Gold & Silber – die erste Wahl für den Kapitalerhalt

Richard Russell, King World News, 29.07.2014

Das ist nicht derselbe Aktienmarkt wie vor einem Jahr. Vor einem Jahr war es ein Aktienmarkt, der von den Käufen und Verkäufen der Privatanleger lebte – der heutige Aktienmarkt wird hingegen von Hedge-Fonds dominiert.

Heute Morgen besuchte mich mein langjähriger Aktienbroker E. F. Hutton. Er sagte, der schnellste Weg, einen Kunden zu verlieren, sei, ihn von einem steigenden Aktienmarkt fernzuhalten. Der Privatanleger kann Verluste verschmerzen, aber er verzeiht es einem nie, wenn man ihn von einem steigenden Aktienmarkt fernhält.

Und das steht auch mit der aktuellen Entwicklung in Einklang. Die Hedge-Fonds und Geldverwalter müssen in diesem Markt sein; sie können es sich überhaupt nicht leisten, diesem Markt fernzubleiben. Die Geldverwalter ignorieren die schlechten Meldungen und, noch wichtiger, bleiben weiterhin im Markt. Das Resultat ist, dass der Aktienmarkt weiterhin steigt, unabhängig von der Ukraine, Gaza oder irgendwelchen anderen negativen Meldungen.

Die Frage ist, wie hoch dieser Baum noch in den Himmel wachsen wird? Irgendwann, und niemand weiß wann, wird der Aktienmarkt kopflastig werden, und dann wird er unter seiner eigenen Last einbrechen.

Ich persönlich konzentriere mich eher auf den Kapitalerhalt, anstatt das Risiko einzugehen und auf Kapitalvermehrung aus zu sein. Bezüglich des Kapitalerhalts habe ich mich für Gold und Silber entschieden. Beide Metalle befinden sich zurzeit solide in fixen Handelsspannen, und das ist okay für mich. Sollte der Aktienmarkt um 25% fallen und der Geldverwalter aber nur mit 23% im Minus sein, erachtet er das noch als gute Performance. Ich sehe das anders. Wenn der Aktienmarkt um 25% fällt und Gold in seinem Handelskanal bleibt, erachte ich das als exzellenten Ausgang.

Im heutigen Aktienmarkt kann jeder Idiot auf den Wellen reiten. 60 Jahre an Erfahrung sagen mir, dass es das Risiko nicht wert ist, in diesem Markt zu sein.

Angst und Sorgen können einem Jahre an Lebenszeit rauben. Haben Sie sich jemals gefragt, wie oder warum ich 90 Jahre alt geworden bin? Ich habe 1958 mit den Dow Theory Letters begonnen, und während all der Jahre habe ich es meinen Abonnenten nie erlaubt, einen Bärenmarkt durchzumachen. Ich finde diese Bilanz gut und möchte auch, dass es so bleibt. Den Hedge-Fonds und den Geldverwaltern kann ich nur viel Glück wünschen, die Hälfte von ihnen ist halb so alt wie ich und mit dem Geld anderer Leute sind sie auch ziemlich mutig. Ich habe das Geld meiner Abonnenten immer so behandelt, als wäre es mein eigenes, und das werde ich auch weiterhin tun.

Wir haben es heute mit einem anderen Aktienmarkt zu tun als noch vor ein paar Jahren. Erinnern Sie sich noch an die Odd-Lots? Die haben wir alle im Auge behalten. Sie gaben Auskunft über die Reaktionen der Privatanleger auf die Marktbewegungen. Heute schert sich überhaupt niemand mehr um Odd-Lots. Warum? Weil in diesem Aktienmarkt keine Privatanleger anzutreffen sind. Der heutige Markt wird von Geldverwaltern beherrscht, und jeder Geldverwalter muss in einem steigenden Markt sein.

Doch wie stark wird dieser Markt noch steigen? Kein Baum wächst zum Himmel, und dieser Markt dürfte da auch keine Ausnahme sein. An irgendeinem Punkt wird der Aktienmarkt zu kopflastig werden und unter seiner eigenen Last zusammenbrechen – doch wann wird es soweit sein? Das weiß niemand – trotzdem ist jeder Geldverwalter der Meinung, dass er in der Lage ist, den Markt rechtzeitig zu verlassen, bevor es zum Rückgang kommt.

Ich schätze mal, dass meine Abonnenten wissen, was ein „schwarzer Schwan“ ist. Ein „schwarzer Schwan“ ist ein völlig unvorhersehbares Ereignis, das weitreichende und internationale Auswirkungen hat. Beispiele sind der Sturz Frankreichs 1940 und kürzlich der Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs. Schon per Definition kann niemand sagen, wann der nächste „schwarze Schwan“ kommen wird, aber meine Intuition sagt mir, dass etwas bevorsteht.

Ich hatte am Wochenende Gelegenheit, viel nachzudenken. Und es gibt eine Sache, die mir auffiel, nämlich dass die Verbraucher knapp bei Kasse sind und nun ihre Ausgaben zurückfahren. Das wird deutliche Auswirkungen auf das US-BIP haben.

Ich habe im Christian Science Monitor gelesen, dass die weltweite Jugend angewidert ist von der Welt, die wir ihr hinterlassen haben. Sie sind in aufrührerischer Stimmung. Sie können keine Jobs finden und ziehen wieder zu ihren Eltern. Sie setzen den Islam mit einer Revolte gegen die aktuelle Welt gleich. Im Ergebnis gibt es nun tausende von jungen Menschen in ganz Europa, die ihre Heimat verlassen, um in Syrien zu kämpfen. In Europa, speziell in Frankreich, wird das gerade zu einem echten Problem.

Die Regel „Du sollst von deinem Nettoeinkommen nicht mehr als 30% für das Eigenheim ausgeben“, ist für den Normalbürger gar nicht mehr machbar. Ich glaube, dass die USA immer stärker verarmen werden. Ich befürchte, dass es bei den Massen zu Aufständen kommen wird, sollte das Auspressen der Mittelschicht und der unteren Klassen weiter anhalten. Und ich befürchte, dass auf den Straßen Blut fließen wird. Daher wird der sicherste Ort eine kleine Farm fernab von großen Bevölkerungsansammlungen sein.

Noch einmal: Ich schlage vor, dass Sie eher im Sinne des Kapitalerhalts anstatt im Sinne der Kapitalvermehrung denken. Zu diesem Zweck habe ich mich für Gold und Silber entschieden, und ich habe auch festgestellt, dass die Preise für Diamanten gegenwärtig stark steigen. Diamanten sind transportierbares Vermögen, das oftmals von einer Generation an die nächste weitergereicht wird.

Mein Ratschlag: „Halten Sie an Gold und Silber fest und beten Sie für das Wohl der Nation.“ Ich muss schon sagen, dass es mich fasziniert, mitzuverfolgen, wie die USA mit ihren explodierenden und sich auftürmenden Schulden umgehen. Was mir Sorgen bereitet, ist die Beständigkeit der zwei folgenden Faktoren: Inflation und Krieg.

Der erste Chart, den wir uns anschauen, ist ein arithmetischer Goldpreischart auf Wochenbasis. Die vier aufsteigenden Tiefs deuten auf Zukäufe hin.

KWN Russell I 7 29 2014_01

Der nächste Chart zeigt den Dow Jones Index, der seine 5-jährige Trendlinie emporklettert. Das Entscheidende ist, dass sich der Dow über der Marke von 17.000 Punkten hält, ansonsten sinkt er unter seine Trendlinie ab.

KWN Russell II 7 29 2014_02

Hier sehen Sie, wie die Rendite für 30-jährige US-Staatsanleihen einbricht. Warum steigen die Anleihen im Wert? Die Antwort ist einfach: Die US-Notenbank kauft immer noch Anleihen auf.

KWN Russell III 7 29 2014_03

Der nächste Chart zeigt, dass die Goldminenaktien den S&P 500 Index ausgestochen haben. Bereitet sich der Markt gerade auf Schwierigkeiten vor?

KWN Russell V 7 29 2014_04

Und der Volatilitätsindex VIX fängt an, wild herumzuspringen. Sind das Vorbereitungen auf einen bevorstehenden Sturm?

KWN Russell IV 7 29 2014_05

Der Offenmarktausschuss der Fed wird wohl darüber diskutieren, ob die geldpolitischen Straffungsmaßnahmen fortgesetzt werden sollten oder nicht. Ich glaube, dass die Fed jetzt irgendwie Wind von einem besorgniserregenden Szenario bekommen hat. Das Szenario könnte sein, dass das US-BIP im zweiten Quartal dieses Jahres im Minus liegt. Sollte die Fed die geldpolitischen Straffungsmaßnahmen aussetzten, rechne ich damit, dass es bei den Edelmetallen zu starken Preisanstiegen kommen wird.

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