Gold: Preiseinbruch sorgt bei Spekulanten für immense Verluste!

Dan Norcini, Traderdan.com, 06.03.2015

Also ich glaube ja, dass die Tatsache, dass die gesamte spekulative Welt (Hedge-Fonds, große meldepflichtige Marktteilnehmer und die allgemeine Öffentlichkeit) immer noch derart stark auf einen steigenden Goldpreis setzt und auf der Long-Seite steht, mit der Unmenge an Perma-Goldbullen-Internetseiten zu tun haben muss. Es gibt meines Erachtens wirklich keine andere Erklärung dafür, da die Charts diesbezüglich ziemlich eindeutig sind, und das auch schon seit geraumer Zeit.

Im Folgenden sehen Sie den Goldpreischart auf Tagesbasis. Dort finden sich drei Stützungszonen, die allesamt durchbrochen wurden, so als hätte es sie nie gegeben. Gold erholte sich daraufhin wieder ein wenig bei dem auf dem Chart befindlichen Stützungsniveau im Bereich von USD 1.165 bis USD 1.170 pro Unze, aber die Erholung scheint schwach und es waren wohl eher Gewinnmitnahmen vor dem Wochenende als ein Hinweis auf starke und konzertierte Käufe.

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Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um noch einmal meine tiefe Verachtung gegenüber den Scharlatanen des Gold-Kults zum Ausdruck zu bringen, die abermals an die Öffentlichkeit gingen und noch mehr Ausreden dafür vorbrachten, warum sich ihre elenden Prognosen eines explodierenden Goldpreises nicht bewahrheitet haben. Na Sie wissen schon, das Übliche halt: Diese idiotischen Prognosen, dass die Trendwende nun da sei, dass Gold „explodieren würde“, dass „chinesische und indische Goldkäufe Gold auf neue Hochs treiben würden“ – blablabla. Wenn Gold fällt und sich ihre sinnlosen Prognosen als Schwachsinn herausstellen, kommen sie mit den üblichen Sprüchen: „Das ist der Staatssektor, der Gold abverkauft, um den Preis zu drücken.“

Seien wir ehrlich: Diese Quacksalber haben von Gold genauso wenig Ahnung wie mein Hund. Aber aus irgendeinem bizarren Grund, den ich immer noch nicht begriffen habe, und ungeachtet der unglaublichen Menge an Falschprognosen heben die naiven Anhänger des Gold-Kults diese Typen immer noch auf eine Art von Podest und werten jede Phrase, die aus ihren Mündern kommt, so, als würde es sich dabei um die moderne Version des Orakels von Delphi handeln.

Falls Sie ein Opfer dieser Leute geworden sind: Wachen Sie auf! Die Charts verraten Ihnen alles, was Sie aktuell wissen müssen. Und die Charts verraten uns nun schon seit geraumer Zeit, wo die Reise hingeht: Der Goldpreis macht sich in Richtung Süden auf.

Ich hatte ja bereits auf die Beziehung hingewiesen, die sich seit Oktober letzten Jahres zwischen dem Goldpreis und den Futures für 10-jährige US-Staatsanleihen ausgebildet hat. Beide Märkte bewegen sich aktuell synchron. Während die Futures für die 10-jährige US-Staatsanleihe fallen (die Zinsen für dieses Papier steigen), fällt Gold. So einfach ist das. Kein Manipulations-Schwachsinn, keine Verkäufe des Staatssektors, keine bösen Edelmetallbanken, die Gold nach unten hämmern, keine Abwärtsmanipulation durch das Goldkartell usw. usf.

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Gold ist einfach nur eine Vermögensklasse, die mit anderen Investmentklassen um das kostbare Investmentkapital der Anleger buhlt. Gold bringt keine Zinsen, es schüttet keine Renditen oder irgendwelche Gewinnbeteiligungen aus, und daher braucht es Angst, und zwar jede Menge Angst, damit Gold für die Investoren irgendwelche Zugewinne erwirtschaften kann.

Da das Vertrauen der Anleger im Hinblick auf die Weltwirtschaft aber zunimmt, hat Gold mit Liquidierungen von enttäuschten Longs und mit Short-Verkäufen von denjenigen zu kämpfen, die glauben, dass das gelbe Metall im Verlauf dieses Jahres noch mehr Fans verlieren wird. Da steckt nichts dahinter, das auch nur im Geringsten unerklärlich oder böse wäre.

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Wenn wir uns noch einmal dem Goldpreischart zuwenden, ist es so, dass die ADX-Linie nun wieder ihren Anstieg fortsetzt, nachdem es in der letzten Februarwoche zu einer kleinen Unterbrechung gekommen war. Und das legt nahe, dass der Abwärtstrend wieder voll im Gange ist, solange wir keine anderweitigen Hinweise haben. Die –DMI-Linie liegt weiter über der +DMI-Linie, was veranschaulicht, dass die Bären den Markt unter ihrer Kontrolle haben.

Die nächste Stützungslinie bei Gold verläuft bei rund USD 1.140 bis USD 1.142 pro Unze. Damit die Bullen irgendeine Chance darauf haben, das Blatt aus technischer Sicht wieder zu wenden, müsste der Goldpreis die Marke von USD 1.230 pro Unze übersteigen.

Wenn wir uns den jüngsten CoT-Bericht anschauen, sehen wir, dass die Hedge-Fonds nach wir vor sehr große Netto-Long-Positionen halten. Noch interessanter ist die Kategorie der Spekulanten (Other Large Reportables), denn deren Netto-Long-Positionen sind laut den jüngsten Daten nun sogar noch gestiegen. Autsch!

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Die kleinen Spekulanten fingen damit an, sich von der Long-Seite zu verabschieden und ein paar neue Short-Positionen aufzubauen, sind aber netto immer noch long. Wir dürfen hier aber nicht vergessen, dass die Daten vom letzten Dienstag stammen. Ich kann mir vorstellen, dass ihre Long-Positionen nach Freitag ordentlich zurückgefahren wurden!

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Eine Sache, die mir ebenfalls aufgefallen ist, ist das Preisniveau, bei dem die gesamte Gruppe der Spekulanten wieder damit begann, ihre Long-Positionen am Goldmarkt aufzubauen. Schauen Sie sich dazu bitte den obigen Chart an, wo ich den Bereich grün eingekreist habe.

Ab November letzten Jahres fingen die Spekulanten wieder in nennenswerter Zahl damit an, an den Goldmarkt zurückzukehren. Sie erhöhten dabei ihre Long-Positionen in der Spitze (letzte Januarwoche) um fast 107.000 Futures-Kontrakte und Optionen. Durch diese Käufe wurde der Preis wieder in den Bereich von USD 1.300 pro Unze getragen.

Das jüngste Tief bei ihren Gesamt-Long-Positionen steht überdies mit dem Schlusskurs beim Goldpreis von USD 1.167 pro Unze in Einklang. Mit Stand zum Freitag ist also jede einzelne dieser neuen Long-Positionen (rund 38.000 Kontrakte) im Minus! Ja, das müssen Sie sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Die Frage ist jetzt, wie viel finanzielles Leid die Halter dieser Longs aushalten können. Noch einmal: Einige dieser 38.000 Longs dürfte es am Freitag ausgelöscht haben, aber ich bin mir sicher, dass immer noch jede Menge Longs im Markt sind.

Das ist der Grund, warum die Stützungsniveaus auf dem Chart künftig eine sehr bedeutsame Rolle spielen werden. Unterhalb von USD 1.140 pro Unze sehe ich bis rund USD 1.130 pro Unze keinerlei Stützung. Sollte die Marke von USD 1.140 pro Unze durchbrochen werden, könnte es durchaus sein, dass auch die Marke von USD 1.130 pro Unze getestet wird. Das ist dann der Punkt, wo Gold – abhängig von anderen Märkten (Zinssätze, Währungen und Aktien) – auch unter USD 1.130 pro Unze fallen könnte. Sollte dies geschehen, könnte es sein, dass eine große Zahl an Longs das Handtuch wirft, wodurch ein heftiger Abverkaufsdruck entstünde.

Wir werden sehen.

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