Monströse Derivate-Bombe: 5 US-Banken halten jetzt jeweils über USD 40 Billionen an Finanzderivaten

Wir rollen zurzeit wie eine Dampfwalze in Richtung der größten Finanzkatastrophe der Menschheitsgeschichte, und es gibt im Grunde niemanden, der etwas unternimmt, um diese Entwicklung aufzuhalten

Michael Snyder, The Economic Collapse, 24.09.2014

Wann wird das US-Bankensystem kollabieren? Das lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassen: Behalten Sie die Finanzderivate im Auge. Früher gab es nur 4 „systemrelevante“ Banken in den USA, mittlerweile sind es jedoch schon fünf US-Banken, die jeweils über USD 40 Billionen an Finanzderivaten halten.

Die US-Staatsverschuldung beläuft sich aktuell auf rund USD 17,7 Billionen – wenn wir hier von USD 40 Billionen sprechen, geht es also um einen Geldbetrag, der fast unvorstellbar ist. Und im Gegensatz zu Aktien und Anleihen, handelt es sich bei diesen Finanzderivaten nicht um „Investments“. Derivate können unglaublich komplex sein, aber im Grunde sind es lediglich Finanzwetten auf irgendeine zukünftige Entwicklung.

Die Wahrheit ist, dass sich der Derivatehandel von Sportwetten – sagen wir auf den Ausgang eines Fußballspiels – gar nicht so stark unterscheidet. Der Handel mit Finanzderivaten ist im Grunde eine Form legalisierten Glückspiels, und die „systemrelevanten“ Banken haben Wall Street in das größte Casino der Menschheitsgeschichte verwandelt. Wenn die Derivate-Blase platzt – und ich bin mir sicher, dass es dazu kommen wird –, wird das Leid, das dadurch über die Weltwirtschaft hereinbricht, größer sein, als sich mit Worten beschreiben lässt.

Aber wenn der Derivatehandel so riskant ist, ja warum wird er dann von den US-amerikanischen Großbanken praktiziert?

Die Antwort auf diese Frage, lässt sich auf ein einziges Wort herunterbrechen: Gier.

Die „systemrelevanten“ Banken generieren mit ihrem Derivatehandel enorme Gewinne. Laut der New York Times weisen US-Banken „fast USD 280 Billionen an Finanzderivaten in ihren Büchern aus“, und das obwohl die Finanzkrise von 2008 deutlich gezeigt hat, wie gefährlich diese Papiere sein können:

„Amerikanische Banken halten fast USD 280 Billionen an Finanzderivaten in ihren Büchern, und einige ihrer größten Gewinne machen sie mit dem Handel dieser Papiere. Die Krise von 2008 hat jedoch gezeigt, dass sich dank der Fehler in diesem Markt bei großen Wall Street Firmen gefährliche Risiko-Positionen aufbauen konnten und der Run auf das Bankensystem dadurch nur noch schlimmer wurde.“

Die Großbanken verfügen über komplexe Computermodelle, die das System eigentlich stabil halten und dabei helfen sollen, die Risiken zu kontrollieren.

Aber all diese Computermodelle basieren auf Annahmen. Und all diese Annahmen stammen von Menschen.

Sollte es zu einem „Schwarzen Schwan“ kommen – wie beispielsweise einem Krieg, einer großen Pandemie, einer apokalyptischen Naturkatastrophe oder dem Zusammenbruch einer sehr großen Finanzinstitution –, können diese Modelle jedoch in Windeseile in sich zusammenbrechen.

Nehmen wir beispielsweise den folgenden kurzen Auszug aus einem Forbes-Artikel. In dem Artikel wird beschrieben, was mit dem Derivatemarkt geschah, als Lehman Brothers 2008 zusammenbrach:

„Und wenn wir jetzt wieder auf die Finanzkernschmelze von 2008 zurückkommen, ja was sehen wir da? Amerika war wieder in Feierlaune. Die Wirtschaft boomte. Jeder schien reicher zu werden, und das obwohl sich überall Warnhinweise fanden: Eine zu hohe Kreditaufnahme; idiotische Investments; gierige Banken; vor sich hindösende Regulierungsbehörden an den Schaltstellen; Politiker, die Eigenheime für Menschen forderten, die sich diese gar nicht leisten konnten; und leidenschaftliche Analysten, die öffentlich erklärten, dass das alles böse enden muss.

Und dann stürzte Lehman Brothers ab, das Finanzsystem geriet in eine Schockstarre und die Weltwirtschaft wäre beinahe zusammengebrochen. Warum?

Die Hauptursache waren nicht einfach bloß die rücksichtlose Kreditaufnahme und die exzessiven Risiken, die eingegangen wurden. Das Hauptproblem war der Mangel an Transparenz. Nach dem Zusammenbruch von Lehmann kannte niemand die konkreten Bankenrisiken, die vom Derivathandel herrührten, und daher war auch keine Bank mehr gewillt, einer anderen Bank Kredite zur Verfügung zu stellen. Und da alle Banken in unbekanntem Umfang in den riskanten Derivatehandel involviert waren, war auch niemand in der Lage, zu sagen, ob irgendeine bestimmte Finanzinstitution nicht plötzlich implodieren könnte.“

Nach der letzten Finanzkrise hat man uns versichert, dass dieses Problem behoben worden sei. Aber in Wahrheit ist dieses Problem nur noch viel größer geworden.

Als die US-Eigenheimblase 2007 platzte, lag der Nominalwert aller Derivate auf dem Planeten bei rund USD 500 Billionen.

Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist der Nominalwert aller ausstehenden Finanzderivate mittlerweile aber auf atemberaubende USD 710 Billionen (USD 710.000.000.000.000) aufgebläht worden.

Und, wer findet sich im Zentrum dieser Derivate-Blase? Richtig, Wall Street.

Die nachfolgenden Informationen sind sehr beunruhigend.

Ich hatte Ihnen in der Vergangenheit bereits ähnliche Zahlen gezeigt, aber für diesen Artikel habe ich extra nach den aktuellsten Zahlen gesucht. Die nachfolgenden Zahlen stammen aus dem jüngsten OCC-Quartalsbericht. Wie eingangs bereits erwähnt, gibt es in den USA heute fünf „systemrelevante“ Banken, die jeweils über USD 40 Billionen an Finanzderivaten halten.

Und es sind keineswegs nur US-Banken, die diese Art von Geschäften betreiben.

Wie der Finanzblog Zero Hedge jüngst im Detail ausführte, hält der deutsche Bankengigant Deutsche Bank einen größeren Nominalwert an Finanzderivaten als jede der oben aufgeführten US-Banken:

„Die Deutsche Bank hält nominelle Finanzderivate in Höhe von EUR 55 Billionen oder rund USD 75 Billionen. Nein, wir sprechen hier nicht von Milliarden, sondern Billionen – und der Betrag ist rund 100 Mal so groß wie die von der Bank gehaltenen Einlagen in Höhe von EUR 552 Milliarden. Und es ist auch 5 Mal mehr als das BIP von Europa und entspricht mehr oder weniger dem BIP … des gesamten Planeten.“

All jene, die sich auf den Tag freuen, an dem diese Mammut-Banken zusammenbrechen werden, sollten aber im Hinterkopf behalten, dass, sollte es zu ihrem Sturz kommen, das ganze System mit in den Abgrund gerissen würde.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist unser Wirtschaftssystem so abhängig von diesen Banken, dass es ohne sie nicht funktionieren könnte.

Das ist vergleichbar mit einem Krebspatienten im fortgeschrittenen Stadium. Die Ärzte können zwar versuchen, den Krebs abzutöten, doch wäre es so gut wie sicher, dass der Patient im Rahmen dieses Prozesses sterben würde.

Und dasselbe könnte man auch über unsere Beziehung zu den „systemrelevanten“ Banken sagen. Wenn sie scheitern, dann scheitern wir alle.

Nach der letzten Krise sagte man uns, dass man bezüglich des Problems der „systemrelevanten“ Banken etwas tun würde – aber dazu ist es nie gekommen.

Fakt ist, dass die „systemrelevanten“ Banken heute sogar noch 37% größer sind als seit der letzten Wirtschaftsrezession.

Zum jetzigen Zeitpunkt stellen die fünf größten US-Banken 42% aller Kredite in den USA, und die sechs größten US-Banken kontrollieren aktuell 67% aller Bankvermögenswerte.

Wären diese Banken morgen mit einem Schlag verschwunden, wäre von der US-Wirtschaft nicht mehr allzu viel übrig.

Doch wie Sie gerade gelesen haben, agieren diese Banken risikoreicher als je zuvor.

Wir rollen zurzeit wie eine Dampfwalze in Richtung der größten Finanzkatastrophe der Menschheitsgeschichte, und es gibt im Grunde niemanden, der etwas unternimmt, um diese Entwicklung aufzuhalten.

Die Dinge hätten sich auch ganz anders entwickeln können, nun scheint es jedoch so zu sein, dass wir für all die sehr närrischen Entscheidungen, die wir getroffen haben, die Rechnung präsentiert bekommen werden.

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