Sprott Asset Management: Gold wird in den kommenden Jahren auf USD 5.000 pro Unze steigen; Gold und Silber müssen physisch gehalten werden

Henry Bonner, Sprottgroup.com, 11.03.2014

Charles Oliver ist seit Januar 2008 für Sprott Asset Management tätigt. Bei seiner Arbeit als Portfolio-Manager für den Sprott Gold & Precious Minerals Fund konzentriert er sich auf Gold- und Silberinvestments.

Als ich im Sommer vergangenen Jahres das letzte Mal mit Charles Oliver sprach, sagte er, dass die Schwäche des Goldpreises vor dem Hintergrund der Gelddruckmaßnahmen der US-Notenbank beispiellos sei und ihn überrascht hätte. Im Folgenden finden Sie seine aktuelle Einschätzung der Lage am Goldmarkt:

Haben wir seit damals eine entscheidende Wegmarke hinter uns gelassen? Befindet sich Gold jetzt auf dem Weg nach oben?

„Während des Jahres 2013, als der Goldpreis fiel, ging ich davon aus, dass sich die Fundamentaldaten von Gold immer weiter verbessern würden. Während dieser Zeit kauften die Chinesen wie verrückt Gold und die US-Notenbank druckte mittels der quantitativen Lockerung eine weitere Billion US-Dollar. Ungeachtet dessen sorgten massive Goldverkäufe dafür, dass der Goldpreis fiel.  

Im Unterschied zu damals ist es heute so, dass die Verkäufer nun erschöpft sind und die physische Nachfrage wieder an Fahrt aufnimmt. Eine der Zahlen, auf die wir achten, ist die Menge an registrieren Goldbeständen an der [US-Rohstoffbörse] COMEX. Das ist die Menge an physischem Gold, die bereitsteht, wenn jemand um die physische Auslieferung bittet, anstatt um einen Bargeldausgleich.“

Der nachfolgende Chart von Bloomberg zeigt die Entwicklung der Goldbestände an der COMEX (in Millionen Unzen). Aus dem Chart geht hervor, dass die Bestände in den letzten 12 Monaten dramatisch um 30% gefallen sind.

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Bitte berücksichtigen Sie, dass es sich bei den im Chart aufgeführten Beständen um alle „qualifizierten“ COMEX-Goldreserven handelt, die von den Banken dann registriert werden können, um die physische Auslieferung von Future-Kontrakten abzuwickeln. Charles Oliver führt weiter aus:

„Es könnte sein, dass irgendjemand eines Tages versuchen wird, den Markt von der physischen Seite her zu knacken, indem er mehr Tonnen Gold zur Auslieferung einfordert, als geliefert werden können – wodurch der Preis nach oben getrieben wird.

Und aufgrund dieser Gefahr würde ich den Edelmetallanlegern nahelegen, weiterhin an namentlich genau zugewiesenen Produkten festzuhalten, also an Produkten, bei denen man eine Forderung auf eine bestimmte Menge an Edelmetall hält, das physisch in einem Tresor gelagert wird und nicht verliehen oder verpfändet wurde.“

Wir haben also einen Punkt erreicht, wo die physische Nachfrage den Goldpreis in die Höhe treiben wird?

„Die aus China kommende Nachfrage ist schwindelerregend. Die Goldimporte über Hongkong lagen letzten Herbst irgendwo im Bereich von 100 Tonnen pro Monat. Wenn wir davon ausgehen, dass dieser Trend weiter anhält, wird China in diesem Jahr 1.200 Tonnen Gold oder noch mehr importieren. Das ist fast die Hälfte der jährlichen weltweiten Goldminenproduktion von rund 2.600 Tonnen, während die Chinesen noch vor 5 Jahren praktisch gar nichts importiert haben. Ich glaube, dass ein bedeutender Teil der 800 Tonnen Gold, die von den börsennotierten Edelmetallfonds abverkauft wurden, sukzessive nach Asien ging.“

Oliver fügte hinzu, dass Gold und mit Gold in Zusammenhang stehende Aktien immer mehr wertorientierte Anleger angezogen haben:

„Ich habe festgestellt, dass es seitens der institutionellen Anleger in den USA Interesse gibt, was zum Teil darauf zurückgeht, dass die Bewertungen der Goldminenaktien so niedrig sind wie seit 25 Jahren nicht mehr. Laut meinen Daten schütteten die großen Minenunternehmen letzten Herbst Dividenden von bis zu 5% aus, während sie noch vor einem Jahrzehnt gewöhnlich eine Dividende von weniger als 1% ausschütteten, wenn sie überhaupt irgendetwas auszahlten. Seit Herbst sind die Dividenden aufgrund der steigenden Preise dieser Titel und der Kürzung der Dividenden durch die Unternehmen selbst wieder auf ein niedrigeres Niveau abgesunken.

Asiatische Organisationen haben bereits die letzten zehn Jahre ein Auge auf Goldminenunternehmen geworfen. Letztes Jahr haben wir miterlebt, wie die Chinesen einige Aufkäufe im australischen Markt durchführten, und sie sind nach wie vor an Goldminenfirmen in vielen unterschiedlichen Regionen interessiert. Und natürlich hat Sprott in Südkorea und China kürzlich ebenfalls zwei wichtige Partnerschaften mit großen Staatsfonds bzw. halbstaatlichen Fonds abgeschlossen.“

Könnte Gold kurzfristig im Preis fallen?

„Was einen erneuten Rückgang des Goldpreises anbelangt, sahen wir ja bereits eine Erholung, bei der Gold von der Marke von USD 1.180 pro Unze wieder nach oben geklettert ist. Ausgehend vom Goldpreishoch ist das ein 39%-Retracement-Rückgang – das ist aus technischer Sicht eine bedeutende Zahl. Eine weitere bedeutende Stützungslinie würde mit Sicherheit bei der Marke von USD 1.000 pro Unze verlaufen. Gold hat dieses Niveau vor dem Jahr 2008 mehrmals getestet und gab immer wieder nach. Ich glaube, dass das eine sehr starke Stützungsmarke für Gold wäre, sollte es abermals im Preis fallen.“

In welche Richtung wird sich Gold die nächsten paar Jahre bewegen?

„1980, als der Goldpreis bei USD 800 pro Unze sein Hoch ausbildete, brauchte man 1 Unze Gold, um damit den gesamten Dow Jones Index zu kaufen. Nach 1980 übernahmen dann die Finanzvermögenswerte die Führung und ließen die Realwerte hinter sich. 1999 benötigte man 44 Unzen Gold, um den Dow Jones zu kaufen. Zu jener Zeit lag der Goldpreis bei USD 250 pro Unze. Würde Gold wieder zu seiner Stärke zurückfinden, die es 1980 aufwies, könnten wir ohne weiteres ein 3:1-Verhältnis sehen – Gold läge dann angesichts des aktuellen Niveaus des Dow Jones bei USD 5.000 pro Unze. Und würde das Metall wieder zu dem 1:1-Niveau zurückkehren, läge der Goldpreis bei USD 15.000 pro Unze.

Letzten Endes gehe ich davon aus, dass der Goldpreis innerhalb der nächsten paar Jahre USD 5.000 pro Unze erreichen dürfte, und vielleicht wird er sogar noch viel stärker steigen. Die Haushaltsdefizite, die steigenden Schulden und die sich verschlimmernden demographischen Probleme werden nicht verschwinden. Und das Gelddrucken und die höhere Goldnachfrage werden auch nicht verschwinden.“

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