Euro-Krise: Absturz des Euros könnte jetzt wieder an Fahrt aufnehmen

Dan Norcini, Traderdan.com, 17.12.2014

Nachdem sich der Staub der wilden Kursbewegungen am Mittwoch wieder etwas gelegt hat, können wir uns jetzt auch anschauen, wie es dem Euro dabei erging. Wenn wir uns die anfängliche Reaktion auf die Veröffentlichung des Fed-Protokolls anschauen, sehen wir, dass der Euro zunächst einmal von seinen Tagestiefs aus in die Höhe schoss.

Dieser Kursanstieg spiegelte die Verwirrung unter den Tradern wider – und Verwirrendes war meines Erachtens reichlich vorhanden, wenn ich mir das Protokoll des Fed-Offenmarktausschusses (FOMC) so durchlese. Nach einem ersten Überfliegen des Textes gelangten die Trader zu der Auffassung, dass die Fed eine lockere geldpolitische Ausrichtung favorisiert. Dadurch wurden erst einmal die Hoffnungen all derer enttäuscht, die glaubten, dass die US-Notenbank eher früher als später eine Kehrtwende bei der Zinspolitik einleiten wird.

Eine halbe Stunde später begann dann die Pressekonferenz mit der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen, und das war’s dann auch. Schauen Sie sich dazu bitte die riesige Abwärtskerze an:

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Ich habe während meiner Karriere als Trader ja schon einige solche Ereignisse mitverfolgen dürfen, und ich kann Ihnen verraten, dass ich ziemlich überrascht war, wie stark Yellens vorbereitete Notizen für die Pressekonferenz (und die in der Fragerunde von ihr abgelieferten Antworten) von den Aussagen des FOMC-Protokolls abwichen. Und wenn man sich die Kursentwicklung des Euros während dieser Phase anschaut, war ich wohl nicht der Einzige, der das so sah.

Es sieht aktuell so aus, als würde die Europäische Zentralbank die Märkte darauf vorbereiten (zumindest fassen es die Märkte so auf), dass sie Anfang nächsten Jahres ihre eigene Version quantitativer Lockerungsmaßnahmen einleiten wird, und das könnte vielleicht schon im Januar der Fall sein.

Dadurch kommt es beim Euro jetzt auch wieder zu Abverkäufen. In jüngster Zeit war die europäische Einheitswährung ja ein klein wenig gestiegen, was die Enttäuschungen widerspiegelte, dass die EZB diesen Monat keine deutlicheren Aussagen zu quantitativen Lockerungsmaßnahmen abgegeben hatte.

Wenn wir uns den Tageschart des Euros anschauen, sehen wir, dass die Währung fast die gesamten letzten 6 Monate unterhalb ihres gleitenden 50-Tagesschnitts gehandelt wurde. Und während der Rohölpreis für Verwerfungen beim Yen-Carry-Trade und an den Devisenmärkten gesorgt hatte, sorgte der Rückbau dieser Carry-Trades dafür, dass der Euro am Dienstag kurzzeitig über diesen gleitenden 50-Tagesschnitt gehoben wurde. Der Euro ging jedoch nicht über diesem Schnitt aus dem Handel und vernichtete dann am Mittwoch mit einem Schlag die Zugewinne der letzten 5 Tage.

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Interessant ist auch, dass es dem Relativen Stärke Index (RSI-Indikator) seit Juli dieses Jahres bei keiner der Rallys gelang, über die Marke von 60 Punkten zu steigen. Fakt ist, dass der RSI das ganze Jahr über kein einziges Mal über 70 Punkten notierte. Übersetzung: Das ist unglaublich schwach.

Und abschließend möchte ich mir mit Ihnen den Euro noch einmal auf Wochenbasis anschauen.

Wie auf dem Wochenchart ersichtlich ist, konnte sich die europäische Einheitswährung auf der ersten im Chart aufgeführten Stützungslinie im Bereich von USD 1,2250 halten. Es sieht so aus, als würde der Markt aktuell eher eine Konsolidierungsphase durchmachen, als den Beginn irgendeines neuen Aufwärtstrends einzuleiten. Schauen Sie sich bitte all die langen Dochte der einzelnen Kerzen an, die auf die Anwesenheit sehr aktiver Verkäufer deuten, die jedes Mal, wenn der Euro steigt, Abverkäufe tätigen. All diese Indikatoren sind nach wie vor bärisch.

Im Grunde werden wir hier Zinsdifferenzen zwischen dem Euro und dem US-Dollar traden, jetzt wo die FED mit den Aussagen von Yellen auf der Pressekonferenz auch ihren Senf dazugegeben hat. Und da die Eurozone gegenwärtig anscheinend darum bemüht ist, die Zinsen noch stärker zu senken, während die Fed offensichtlich versucht, die Zinsen zu erhöhen, ist es schwer, fundamental für eine Stärke des Euros gegenüber dem US-Dollar zu argumentieren.

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Und das heißt, dass der Weg des geringsten Widerstands nach wie vor nach unten weist, solange wir keine anderweitigen Hinweise erhalten. Beim ADX-Indikator (unterster Indikator auf dem Wochenchart) liegt die –DMI-Linie weit über der +DMI-Linie, was darauf hindeutet, dass die Bären im Hinblick auf die mittelfristige Marktentwicklung weiterhin fest das Heft in der Hand haben.

Wir werden den EUR/USD-Kurs weiterhin genau im Auge behalten und beobachten, wie der Euro mit einem weiteren Test seines Tiefs von letzter Woche umgehen wird. Sollte dieser Test scheitern und der Euro unter sein Tief von letzter Woche fallen, wäre es recht wahrscheinlich, dass die Währung die Marke von USD 1.20 testet. Es wäre eine sehr bedeutsame Entwicklung, würde das Niveau von USD 1,20, also das Tief von Juli 2012 nach unten hin durchbrochen werden. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass die europäische Staatsschuldenkrise zu jener Zeit immer noch im Gang war. Einige sagten damals den Niedergang des Euros voraus.

Sollte sich der Euro der Zone von USD 1,20 annähern, hätten wir es in der Tat mit sehr bedeutenden charttechnischen Stützungslinien zu tun. Sollten diese charttechnischen Stützungslinien aus irgendeinem Grund durchbrochen werden, wird der US-Dollar in die Höhe schießen.

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