Der wichtigste Goldmarkt der Welt: 4 Gründe, warum China so viel Gold kauft

Frank Holmes, U.S. Global Investors, 28.04.2014

Die Goldnachfrage des chinesischen Privatsektors stieg im vergangenen Jahr auf das Rekordniveau von 1.132 Tonnen, so das World Gold Council (WGC). Und auch in diesem Jahr wäre es für das Land ein Leichtes, den Goldmarkt zu dominieren. Das WGC rechnet damit, dass es in China bis zum Jahr 2017 zu einem Nachfrageanstieg von 20% kommt.

Diese aktuellen Zahlen des WGC bestätigen, worüber ich bereits in der Vergangenheit schrieb: Die Liebe der Chinesen zum gelben Metall bleibt weiterhin robust. Wir erleben, wie sich dieses Land in eine Wirtschaftsmacht verwandelt – und jetzt wird China sogar noch zum weltgrößten Goldmarkt! Ich glaube, dass es für Anleger wichtig ist, die maßgeblichen Triebkräfte zu verstehen, die hinter diesem unglaublichen Wachstum stehen.

1. Eine neue Mittelschicht, der mehr Einkommen zur Verfügung steht

Trotz all der grandiosen Zahlen, die wir bezüglich des chinesischen Goldmarkts zu sehen bekommen, war das asiatische Land nicht immer die „goldene Gans“ gewesen. Das WGC weist in seinem jüngsten Bericht „Chinas Goldmarkt: Fortschritte und Aussichten“ darauf hin, dass sich in China erst in den letzten paar Jahren aufgrund steigender Gehälter eine Mittelschicht entwickelt hat. Nehmen wir beispielsweise Shenzhen, das ist eine chinesische Stadt mit 10 Millionen Einwohnern. Shenzhen produziert heute 70% des chinesischen Schmucks, aber vor gerade einmal 30 Jahren war es noch eine kleine Stadt mit rund 330.000 Menschen, was bedeutet, dass die Goldnachfrage zu jener Zeit bestenfalls sehr gering war.

In den letzten 10 Jahren hat sich jedoch eine neue Mittelschicht entwickelt und die Konsumenten haben ihren neuen Reichtum genossen. Während das chinesische BIP immer stärker anstieg, begannen die Menschen damit, zunehmend mehr Goldschmuck und Goldmünzen zu kaufen. Darüber hinaus nahm die Goldinvestmentnachfrage immer weiter zu, weil sich die Bevölkerung vor der Inflation schützen wollte.

2. Die Schmucknachfrage ist immer noch der wichtigste Faktor

Der Bericht des WGC unterstreicht die Macht der chinesischen Liebe zu Gold. Der goldaffine Handel – neben den angstbasierten Goldkäufen einer der wichtigsten Triebkräfte des Goldmarkts – geht auf die kulturelle Affinität der Asiaten, Inder und Araber zu Edelmetallen zurück. Jahr für Jahr kaufen die Verbraucher Goldschmuck und Goldmünzen, und die Nachfrage steigt immer vor religiösen Feiertagen und anderen Festivitäten, bei denen sich die Menschen gegenseitig beschenken.

Wir aus dem unten stehenden Chart hervorgeht, haben sich die Goldschmuckverkäufe in China seit dem Jahr 2004 verdreifacht. China hat 2013 sogar die Führungsposition als größter Schmuckkonsument und Schmuckhersteller übernommen und Indien auf Rang 2 verdrängt.

COMM-Chinese-Jewelry-Consumption-Triples-Since-2004-04252014-LG

Laut einem kürzlich von Reuters veröffentlichten Artikel haben sich die Goldschmuckverkäufe in Indien aufgrund der Einführung von Importrestriktionen im letzten Jahr um 10% abgeschwächt, was wahrscheinlich auch der Grund dafür gewesen sein dürfte, dass China nun die Führungsposition übernommen hat.

3. Die Industrienachfrage wird zunehmend wichtiger

Obwohl die Industrienachfrage nach Gold in China nicht einmal ansatzweise so stark ist wie die Goldschmucknachfrage, hat der Anstieg des BIP auch dafür gesorgt, dass es zu einer Zunahme bei der Industrienachfrage gekommen ist. Das WGC führt aus, dass die Fertigung von Elektrotechnik die Hauptquelle der industriellen Goldnachfrage ist. Bei der Produktion von Mobiltelefonen, Computern, Schaltkreisen und seit kurzem auch bei der Fertigung von Autos wird in zunehmendem Maße auf Gold gesetzt.

Gold mag vielleicht eine teure Option sein, um es als Bestandteil für Mobiltelefone oder für Kontakte in Airbags zu verwenden, aber im Bericht wird dazu angemerkt:

„Obwohl die Hersteller immer darauf aus sind, die Kosten der Komponenten zu reduzieren und Gold durch billigere Alternativen zu ersetzen, ist das dort, wo optimale Performance und speziell Sicherheitsfragen eine Rolle spielen, nicht möglich.“

In unserer Präsentation „Die vielen Anwendungsbereiche von Gold“ stellen wir auch noch andere Gebiete vor, in denen Gold zum Einsatz kommt; nicht nur im Rahmen der industriellen Fertigung, sondern auch in medizinischen und technologischen Bereichen.

4. Abkehr vom Dollar: China diversifiziert seine Devisenreserven

China hielt 2013 Devisenreserven in Gesamthöhe von USD 3,8 Billionen. Wie aus dem unten stehenden Chart hervorgeht, ist es seit Mitte der 90er Jahre zu einem drastischen Anstieg der Devisenreserven gekommen. Und es gibt auch verschiedene Herausforderungen, mit denen das chinesische Geldsystem konfrontiert ist; ein Multi-Währungssystem, zu dem unter anderem der Renminbi und der US-Dollar gehören, ist nicht gerade leicht zu verwalten.

Doch warum sind die Devisenreserven und geldpolitischen Probleme eine Triebkraft der chinesischen Goldnachfrage?

COMM-Chinas-Gold-Share-Total-Reserves-Foreign-Exchange-Reserves-04252014-LG

Laut dem WGC fand der überwiegende Teil des Wachstums der chinesischen Devisenreserven – das auf den Handelsüberschuss des Landes zurückgeht – in Form einer Anhäufung von US-Dollars statt. China nutzte den US-Dollar, um damit amerikanische Schuldenpapiere zu kaufen, doch seit der weltweiten Finanzkrise und dem Beginn der quantitativen Lockerungsmaßnahmen distanziert sich China immer stärker vom US-Dollar.

In einem kürzlich von Casey Research veröffentlichten Artikel kommentiert der Chefökonom Bud Conrad den Niedergang des Weltreservestatus des US-Dollars in Ländern wie China mit den Worten:

„Im Jahr 2000 stellte der US-Dollar noch 55% aller weltweiten Devisenreserven. Innerhalb von gerade einmal 14 Jahren ist diese Zahl auf 33% zurückgegangen. Ich rechne damit, dass diese Zahl bis 2012 auf 20% absinken wird. Zu diesem Zeitpunkt werden die anderen großen Wirtschaften auf der Welt für den internationalen Handel nicht einmal mehr ansatzweise so viele Dollars benötigen.“

Ich glaube, dass Politik immer ein Vorbote für Veränderungen ist, und daher verwundert es kaum, dass China aus dem Dollar heraus und verstärkt in Gold diversifizieren möchte, während die finanz- und geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China immer stärker zunehmen. Gold ist ein harter Vermögenswert, und das macht das gelbe Metall für China zu einer der besten Alternativen. Das WGC schreibt im Hinblick auf Gold: „Es kann weder auf Geheiß der Zentralbanken aus dem Nichts geschaffen, noch zugunsten des Emittenten manipuliert werden.“

Was führt China im Schilde?

Vielleicht baut die chinesische Zentralbank ihre Goldreserven aktuell weiter aus, um zu diversifizieren und sich von den USA zu distanzieren, aber eine Frage bleibt dennoch: Wie viel Gold besitzt China nun eigentlich?

Mineweb.com hat letzte Woche darüber berichtet, dass China gegenwärtig erwägt, Peking zu einer weiteren wichtigen Stadt für den Goldhandel zu machen, was ein eindeutiger Hinweis darauf ist, dass künftig sogar noch mehr Edelmetall nach China gelangen wird. Das Land veröffentlicht keine offiziellen Zahlen zu seinen Goldimporten, und das heißt, dass mit Peking einfach nur eine weitere nebulöse Quelle nichtveröffentlichter Daten hinzukäme.

Anstatt dass China seine Goldeinfuhren veröffentlicht, melden andere Länder die Daten ihrer Goldexporte nach China. Hongkong liefert uns Einblicke in Chinas Goldbestände, und im Februar schrieb ich darüber, dass die Schweiz erstmals seit 1980 ihre Goldhandelsdaten veröffentlichte. Nur mittels dieser indirekten Berichte können wir darauf schließen, wie viel Gold China tatsächlich hält.

COMM-Great-Tectonic-Shift-of-Physical-Gold-West-to-East-04252014

Und es ist auch egal, wie viel Gold das Land tatsächlich hält – China ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Haupttriebkräfte für Gold immer dieselben bleiben. Die Menschen auf aller Welt reagieren besorgt auf eine Regierungspolitik, durch die ihre Währungen entwertet werden können, wodurch Gold auf einmal attraktiv wird. Und wenn die Wirtschaften prosperieren und mehr Geld haben, werden sie es ebenfalls für Gold ausgeben. Der goldaffine Handel wird also weiter anhalten; solange es kulturelle Festivitäten und religiöse Traditionen gibt, werden die Verbraucher auch Gold als Geschenk kaufen.

Es ist wichtig, dem Fluss des Geldes zu folgen, oder in unserem Falle dem Goldstrom, um zu sehen, wie die Menschen weltweit auf diesen seltenen Rohstoff reagieren. Die Anleger, die wachsam und neugierig bleiben, werden schon bald erfahren, ob es China auch künftig gelingen wird, den Goldmarkt zu dominieren.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Nachholbedarf: Chinesische Goldnachfrage explodiert
  • Die chinesische Zentralbank hält im Vergleich zu anderen großen Zentralbanken so gut wie kein Gold, doch die Regierung plant, ihre Goldbestände massiv auszubauen. Und ungeachtet des anhaltenden Goldpreisanstiegs ist das gelbe Metall auch bei den chinesischen Privatanlegern so beliebt wie noch nie, was China in diesem Jahr zum größten Goldkonsumenten der Welt machen könnte
  • China & der US-Dollar: Chinesen werden den US-Dollar nicht abstoßen
  • China wird zwar von einer weiteren Anhäufung von US-Dollars absehen und damit beginnen, seine Einkünfte auf direktere Art in der inländischen Wirtschaft einzusetzen, es ist aber nicht im Interesse Chinas, den US-Dollar „zu verkaufen“ oder damit aufzuhören, den Dollar „zu stützen“, so wie es derzeit beschrieben wird.
  • Goldrausch zum Schnäppchenpreis: China mischt die Goldbranche auf
  • China flüchtet so schnell als möglich aus den Papiervermögenswerten in Richtung Gold, weil es bisher ganz einfach noch nicht genug vom guten Gelben hält. Jeder Versuch, den chinesischen Yuan stärker zu internationalisieren, ist zum Scheitern verdammt, solange das Vertrauen in seine Währung nicht groß genug ist. Und ein Weg, dieses Vertrauen aufzubauen, besteht in höheren
  • Chinesische Goldimporte: Einfuhren über Hongkong weiterhin rückläufig
  • Die chinesischen Goldeinfuhren über Hongkong sind im 2. Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um über 40% eingebrochen – es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern diese Daten die tatsächlichen chinesischen Goldimporte heutzutage noch widerspiegeln
  • Chinesische Zentralbank: Wir besitzen zu viele US-Dollars!
  • Der Vorsitzende der chinesischen Zentralbank, Zhou Xiaochuan, erklärte vergangene Woche auf einer Konferenz über geldpolitische Fragen in China, dass die „Devisenreserven ein vernünftiges Niveau, über das unser Land eigentlich verfügen muss, überschritten haben“,…