Sprott: Holen Sie Ihr Geld von der Bank und investieren Sie es in handfeste Vermögenswerte!

Henry Bonner, Sprott Asset Management, 17.09.2014

In einem jüngst mit Eric Sprott geführten Interview sagte der Gründer von Sprott Inc., dass er nach wie vor physisches Gold kauft und plant, es solange zu halten, wie es ihm möglich ist. Die Angebotsverknappung bei Gold, über die er während seines Interviews vom Mai sprach, ist nach wie vor da, und auch wirtschaftlich habe sich die Lage nicht verbessert.

„Wenn sich die Menschen dann endlich dazu entschließen, Gold zu kaufen, wird es wahrscheinlich kein Gold mehr geben“, so Sprott.

Bonner: „Schön, wieder mit Ihnen zu sprechen. Wo investieren Sie gegenwärtig Ihr Geld?“

Sprott: „Ich habe hier in Kanada kürzlich ein paar Gold- und Silber-Fonds gekauft.

Ich halte wahrscheinlich zwischen 70% und 80% meines Portfolios in Edelmetallen, und ich glaube, dass das die richtige Menge ist, die man halten sollte. Die Zeit wird zeigen, ob ich damit richtig liege oder nicht.

Mein Unternehmen steht natürlich für Edelmetalle – ein großer Teil des Werts unserer Firma hängt von den Edelmetallen ab, und denen habe ich mich vollständig verschrieben.

Und so beunruhigend ich die aktuellen täglichen Gold- und Silberpreisbewegungen auch finde, bin ich dennoch absolut überzeugt davon, dass sich Edelmetalle langfristig als die richtige Entscheidung herausstellen werden.

Die Kursbewegungen, die man bei Edelmetallminenaktien sieht, sind bei anderen Vermögensklassen so gut wie ausgeschlossen. Wir hatten dieses Jahr bereits Gold- und Silberminenaktien dabei, die sich im dreistelligen Prozentbereich bewegt haben. Und es scheint, als würden noch mehr solcher Kursbewegungen bevorstehen.“

Bonner: „Wenn Sie sich die jüngsten Wirtschaftsdaten anschauen, glauben Sie, dass diese Daten die Gold-These stützen?“

Sprott: „Schon vor dem Crash des Jahres 2000 war ich der Meinung, dass das Bankensystem gefährdet ist. Ich will mein Geld nicht auf einer Bank halten, weil Banken sehr schnell pleitegehen können.

Und in 2008 waren dann im Grunde alle Banken plötzlich pleite, also soweit ich weiß. Die US-Notenbank (Fed) sprang ein, um das Bankensystem zu stützen, was sie nun bereits die letzten sechs Jahre getan hat. Und dennoch hat es dort bei den Eigenkapitalquoten der Banken und dem Risiko, sein Geld dort zu halten, praktisch keinerlei Verbesserungen gegeben.

In Wahrheit verliert man aufgrund der negativen Realzinsen ja sogar noch Geld, wenn man es auf der Bank lässt – und unterdessen ist man immer noch den mit einer Bank in Zusammenhang stehenden Risiken ausgesetzt. Also für mich ist das völlig lächerlich, sich in eine solche Situation zu begeben, wenn man weiß, wie stark gehebelt diese Banken sind.

Es gibt eine Menge Menschen, die jetzt behaupten würden, dass ´die Lage nicht so risikoreich ist`, weil wir diese ´wundervolle Wirtschaftserholung` haben, die derzeit im Gang ist. Ich glaube, dass das im großen Ganzen Unsinn ist – es ist keine echte Wirtschaftserholung. Wir haben viele Billionen US-Dollars ausgegeben, um damit Anleihen zu kaufen, und wir haben die Zinsen auf null gedrückt, aber es ist praktisch kaum etwas dabei herumgekommen. Und mit Sicherheit keine große Wirtschaftserholung.

Wenn ich mir die Wirtschaftsdaten anschaue, beispielsweise die Verkaufszahlen von Caterpillar oder Mc Donald´s, dann haben wir es mit stagnierenden Umsätzen zu tun. Das Verbrauchervertrauen ist laut Gallup die letzten zwei bis drei Jahre schwach ausgefallen.

90% der US-Bevölkerung hat so gut wie keine Zuwächse beim Realeinkommen und darüber hinaus haben wir eine bedeutende Inflation. Ein Großteil dieser Inflation geht auf eine Entwicklung zurück, die wir als ´Schrumpf-Flation` bezeichnen. Man geht in einen Laden und kauft eine Packung Müsli, aber in der Packung sind auf einmal 20% weniger drin als früher.

Und dann haben wir auch noch die Preise für Rindfleisch, Hühnerfleisch oder Schweinefleisch oder jede andere Art von Lebensmittel, über das wir hier reden wollen. All diese Dinge sind dramatisch im Preis gestiegen. Dem Verbraucher geht es nicht besser, in Wahrheit geht es ihm heute sogar schlechter.

Und ich kann noch nicht einmal sagen, ob der Verbraucher die wahren Auswirkungen bei den Krankenkassenbeiträgen schon mitbekommen hat, jetzt wo in verschiedenen US-Bundesstaaten Erhöhungen durchgeführt werden. Und das scheinen immer Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich zu sein. Aber wenn die Kosten für die Krankenversicherung schon heute 20% der Ausgaben ausmachen und dann zusätzlich noch eine Erhöhung im zweistelligen Prozentbereich hinzukommt, ist das eine beträchtliche Inflation. Das frisst die gesamten Gehaltszuwächse auf, wenn man überhaupt welche hat.

Und dann haben wir in Amerika ja auch noch das Problem mit den Studentenkrediten. Diese enormen Zuwendungen, die die Leute im Grunde als kostenloses Geld betrachten, sind natürlich auch Kosten. Damit wird eine ganze Bildungsindustrie am Leben gehalten, weil die Studenten pro Jahr zwischen USD 50 Milliarden und USD 100 Milliarden an neuen Studentenkrediten aufnehmen. Aber es sind halt Kredite, und eines Tages müssen diese Schulden wieder zurückgezahlt werden. Das ist auch der Grund, warum man all diese Geschichten über Leute hört, die diese Schulden aus Studentenzeiten zurückzahlen müssen, dazu aber nicht in der Lage sind. Das ist auch nicht gut für die Wirtschaft.

Warum ich so viel über die Wirtschaft rede? Weil die Wirtschaft keine Trendwende einleiten wird. Entweder werden wir einen langsamen Wirtschaftsrückgang erleben oder es kommt ein Schwarzer Schwan, der diesen Rückgang sogar noch beschleunigt. Und das schwächt die Vermögenswerte innerhalb des Bankensystems.

Wenn die Vermögenswerte um 5% fallen und man extrem stark gehebelt ist, bedeutet das, dass man pleite ist. Ein 5%iger Rückgang am Aktienmarkt ist aber keine sonderlich verrückte Annahme. Und auch im Immobilienmarkt zeigen sich erste Risse – und das nicht nur in Nordamerika. Wir haben all diese Subprime- und Autokredite, die ebenfalls wie ein Bumerang auf uns zurückkommen werden. Diese Kredite stehen bei den Finanzinstitutionen ebenfalls in den Büchern.

Es gibt eine große Liste an potenziellen Schwarzen Schwänen da draußen – ob nun geopolitische Ereignisse in der Ukraine, China und Japan oder Indien und Pakistan. Einige Regierungen könnten Probleme damit bekommen, ihre Rechnungen zu begleichen, und könnten ihre Schulden für nichtig erklären.

Dann haben wir noch diese ganze Ebola-Geschichte in Afrika. Es heißt, dass diese Seuche außer Kontrolle geraten ist. Der Premierminister von Liberia musste einige Ministerien an sich ziehen, weil seine Minister das Land verlassen haben. Wenn Sie in Liberia wären, würden sie das Land ebenfalls verlassen. Viele exportieren die Krankheit dann gleich ins Ausland, wenn sie gehen. Sollte sich die Krankheit im Westen breitmachen, hätte das für die Wirtschaft extrem negative Folgen.

Und um hier zu der ursprünglichen These zurückzukommen: 2008 hatte ich mir Sorgen darüber gemacht, dass die Menschen ihr Geld bei den Banken halten, und erklärte, dass sie Gold und Silber halten sollten.

Und was Gold anbelangt, ist meine These ja schon seit 2010, dass die Goldnachfrage höher ist als das Angebot. Die Zentralbanken haben diese Verknappung heimlich übertüncht, indem sie dem Markt das Gold bereitstellten.

Die asiatische Goldnachfrage ist immer noch stark. Der Handel an der Schanghaier Edelmetallbörse ist sehr robust, selbst wenn er in jüngster Zeit ein wenig schwächer ausfiel. Und dann lauert auch noch Indien in Wartestellung. Sie haben derzeit immer noch diese restriktive Goldeinfuhrpolitik, wodurch große Mengen an Goldimporten behindert werden.

China hat seine Goldkäufe innerhalb der letzten 5 Jahre auf 1.000 Tonnen pro Jahr ausgeweitet. Das sind zusätzliche 25% an Goldnachfrage in einem 4.000 Tonnen Goldmarkt. Also: Warum steigt der Goldpreis dann nicht? Für mich könnte es kaum bizarrer sein. Darüber hinaus hat China auch 18% der weltweiten Silberversorgung aufgekauft. Und trotz dieser neuen Nachfrage ist der Silberpreis gefallen.

Letztes Jahr flossen aus den börsennotierten Goldfonds (ETFs) rund 900 Tonnen physisches Gold ab. Der jährliche Goldmarkt beläuft sich auf 4.000 Tonnen, das sind also über 20% des Markts. Dieses Jahr liegen die Goldabflüsse bei den ETFs aber fast bei null, während die Nachfrage gleich ist – hier muss also irgendjemand mit 900 Tonnen an zusätzlichem Gold aufwarten.

Eine Menge Leute sind der Meinung, dass die Zentralbanken hier kräftig mitmischen.“

Bonner: „Wie ist Ihr aktueller Goldpreisausblick?“

Sprott: „Der wichtigste Faktor ist die Angebotsverknappung bei physischem Gold. Die rückläufigen Goldbestände im Lager der Schanghaier Börse legen nahe, dass wir diesem Punkt nun immer näher kommen. Ich rechne also damit, dass im Goldmarkt schon bald etwas passieren wird.

Es gibt jede Menge Leute, die bereit sind, die Fed zu stützen und bei ihren Spielchen mitzumachen. Aber natürlich behalten sie auch alle die Notausgänge im Auge, sollte sich das Spiel ändern. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die wirklich überzeugt davon sind, dass es eine starke Wirtschaftserholung gibt oder irgendeinen Plan, um die Finanzkrise zu lösen.

Die Zentralbanken türmen immer mehr Schulden auf, ohne irgendwelche Ergebnisse vorweisen zu können. Ich glaube, dass die meisten Menschen das begreifen. Die Aktien klettern immer weiter nach oben, während die Handelsvolumina zurückgehen. Nun, wenn wir beim S&P 500 Index, beim Dow Jones und beim NASDAQ neue Rekorde verzeichnen, müsste man doch aber eigentlich höhere Handelsvolumina sehen und nicht niedrigere. Für mich ergibt das keinen Sinn.

Wenn sich die Menschen dann endlich dazu entschließen, Gold zu kaufen, wird wahrscheinlich kein Gold mehr da sein. Und ich bin glücklich, Gold zu besitzen, und ich kaufe es auch gerne weiter.“

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