EU-Staatsschuldendebakel: Kann Deutschland Europa bei der nächsten Finanzkrise retten?

Ist Deutschland überhaupt in der Lage, Europa bei Ausbruch der nächsten Finanzkrise zu retten, und verfügen die Europäer über einen glaubwürdigen Plan B, falls Deutschland nicht gewillt ist, im Krisenfall mit Geschenken aufzuwarten?

Erico Tavares, Sinclair & Co., 27.07.2014

Ist Deutschland in der Lage, die Last Europas bei der nächsten Finanzkrise zu schultern?

Unter den europäischen Wirtschaften war Deutschland die letzten Jahre der Star gewesen: Das deutsche Wirtschaftswachstum lag die letzten Jahre fortwährend – mit Ausnahme des Jahres 2006 –über dem Gesamtwirtschaftswachstum der Eurozone (und nun kommt auch noch eine fantastische Fußballnationalmannschaft mit hinzu).

Diese Stärke der deutschen Wirtschaft hat gemeinsam mit der Größe Deutschlands und seiner unumstößlichen historischen Hingabe zum EU-Projekt dafür gesorgt, dass in Polit- und Finanzkreisen der Eindruck entstanden ist, dass, sollte Europa in eine neue große Wirtschaftskrise abtauchen, Deutschland gar keine andere Wahl habe, als die gefährdetsten EU-Mitgliedsstaaten zu stützen, und wohlmöglich auch einer Vereinheitlichung der Eurozonenschulden zustimmen würde.

Nun, das ist ein sehr komplexes Thema, aber der nachfolgende Chart zeigt, welcher Ausgang der wahrscheinlichere ist: Das nächste Mal, wenn die Krise richtig zuschlägt, dürfte Deutschland das Handtuch werfen und nein sagen!

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(Nordeuropa (a) ist ein Durchschnitt der Niederlande, Dänemark, Finnland und Schweden.) Zum Vergrößern anklicken.

Es gibt verschiedene Fakten, die bezüglich dieses Charts Erwähnung finden sollten:

Fazit

Die deutschen Steuerzahler haben gegenwärtig mit den Kosten für die Wiedervereinigung und der deutschen Staatsverschuldung zu kämpfen, die weit höher sind, als sie jemals erwartet hätten. Und das heißt, dass – während die europäischen Politiker Deutschland nach wie vor zu mehr „Solidarität“ auffordern – Deutschland kaum über Finanzressourcen verfügt, geschweige denn den politischen Willen, um andere Mitgliedsländer zu retten.

Und Frankreich, Italien und Spanien – die gemeinsam mit Deutschland über 55% des BIP der Europäischen Union stellen – befinden sich in einer noch schlimmeren Lage – dort hat überhaupt niemand etwas für schlechte Zeiten weggetan. Und viele EU-Länder haben immer noch mit den Auswirkungen der letzten Finanzkrise zu kämpfen.

Sollte das Weltwirtschaftswachstum bedeutend zulegen, könnten viele dieser Probleme hinausgeschoben werden oder gar komplett wegfallen. Wir sorgen uns jedoch über das Szenario, bei dem dieses Wirtschaftswachstum ausbleibt.

Alles ist möglich, die Politiker könnten auch die heute noch bestehende Vorsicht und finanzielle Zurückhaltung in den Wind schlagen. Schließlich hat Deutschland seine Verschuldung ja bereits um ganze 17% erhöht – obwohl es bereits ziemlich überschuldet war –, um auf die letzte Finanzkrise zu reagieren, wodurch die Aussicht darauf, zum Schuldenniveau von 60% zurückzukehren, in immer weitere Ferne rückte. Und Frankreich, Deutschlands großer Partner beim EU-Projekt, scheint diesen Weg bereits vollumfänglich eingeschlagen zu haben.

An irgendeinem Punkt dürfte diese Politik jedoch unvorhersehbare Auswirkungen haben, speziell dann, wenn die Finanzierungskosten in bestimmten Staaten außer Kontrolle geraten. Die Zentralbanken können weiterhin Liquidität bereitstellen und – in gewissem Umfang – auch die Zinssätze unten halten, um die Schuldenlast abzumildern, aber sie können die Solvenz der Länder nicht eigenständig wiederherstellen. Die Sozial- und Rentenprogramme; das Wirtschaftswachstum; die Fähigkeit, das Finanzsystem zu stützen; ja selbst der Zusammenhalt in Europa könnten im Ergebnis in Mitleidenschaft gezogen werden.

Daher fragen wir uns auch, ob Europa über einen glaubwürdigen Plan B verfügt, falls Deutschland nicht gewillt ist, bei der nächsten Krise mit Geschenken aufzuwarten. Die europäischen Bankkunden sollten sehr besorgt sein, ja in Wahrheit, sollte sich darüber jeder Sorgen machen.

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