Mauldin: Die größte Gefahr, die einen weltweiten Crash herbeiführen könnte

King World News, 12.09.2014

King World News sprach heute mit dem Präsidenten von Millenium Wave Securities über die große Gefahr, die nach seinem Dafürhalten einen weltweiten Crash auslösen könnte. Mauldin warnte überdies davor, dass die Probleme in Europa so riesig sind, dass sie für die Europäer letztlich zum Schock werden und die europäische Einheitswährung vernichten könnten:

Eric King: „Was ist ihre größte Sorge, wenn Sie in die Zukunft blicken? Was wird die Welt in die nächste Krisenrunde stürzen?“

Mauldin: „China. Wenn China einen makroökonomischen Fehler macht, während sie ihre Wirtschaft neuausrichten, könnte das zu einem riesigen Problem werden.

Und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie so einen Fehler begehen. Das ist eine echte Sorge von mir. Sie haben zu viele Schulden. Und sie haben verschiedene Spekulationsblasen geschaffen.

Sie halten zwar USD 3 Billionen an Vermögenswerten, aber sie werden auch jeden Penny davon brauchen. Im Grunde haben sie ein Wirtschaftswunder geschaffen, indem sie ein Viertel ihrer Milliardenbevölkerung in die Städte gebracht haben – wo sie Arbeitsplätze, Wohnungen usw. vorfinden. Das hat China im Grunde aus dem Mittelalter herausgeholt.

Aber sie haben immer noch einen langen Weg vor sich. Es gibt in China immer noch eine ganze Reihe von Leuten, die noch aus der Armut herausmüssen. Und sie müssen noch jede Menge Anpassungen vornehmen, um sich in eine Konsumgesellschaft zu verwandeln. Sie können nicht auf immer und ewig von Auslandsinvestitionen leben. Diese Option schwindet langsam. Und sie werden künftig mit Sicherheit nicht mehr in der Lage sein, ein jährliches Wirtschaftswachstum von 7% bis 7,5% zu erwirtschaften, so wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen ist.

Ihre Wirtschaft wird sich abschwächen, und die Welt ist auf eine solche Abschwächung nicht vorbereitet. Die Welt kann eine leichte Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums auf 4% oder 5% verkraften, sollte sich das Wachstum jedoch auf 2% oder 3% abschwächen – was durchaus möglich ist –, würden dadurch die weltweiten Geld- und Rohstoffströme verändert. Das wird in gewissem Umfang auch Kanada treffen, Australien wird es massiv treffen, und Brasilien wird es ebenfalls massiv treffen. Die Welt beobachtet derzeit also ganz genau, was in China vonstattengeht.

Europa ist ein Problem, aber ich glaube nicht, dass es dieses Jahr zum Problem wird. Europa wird dann zur Krise werden, wenn auf einmal alle erstaunt aufblicken und sich fragen, ob die Franzosen in der Lage sind, ihre Schulden zu bedienen. Die Franzosen gehen ihre Haushaltskrise nicht an. Sie haben nach wie vor ein Haushaltsdefizit von über 4%. Und jetzt fällt auch noch ihr BIP-Wachstum in den negativen Bereich.

Ihr Schulden/BIP-Verhältnis verschlechtert sich also weiter, weil sie ihre Defizite weiter ausweiten. Und an irgendeinem Punkt werden sich die Leute dann sagen: ´Das ist ein Problem, ich will jetzt höhere Zinssätze.` Und während die Zinssätze steigen, werden auch die Schulden- und Defizitprobleme Frankreichs immer schlimmer werden, und das Ganze wird dann eine Eigendynamik entwickeln.

Der EZB-Chef Draghi wird am Ende also jede Menge Schulden aufkaufen müssen. Und es bleibt noch abzuwarten, ob die Deutschen es ihm erlauben werden, die Menge an französischen Schulden aufzukaufen, die notwendig ist, um das Problem aufzuschieben. Ich glaube, dass es zu einer Neugestaltung des Maastricht-Vertrags kommen wird und dass das Ganze sehr umstritten sein wird. Und wenn sie es nicht tun, wird der Euro unter enormen Druck geraten. Ohne Schritte in Richtung einer europäischen Fiskalunion wird es zum Auseinanderbrechen des Euros kommen. Das ist kein Thema, das Europa derzeit beschäftigt, aber das wird sich künftig zu einer Krise entwickeln.“

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