Pento: Kommendes Mega-Chaos wird den Finanz-Crash von 2008 in den Schatten stellen

Michael Pento, King World News, 05.04.2014

Die gesamte Weltwirtschaft klammert sich zurzeit verzweifelt an ein einziges, allesentscheidendes Phänomen: Wie lange können die Zentralbanken der Industrieländer die Zinssätze noch künstlich bei fast 0% halten?

Die extrem negative Marktreaktion auf Janet Yellens Kommentare während ihrer ersten Pressekonferenz war ein eindeutiger Hinweis darauf, wie anfällig der Aktienmarkt gegenüber steigenden Zinssätzen ist. Die Vorsitzende der US-Notenbank hatte die Anleger lediglich daran erinnert, dass der Leitzins von derzeit 0% wieder angehoben werden muss, womit man wahrscheinlich Mitte nächsten Jahres beginnen würde. Diese Erklärung war bereits ausreichend, um die großen Aktienindizes schneller ins Minus zu schicken, als man die Worte „Flash Trading“ aussprechen konnte.

Es kam dann zu der typischen Kakophonie der Wall-Street-Cheerleader, die die negativen Reaktionen am Aktienmarkt verwarfen, indem sie behaupteten, die Anleger hätten die neue Vorsitzende der US-Notenbank missverstanden bzw. der Neuling an der Spitze der Fed hätte sich einfach versprochen. Und noch wichtiger: Diese Blasen-Apologeten erklärten umgehend, dass, sollte die Fed tatsächlich die Zinsen erhöhen, dies lediglich ein Hinweis auf die wirtschaftliche Gesundung sei, eine Maßnahmen also, die die Aktienmärkte begrüßen sollten.

Die Wahrheit ist, dass es schon bald zu Zinsanstiegen kommen wird – ganz gleich, ob dies nun durch die US-Notenbank oder die Kräfte des freien Markts herbeigeführt wird. Und steigende Geldkosten sind nie ein gutes Zeichen für die Aktienmärkte oder die Wirtschaft. Das gilt erst recht heutzutage, da das Wirtschaftswachstum bzw. das Ausbleiben desselbigen nicht das entscheidende Thema ist, sondern es vielmehr um den Versuch geht, die massiven Zinsmanipulationen der US-Notenbank zu beenden.

Würde den umfassenden Staatsanleiheaufkäufen der US-Notenbank ein Ende bereitet, würde dies bei den Zinssätzen für einen unglaublichen Aufwärtsdruck sorgen. Und selbst wenn die Zinssätze nicht steigen würden, wären die Folgen für die Anleger verheerend.

Ich werde darauf gleich noch zurückkommen, doch lassen Sie uns zunächst einmal schauen, ob der Aktienmarkt tatsächlich von steigenden Zinssätzen profitieren würde, so wie es Wall Street den Anlegern händeringend einreden will.

Die Rendite für die 10-jährige spanische Staatsanleihe lag im Oktober 2010 bei rund 4%, während der spanische Leitindex, der IBEX 35, mit 10.900 Punkten gehandelt wurde. Der Zinssatz für die 10-jährige spanische Staatsanleihe schoss dann bis August 2012 auf 7,7%. Doch das geschah nicht etwa, weil die Europäische Zentralbank die Zinsen angehoben hatte, sondern weil der freie Markt davon ausging, dass spanische Staatsschulden in bedeutende Schwierigkeiten geraten waren. Der IBEX 35 fiel in weniger als 24 Monaten auf 7.040 Punkte.

In den Vereinigten Staaten war es dasselbe. Die Zinsen befanden sich während der 1970er und 1980er Jahre in einem säkularen Aufwärtstrend. Hier war es ein Inflationsausbruch, der zu den Zinsanstiegen führte. Im März 1971 lag der Zinssatz für 10-jährige Staatsanleihen bei 5,5%, während der Wert des S&P 500 bei 100 lag. Bis Januar 1982 war der Zinssatz auf 14,8% geschossen, während der S&P 500 bei gerade einmal 115 lag. Während dieser elf Jahre hatte sich der Aktienmarkt also insgesamt gerade einmal um 15% verteuert – und das obwohl die Verbraucherpreisinflation während dieser Phase um 135% durch die Decke geschossen war! Das bedeutet, dass die Aktienanleger real über 50% ihrer Kaufkraft verloren hatten.

Um bei den USA zu bleiben: Die steigenden Zinssätze im Jahr 1987 verhießen dem Aktienmarkt ebenfalls nichts Gutes. Der Zinssatz für die 10-jährige US-Staatsanleihe lag im Januar 1987 bei 7,01% und sprang den Monat, bevor der Dow Jones am 19.10.1987 crashte, auf 10,23%.

Ja es ist richtig, dass es kurze Phasen gibt, wo Aktien zu Beginn der Zinsanstiege eine Rally hinlegen. Bedeutende und langanhaltende Zinsanstiege gehen jedoch auf steigende Inflationsraten und lähmende Schuldenniveaus zurück – und das ist für Aktienwerte oder das Wirtschaftswachstum niemals von Vorteil.

Was wird mit der überschuldeten US-Wirtschaft geschehen, wenn sich die Zinssätze wieder normalisieren?

Warum? Weil eine Wirtschaft geschaffen wurde, die seit 7 Jahren vollständig auf Schulden, Spekulationsblasen, Nullzinspolitik und quantitative Lockerungsmaßnahmen angewiesen ist.

Im Grunde wird die gesamte Wirtschaft zusammenbrechen. Vielleicht ist das der wahre Grund, warum die US-Notenbank die Arbeitslosenrate nun nicht mehr als Kennzahl nimmt, um mit den Zinserhöhungen zu beginnen. Um das hier noch einmal ganz klar herauszustreichen: Die US-Notenbank beendet die quantitativen Lockerungsmaßnahmen nicht, weil die Wirtschaft die von der Fed festgelegten Inflations- und Beschäftigungsziele erreicht hat, sondern weil sie die monströse Bilanz fürchtet, die sie mittlerweile geschaffen hat.

Aber was ist, wenn die Zinssätze nicht steigen, nachdem die Fed aus den quantitativen Lockerungsmaßnahmen ausgestiegen ist?

Sollten die Zinssätze nach dem QE-Ausstieg weiter auf diesen geringen Niveaus verharren, dann nur weil der Privatmarkt alle Fed-Aufkäufe zu diesen lächerlich niedrigen Zinssätzen vollständig kompensiert. Der einzige Grund, warum das passieren könnte, wären unglaublich mächtige deflationäre Kräfte, die entfesselt würden, nachdem die Fed die Stützung des Geldmengenwachstums ausgesetzt hat. Das würde bei den Aktien- und Immobilienpreisen zu einem Einbruch führen und die Wirtschaft gleich mit nach unten reißen.

Egal welchen Ausgang das Ganze nehmen wird – für die Anleger wird es auf alle Fälle schockierend sein. Die Marktteilnehmer sollten sich jetzt auf den Reinfall beim QE-Ausstieg vorbereiten. Es ist davon auszugehen, dass wir eine beispiellose Volatilität sehen werden – einen Kampf zwischen inflationären und deflationären Kräften, der schlimmer ausfallen wird als das Chaos, das wir während der Kreditkrise sahen.

Und dank der beispiellosen, nicht tragfähigen Menge an ausstehenden Schulden, müssen sich die Zentralbanken nun entscheiden: Entweder beenden sie das Gelddrucken und lassen es zu, dass ein verheerender deflationärer Zyklus die Spekulationsblasen, die es zurzeit am Aktien- und Immobilienmarkt gibt, zum Platzen bringt, oder sie weiten die Geldmenge weiter aus, bis die Hyperinflation die Mittelschicht und die Wirtschaft auslöscht.

Das ist auch der Grund, warum wir mit unserem Investmentausblick weiterhin sehr vorsichtig sind. Der S&P 500 Index liegt seit Jahresbeginn gerade einmal 2% im Plus, und wir haben bereits April. Diese magere Rendite ist das Risiko, voll in diesem Bereich investiert zu sein, nicht wert. Vielmehr gehe ich davon aus, dass die Anleger, die hier allein auf steigende Kurse setzen, in eine Falle tappen werden.

Eine schwache Weltwirtschaft, eine Rekordmenge an Margin Debt und die Reduzierung der Wertpapieraufkäufe durch die US-Notenbank werden schon bald zu einem drastischen Abverkauf am Aktienmarkt führen – das dürfte bis zum Sommeranfang geschehen. Wir werden das dann als Möglichkeit nutzen, zu bedeutend niedrigeren Preisen wieder in den Markt einzusteigen.

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