Finanzcrash & Währungs-Neustart: Warum eine Hyperinflation im Westen nicht möglich ist

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 31.05.2014
(in Auszügen)

Frage: „Sie sagten, dass keine Aussicht darauf besteht, dass der Dollar als Reservewährung in eine Hyperinflation abtaucht, und das verstehe ich auch. Die Stagflation hat die Oberhand. Aber was ist nach der Anfangskrise, wenn das Dollar-Reservesystem stirbt und wir zu elektronischem Geld und einer neuen Weltreservewährung übergehen – wäre dann eine Hyperinflation des Dollarsystems denkbar? Es scheint, als würde das elektronische Geld endlose Möglichkeiten für Geldinjektionen bereithalten.“

Antwort: … Keine Kernwirtschaft ist jemals in die Hyperinflation abgetaucht, was vornehmlich darauf zurückgeht, dass in Kernwirtschaften viel zu viele komplexe Trends aufeinandertreffen. Eine Hyperinflation findet in Staaten statt, die all ihre Kreditwürdigkeit verloren haben und keine Staatsanleihen mehr verkaufen können.

Die Revolutionsarmee in Deutschland erklärte auf die Staatsschulden die Zahlungsunfähigkeit. Daher mussten sie sich auf das Gelddrucken zurückziehen, da ihnen niemand, der noch bei Sinnen war, auch nur eine vergammelte Kartoffel geliehen hätte. Die Vorstellung, dass es zur Hyperinflation kommen könnte, setzt in einer so hochkomplexen Wirtschaft wie der unseren also voraus, dass es zuvor Bürgerunruhen und Revolution gibt.

Der russische Einmarsch und die Übernahme des Staats in den östlichen Regionen der Ukraine haben ja gerade erst gezeigt, wie in einer Gesellschaft wirtschaftliches Chaos geschaffen werden kann. Die Älteren bekamen ihre Renten aus Kiew. Das hört dann auf. Das ist auch der Grund, warum sich nicht alle Russland anschließen wollen; sie wissen einfach nicht, ob sie danach auch dieselben Zuwendungen bekommen werden. Werden sie in der Lage sein, sich zu ernähren? All das sind Fragen, die von den Leuten nie berücksichtigt werden.

Beim Untergang des Kommunismus ging das im Staatsbesitz befindliche Eigentum in Privateigentum über. Die Menschen besaßen auf einmal Eigenheime, Eigentumswohnungen und Bauernhöfe, die nicht mit Hypotheken belastet waren. Die westlichen Banken stürmten auf den Markt und boten den Menschen aufgrund dieser neuen Kreditsicherheiten Kreditkarten an.

Ein klassisches Beispiel für gesellschaftliche Veränderungen, die mit Veränderungen beim Staat einhergehen, kommt aus China. China war das erste Land, das eine Papierwährung erfand, obwohl im antiken Ägypten ein ähnliches System zur Anwendung kam, aber die Ägypter verwendeten kein Papier, sondern aus Ton bestehende Orderlagerscheine. Als die Mongolen unter Dschingis Khan in China einzogen und sein Nachfolger Kubilai Kahn die Yuan-Dynastie ins Leben rief, sah er sich gezwungen, das in China befindliche Papiergeld zu respektieren. Hätte er es nicht getan, wäre die Wirtschaft, die er beherrschen wollte, zusammengebrochen. Daher hört man auch nie von den Papiergeldsystemen, die nicht in die Hyperinflation abtauchen und fast über 1.000 Jahre anhalten.

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Die Chance, dass es zu einer Hyperinflation kommt, liegt bei null. Eine Hyperinflation setzt voraus, dass der Staat seine nichtfinanzierten Verbindlichkeiten begleichen wird. Da brauchen wir ja nur unsere Augen aufzumachen. In Wirklichkeit setzen die Staaten zurzeit alles daran, um die Segel einzustreichen. Am Ende wird dann eine neue Währung geschaffen und die Zahlungsverbindlichkeiten werden für nichtig erklärt – und dann bekommen wir einen Währungs-Neustart. Das ist auch der Punkt, wo die handfesten Vermögenswerte ins Spiel kommen. Alle Vermögenswerte überleben einen Währungs-Neustart, solange es nicht zu einem Krieg kommt, bei dem die Infrastruktur vernichtet wird, so wie wir es im Zweiten Weltkrieg sahen.

Man kann keine Prognosen abgeben, wenn man die Vergangenheit nicht versteht. Bürokraten glauben nicht daran, dass Erfahrung eine Rolle spielt, da sie jedes Mal, wenn eine Finanzkrise zuschlägt, das tun, was nach ihrem Dafürhalten funktionieren wird. Es interessiert sie überhaupt nicht, was in der Vergangenheit bereits ausprobiert wurde und ob es funktioniert hat. Erfahrung unterscheidet die intelligenten Menschen von den typischen herumbrüllenden Verrückten, die sich einfach bloß gerne Reden hören.

In jedem anderen Wissenschaftsbereich bauen wir auf den kollektiven Erfahrungen auf, die unsere Vorgänger gesammelt haben, beispielsweise in der Physik. Nur in der Sozialökonomie haben wir es mit Leuten zu tun, die uns erklären wollen, wie die Welt gesteuert werden soll, während sie über keinerlei Erfahrungen verfügen und sich auch nicht im Geringsten um die Geschichte scheren. Daher sind sie auch so großartige Politiker und Quacksalber – aber wenn ihnen ihre schlauen Sprüche ausgehen, sehen wir, dass sie ungeachtet ihrer Behauptungen, etwas Besseres zu sein als die anderen Menschen, nicht über uns stehen. Das ist auch der Grund, warum ich mich mit persönlichen Meinungen zurückhalte … Das Einzige, was wir tun können, ist, die Vergangenheit zu konsultieren, um zu begreifen, wie die Dinge wirklich laufen. Was irgendwer „glaubt“, ist unerheblich.

Definition der Hyperinflation

Ich habe diese Frage ja bereits viele Male beantwortet: Die Definition, bei der wir es ab einer jährlichen Inflationsrate von – je nach Berechnungsstandard – rund 26% mit einer Hyperinflation zu tun haben, hat nichts mit den historischen Beispielen zu tun, bei denen die Gesellschaft zusammenbricht und in eine Hyperinflation abtaucht, so wie es in Deutschland der Fall war.

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Die USA hatten 1980 auch eine Inflation von 20% und die Inflation bei den Vermögenswerten liegt gegenwärtig im Bereich von über 26%. Bei einer Phasentransformation kommt es zu einer Verdopplung der Vermögenspreise.

Zu der Behauptung, dass eine 26%ige Inflation die Gesellschaft, so wie wir sie heute kennen, vernichten würde, ist zu sagen: Sorry, es gibt nicht ein einziges Beispiel dafür. Wer diese Art der Definition verwendet und dann versucht, eine solche Inflationsrate mit Ereignissen wie denen in Deutschland in den 1920er Jahren zu verquicken, verzerrt die Wahrheit massiv.

Bei einer echten Hyperinflation überlebt der Staat nicht. Es kommt zu einem Zusammenbruch des Staats und einem Neustart von allem. In zahlreichen südamerikanischen Ländern konnten wir eine Inflation von über 26% beobachten und der Staat überlebte.

Hier geht es nicht darum, Ihnen irgendwelchen Unsinn zu verkaufen, um Sie um Ihr Geld zu bringen. Das sind einfach Tatsachen. Selbst hohe Inflationsraten, die bis an die 50% heranreichen, haben nicht zum Zusammenbruch der Gesellschaft geführt. Das hat man in Frankreich, England und natürlich auch in Spanien gesehen. Was Spanien den Garaus gemacht hatte, waren seine wiederholten Zahlungsausfälle, die zur Folge hatten, dass ihnen niemand mehr etwas lieh.

Hohe Inflationsraten und eine Hyperinflation, bei der es zur Vernichtung des Staats und der Gesellschaft kommt, sind also grundverschiedene Dinge. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Arten. Man sollte die Inflationsrate von 26% nicht für die Behauptung heranziehen, dass eine solche Inflation dieselben Auswirkungen hätte wie eine Inflation von Milliarden von Prozent. Das ist einfach unehrlich.

Wie hat Simbabwe seine Hyperinflation in den Griff bekommen?

Der Simbabwe-Dollar (ZWD) war von 1980 bis zum 12.04.2009 die offizielle Währung von Simbabwe, wobei die Währung drei Inflationsphasen durchmachte. Der Simbabwe-Dollar begann als die am stärksten bewertete Währung der Region, als sie 1980 eingeführt wurde und den Rhodesien-Dollar 1:1 ersetzte. Bald darauf kam es jedoch zu politischen Verwerfungen und das Vertrauen in den Staat brach zusammen. Das manifestierte sich dann in Form einer Hyperinflation.

Der Simbabwe-Dollar durchlief drei Neubewertungen, bei denen die Banknoten hohe Denominierungen bekamen, hierzu gehörte auch der ZWD 100 Milliarden Geldschein. Mit der dritten Neubewertung wurde der „vierte Simbabwe-Dollar“ geschaffen, der ZWD 1 Billion (weiter ZWD) oder ZWD 1.025 (erster ZWD) wert war.

Trotz der Versuche des Staats, die Inflation mit gesetzgeberischen Mitteln einzudämmen, gab es keinerlei Vertrauen in den Staat. Die drei Neubewertungen (2006, 2008 und 2009) scheiterten und das Endergebnis war, dass die Fähigkeit des Staats, Geld auszugeben, vollständig in sich zusammenbrach. Im Grunde wurde der Simbabwe-Dollar am 12.04.2009 inmitten der weltweiten Finanzkrise aufgrund eines Mangels an Vertrauen und einer explodierenden Inflation aufgegeben.

Am Ende sah sich die Zentralbank von Simbabwe im Januar 2009 gezwungen, Transaktionen in fremdländischen Währungen zu legalisieren. Mit anderen Worten: Die Transaktionen funktionieren nur, weil Währungen anderer Staaten verwendet werden.

Japan machte eine ähnliche Phase durch, als seinem Staat nicht mehr länger vertraut wurde und die Menschen sich auf den Tausch zurückzogen und Reis anstelle von Geld verwendeten. Der japanische Staat setzte die Geldemission einfach aus und prägte 600 Jahre lang keine Münzen (Geld) mehr.

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