Langfristiger technischer Goldpreisausblick

Chintan Karnani, Insignia Consultants, 04.05.2014

Der unten stehende Goldpreischart zeigt, was passiert, wenn der gleitende 100-Tagesschnitt und der gleitende 200-Tagesschnitt aufeinandertreffen. In der Vergangenheit kam es immer, wenn der gleitende 100-Tagesschnitt und der gleitende 200-Tagesschnitt zusammentrafen, zu einem nachhaltigen und maßgeblichen Richtungswechsel am Goldmarkt.

Gold muss sich jetzt bis Ende September über der Preiszone von USD 1.280 bis USD 1.300 pro Unze halten, um die Preisziele USD 1.434 und USD 1.700 pro Unze ins Auge zu fassen.

Sollte Gold sieben Tage in Folge unter der Marke von USD 1.280 pro Unze aus dem Handel gehen, würde das einen weiteren mittelfristigen Rückgang in die nächste bärische Zone von USD 1.230 und USD 1.147 pro Unze nahelegen.

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Das offene Interesse liegt zurzeit noch nicht einmal bei der Hälfte des Allzeithochs, was darauf hindeutet, dass die Investmentnachfrage nicht sonderlich stark ist. Das Handelsvolumen hat sich hingegen stabilisiert, was positiv ist.

Fibonacci-Analyse

Die 50%-Rückgangsschwelle liegt bei USD 1.360 pro Unze – das ist der entscheidende Widerstand, und Gold müsste für vier Tage in Folge über der Marke von USD 1.390,90 pro Unze notieren, um einen bullischen Lauf einzuleiten.

Die 23,60%-Rückgangsschwelle liegt bei USD 1.063,80 pro Unze – das ist die langfristige wichtige Stützungslinie, und solange Gold über USD 1.063,80 pro Unze notiert, sind die Abwärtsrisiken eingegrenzt. Sollte Gold in der Lage sein, sich innerhalb der kommenden zwölf Monate über USD 1.063,80 pro Unze zu halten, rechne ich mit einem neuen großen parabolischen Preisanstieg.

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Der kurzfristige Goldpreisausblick

Die Momentum-Indikatoren sind neutral. Der 14-tägige RSI-Index liegt bei 40 und somit im neutralen Bereich. Der CCI liegt unter null, was kurzfristig eine bärische Phase nahelegt. Der CCI müsste auf über null klettern, um kurzfristig eine bullische Richtung einzuleiten.

Die Goldrally auf USD 1.392 pro Unze begann bei USD 1.230 pro Unze. Gold müsste unter USD 1.230 pro Unze sinken oder die Marke von USD 1.360 pro Unze übersteigen, um für eine neue Konstellation zu sorgen.

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Sollte es Gold innerhalb der nächsten drei Monate gelingen, über der Marke von USD 1.230 pro Unze zu notieren, wird es daraufhin auf USD 1.430 pro Unze und USD 1.600 pro Unze steigen. Sollte der Goldpreis jedoch vier Tage in Folge unter der Marke von USD 1.230 pro Unze schließen, wird das gelbe Metall auf USD 1.147 und USD 1.060 pro Unze fallen.

Gold aus fundamentaler Sicht

Die Entwicklung der Zinssätze in den USA und Europa wird von entscheidender Bedeutung sein. Hinweise darauf, dass es für die US-Notenbank zu einem Problem werden könnte, sich von der Nullzinspolitik zu verabschieden, wären für Gold mega-bullisch.

Ich rechne nicht damit, dass die Europäische Zentralbank irgendwelche Andeutungen machen wird, sich von der quantitativen Lockerung zu verabschieden. Die Bank von England dürfte den Zinssatz demnächst anheben. Eine Anhebung des Zinssatzes durch die US-Notenbank im November bzw. Dezember dieses Jahres ist vom Markt bereits eingepreist worden.

Die Spannungen in der Ukraine sind ein geopolitisches Risiko. Sollten sie weiter anhalten, ist das bullisch für Gold.

Indien wird seine Goldeinfuhrzölle dieses Jahr wieder absenken oder eine teilweise Freigabe der Goldeinfuhren zulassen. Das wird zu einer höheren offiziellen indischen Goldnachfrage führen und die Aufpreise für physisches Gold in Indien absenken. Die asiatische Goldnachfrage dürfte im letzten Quartal dieses Jahres (ab Oktober) ihre Wirkung entfalten. Mai bis September ist eine zyklische Phase, wo die Goldnachfrage aus Asien relativ schwach ist – außer es kommt zu einem Preiseinbruch.

Die Investmentnachfrage hängt mit dem Zinssatzszenario zusammen.

Schlussfolgerung

Im Hinblick auf die Goldpreisentwicklung der nächsten drei bis fünf Jahre sind wir weiterhin bullisch. Kurzfristig sind wir aber außerordentlich vorsichtig, was das Investieren in Gold anbelangt. Der Goldpreis ist von den Amerikanern massiv manipuliert worden.

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