USA: 10 Charts, die zeigen, dass es heute viel schlimmer ist als vor der letzten Wirtschaftskrise

Michael Snyder, The Economic Collapse, 18.03.2015

Falls Sie glauben, dass Unwissenheit ein Segen ist, sollten Sie diesen Artikel besser nicht lesen. Im Folgenden werde ich nämlich die Auffassung zerpflücken, dass es in den USA irgendeine Art von „Wirtschaftserholung“ gegeben hat, und ich werde Ihnen zeigen, dass die Lage heute viel schlimmer ist als vor Ausbruch der letzten Wirtschaftskrise.

Wenn wir noch einmal auf 2007 zurückblicken, dann war es damals so, dass die Menschen ein richtig gutes Gefühl im Hinblick auf die Gesamtsituation hatten. Die Eigenheime wurden völlig wild gekauft und weiterverkauft, der Aktienmarkt boomte und die Arbeitslosenquote war relativ niedrig. Aber dann schlug die Finanzkrise von 2008 ein, und für eine Weile fühlte es sich so an, als würde die Welt untergehen. Natürlich ging die Welt nicht unter – es war nur die erste Welle unserer Probleme.

Die Welle, die als nächstes aufschlägt, wird aber die sein, die uns richtig wegfegt. Bedauerlicherweise ist es jedoch so, dass viele Amerikaner aufgrund der relativen Stabilität der letzten paar Jahre heute davon überzeugt sind, dass Barack Obama, Janet Yellen und der Rest der Meute in Washington D.C. die Probleme, die die letzte Krise hervorriefen, gelöst haben.

Und obwohl sehr viele Menschen sagen, dass dem nicht so ist, gibt es heute zig Millionen Menschen da draußen, die tatsächlich glauben, dass alles schon irgendwie wieder in Ordnung kommen wird. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass wir aus der Vergangenheit einfach nicht lernen wollen, und wenn der nächste Wirtschaftsabschwung zuschlägt, wird dies atemberaubende Schäden anrichten, da wir heute bedeutend schwächer sind als zu dem Zeitpunkt, wo die Krise das letzte Mal zuschlug.

Ich möchte Sie bitten, dass Sie sich bei den Charts, die ich Ihnen jetzt zeigen werde, auf den letzten grau schraffierten Bereich auf der rechten Seite konzentrieren. Dieser grau schraffierte Bereich repräsentiert die letzte Rezession. Und wie wir sehen werden, sind unsere wirtschaftlichen Probleme heute bedeutend schlimmer als vor Ausbruch der Finanzkrise von 2008. Und das heißt, dass wir heute weit weniger Mittel haben, um eine bedeutende Wirtschaftskrise zu bewältigen.

1. Die US-Staatsverschuldung

Kurz vor Ausbruch der letzten Wirtschaftsrezession lag die US-Staatsverschuldung bei knapp USD 9 Billionen. Seit diesem Zeitpunkt hat sich die Staatsverschuldung fast verdoppelt. Stehen wir heute also besser oder schlechter da als damals? Die Antwort ist natürlich offenkundig.

Und obwohl Barack Obama beteuert, dass „die Defizite unter Kontrolle“ sind, kamen allein im Fiskaljahr 2014 über USD 1 Billion an neuen Schulden hinzu. Was den künftigen Generationen angetan wird, indem man ihnen einfach immer mehr Schulden auflädt, ist mehr als kriminell. Und was will Barack Obama jetzt machen? Er will die Staatsausgaben sogar noch ausweiten und die Verschuldung noch schneller vorantreiben – ein Thema, über das ich in meinem Artikel „Barack Obama Says That What America Really Needs Is Lots More Debt“ berichtet haben.

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2. Die Gesamtverschuldung der USA

Die Gesamtverschuldung der Vereinigten Staaten von Amerika ist in den letzten 40 Jahren in astronomische Höhen geschossen. Wir haben uns in eine „Kaufe heute, zahle später“-Gesellschaft verwandelt, und das hat verheerende Folgen. 1975 lag die Gesamtverschuldung der USA bei rund USD 2,5 Billionen. Kurz vor Ausbruch der letzten Rezession lag die Gesamtverschuldung bei rund USD 50 Billionen und heute nähert sie sich rasch der Marke von USD 60 Billionen an.

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3. Die Geldumlaufgeschwindigkeit

Wenn eine Wirtschaft gesund ist, wechselt das Geld relativ schnell den Besitzer und zirkuliert zügig im Wirtschaftskreislauf. Es macht daher auch Sinn, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit während der letzten Rezession dramatisch eingebrochen ist. Aber warum bricht die Geldumlaufgeschwindigkeit seitdem weiter ein?

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4. Die Eigenheimquote

Wussten Sie, dass die Eigenheimquote in den Vereinigten Staaten derzeit auf einem 20-Jahrestief notiert? Es war traditionell immer so gewesen, dass der Eigenheimbesitz als Symbol dafür galt, zur Mittelschicht zu gehören. Die letzte Rezession war für die Mittelschicht aber ziemlich hart gewesen, daher ist es auch logisch, dass die Eigenheimquote während dieser Phase fiel. Aber warum ist die Eigenheimquote seit diesem Zeitpunkt immer weiter eingebrochen?

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5. Das Beschäftigungs-/Bevölkerungs-Verhältnis

Barack Obama erzählt den Menschen ja gerne, dass die Arbeitslosenquote fällt. Ich werde in diesem Artikel aber noch ausführen, dass dieser Rückgang vornehmlich auf statistische Tricks zurückgeht. Der nächste Chart zeigt das Beschäftigungs-/Bevölkerungs-Verhältnis. Vor der letzten Rezession waren rund 63% der US-Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter beschäftigt. Während der Rezession ging diese Rate auf unter 59% zurück und verharrte dort für einige Jahre. Vor kurzem konnte das Beschäftigungs-/Bevölkerungs-Verhältnis wieder auf über 59% klettern, aber wir sind immer noch sehr, sehr weit von dem Stand weg, den die USA gewohnt sind, und das während wir jetzt immer schneller auf den nächsten Wirtschaftsabschwung zusteuern.

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6. Die Erwerbsquote

Wie kommt Obama eigentlich mit seiner Behauptung durch, dass die Arbeitslosigkeit dramatisch gefallen sei? Nun ja, die US-Regierung nimmt jeden Monat einfach tausende Langzeit-Arbeitslose und sagt, dass diese Menschen nun bereits so lange arbeitslos gewesen sind, dass sie nicht mehr länger als „Teil der Erwerbsbevölkerung“ gelten. Im Ergebnis ist die US-Erwerbsquote seit der letzten Rezession dramatisch gefallen:

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7. Die Inaktivitätsrate von Männern in ihren Haupterwerbsjahren

Wenn sich die „Lage bessern“ würde, ja warum sind dann so viele Männer in ihren Haupterwerbsjahren arbeitslos? Vor der letzten Rezession lag die Inaktivitätsrate von Männern in ihren Haupterwerbsjahren bei rund 9% – heute liegt sie bei rund 12%.

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8. Das reale mediane Haushaltseinkommen

Heute ist nicht nur ein geringerer Prozentsatz der Amerikaner beschäftigt, sondern im Vergleich zur letzten Rezession hat sich auch die Qualität ihrer Jobs verschlechtert. Das ist einer der Faktoren, der dazu geführt hat, dass es zu einem atemberaubenden Rückgang bei den realen medianen Haushaltseinkommen gekommen ist:

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Ich habe die nachfolgenden Daten ja bereits in früheren Beitragen veröffentlicht, aber es lohnt sich wirklich, sie noch einmal aufzuführen. Die meisten Amerikaner verdienen heutzutage nicht genug, um mit einem einzelnen Gehalt den Lebensstandard einer Familie der Mittelschicht aufrecht zu halten. Diese Daten stammen direkt von der US-Behörde für Sozialversicherung:

Wir kennen alle Menschen, die sich derzeit in Teilzeitjobs befinden, weil das das Einzige ist, was sie im aktuellen Wirtschaftsumfeld finden können. Und während die Qualität der Arbeit immer weiter abnimmt, trüben sich auch die oben aufgeführten Zahlen immer weiter ein.

9. Inflation

Obwohl die US-Gehälter stagnierten, steigen die Lebenshaltungskosten immer weiter an. Beispielsweise sind die kosten für Nahrungsmittel und Getränke seit dem Jahr 2000 um fast 50% gestiegen:

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10. Staatliche Sozialleistungen

Während die Mittelschicht immer stärker schrumpft und die Zahl der Amerikaner, die sich nicht mehr alleine um sich kümmern können, durch die Decke schießt, steigt auch die Zahl der US-Bürger, die auf staatliche Zuwendungen angewiesen sind, auf neue beispiellose Rekordhochs.

Beispielsweise gibt die US-Bundesregierung aktuell rund doppelt so viel Geld für Lebensmittelmarken aus wie vor der letzten Rezession. Wie um alles in der Welt kann man da noch von einer „Wirtschaftserholung“ sprechen?

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Also: Wird die Lage nun besser oder schlechter? Für mich ist völlig klar, dass wir uns heute in einer wesentlich schlechteren Situation wiederfinden als vor Ausbruch der letzten Wirtschaftskrise.

Der nächsten großen Wirtschaftskrise wird gerade der Boden bereitet, und bedauerlicherweise haben die meisten Amerikaner überhaupt keine Ahnung davon, was hier auf uns zukommt. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung wird völlig unvorbereitet sein, wenn die nächste Krise aufschlägt.

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