Gold & Silber: Angriff der Short-Seller

Peter Byrne, The Gold Report, 23.04.2014
(in Auszügen)

Trotz der anhaltenden Attacke der Short-Seller werden die Fundamentaldaten der Gold- und Silberproduktion zunehmend robuster. Joe Reagor von ROTH Capital erklärt gegenüber The Gold Report, warum sich der Goldpreis nach seinem Dafürhalten in Richtung USD 1.500 pro Unze aufmachen und den Silberpreis mit hinterherziehen wird …

The Gold Report: Lassen Sie uns über das Wachstum und die Stabilität der Gold- und Silberverkäufe des zweiten Quartals 2014 sprechen. Mit welchen maßgeblichen Faktoren rechnen Sie?

Joe Reagor: China und Indien sind zurzeit die größten nationalen Goldmärkte. Die US-Anleger sind im Hinblick auf Gold und Silber bärisch eingestellt, die Europäer sind ein klein wenig neutraler. Aber in China und Indien leben mehr als 2 Milliarden Menschen, das ist der größte Goldkäufermarkt und sie stechen damit sogar die größeren Finanzmärkte in den USA und Europa aus.

Silber hat sich die letzten neun Monate schlechter entwickelt als Gold. Der durchschnittliche Silbergehalt eines reinen Silberprojekts liegt bei 100 Gramm pro Tonne (100 g/t), während der durchschnittliche Goldgehalt eines guten Goldprojekts einer Tagebaumine bei unter 1 g/t liegt. Die Fortschritte bei der Fördertechnik haben zur Folge, dass sich das Silber/Gold-Förderverhältnis in Richtung 100:1 aufmacht. Das ist ein viel größeres Verhältnis als zu dem Zeitpunkt, wo ich bei The Street anfing, als es bei 53:1 lag …

TGR: Wie sieht es bei Gold mit dem Verhältnis zwischen den industriellen Anwendungen und dem Einzelhandel aus?

JR: Der einzig wirkliche Anwendungsbereich bei Gold ist die Schmuckherstellung, ansonsten unterliegt es dem Auf und Ab bei der Investmentnachfrage und den Anforderungen der Banken, die es zum Zwecke des Aufbaus von Reserven kaufen. Gold wird ein klein wenig von Zahnärzten und ein klein wenig bei der High-End-Technologie verwendet –aber diese Anwendungsbereiche sind so winzig, dass sie nicht stark genug sind, um maßgebliche Faktoren des Goldpreises zu sein.

Die Schmuckherstellung ist der größte Anwendungsbereich, aber selbst die Schmuckproduktion ist nicht stark genug, um die weltweite Goldversorgung aufzubrauchen. Normalerweise reicht der Gold-Recyclingmarkt fast alleine aus, um den Schmuckmarkt zu stützen, das gilt besonders seit ein paar Jahren, seitdem wir diesen Gold-Ankaufsboom haben, der in den USA und anderen Ländern zu beobachten war. Die Menschen nehmen ihren alten Schmuck und bekommen dann 85% des Goldgehalts ausbezahlt.

Die Realität ist, dass die Goldinvestmentnachfrage die Gesamtgoldnachfrage auch in Zukunft maßgeblich bestimmen wird, was aber nicht zwingend preistreibend sein muss. Wenn wir uns die Rohstoffe anschauen, bei denen es auch eine Investmentnachfrage gibt, dann ist es so, dass ihr Preis während ihrer Preishochs durch die Investmentnachfrage bestimmt wird. Als Gold in Richtung USD 1.800 pro Unze stieg, ging das allein auf die Investmentnachfrage zurück, die zu diesem Zeitpunkt ihr Hoch ausbildete. Während des aktuellen Goldpreisrückgangs basiert die Bewertung von Gold aber nicht so sehr auf der Investmentnachfrage.

Es gibt große Goldkäufer, die eine Preisdecke einziehen. China schafft eine Preisdecke bei USD 1.200 pro Unze, da es auf diesem Preisniveau alles kauft, was es über Schanghai in die Finger bekommen kann. Über diesem Preisniveau basiert der Goldpreis aber auf den Produktionskosten.

Wenn jede Goldmine auf dem Planeten dichtmachen würde, würde der Goldpreis massiv in die Höhe schießen, wodurch die niedrigen Preise praktisch umgehend bekämpft würden. Die besseren Goldproduzenten haben bei der Goldproduktion Betriebskosten von USD 1.250 pro Unze. Die meisten Branchen brauchen aber zusätzlich noch eine 20%ige Gewinnmarge, um zu überleben. Somit liegt der reale Preis von Gold bei USD 1.500 pro Unze.

TGR: Was ist mit Silber?

JR: Die Produktionskosten bei Silber sind ein klein wenig geringer als bei Gold, da bei der Silberförderung Nebenprodukte anfallen wie Blei und in einigen Fällen auch Zink. Aber bei reinen Silberminen können trotzdem Produktionskosten im Bereich von USD 20 pro Unze anfallen, was einen vernünftigen Silberpreis von über USD 20 pro Unze nahelegen würde. Für die Silberminen ist es jedoch wichtig, dass sie sich mehr auf die Silberproduktion konzentrieren als auf die Nebenprodukte … Die Tatsache, dass reine Silberminen zu einem Preis im Bereich von USD 17 bis USD 20 pro Unze produzieren, legt nahe, dass der Silberpreis bei rund USD 24 pro Unze liegen sollte …

TGR: Können Sie einfach mal einen Tipp abgeben, wo der Goldpreis und der Silberpreis in einem Jahr liegen werden?

JR: Ich rechne damit, dass der Goldpreis in einem Jahr im Bereich von USD 1.500 pro Unze liegen wird. Meine Begründung dafür geht auf zwei Dinge zurück. Wenn wir uns die letzten vier Goldzyklen anschauen, dann ist es historisch gesehen so, dass die Erholung in dem Jahr, das dem Tief folgte, in allen vier Fällen stark ausfiel. Fakt ist, dass der Durchschnittspreis von Gold in jedem Goldzyklus in dem Jahr, das dem Jahr mit dem Tief folgte, 25% über dem Durchschnittspreis des Vorjahres lag.

Unser jüngstes Tief wurde am 28.06.2013 mit USD 1.192 pro Unze verzeichnet. Wenn wir hier die 25% für das aktuelle Jahr veranschlagen, kommen wir auf einen Durchschnittspreis von USD 1.492 pro Unze. Ich glaube aber nicht, dass wir das dieses Jahr vollumfänglich schaffen werden. Ein Grund dafür ist, dass es klar ist, dass es Kräfte da draußen gibt, die ein starkes Interesse daran haben, den Goldpreis kurzfristig unten zu halten. Aber USD 1.500 pro Unze ist eine machbare Zahl, wenn der Preis ausschließlich auf der von mir hier dargelegten Produktions-Methodologie basiert.

Silber neigt dazu, volatiler zu sein, wenn es zur Kursbewegungen kommt. Silber könnte bedeutend über unserer Zahl für 2015 von USD 25 pro Unze liegen, die prozentual gesehen ein klein wenig unter der Goldpreisbewegung läge. Das basiert natürlich auf der Erwartung, dass bei den Produktionskosten von USD 20 pro Unze noch eine 20%ige Gewinnmarge mit draufkommt.

Andererseits ist es so, dass, gelänge es genügend Minenunternehmen, in ihrem Betrieb 5% an Produktionskosten zu sparen, der Gold- und Silberpreis auch um 5% sinken könnte. Und umgekehrt. Würden die Minenkosten wieder steigen, könnte das sogar zu noch höheren Edelmetallpreisen führen.

Die andere Sache, die den Preis beeinflusst, sind weltweite Krisensituationen. Aktuell ist ja die Ukraine ein wichtiges Thema, obwohl es zurzeit nicht so aussieht, als würden sich die USA militärisch daran beteiligen. Ein Militärkonflikt zwischen den USA und Russland wäre für die Weltwirtschaft eine schlechte Sache, aber es gibt Goldbugs da draußen, die zurzeit wegen der Möglichkeit eines Kriegs auf einen steigenden Goldpreis wetten.

Der Goldpreis könnte im Rahmen eines Kriegsszenarios steigen, aber ich plädiere nicht dafür, das als einen Grund anzusehen, um Gold zu kaufen. Die andere Seite der Medaille ist, dass es bei Gold und Silber zu Preisrückgängen kommen kann, wenn sich die politischen Situationen wieder entschärfen. Aber Preisrückgänge basierend auf weltweiten politischen Problemen zu timen, ist sehr schwierig, und dasselbe gilt für Kriege.

TGR: Sie erwähnten, dass es Menschen gibt, die ein starkes Interesse daran haben, den Goldpreis unten zu halten.

JR: Die am stärksten geshortete Aktie an der Torontoer Börse ist Kinross Gold Corp., und es gibt eine Reihe anderer Goldminenfirmen, die über große Shortpositionen verfügen. Und auch bei Gold gibt es einige sehr große Trading-Shorts, die von größeren Banken gehalten werden und gekauft wurden, als Gold von USD 1.600 auf USD 1.200 pro Unze fiel. Es gibt einige Sorgen, dass einige dieser Banken heute in der Verlustzone sind, weil sie immer noch Shorts kauften, als der Goldpreis schon bei USD 1.200 pro Unze lag.

Sollte dem so sein, ist es im besten Interesse der Halter dieser Shorts, das Bärenmarktargument gegen Gold zu befördern. Ein bärischer Umschwung bei der Stimmung der Anleger sorgt für eine zusätzliche Bärenbewegung bei Gold, die nicht durch die Fundamentaldaten der Goldproduktion gestützt wird. Meiden Sie Bären.

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