwächeren Nachfrage nach nicht-traditionellen Eigenheimhypotheken – das ist der schlechteste Wert seit Januar 2009.

Der ISM-Einkaufsmanagerindex weist ebenfalls rückläufige Auftragseingänge aus. Lagen die Auftragseingänge im Dezember noch bei 64,4 Punkten sind sie im Januar auf 51,2 Punkte zurückgegangen – das ist der größte Monatsrückgang seit Dezember 1980.

Und selbst wenn die Anleger den jüngsten enttäuschenden US-Arbeitsmarktbericht einfach beiseite gewischt haben, können wir uns ziemlich sicher sein, dass die neue Fed-Vorsitzende die Arbeitsmarktdaten genau auf dem Schirm hat.

Vielversprechend scheint zu sein, dass sich Gold nun aus seinem Tief herausgearbeitet hat, wie aus der nachfolgenden Grafik hervorgeht:

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