EU-Parlamentarier: Der europäische Traum bricht derzeit vollständig in sich zusammen; Euroskepsis nimmt weiter zu

Nigel Farage, UKIP.org, 12.03.2014
Rede des EU-Parlamentariers Nigel Farage (UKIP) vor dem EU-Parlament in Straßburg vom 12.03.2014

Selbst nach den Standards dieses Orts hier ist die heutige Atmosphäre drückend. Der große weltpolitische Führer Herr Barroso kommt vorbei und von 750 EU-Parlamentariern erscheinen 44, um ihm zuzuhören. Warum ist das so? Nun ja, mir ist etwas aufgefallen. Ich bin hier seit 15 Jahren – und in den letzten 5 Jahren hat sich etwas sehr Großes getan: Der europäische Traum bricht gegenwärtig in sich zusammen – er bricht vollständig in sich zusammen.

Es gibt einige Fanatiker hier in der ersten Sitzreihe und in Ihrer Kommission, die immer noch die Vereinigten Staaten von Europa wollen, aber die Meisten in den europäischen Mitgliedsländern wollen das nicht. Und die meisten der EU-Parlamentarier hier – ja sicher, sie wollen einen Job, ja, sie wollen wiedergewählt werden – aber der Enthusiasmus für dieses Projekt liegt gerade im Sterben. Warum?

Nun, Sie haben zwei große Fehler begangen. Der erste Fehler war natürlich, die Eurozone zu erweitern. Es wäre okay gewesen, wären es nur Deutschland und einige nordeuropäische Länder gewesen – doch die Mittelmeerländer in die Eurozone zu holen, ist eine Katastrophe gewesen.

Und der zweite Fehler war, den Menschen in Südeuropa und Osteuropa das Recht der Freizügigkeit einzuräumen. Sie wissen ja, dass nach Großbritannien – das im Hinblick auf Zuwanderung das offenste aller europäischen Länder gewesen ist und dessen Geschichte diesbezüglich Jahrhunderte zurückreicht, – gegenwärtig 4.000 Zuwanderer pro Woche kommen. Sie kommen aus der Europäischen Union nach Großbritannien und bleiben für ein Jahr oder länger.

Und das sind die zwei Realitäten, die den Menschen die Augen geöffnet haben – die EU funktioniert wirtschaftlich nicht und die unbegrenzte Zuwanderung verändert die Gesellschaft von Grund auf und auf eine Art, die die Menschen nicht wollen.

Und apropos Wirtschaft: Herr Barroso, Sie sprachen heute über die Möglichkeit einer industriellen Renaissance in Europa, was sich gut anhörte, und über eine Lockerung der stringenten Verordnungen – das war alles sehr ermutigend. Doch dann erklären Sie, dass wir weiter an unseren Erderwärmungs-CO2-Zielen festhalten müssen.

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Die Amerikaner haben sich auf Schiefergas spezialisiert und dadurch ihre Energiekosten reduziert. Die Chinesen fördern Kohle in Mengen, die wir uns gar nicht vorstellen können, und bauen weiterhin ihre zwei neuen Kohlekraftwerke pro Woche. Diese Politik des wirtschaftlichen Unilateralismus beim Klimawandel – das ist es, was Arbeitsplätze in Europa vernichtet, und die Wähler werden in 27 Tagen die Chance haben, ihr Urteil abzugeben. Ich vermute mal, dass das nächste Europäische Parlament wesentlich aufregender sein wird als das, was wir heute Morgen erlebt haben […]

[Verschiedene an Nigel Farage gerichtete Kommentare der irischen EU-Parlamentarierin Mairead McGuinness.]

Die Euroskepsis nimmt gegenwärtig in der gesamten Europäischen Union weiter zu – niemand, noch nicht einmal die Fanatiker, die an das Projekt glauben, würde das in Frage stellen. Die Euroskepsis kommt in allen möglichen Formen und Ausprägungen daher. Sie kommt von der Rechten, aus der Mitte und von der Linken. Und der Grund dafür ist natürlich […] dass in Wirklichkeit niemand jemals seine Zustimmung zu einer politischen Union Europas gegeben hat.

Die Franzosen haben, gefolgt von den Niederländern, die EU-Verfassung ganz klar abgelehnt. Und dann haben sie die EU-Verfassung in Vertrag von Lissabon umbenannt. Und es gab nur ein Land, das ein Referendum über den Vertrag abhielt, das war Irland, und die irische Bevölkerung hatte ihn abgelehnt.

Sie können mir also nicht erzählen, dass es von der Bevölkerung Unterstützung für die Vereinigten Staaten von Europa gäbe. Frau Reding mag vielleicht daran glauben, Herr Barroso mag vielleicht daran glauben, ein oder zwei in der ersten Sitzreihe mögen vielleicht daran glauben – aber die Völker Europas glauben nicht daran.

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