Schuldendebakel: Eine bankrotte Welt, Vermögensvernichtung & ein explodierender Goldpreis

King World News, 21.04.2014

Heute sprach der seit 42 Jahren im Markt aktive Egon von Greyerz mit King World News über eine bankrotte Welt, einen Goldpreis von USD 26.000 pro Unze und die bevorstehende Vermögensvernichtung. Im Folgenden finden Sie, was der Gründer der schweizerischen Firma Matterhorn Asset Management in diesem beeindruckenden Interview zu sagen hatte:

Greyerz: „Jetzt ist eine gute Zeit zum Nachdenken. Wir haben ja schon viele Male darüber gesprochen, dass die weltweiten Risiken heute größer sind. Daher habe ich mich auch dazu entschlossen, mir ein paar Definitionen des Wortes ´Risiko` anzuschauen. Die erste ist: Risiko ist eine Situation, wo man einer Gefahr ausgesetzt ist. Die zweite ist: Risiko ist die Möglichkeit, dass etwas Unangenehmes oder Ungewünschtes passieren wird. Und meines Erachtens ist das genau die Situation, in der sich die Welt heute befindet.

Die Welt ist in einem Ausmaß Gefahren ausgesetzt, wie es lange Zeit nicht mehr der Fall gewesen ist. Daher halte ich die Wahrscheinlichkeit, dass etwas Unangenehmes oder Ungewünschtes passieren wird, auch für beträchtlich. Schauen wir uns nur die geopolitischen Risiken an. Vor sechs Monaten sprach niemand darüber, dass die Ukraine eine bedeutend Gefahr für den Weltfrieden ist.

Paul Craig Roberts hat King World News interessante Interviews gegeben. Laut Roberts besteht ein hohes Risiko, dass es zu einem Weltkrieg kommt. Er vergleicht die aktuelle Situation mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Natürlich hoffen wir, dass es keinen neuen Weltkrieg geben wird, aber die Risiken sind gegeben.

Darüber hinaus ist es so, dass der Bürgerkriegszyklus und der Kriegszyklus innerhalb der kommenden 18 Monate gemeinsam ihr Hoch ausbilden werden. Und die geopolitischen Risiken sind ja nicht nur in der Ukraine massiv, sondern es gibt viele weitere Gefahrenzonen wie den Nahen Osten, China und Japan.

Ein weiteres bedeutendes Risiko ist natürlich die wirtschaftliche Lage. Noch nie waren so viele große Länder bankrott gewesen. Die Liste dieser Länder wird zusehends länger. Hierzu gehören die Vereinigten Staaten, der überwiegende Teil der Länder der Europäischen Union, Japan und viele andere Schwellenmarktländer.

Und China ist ebenfalls in Gefahr, da sich die Privatverschuldung innerhalb der letzten paar Jahre verdoppelt hat und heute bei 230% des BIP liegt, und die Verschuldung des chinesischen Schattenbankensystems liegt bei 84% des BIP.Wenn wir beispielsweise auf China blicken, dann hat dort der reichste Mann in Hongkong all seine chinesischen Vermögenswerte abgestoßen. Das ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass er davon ausgeht, dass es in China bedeutende Risiken gibt.

Und auch die Finanzrisiken haben sich seit der Krise des Jahres 2008 nicht abgeschwächt. Die meisten Banken wären heute bankrott, wenn sie ihre Schulden zu Marktpreisen bewerten müssten. Es sind viele Billionen gedruckt und ins Bankensystem gesteckt worden, was die Lage aber nicht verbessert hat.

Und wenn wir hier noch die Finanzderivate von über USD 1 Billiarde mit hinzunehmen, dann glaube ich, dass die Risiken heute weit höher sind als in 2008. Alle Zentralbanken drucken gegenwärtig Geld, aber da das Geld lediglich bei den Banken liegenbleibt und nicht dazu verwendet wird, die Wirtschaft zu beleben, bricht die Geldumlaufgeschwindigkeit ein und notiert in den Vereinigten Staaten derzeit auf einem 50-Jahrestief.

Acht EU-Länder haben jetzt Deflation, und 23 Länder haben eine Inflation von weniger als 1%. Schweden hatte im März eine annualisierte Deflation von 0,4%. Schwedens Wirtschaft ist relativ stark gewesen, aber die schwedische Privatverschuldung gehört mit zu den höchsten in Europa. Die massiv verschuldeten Länder können einen deflationären Rückgang der Weltwirtschaft nicht überleben.

In diesem Szenario würden die Schulden nicht zurückgezahlt und die Vermögenswerte und das Bankensystem würden implodieren. Die Zentralbanken wissen das, und das ist auch der Grund dafür, warum in den USA, Europa und Japan 2014 ein neues riesiges quantitatives Lockerungsprogramm starten wird. Das wird mit Unterstützung des Internationalen Währungsfonds erfolgen.

Ich finde es amüsant, dass die Bank von England jüngst erst ein Papier veröffentlicht hat, in welchem es heißt, dass das britische BIP-Wachstum durch die quantitative Lockerung um 3% oder GBP 50 Milliarden zugelegt hätte. Ist das nicht wundervoll? Angeblich kommt es durch das Gelddrucken also zu einer realen Ausweitung des BIP-Wachstums. Großbritannien hatte ein QE-Programm in Höhe von GBP 375 Milliarden, wodurch das reale Wirtschaftswachstum um GBP 50 Milliarden erhöht wurde.

Ja warum drucken sie dann nicht einfach GBP 375 Billionen? Auf diese Art würde Großbritannien zur größten und erfolgreichsten Wirtschaft des Planeten werden? Bedauerlicherweise kann durch das Drucken wertloser Papierschnipsel aber niemals Vermögen geschaffen werden. Ungeachtet dessen werden wir dennoch ein riesiges weltweites quantitatives Lockerungsprogramm sehen, weil das das einzige Werkzeug ist, das den Zentralbanken zur Verfügung steht.

Wenn wir hier noch einmal auf alle Risiken zurückkommen, mit denen wir derzeit konfrontiert sind, dann ist es so, dass die Ersparnisse der Bürger entweder im Rahmen eines Bail-ins konfisziert oder mittels einer Hyperinflation vernichtet werden. Dasselbe wird mit den Renten und anderen Investments geschehen. Eine Arbeit zu haben, wird in einer Welt der Massenarbeitslosigkeit zu einem Privileg werden. Wir haben das ja bereits in vielen europäischen Ländern gesehen, und natürlich liegt die tatsächliche Arbeitslosenrate in den USA bei 23%.

All das wird in vielen Ländern wahrscheinlich zu Hungersnöten und Bürgerunruhen führen. Die Risiken sind also enorm und echte Lösungen gibt es praktisch nicht. Natürlich hoffe ich, dass ich mit diesen Prognosen falsch liege, aber die Menschen müssen sich über die Risiken im Klaren sein. Eine der Möglichkeiten, sich vor diesen Risiken zu schützen, ist physisches Gold. Gold befindet sich jetzt im 15. Jahr seines Bullenmarkts. Seit September 2011 hat Gold auf Monatsbasis eine Preiskorrektur von 38% vollzogen, was völlig normal ist.

Der Goldpreis ist während dieser Korrektur zwei Mal auf das Niveau von USD 1.200 pro Unze gesunken, und es ist durchaus möglich, dass Gold einen weiteren Versuch auf diese USD 1.200 starten wird. Aber selbst wenn das passiert, würde das für die langfristige Goldpreisentwicklung keinen Unterschied machen, da Gold auf viel höheren Preisniveaus notieren wird.

Gold sollte man nicht als Trading-Investment, sondern als Vermögenswert zum langfristigen Vermögenserhalt betrachten. Die Menschen sollten sich einfach physisches Gold kaufen und es außerhalb des Bankensystems verwahren. Der Goldpreis wird in ein paar Jahren bei einem Vielfachen des aktuellen Preises liegen. Dieser Preis könnte dann beim 10-fachen des heutigen Preisniveaus von USD 1.300 pro Unze liegen, beim 20-fachen oder in einem wahrscheinlichen hyperinflationären Szenario sogar 1.000 Mal höher liegen.“