Schuldenschock: Warum die nächste Krise nichts mit Aktien zu tun haben wird!

Graham Summers, Phoenix Capital Research, 21.02.2015

Die Mainstream-Finanzmedien konzentrieren sich ja gerne auf Aktien. Die Gründe dafür sind, dass (1.) Aktien viel interessanter und attraktiver sind als Anleihen oder Währungen und (2.) man sich mit Aktien viel besser ins Rampenlicht rücken kann als mit Anleihen oder Währungen.

Wenn Ihr Job darin besteht, vor der Kamera zu sitzen und den Leuten zu erklären, wie sie durch Investments reich werden können, ja dann sprechen Sie doch nicht über Anleihen oder Währungen! Ja vielleicht sind Währungen diesbezüglich auch interessant, doch muss man dann schon mit irrsinnigen Hebeln arbeiten, was gewöhnlich dazu führt, dass Anfänger bereits nach ihrem ersten Trade pleite sind.

Fakt ist aber, dass Aktien im großen Ganzen in Wahrheit nur eine ganz kleine Nummer sind. Aus Investmentsicht sind Aktien mit einer auf dem Boden liegenden Münze zu vergleichen, auf die eine Dampfwalze zusteuert. Und diese Dampfwalze ist die USD 100 Billionen schwere Anleiheblase.

Die westlichen Staaten haben den Rückgang des Lebensstandards nun schon seit über 30 Jahren mittels der Ausgabe von Staatsschulden übertüncht. Grob vereinfacht gesagt ist es so, dass die Staaten mehr ausgeben, als sie über Steuern einzunehmen in der Lage sind, weshalb sie Staatsschulden ausgeben – also sich Geld leihen –, um ihre verschieden Sozialprogramme zu finanzieren.

Gewöhnlich verkauft man der Bevölkerung das Ganze als ein „vorübergehendes“ Problem. Aber die Politiker haben uns ein ums andere Mal gezeigt, dass defizitäre Ausgaben nie ein vorübergehendes Problem sind. Diese Entwicklung wird noch durch die Tatsache verschlimmert, dass der politische Prozess zu weiten Teilen darin besteht, den Wählern verschiedene Sozialprogramme, Zuwendungen und Begünstigungen zu versprechen.

Diese Art von Sozialprogrammen sind nicht vorübergehend – sondern überall zu finden und von dauerhafter Natur.

Und die Vereinigten Staaten von Amerika stehen damit mit Sicherheit nicht alleine da. Die meisten westlichen Länder sind heute aufgrund ihrer überbordenden Sozialausgaben pleite. Und all diese Ausgaben wurden durch die Emission von Staatsanleihen richtig schön angeheizt.

Das ist auch der Grund, warum die Zentralbanken alles in ihrer Macht stehende getan haben, um sich abzeichnende Zahlungsausfälle bei den Staatsanleihen zu verhindern. Und wenn man mal richtig über die Staatsanleiheblase nachdenkt, dann macht auf einmal alles Sinn, was die Zentralbanken bisher getan haben:

1. Die Zentralbanken haben die Zinsen gesenkt, damit diese gigantischen Schulden leichter bedient werden können.
2. Die Zentralbanken wollen eine bestimmte Zielinflation erreichen, damit die Schulden leichter bedient werden können und die unvermeidliche Restrukturierung der Schulden abgewendet wird.
3. Die Zentralbanken haben Angst vor einer Schuldendeflation – und das obwohl die Vorsitzende der US-Notenbank Janet Yellen jüngst erklärte, dass die Deflation beim Rohölpreis für die Wirtschaft ein Plus sei –, da die Staatsschuldenblase dadurch platzen würde und die Staaten in den Bankrott getrieben würden.

Die Staatsanleihen befinden sich seit Anfang der 80er Jahre in einem Bullenmarkt. Eine ganze Generation von Anlegern und Geldverwaltern (jeder unter 55 Jahre) hat also in einen Bereich investiert, wo das Risiko im Grunde immer billiger wurde.

Das hat wiederum dazu geführt, dass die Fremdfinanzierung im Finanzsystem immer weiter anwuchs. Und während die Rate für risikofreie Investments immer weiter fiel, gingen auch alle anderen Renditen zurück. Daher haben sich die Anleger immer stärker Hebeln bzw. der Kreditaufnahme zugewandt, um so zu versuchen, mit ihrem Kapital höhere Renditen zu erzielen.

Diese starken Hebel haben mittlerweile dazu geführt, dass wir USD 100 Billionen an Anleihen und über USD 555 Billionen an mit Anleihen in Zusammenhang stehende Finanzderivate haben.

Diese Blase stellt alle anderen Blasen buchstäblich in den Schatten. Zum Vergleich: Der Markt für Kreditausfallversicherungen (CDSs), der das Finanzsystem 2008 fast zum Einsturz gebracht hätte, belief sich gerade einmal auf ein Zehntel davon (zwischen USD 50 Billionen und USD 60 Billionen).

Wenn die Staatschuldenblase platzt, wird uns die Krise von 2008 wie ein Picknick vorkommen.

Weitere Artikel zu diesem Thema