Monster-Rally: Warum Sie sich nicht wundern sollten, wenn der US-Dollar durch die Decke schießt

David Tablish, Rambus1.com, 23.11.2014

In diesem Artikel möchte ich mir mit Ihnen den US-Dollar genauer anschauen, da derzeit zahlreiche bedeutende Währungen allesamt wichtige Kursbewegungen durchzumachen scheinen. Und sollte dem tatsächlich so sein, dann ist der US-Dollar natürlich ebenfalls gerade damit beschäftigt, eine wichtige Kursbewegung zu vollziehen, nur eben in die entgegengesetzte Richtung.

Im Folgenden sehen Sie einen langfristigen Kerzenchart des US-Dollars auf Monatsbasis. Auf dem Chart sind schwarze und weiße Kerzen zu sehen. Bei einem starken Abwärtsimpuls sehen Sie auf dem Chart eine Serie von aufeinanderfolgenden schwarzen Kerzen und bei einem starken Aufwärtsimpuls sehen Sie eine Serie aufeinanderfolgender weißer Kerzen.

Sollte der US-Dollar in der letzten Handelswoche im November nicht abstürzen, wird er auf eine Serie von sechs weißen Kerzen in Folge zurückblicken können. Und das verrät uns, dass die Ausbruchsbewegung aus dem riesigen zehnjährigen Konsolidierungsmuster heraus voll im Gang ist und ziemlich stabil aussieht. Wir sollten hier im Hinterkopf behalten, dass auf eine große Konsolidierungsbasis eine große Kursbewegung folgt und eine kleine Basis eine kleine Bewegung zur Folge hat. Es ist halt alles relativ.

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Der nächste langfristige Chart des US-Dollars ist ein Monatschart, der bis zum Jahr 1984 zurückreicht, wo das Allzeithoch von rund 160 Punkten erzielt wurde. Und während der US-Dollar von seinen Allzeithochs fiel, bildete er eine riesige Basis aus, die ich „Big Base 1“ genannt habe.

Als der US-Dollar dann aus seiner Big Base 1 ausbrach, führte das im Jahr 2000 zu einem Anstieg in den Bereich von 120 Punkten, was auch den Bullenmarkt beim Edelmetallkomplex einleitete. Zur selben Zeit nahmen die zyklischen Bärenmärkte bei den Aktien ihren Anfang.

Die große Aufwärtsbewegung aus der Stützungs- und Widerstandslinie von Big Base 1 heraus dauerte ungefähr drei Jahre. Der US-Dollar entwickelte dabei einen wunderschönen blauen bullischen Keil, der die Hälfte des Weges bis zum Hoch von 2000 markierte. Dieser Anstieg war kein leichter, wie aus dem recht ruppigen Kursverlauf während der Ausbildung des blauen aufsteigenden Keils deutlich hervorgeht.

Big Base 1 hatte dann auch noch zwei Backtests an seiner Stützungs- und Widerstandslinie, bevor die Impulsbewegung so richtig in Gang kam und sich der US-Dollar-Index in Richtung des Hochs von 120 Punkten aufmachte. Damit ist eine gut definierte Linie im Sand gezogen worden. Solange der US-Dollar über der Stützungs- und Widerstandslinie von Big Base 2 notiert, befindet er sich in einem bullischen Bereich.

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Schauen wir uns noch einen weiteren Chart des US-Dollars an. Hierbei handelt es sich um einen Kombinationschart, bei dem sich oben der US-Dollar und unten Gold befindet. Dieser Chart zeigt eine riesige halbkreisförmige Bodenformation, die mit dem Hoch von 2001 ihren Anfang nahm. Die roten Pfeile zeigen Ihnen die ersten Zugewinne des US-Dollars gegenüber Gold.

Der Dollar bildete 2008 ein Tief aus und legte daraufhin eine Rally hin, während Gold sein größtes Konsolidierungsmuster ausbildete, das der Goldbullenmarkt bis dahin gesehen hatte. Zur Divergenz kam es 2011, als Gold mit USD 1.920 pro Unze sein Hoch erzielte. Eigentlich hätte der Dollar während dieses fast parabolischen Goldpreisanstiegs zusammenbrechen müssen, in Wahrheit etablierte er aber ein höheres Tief als das Tief von 2008.

Das war eine bedeutende Divergenz, die mir verriet, dass der Bärenmarkt des US-Dollars vorbei ist und der Bullenmarkt bei Gold wohlmöglich auch an sein Ende gelangt ist – und so ist es ja bisher auch gewesen. Wie auf dem Goldchart zu sehen ist, bildete das Metall im November dieses Jahres ein mehrjähriges Tief aus, während der Dollar zur selben Zeit ein neues mehrjähriges Hoch etablierte – genauso wie man es erwarten würde.

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Im Folgenden wollen wir uns die Kursentwicklung des Dollars etwas genauer anschauen und zum Wochenchart überwechseln. Der Dollar bildete ein rechteckiges 5-Punkte-Umkehrmuster aus, das die Ausbruchsbewegung einleitete, die die Leitwährung über die Stützungs- und Widerstandslinie von Big Base 2 trug. Diese Kursbewegung gewann daraufhin immer mehr an Fahrt.

Der anfängliche Ausbruchsimpuls war so stark, dass der Dollar sogar den braun schraffierten Stützungs- und Widerstandsbereich durchstieß, bevor er endlich Gelegenheit bekam, mal einen Backtest durchzuführen, der übrigens exakt bis zur Stützungslinie reichte. Seit diesem Test der Stützung im Bereich von 84,5 Punkten hat der US-Dollar eine starke Rally hingelegt. Bisher gibt es nichts, was an diesem Anstieg auszusetzen wäre.

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Beim Tageschart des US-Dollars sehen Sie alle kleinen Kursmuster, die sich seit diesem Ausbruchsimpuls aus dem rechteckigen 5-Punkte-Umkehrmuster ausgebildet haben. Als der Dollar an der unteren Stützungs- und Widerstandslinie beim 5. Umkehrpunkt einen falschen Ausbruch hatte, hofften wir auf eine große Kursbewegung in die entgegengesetzte Richtung. Ich frage mich, ob sich noch jemand daran erinnern kann. Damals sahen die Kerzen auf dem Tageschart viel größer aus als heute. Während der Dollar immer weiter in die Höhe steigt, wirken die Kerzen immer kleiner und kleiner.

Schauen Sie sich bitte auch das kleine rote Rechteck im oberen Bereich des Charts an. Ist das lediglich ein weiteres Konsolidierungsmuster, bei dem es zu einem Ausbruch nach oben kommt, oder folgt hier eine Umkehr der Impulsbewegung, die beim 5. Umkehrpunkt des Rechtecks ihren Anfang nahm? Wie dem auch sei, die Kursbewegung, die vom 5. Umkehrpunkt ausging, ist jedenfalls ein klassisches Beispiel für eine starke Impulsbewegung.

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Der nächste Chart ist ein Kombinationschart auf Tagesbasis, bei dem oben der US-Dollar und unten Gold zu sehen ist. Wenn Sie sich die rechte Seite des Charts anschauen, dann können Sie dort einige entgegengesetzt zueinander laufende Kursentwicklungen sehen. Während der Dollar seine blaue Bullenflagge ausbildete, bildete Gold einen blauen bärischen aufsteigenden Keil aus. Aktuell befinden sich der Dollar und Gold in ihren kleinen rot gekennzeichneten Handelskanälen, und wir werden erst noch sehen müssen, in welche Richtung hier ein Ausbruch erfolgt.

Ich habe das Gefühl, dass die Meisten damit rechnen, dass der Dollar korrigiert und Gold eine starke Rally hinlegt. Die Zeit wird zeigen, wie es ausgeht.

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Der nächste Chart ist derselbe Kombinationschart wie der zuvor gezeigte, nur dass der folgende Chart ein wenig weiter in die Vergangenheit reicht und uns auch das blaue 18-monatige Dreieck bei Gold zeigt. Ich muss Ihnen ja sicherlich nicht großartig erklären, wie wichtig dieser Preisbereich für Gold und den Dollar ist.

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Jetzt möchte ich mich dem Hauptthema dieses Artikels zuwenden, nämlich der Betrachtung der kurzfristigeren Tagescharts des US-Dollars. Wie ich Ihnen bereits in meinem vorangegangenen Artikel gezeigt hatte, bilden aktuell viele der wichtigen weltweiten Währungen auf ihren Tagesscharts potenziell bärische fallende Keile aus. Sollte dem tatsächlich so sein, dann müsste der US-Dollar ein ähnliches Kursmuster entwickeln, nur in die entgegengesetzte Richtung.

Beginnen wir mit dem Tagesschart des US-Dollars, den ich Ihnen nun bereits seit mehreren Wochen zeige. Auf diesem Chart sehen Sie zwei kleine übereinanderliegende Konsolidierungsmuster. Das untere Muster ist eine blaue fallende Bullenflagge, es ist die typische Bullenflagge, die sich gegen den Aufwärtstrend entwickelt. Wie auf dem Chart zu sehen ist, erreichte sie nicht das Preisziel, das bei bis zu 91 Punkten liegt, sondern der Dollar bildete stattdessen ein potenzielles blaues Rechteck aus. Dadurch wird gerade die Möglichkeit geschaffen, dass der Dollar einen bullischen aufsteigenden Keil entwickelt, der in die Richtung des Aufwärtstrends weist.

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Schauen wir uns nun die oberen und unteren Trendlinien an, mit denen diese beiden kleinen Konsolidierungsmuster verbunden werden. Hier ist auf alle Fälle deutlich zu sehen, dass der Dollar gerade einen aufsteigenden Keil entwickelt. Wir sollten diesbezüglich im Hinterkopf behalten, dass ein aufsteigender Keil immer erst dann komplettiert ist, wenn der Wert aus der oberen Stützungslinie ausbricht – die Arbeit ist also immer noch im Gang.

Sollte es bei dem aufsteigenden Keil zu einem Ausbruch nach oben kommen, hätten wir einen sehr bedeutenden Hinweis darauf, dass der aktuelle Aufwärtsimpuls erst zur Hälfte abgeschlossen ist und wir mit einer weiteren ähnlichen Anstiegsbewegung rechnen könnten wie der, die den Dollar bereits zuvor bis zum ersten Umkehrpunkt des aufsteigenden Keils trug. Schauen Sie sich bitte auch die zwei roten Konsolidierungsmuster an, die in Richtung des Aufwärtstrends verlaufen.

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Es gibt ein altes Sprichwort an Wall Street, das besagt, dass gleichzeitige Anstiege beim US-Dollar und beim US-Aktienmarkt bullisch für den Aktienmarkt sind, da hier ausländisches Kapital in Richtung US-Märkte strömt. Seit dem Oktober-Tief des US-Dollars und des S&P 500 Index sind beide Werte gleichzeitig gestiegen. Zufall?

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Ein perfektes Beispiel für eine solche Entwicklung konnte Mitte der 1990er Jahre beobachtet werden, als sich die US-Aktienmärkte in den parabolischen Phasen ihrer Bullenmärkte befanden, die 1995 begannen. Der Dollar und der S&P 500 Index bildeten im Jahr 2000 fast zeitgleich ihr Hoch aus. Dadurch wurde dem Anfang des Goldbullenmarkts der Boden bereitet.

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Es gibt noch eine weitere Sache, die ich Ihnen im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung des US-Dollars gerne zeigen möchte. Ich glaube nicht, dass bisher schon jemand auf diese potentielle Entwicklung gestoßen ist.

Wenn sich ein Abwärtstrend in einen Aufwärtstrend umkehrt, kommt es auf dem Tief gewöhnlich zu zahlreichen ruppigen Kursbewegungen, einem ständigen Auf und Ab, dem dann letztlich die anfängliche Rally aus dem Tief folgt. Während der Anfangsphase der Rally kann sich ein Trendkanal ausbilden, der den neuen Aufwärtstrend definiert.

Auf dem untenstehenden Dollarchart ist eindeutig zu erkennen, wie sich seit dem Tief von April 2011 ein Trendkanal ausgebildet hat. Am Freitag ging der Dollar nahe der oberen Linie dieses Trendkanals aus dem Handel. Und das ist der Punkt, den ich mit all den anderen Dingen verbinden will, um Ihnen zu zeigen, warum der potenzielle aufsteigende Keil im Hinblick auf das große Ganze gegenwärtig so wichtig ist.

Der Ort, wo sich der potenzielle aufsteigende Keil derzeit entwickelt, ist sehr wichtig, denn dieser liegt direkt unter einer Linie, die ich Mittellinie eines neuen Aufwärtstrendkanals nenne. Wenn sich ein Trend umkehrt und ein neuer Aufwärtstrend eingeleitet wird – so wie es aktuell beim US-Dollar der Fall ist –, beginnt das Ganze oftmals mit einer riesigen Anfangsbewegung, bei der es zur Verdopplung des unteren Kanals kommt. Wie Sie auf dem folgenden Chart sehen können, sitzt der Dollar aktuell genau an der Mittellinie.

Sollte ich richtig liegen, dürfte es sich hier um einen bullischen aufsteigenden Keil handeln, bei dem es zu einem Ausbruch kommt. Dieser Ausbruch wird dafür sorgen, dass der US-Dollar die Mittellinie durchstößt und in einen brandneuen Aufwärtstrendkanal vorstößt. Diese Anfangsbewegung wird schnell und gewaltsam ausfallen, ähnlich dem ersten Anstieg, der auf das Tief vom April folgte. Die blauen Rechtecke sind Gradmesser, die die Größe der beiden Hälften des neuen Aufwärtstrendkanals erfassen. Die schwarzen Pfeile zeigen Ihnen den letzten Abwärtsimpuls in das finale Tief von April 2011. Ich glaube, dass sich die Symmetrie umkehren wird, die den Dollar in das Tief von 2011 trug, und im Rahmen der aktuellen Dollarrally bereits die erste Hälfte dieser Bewegung geschafft wurde.

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Der nächste Dollarchart ist ein 15-Jahreschart, der diesen möglichen brandneuen Aufwärtstrendkanal zeigt. Sollte es tatsächlich ein bullischer aufsteigender Keil sein, dürfte das dem Dollar die notwendige Energie verleihen, um die Mittellinie zu durchstoßen und eine Rally hinzulegen, bei der der Dollar ohne große Widerstände bis zur oberen Linie des neuen Aufwärtstrendkanals steigt.

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Schauen wir uns noch einen letzten Chart an, bei dem ich den Goldpreis auf den US-Dollar gelegt habe. Ich versuche, Ihnen diesen Chart mindestens einmal im Monat zu zeigen, da er seit der Erstveröffentlichung vor ein paar Jahren ziemlich genaue Hinweise liefert. Vor rund sechs Monaten habe ich beim Goldpreis die dünne schwarz gestrichelte Linie mit den zwei blauen Pfeilen eingezeichnet. Als ich diesen Chart erstmals mit den blauen Pfeilen veröffentlichte, notierte der Dollar unter seiner gestrichelten Linie und Gold über seiner gestrichelten Linie. Heute liegt der Dollar über seiner gestrichelte Linie – er vollzog einen Backtest und jetzt ist der Weg frei, um eine Weile zu steigen.

Beim Goldpreis sehen Sie, dass das Metall immer noch seinen Ausbruchspunkt testet, weshalb wir aktuell auch keine Hinweise darauf haben, dass bei Gold bereits ein Abwärtsimpuls stattfindet. Ich habe den lilafarbenen Kreis aus dem Überschneidungsbereich von 2006 auf die rechte Seite des Charts übertragen. Sollte ich bezüglich der Richtung des US-Dollars und der Richtung von Gold richtig liegen, dürfte eine gute Chance darauf bestehen, dass es schon bald zur abermaligen Überschneidung beider Werte kommt.

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So das war´s fürs Erste. Die nächsten paar Wochen werden sehr aufschlussreich sein, da wir schon bald erfahren werden, in welche Richtung all die fallenden Keile, die aktuell bei den weltweiten Währungen zu sehen sind, ausbrechen werden. Im Nachhinein weiß man natürlich immer genau, was passiert ist, aber mit dem Rückblick kann man keine Märkte traden. Solange sich nichts Maßgebliches ändert, rechne ich mit der hier vorgestellten kurz- und langfristigen Entwicklung des Dollars. Wie eine solche Entwicklung andere Märkte beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Normalerweise ist ein starker Dollar schlecht für Rohstoffe und den Edelmetallkomplex. Wird es dieses Mal anders sein? Wir werden sehen.

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