Chinesische Goldimporte: Einfuhren über Hongkong weiterhin rückläufig

Die chinesischen Goldeinfuhren über Hongkong sind im 2. Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um über 40% eingebrochen – es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern diese Daten die tatsächlichen chinesischen Goldimporte heutzutage noch widerspiegeln

Lawrence Williams, Mineweb.com, 26.07.2014

Das Rätsel rund um den Goldpreis hält weiter an. Im letzten Jahr gab der Goldpreis dramatisch nach, obwohl enorme Mengen an Gold aus dem Westen in Richtung Asien (vornehmlich nach China) abflossen. Am Freitag den 25.07.2014 wurden dann aber die niedrigsten monatlichen Goldimporte über Hongkong auf das chinesische Festland seit Januar 2013 gemeldet, während sich der Goldpreis unterdessen ein klein wenig erholte.

Gold sank in der letzten Handelswoche auf das Niveau von USD 1.290 pro Unze ab, schoss dann im späten Freitagabendhandel aber deutlich über die Marke von USD 1.300 pro Unze.

Oberflächlich betrachtet legen die jüngsten Importzahlen aus Hongkong also einen drastischen Rückgang bei der chinesischen Goldnachfrage nahe. Während die Goldimporte über Hongkong im Vorfeld des chinesischen Neujahrsfestes außerordentlich stark ausfielen, zeigen die Importdaten, dass die Einfuhren von März bis Juni bedeutend unter den Einfuhrmengen des letzten Jahres lagen.

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In den ersten 6 Monaten dieses Jahres lagen die Netto-Goldimporte über Honkong gegenüber dem Vorjahr mit 12% im Minus – und dieser Trend fällt sogar noch massiver aus, als die Halbjahreszahlen nahelegen, denn von März bis Juni kam es bei den Netto-Goldeinfuhren über Hongkong im Vorjahresvergleich zu einem Einbruch von atemberaubenden 42%.

Der Rückgang bei den Importen über Hongkong ist in der Tat ein Hinweis auf eine fallende chinesische Goldnachfrage im bisherigen Jahresverlauf – das wird auch durch andere Daten gestützt, zum Beispiel durch die jüngste Erklärung der Chinese Gold Association, die meldete, dass die chinesische Goldnachfrage im 1. Halbjahr dieses Jahres um 19,4% zurückgegangen ist (von 706,36 Tonnen im 1. Halbjahr 2013 auf 569,45 Tonnen im 1. Halbjahr 2012). Es könnte daher durchaus sein, dass die aus Hongkong gemeldeten Einfuhrdaten den tatsächlichen chinesischen Nachfrageeinbruch nicht widerspiegeln.

Im bisherigen Jahresverlauf ist also definitiv ein bedeutender Abwärtstrend zu verzeichnen gewesen, ganz gleich, welche Statistik wir dafür zugrunde legen.

Nehmen wir beispielsweise die Daten von Koos Jansen, die auf Ingoldwetrust.ch veröffentlicht werden. Jansen überwacht die Goldauslieferungen an der Schanghaier Goldbörse und ist der Meinung, dass diese Daten das wahre Bild der chinesischen Einzelhandelsnachfrage (ohne Staatssektor) widerspiegeln. Auch hier kam es im 1. Halbjahr 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu einem Rückgang von 14% (1.100 Tonnen in 2013 gegenüber 950 Tonnen in 2014). Und der Rückgang bei den Aufpreisen für physisches Gold an der Schanghaier Goldbörse scheinen diesen Trend zu bestätigen.

All die oben genannten Daten legen nahe, dass die Einfuhrstatistiken aus Hongkong als Stellvertreter für die chinesischen Goldimporte aus dem Westen heutzutage nicht mehr so wichtig sind, wie es in der Vergangenheit der Fall war.

Es ist wahrscheinlich, dass es mittlerweile andere chinesische Orte gibt, über die das Gold ins Land gelangt – hauptsächlich über Peking und Schanghai. Diese Städte dürften zu immer wichtigeren Routen für die chinesischen Goldimporte werden, und es könnte durchaus sein, dass es sich dabei um eine bewusste Neuausrichtung der chinesischen Regierung handelt, um die Importdaten zu verschleiern, da uns nur für die über Hongkong aufs chinesische Festland importierten Goldmengen konkrete Daten vorliegen. Hongkong stellt mit seinen öffentlich gemeldeten Daten eine Art von Ausnahme dar, was noch auf die britische Kolonialherrschaft zurückgeht.

In der Vergangenheit war es so, dass die chinesischen Goldeinfuhren über Hongkong in der zweiten Jahreshälfte immer kräftig zulegen konnten. Es ist jedoch sehr fraglich, ob die Importe in der zweiten Jahreshälfte 2014 auch nur ansatzweise an das Rekordniveau des letzten Jahres heranreichen werden.

Wie dem auch sei, wir sollten im Hinterkopf behalten, dass die Daten aus Hongkong die tatsächliche chinesische Goldnachfrage wahrscheinlich nicht mehr widerspiegeln. Koos Jansens Daten der Schanghaier Goldbörse liefern uns vielleicht das genauste Bild von der chinesischen Gesamtgoldnachfrage, das westlichen Marktbeobachtern zur Verfügung steht.

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