Euro-Krise: Eurozone steht kurz vor dem nächsten Wirtschaftseinbruch

Die Eurozone steht nun offiziell kurz vor einer Triple-Dip-Rezession, nicht zuletzt weil der deutsche Einkaufsmanagerindex (PMI) auf ein 15-Monatstief gefallen ist. Die Wirtschaftskrise hat sich also endgültig bis zum Zentrum Europas durchgefressen

Zerohedge.com, 01.10.2014

Seit der Veröffentlichung der jüngsten Daten des deutschen Einkaufsmanagerindexes – ein Rückgang von 50,3 Punkten auf 49,9 Punkte (während mit 50,3 Punkten gerechnet wurde), was erstmals seit 15 Monaten ein Wirtschaftsrückgang nahelegt – schrillen die Alarmglocken, da nun alles auf eine Triple-Dip-Rezession hindeutet.

Und obwohl sich die europäische Wirtschaftsrezession nun ohne jeden Zweifel direkt bis zum Kern Europas durchgefressen hat, steht Deutschland nicht alleine da: Auch der französische Einkaufsmanagerindex verharrt weiterhin bei 48,8 Punkten (unverändert gegenüber dem Vormonat) im Kontraktionsbereich. Der Einkaufsmanagerindex für ganz Europa ging ebenfalls zurück, und zwar von 50,5 Punkten auf gerade einmal 50,3 Punkte, was ein 14-Monatstief ist. Der durchschnittliche Einkaufsmanagerindex des dritten Quartals fiel so niedrig aus wie seit einem Jahr nicht mehr.

MarkIt fasst das unter der Überschrift „Fertigungsbranche der Eurozone nähert sich der Rezession an“ zusammen. Aber keine Panik – der EZB-Chef Mario Draghi wird mit seiner Monetisierung griechischer Ramschanleihen schon alle Probleme lösen!

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der aktuellen PMI-Daten für Europa:

Und hier sehen Sie, wie eine deutsche Triple-Dip-Rezession aussieht:

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Und so sieht eine europäische Triple-Dip-Rezession aus:

03Also war man noch nicht einmal beim Einkaufsmanagerindex in der Lage, die Daten so zu manipulieren, dass es irgendwie gut aussieht.

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Oliver Kolodseike kommentierte das Ganze mit den Worten:

„Die PMI-Daten für September zeichnen ein besorgniserregendes Bild, was die Gesundheit des deutschen Fertigungssektors anbelangt. Der allgemeine PMI fiel auf das niedrigste Niveau der letzten 15 Monate und wurde durch den heftigsten Rückgang bei den Neubestellungen seit Ende 2012 massiv nach unten gezogen. Die befragten Unternehmen erklärten, dass ein sich abschwächendes Wirtschaftsumfeld, Sanktionen gegen Russland und gedämpftes Wachstum in wichtigen Exportmärkten Gründe waren, die hinter den enttäuschenden Daten stehen.

Darüber hinaus hält der Deflationsdruck auch im September weiter an, da die Einkaufs- wie auch Verkaufspreise seit letzten Monat fallen. Das ist das erste Mal seit März, dass beide Preisindizes unterhalb der neutralen 50-Punkte-Marke notieren …“

Sorry Erholungs-Fanatiker, dieses Mal nicht. Chris Williamson von MarkIt kommentiert die Entwicklung in Europa mit den Worten:

„Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone für September ist bedrückend. Die Fertigungsbranche der Eurozone hat ihre Wachstumsdynamik, die Anfang dieses Jahres beobachtet werden konnte, verloren und nähert sich nun zunehmend stärker der Stagnation an. Der kurzfristige Ausblick ist ebenfalls besorgniserregend. Die Auftragsbücher haben sich jetzt erstmals seit Juni letzten Jahres verschlechtert, was darauf hindeutet, dass es bei der Wirtschaftsleistung im letzten Quartal dieses Jahres zu Rückgängen kommen könnte.

Da überrascht dann auch wenig, dass sich die Firmen aktuell auf Kosteneinsparungen konzentrieren, was dazu führt, dass die Schaffung neuer Arbeitsplätze weiterhin ausbleibt. Es ist ein deprimierendes Signal, da so nur wenig Hoffnung darauf besteht, dass die nahe Rekordhochs notierende Arbeitslosenrate Europas irgendwie abgesenkt werden kann.

Überdies führen die Unternehmen zu Lasten ihrer Gewinnmargen Preissenkungen durch, um die Verkäufe anzuheizen. Vor dem Hintergrund eines um sich greifenden Deflationsdrucks fielen die Preise in allen beobachteten Ländern nun das erste Mal seit über einem Jahr.

Auf eine sich ausbreitende wirtschaftliche Malaise deutet auch die Tatsache hin, dass sich Deutschland, Österreich und Griechenland nun Frankreich hinzugesellen. All diese Länder weisen für September Rückgänge im Fertigungsbereich aus. Besonders beunruhigend ist, dass der deutsche PMI erstmals seit Juni letzten Jahres einen Rückgang ausweist, was nahelegt, dass das industrielle Kernland im Norden der Eurozone den Gegenwind der schwachen Nachfrage im Euroraum, des fallenden Unternehmens- und Verbrauchervertrauens und der aufgrund der Ukraine-Krise und der Sanktionen gegen Russland rückläufigen Exporten zu spüren bekommt.

Die Abschwächung bei der Fertigungsbranche wird den Druck auf die EZB erhöhen, mehr zu tun, um die Wirtschaft wiederzubeleben, und mit Sicherheit auch die Rufe nach vollumfänglichen quantitativen Lockerungsmaßnahmen lauter werden lassen. Viele werden darauf hoffen, dass man beim EZB-Treffen diese Woche wenigstens den Willen zeigen wird, die wirtschaftliche Abschwächung durch genaue Details zu einem aggressiven Aufkaufprogramm von ABS und besicherten Anleihen anzugehen.“

Normalerweise würde man meinen, dass das schlechte Nachrichten für Europa sind. Nun, vor wenigen Augenblicken ging eine Auktion von 10-jährigen deutschen Staatsanleihen über die Bühne, wo die Rendite erstmals unter die Marke von 1% fiel (auf 0,93%). Und das obwohl das Gebot-Nachfrage-Verhältnis gerade einmal bei 1,1 lag, also weit unter 1,4, was heißt, dass bei dieser Auktion aus technischer Sicht nicht genügend Gebote erfolgten, und das heißt, dass die Bundesbank einspringen musste, um sicherzustellen, dass die Nachfrage auch groß genug ist. Was bei einer Rendite auf Rekordtiefs und einer Wirtschaft, die kurz davor steht, in eine Triple-Dip-Rezession abzutauchen, ja auch Sinn macht.

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