Staatsschuldenkrise: Worüber sich die Anleger wirklich Sorgen machen sollten

Michael Pento, King World News, 13.12.2014

Wir sind jetzt in eine Phase des Investmentzyklus eingetreten, wo die Anleger die aktive Verwaltung ihrer Vermögenswerte zu weiten Teilen aufgegeben haben und stattdessen lieber einen passiveren Verwaltungsstil bei ihrem Vermögen vorziehen.

In diesem Zusammenhang habe ich kürzlich gelesen, dass allein im ersten Halbjahr dieses Jahres 461 Hedge Fonds – die ja für aktive Investmentverwaltung stehen – dichtgemacht wurden. Sollten diese Hedge-Fonds-Schließungen mit dieser Rate weitergehen, dann dürfte die Schließungswelle den Rekord von 2009 mit 1.023 Schließungen noch übersteigen. Alle Hinweise deuten derzeit darauf hin, dass die aktive Portfolioverwaltung aus der Mode geraten ist.

Und warum auch nicht? Die Index-Fonds haben sich die letzten paar Jahre sehr gut entwickelt, während die aktiven Vermögensverwalter bei ihrer Performance nicht an die großen Leitindizes heranreichen konnten. Das Problem ist, dass wenn alle gleichzeitig bei einem bestimmten Investment ein- oder aussteigen, es üblicherweise darauf hindeutet, dass gerade ein Kurswechsel stattfindet. Daher sage ich nun auch voraus, dass sich die Lage schon bald ändern und die aktive Vermögensverwaltung ein großes Comeback erleben wird.

Das passive Investieren – wie das bloße Investieren in Aktienindex-Fonds – ist ein einfach zu verstehender Investmentansatz, der es einem erlaubt, an weitgefassten Teilen des Markts zu partizipieren. Das Investieren in Indizes wird daher auch „Investieren auf Autopilot“ genannt. Diese Strategie neigt dazu, gut zu funktionieren, bis sie es plötzlich nicht mehr tut.

Nehmen wir die Mitte und das Ende der 1990er Jahre, wo es so aussah, als würde der Aktienmarkt nur eine Richtung kennen und fortwährend steigen. Jeder – vom Friseur bis hin zum Taxifahrer – hielt sich für einen Aktienmarktgenie. Neue Internetseiten wie „Motley Fool“ predigten, dass man keine Investmentberatung benötigt, sondern lediglich eine weit gefasste Auswahl an Aktien (speziell im Technologiesektor) kaufen muss, um reich zu werden. Und wer vor dem 10.03.2000 ausgestiegen ist, konnte seinen Schäfchen dann tatsächlich auch ins Trockene bringen.

Aber diejenigen, denen es nicht gelang, zum richtigen Zeitpunkt auszusteigen – nun, wir wissen ja alle was mit diesen Anlegern geschah: Ihre Portfolien brachen schnell in sich zusammen; der Marktwert der Unternehmen brach von März 2000 bis zum Oktober 2002 um USD 5 Billionen ein. Während dieser Zeit konnten allein die Geldverwalter mit einer dynamischen Vermögensallokation und Long-/Short-Strategien Gewinne verbuchen.

Ein weiteres Charakteristikum dieses passiven Investmentansatzes ist, dass behauptet wird, man würde keine aktive Vermögensverwaltung benötigen, die die Investments managt, solange man nur diversifiziert ist. Das bezieht sich auf die Moderne Portfolien-Theorie (MPT). MPT ist eine mathematische Formel, die für eine Diversifikation der Investments sorgt. Sie zielt darauf ab, eine Auswahl an Vermögenswerten zu schaffen, die in ihrer Gesamtheit über weniger Risiken verfügen als irgendwelche Einzelinvestments. Das ist laut dieser Theorie möglich, da sich verschiedene Vermögensklassen oftmals in die entgegengesetzte Richtung bewegen.

So bewegt sich der Aktienmarkt oft in eine andere Richtung als die Renditen des Anleihemarkts. Daher sorgte eine Auswahl an Werten aus beiden Anlageklassen der Theorie nach für ein geringeres Gesamtrisiko, als ausschließlich Werte nur einer dieser beiden Vermögensklassen zu halten.

Aber das funktioniert nicht immer. Nehmen wir die 1970er Jahre – das war eine Phase, wo die Aktienpreise fielen, während die Anleiherenditen in die Höhe schossen. Die Anleger, die sich noch an den langanhaltenden Bärenmarkt von 1970 bis 1982 erinnern, wissen, dass die Aktienpreise und die Anleihepreise damals gemeinsam fielen.

Während der 1960er Jahre wurden die Anleger davon überzeugt, einen weit gefassten Korb an stark kapitalisierten Aktientiteln zu kaufen. Diese Aktien nannte man die „Nifty Fifty“. Diversifizierte Anleger wären nach der MPT darüber hinaus auch in Anleihen investiert, wo sie Anleihezinsen zwischen 4% und 5% einstreichen würden.

Ja, die Nifty Fifty Titel hätten gemeinsam mit einer Anleiherendite von 4% bis 5% richtig gut funktioniert – doch das war mit einem Mal vorbei. Das Halten dieses diversifizierten Portfolios sorgte Mitte und Ende der 1970er Jahre für unglaubliche Verluste, da der S&P 500 Index um rund 50% fiel, während die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen bis 1981 von 4% auf 15% stieg. Die Stagflation der 1970er Jahre sorgte dafür, dass die Aktien und Anleihen gemeinsam fielen.

Und, wo stehen wir heute? Ich bin ja bereits seit längerem der Auffassung, dass die Vereinigten Staaten gemeinsam mit den anderen Industrieländern mit einem völlig neuen Paradigma konfrontiert sind, nämlich mit der Tatsache, dass mittlerweile solch riesige Rekordschuldenniveaus aufgetürmt worden sind, dass wir einen Punkt erreicht haben, wo die künftigen Staatseinnahmen völlig unzureichend sein werden, sollten sich die Zinssätze wieder normalisieren.

Daher werden sich die Industrieländer auch entscheiden müssen, wie ihre Pleite genau aussehen wird. Die Zentralbanken werden vor der Entscheidung stehen, die Schuldenberge entweder zu monetisieren oder zuzulassen, dass die deflationäre Depression die Wirtschaft auslöscht.

Und da die Anleiherenditen heute bereits auf historischen Tiefs notieren – was die Zentralbanken mittels einer gigantische, künstlichen Manipulation der Anleihepreise erreicht haben –, scheint es bedeutend wahrscheinlicher, dass wir es aufgrund ausbleibender Staatseinnahmen (die zur Bedienung der Staatsschulden notwendig sind) mit einer Schuldenkrise zu tun bekommen werden.

Bei der europäischen Anleihekrise ging es ausschließlich um genau diese Art von fiskalischer Katastrophe – es ging in Wahrheit also überhaupt nicht um die damalige Inflationsrate. Die Anleger flüchteten sich während der Finanzkrise von 2008 nicht in die „Sicherheit“ von Staatsanleihen. Stattdessen schoss die Rendite für 10-jährige griechische Staatsanleihen, die vor der Krise im Schnitt bei 5% lag, bis März 2012 auf fast 40%. Die Inflationsrate lag während desselben Zeitraums aber lediglich bei 1,5%.

Die Anleiherenditen schossen in die Höhe, weil die Anleihehalter zu der Meinung gelangten, dass Griechenland seine Schulden entweder in wertloser Währung zurückzahlen oder auf seine Staatsschulden und die Zinszahlungen den Zahlungsausfall erklären würde. Und wie sich herausstellte, nutzte Griechenland dann auch tatsächlich beide Methoden.

Eine richtige Fiskalkrise führt immer auch zum Zahlungsausfall auf Staatsschulden – sei es nun mittels der Inflation, der Schuldenrestrukturierung oder durch beide Methoden. Aller Vorausschau nach wird eine abermalige Rezession im Stile der Schuldenkrise von 2008 die Aktien- wie auch die Anleihepreise zu Fall bringen. Dieser Zusammenbruch bei den Anleihepreisen wird aller Vorausschau nach nicht auf die Inflation zurückgehen, sondern auf die durch eine zusammenbrechende Wirtschaft herbeigeführten massiven Einbrüche bei den Staatseinnahmen. Und ein diversifiziertes Portfolio aus Index- und Anleihefonds wird in diesem Fall nicht sonderlich viel Sicherheit bieten.

Die lockere Geldpolitik der weltweiten Zentralbanken hat nicht nur zur weiteren Aufblähung bestehender Spekulationsblasen geführt, sondern die Marktmanipulanten haben damit sogar noch eine völlig neue Blase geschaffen – eine Blase, die die meisten Anleger überhaupt nicht stört. Was diese Anleger heute noch für ein diversifiziertes Portfolio halten, könne sich stattdessen als eine Gruppe eng miteinander in Zusammenhang stehender Vermögenswerte herausstellen.

Diese Anleger sind überdies überzeugt davon, dass sie Kaufen-und-Halten-Genies geworden sind. Sie wurden von den Zentralbanken an der Nase herumgeführt und zu dem Glauben verleitet, dass beim passiven Investmentansatz nichts schief gehen kann. Doch sollten die Aktien- und Anleihepreise bei der nächsten Rezession gleichzeitig in den Keller rauschen, werden sich die Anleger wieder in die Arme der aktiven Vermögensverwalter begeben, da sie feststellen werden, dass sie einen Geldverwalter brauchen, der nicht bloß in der Lage ist, zwischen den Vermögensklassen zu wechseln (und hierzu gehören auch Edelmetalle), sondern überdies über die Flexibilität verfügt, aus einem fallenden Markt Profit zu schlagen.

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