Deflations-Schock: Ausbleibende Inflationssorgen machen Gold schwer zu schaffen

Die Inflationsängste sind diese Woche auf ein neues 3-Jahrestief gefallen. Das ist nicht gerade das Umfeld, das westliche Investoren in die Fluchtwährung Gold treibt

Dan Norcini, Trader Dan Norcini, 19.11.2014

Ich hatte ja in einem anderen Artikel von heute erwähnt, dass die Inflationsängste im heute veröffentlichten Protokoll des Offenmarktausschusses der US-Notenbank heruntergespielt wurden. Das schien einer der bedeutenden Faktoren gewesen zu sein, die bei Gold für einen deutlichen Rückgang sorgten, nachdem es dem Metall zuvor gelang in die Höhe zu schießen. Am Ende notierte Gold praktisch unverändert und musste, nachdem der Markt das Fed-Protokoll verarbeitet hatte, sogar einen Teil seiner zuvor erzielten Gewinne abgeben.

Und in diesem Zusammenhang finden Sie im Folgenden auch den Vergleichs-Chart, bei dem die TIPS-Spreads [TIPS-Spreads weisen die Zinsdifferenz zwischen nichtinflationsgeschützten und inflationsgeschützten US-Staatsanleihen aus und dienen als langfristiger Indikator für Inflationserwartungen] dem Goldpreis gegenübergestellt werden.

Interessant ist, dass die TIPS-Spreads diese Woche auf ein neues 3-Jahrestief gefallen sind! Es ist ganz eindeutig so, dass sich der Markt gegenwärtig überhaupt keine Sorgen um irgendeine aufziehende Inflation macht. Und für die Goldbullen sind das schlechte Neuigkeiten.

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Wenn ich mir den Chart so anschaue, verblüfft es mich schon, wie stark sich die Entwicklung der TIPS-Spreads und des Goldpreises seit September 2011 gleichen. Es gab nur zwei kurze Phasen, wo sich die Spreads und der Goldpreis in die entgegensetzte Richtung entwickelt haben, und das war im vierten Quartal 2012 und dann noch einmal kurzzeitig im vierten Quartal 2013. Es dürfte interessant werden, zu beobachten, ob sich im aktuellen Jahresverlauf noch etwas ändern wird, da wir uns ja nun abermals im vierten Quartal befinden und die zwei Linien aktuell einen sehr gleichförmigen Verlauf aufweisen.

Gold wird daher in nächster Zeit sehr stark auf die indische Goldnachfrage angewiesen sein, um Stützung zu erfahren. Aktuell sehe ich einfach keinen fundamentalen Preistreiber, der die westliche Investmentnachfrage nach Gold in bedeutendem Umfang anheizen würde.

Das gelbe Metall wird daher weiterhin nach Hinweisen an den Devisenmärkten Ausschau halten. Im Bereich von USD 1.180 pro Unze und knapp darunter hat sich letzte Woche eine starke Stützung herausgebildet. Diese Stützung muss weiter gefestigt werden, da die Bären ansonsten Preisdruck ausüben werden, nun, wo sie durch das jüngste Fed-Protokoll wieder etwas mehr Vertrauen gewonnen haben und den großen Rallys der letzten Tage auch mal einen Gegenschlag versetzen konnten.

Mir kommt es so vor, als hätten die Bullen auf das schweizerische Gold-Referendum und eine lockere Geldpolitik der US-Notenbank gesetzt. Nach dem jüngsten Fed-Protokoll können sie letzteres vorerst vergessen und der Ausgang des schweizerischen Gold-Referendums (schweizerische Gold-Initiative) ist immer noch unklar.

Gold zu Traden ist derzeit reiner Wahnsinn!

… Schauen Sie sich bitte den Gold-Volatilitätsindex an und dann erklären Sie mir bitte, welcher Mensch, der noch bei Trost ist, diesen Markt im Moment traden soll? Ich habe ja schon von den sogenannten „Day-Tradern“ gehört – aber das ist ja schon langfristig! Wie wäre es mit „15-Sekunden-Intervall-Tradern“?

Ich hatte kürzlich schon einmal darauf hingewiesen: Sollte diese hohe Volatilität bei den Edelmetallen weiter anhalten, dürfte es schon bald zu Margin-Erhöhungen an den Futures-Märkten kommen … Den kleinen Tradern kann ich nur dringend an Herz legen, in diesem Umfeld sehr, sehr, sehr vorsichtig zu sein.

Es ist mir völlig egal, ob Sie gerade bullisch oder bärisch sind. Wenn man in einer solchen Situation wie der jetzigen Haus und Hof auf irgendeine Richtung setzt, ist das nichts weiter als Harakiri. Wollen Sie ihrer noch jungen Trader-Karriere ein Ende bereiten? Na dann los, setzten Sie Haus und Hof auf irgendeine Richtung – aber beschweren Sie sich hinterher nicht, wenn Sie plattgemacht werden.

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Sie sollten abwarten, bis die Volatilität wieder nachgelassen hat, falls Sie größere Trades platzieren möchten. Und nebenbei: Ignorieren Sie jetzt erst einmal alle Newsletter-Autoren! Keiner dieser Autoren hat auch nur die geringste Ahnung, in welche Richtung der Markt als nächstes gehen wird. Das können Sie genauso gut selber auswürfeln, die Chancen, richtig zu liegen, sind mindestens genauso gut.

Options-Trader sollten also sehr wachsam sein!

Schweizerisches Gold-Referendum – Gegner führen jüngste Umfrage an

Laut eine jüngst durchgeführten Umfrage scheint die Stimmung nun gegen die schweizerische Gold-Initiative gekippt zu sein. Das hat beim Goldmarkt für Abwärtsdruck gesorgt, da dieser von einer früheren Umfrage profitiert hatte, bei der die Befürworter der Gold-Initiative leicht vorne lagen.

Ich glaube, dass die Stimmung in der schweizerischen Bevölkerung gegen die Gold-Initiative ausschlagen wird, sollten die Schweizer erst einmal mitbekommen, dass die Schweizerische Nationalbank bei ihren Bemühungen, die Bindung des Schweizer Franken an den Euro aufrecht zu erhalten, bedeutende Nachteile hätte, sollte das Referendum Erfolg haben.

Nach der jüngsten Umfrage sprechen sich 38% für die Gold-Initiative und 47% dagegen aus. Sollte das Referendum positiv ausgehen, wäre die Schweizerische Nationalbank dazu verpflichtet, 20% ihrer Vermögenswerte in Gold zu halten.

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