G. E. Christenson, The Deviant Investor, 20.05.2014

Grob gesagt befand sich Gold Ende der 60er und während der 70er Jahre in einem Bullenmarkt und während der 80er und 90er Jahre in einem Bärenmarkt. Seit 2001 haben wir wieder einen Goldbullenmarkt.

Die bedeutenden Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, sind:

  • Hat Gold sein generationsübergreifendes Hoch im Jahr 2011 bereits erreicht und fällt jetzt die nächsten ein oder zwei Jahrzehnte?

Oder:

  • Hat Gold 2011 aufgrund der quantitativen Lockerungsmaßnahmen, einer US-Dollarschwäche und der hohen Goldnachfrage lediglich ein Zwischenhoch erzielt und befindet sich nun nach einer zweieinhalbjährigen Korrektur wieder am Beginn einer Rally, die aller Vorausschau nach bis Ende dieses Jahrzehnts anhalten wird?

Meine Antwort ist: Gold hat 2011 sein Hoch und im Juni und Dezember 2013 seine Tiefs ausgebildet und dürfte nun eine über viele Jahre andauernde Rally hinlegen.

Warum?

Schauen Sie sich hierzu bitte den nachfolgenden Goldpreischart auf Wochenbasis an, der die Goldpreisentwicklung seit dem Jahr 1977 und den gleitenden 144-Wochenschnitt ausweist. Die Korrektur seit 2011 ist deutlich zu erkennen.

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Hierzu sollten noch einige Dinge angemerkt werden, die aus dem Chart nicht hervorgehen:

  • Das Hoch von Januar 1980 lag 9,37 Standardabweichungen über dem gleitenden 144-Wochenschnitt. Die Zahlen für den gleitenden 100-Wochenschnitt und den gleitenden 40-Wochenschnitt sind ähnlich. Gold befand sich von Ende 1979 bis Januar 1980 ganz eindeutig in der explosiven Endphase einer Spekulationsblase.
  • Bei dem Goldpreishoch im August 2011 lag der Goldpreis aber gerade einmal 2,15 Standardabweichungen über seinem gleitenden 144-Wochenschnitt. Es war lediglich ein Zwischenhoch, kein explosives Spekulationshoch, das wir in den kommenden Jahren wahrscheinlich noch sehen werden.
  • Meine Schlussfolgerung ist, dass der Goldpreis Ende 2010 zu stark in die Höhe getrieben wurde und dann ab 2011 eine entsprechende Korrektur einleitete. Gegenwärtig notiert Gold 15% oder rund 0,6 Standardabweichungen unter seinem gleitenden 144-Wochenschnitt. Damit will ich nicht sagen, dass nächste Woche oder nächsten Monat eine neue Goldrally einsetzen muss, sondern dass der Goldpreis im nächsten Jahr aller Vorausschau nach viel höher und nach der nächsten US-Präsidentschaftswahl in 2016 noch einmal viel höher notieren wird.

Fallender Goldpreis: Welche Faktoren den Goldpreis nach unten treiben könnten

  • Viele der systemrelevanten Banken haben verkündet, dass es beim Goldpreis zu einer Seitwärtsentwicklung bzw. zu weiteren Rückgängen kommen wird. Lassen wir das einfach mal so stehen.
  • Die US-Notenbank und andere Zentralbanken kämpfen gegenwärtig gegen die deflationären Kräfte in ihren jeweiligen Wirtschaften. Einige sind der Auffassung, dass diese deflationären Kräfte weitere Rückgänge beim Goldpreis nahelegen.
  • Mit den von der US-Regierung veröffentlichten Inflationsdaten wird uns versichert, dass die Inflation aktuell sehr gering ist – aber jeder, der isst, ein Auto fährt, Arztrechnungen zu bezahlen hat, Studiengebühren begleichen muss oder Lebensmittel einkauft, weiß natürlich, dass dem nicht so ist. Nichtsdestotrotz weist der offizielle Verbraucherpreisindex nur eine geringe Inflation aus, und einige Menschen glauben, dass dies einen Goldpreisanstieg unwahrscheinlich macht.
  • Es gibt noch weitere Gründe, die für einen fallenden Goldpreis sprechen, aber die meisten davon drehen sich um den Einfluss, den die US-Notenbank auf die Wirtschaft hat; die Kontrolle, die die COMEX über den Papiergoldpreis hat; und den Wunsch der US-Notenbank, den Goldpreis unten zu halten. Die Kontrolle, die Macht und der Einfluss der US-Notenbank sind zwar unstreitig, werden aber wahrscheinlich überschätzt. Ich gehe davon aus, dass sich der säkulare Goldbullenmarkt schon bald aus eigener Kraft heraus wieder bemerkbar machen wird – und zwar ganz unabhängig von irgendwelchen Zentralbank-, Staats- oder COMEX-Interventionen.

Steigender Goldpreis: Was den Goldpreis in die Höhe treiben wird

  • Die US-Notenbank und andere Zentralbanken drucken zurzeit Geld, und derartige Gelddruckmaßnahmen gingen aus historischer Sicht immer schlimm aus. Rechnen Sie mit einer noch höheren Verbraucherpreisinflation, einer rückläufigen Kaufkraft bei den Währungen und einem höheren Goldpreis.
  • Die US-Regierung und die japanische Regierung haben außerordentlich hohe Haushaltsdefizite und verschulden sich so, als stünden die Kredite zur Aufrechterhaltung eines überbordenden und aufgeblähten Staats auf immer und ewig zur Verfügung. Die Staatsschulden werden natürlich mit neu „gedrucktem“ Geld zurückbezahlt – der Zyklus der Kreditaufnahme, Haushaltsdefizite, abermaligen Kreditaufnahme und dem Gelddrucken wiederholt sich.
  • Der US-Dollar und die meisten anderen Papierwährungen werden einzig durch das Vertrauen in erwiesenermaßen insolvente Regierungen gestützt.
  • Die offizielle Staatsverschuldung der USA hat die Marke von USD 17,5 Billionen überschritten, und hierbei werden die nichtfinanzierten Verbindlichkeiten von weiteren USD 100 bis USD 200 Billionen noch nicht einmal mitberücksichtigt. Wir sind uns alle im Klaren darüber, dass diese Schulden mit heutigen Dollars nicht zurückgezahlt werden können. Vielleicht können diese Schulden nie getilgt werden, außer es würde zu hyperinflationären Gelddruckmaßnahmen kommen.
  • Die weltweiten Kriegs- und Wohlfahrtsstaaten verfolgen ihre eigenen Agenden und unsere Politiker treiben die Ausweitung der Kriege und des Staats aktiv voran. All das wird mit gedruckten Dollars, Euros, Yen usw. finanziert werden, was in der Folge zu einem Rückgang der Kaufkraft des Dollars, Euros und Yens führen wird.
  • Geopolitische Ereignisse wie ein paar Kriege hier und da, noch mehr Konflikte, vielleicht auch ein nuklearer Zwischenfall, ein großes Erdbeben oder ein Zusammenbruch des Geldsystems könnten die heute bereits instabile Finanzwelt noch weiter schwächen, den Prozess der Dollarentwertung beschleunigen und zu einem Anstieg des Goldpreises und dem Ende des Dollars als Reservewährung führen. Privatpersonen und finanziell solventere Länder werden sich vor dieser Entwicklung mit harten Vermögenswerten wie Gold schützen.
  • Die Bürger Chinas, Russlands und Indiens und ihre Zentralbanken kaufen gegenwärtig in großen Mengen Gold. Diese Nachfrage wird aller Vorausschau nach nicht nachlassen. Die westliche Welt hat in den letzten 5 Jahren riesige Mengen an Gold nach Asien exportiert. Was wird mit dem Goldpreis passieren, wenn dieser Goldstrom versiegt?
  • Die US-Notenbank, die anderen Zentralbanken und viele Staaten wollen und brauchen Inflation – nicht Deflation. Und sie werden diese Inflation wahrscheinlich auch bekommen, und danach werden sie ihren jeweiligen politischen Feinden, irgendeinem aktuellen Krieg oder irgendeiner anderen Ablenkung die Schuld an ihrer selbstgeschaffenen Inflation geben.
  • Die Staatsausgaben werden exponentiell steigen und weit schneller zulegen, als die Steuereinnahmen. Wir wissen, dass dies aus mathematischer Sicht nicht auf immer so weitergehen kann. Rechnen Sie mit einem höheren Goldpreis und einer Abwertung der Papierwährungen gegenüber harten Vermögenswerten.

Die Auflistung ließe sich hier natürlich noch fortsetzen, aber die Lage ist eindeutig. Gold ist 2011 nicht explosionsartig auf ein Blasenhoch geschossen, und all die Triebkräfte für einen anhaltend steigenden Goldpreis sind nach wie vor intakt. Die Goldnachfrage ist riesig und das Angebot wird eingeschränkt sein, wenn den westlichen Zentralbanken das Gold ausgeht oder sie sich aus dem Verleihgeschäft zurückziehen. Die Staatsausgaben, das „Gelddrucken“ und die Anleihemonetisierungen sind ebenfalls außer Kontrolle geraten und beschleunigen sich weiter. Der Goldpreis wird in den kommenden Jahren die Sorgenwand emporklettern.