Schulden, Deflation, Dollar & Gold

Mary Anne Aden & Pamela Aden, The Aden Forecast, 18.03.2015

Die Märkte sind in jüngster Zeit sehr volatil gewesen. Dadurch sind jede Menge Fragen aufgeworfen worden. Im Folgenden werden wir uns mit den am häufigsten gestellten Fragen beschäftigen.

Frage: Wir hören viel von der Deflation, aber wie schlimm ist es wirklich?

Antwort: Die Deflation intensiviert sich. Weltweit ist ein Rückgang der Inflation zu beobachten, und sie ist in der Eurozone und kürzlich auch in den USA in den negativen Bereich gesunken (Deflation).

Die Zentralbanken versuchen, sich mittels der quantitativen Lockerung (QE), wirtschaftlichen Belebungsmaßnahmen und negativen Zinssätzen gegen diese deflationären Kräfte zu stemmen, um ihren Wirtschaften dabei zu helfen, die Inflation wieder in Gang zu bekommen und sie wenigstens auf 2% anzuheben.

Das Entscheidende ist: Wenn die Zinssätze fallen, wird es immer attraktiver Kredite aufzunehmen, während zunehmend weniger gespart wird.

Die Zentralbanken hoffen also darauf, dass die Banken vermehrt Kredite an die Verbraucher vergeben, die das Geld dann ausgeben, anstatt dass die Gelder einfach nur als Bankreserven bei den Banken parken. Dieses Halten der Gelder ist der Hauptgrund dafür, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit immer weiter zurückgeht.

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Das durch die QE-Programme geschaffene Geld parkt bei den Banken, aber es muss in den Wirtschaftskreislauf und zirkulieren. Das ist der Hauptgrund, warum die Inflation rückläufig ist.

Würden diese Gelder in die Wirtschaft gelangen, würde dies dabei helfen, den Inflationsdruck umzukehren, sodass die Inflation letztlich wieder an Fahrt aufnimmt. Gegenwärtig ist davon noch nichts zu beobachten, aber es wird hoffentlich bald der Fall sein.

Frage: Wie stehen die Chancen, dass es zu einer neuen Wirtschaftskrise kommt?

Antwort: Basierend auf der Tatsache, dass der Aktienmarkt immer noch bullisch ist, obwohl er jüngst wieder etwas nachgab, und der Tatsache, dass der Aktienmarkt dazu neigt, die wirtschaftliche Entwicklung vorwegzunehmen, müsste sich die Wirtschaft in den nächsten Monaten weiter durchwurschteln. Die weltweiten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind aber nicht solide.

Das größte Problem sind die Schulden, und wir glauben, dass der Kipppunkt bereits überschritten wurde – die Schulden werden für die weltweiten Wirtschaften nun also zu einer echten Belastung werden.

Die weltweiten Schulden lagen 2007 beispielsweise bei USD 142 Billionen. Bis zum Jahr 2014 waren die weltweiten Schulden aber bereits auf USD 199 Billionen in die Höhe geschossen. Wir sprechen hier also von einem 40%igen Anstieg innerhalb von 7 Jahren.

Seit der letzten großen Rezession hat sich im Grunde also kaum etwas getan. Fakt ist, dass die Lage in Wahrheit sogar noch schlimmer geworden ist. Es fand kein Schuldenabbau statt und die Schulden sind heute viel zu groß, als dass die Welt damit noch zurechtkommen könnte.

Viele haben das Gefühl, dass das zu einer weiteren Krise oder einem Zusammenbruch führen wird, und das ist in der Tat möglich. Wir dürfen hier ja nicht vergessen, dass die Welt während der letzten Krise in den Jahren 2007 und 2008 am Rande des Abgrunds stand.

Jede US-amerikanische Großbank wäre in die Pleite abgerutscht, hätte die US-Notenbank nicht interveniert und Ähnliches könnte abermals geschehen.

Die Schulden lähmen das weltweite Wirtschaftswachstum. In den USA lag das durchschnittliche Wirtschaftswachstum in den letzten 8 Jahren bei gerade einmal 1,2%. Und das ist noch das Beste, was Jahre der quantitativen Lockerung und superniedrigen Zinssätze hervorgebracht haben.

Hier kommt noch hinzu, dass das mediane Vermögen der Hälfte der US-Bevölkerung seit der letzten Rezession ebenfalls um 40% gesunken ist.

Die Reichen hingegen werden aufgrund ihrer steigenden Vermögenswerte immer reicher.

Also: Ungeachtet all der guten Wirtschaftsmeldungen, die wir fortwährend zu hören bekommen, können wir sehen, dass sich die Wirtschaft auf sehr dünnem Eis bewegt.

Frage: Wie wird das den Goldpreis beeinflussen?

Antwort: Der Goldpreis ist weiter gesunken und fast auf ein 4-Monatstief gefallen. Der Goldpreis nähert sich immer schneller seinen Novembertiefs an. Der stark steigende US-Dollar und die Erwartungen, dass es in den USA zu einer Erhöhung des Leitzinses kommen wird, haben Gold in die zweite Reihe gedrängt.

Die niedrigen Zinssätze sind bullisch für Gold, da Gold in einem solchen Umfeld nicht mit anderen Währungen konkurrieren muss. Und da die meisten großen Länder derzeit negative Zinssätze haben, bewegt sich Gold im Währungsvergleich weiter nach oben.

Gold, die ultimative Währung, liegt, was die Stärke der großen Währungen anbelangt, gleich auf Rang 2 hinter dem US-Dollar. Der extrem stark steigende US-Dollar sorgt gegenwärtig jedoch für massive Verwerfungen an den Währungsmärkten.

Interessant ist, dass es für die Investoren fast schon irreal zu sein scheint, dass die USA die Zinsen erhöhen wird, während der Dollar massiv im Wert zulegt. Die USA haben im Vergleich zu den anderen großen Ländern ja heute bereits die höchsten Zinssätze.

Wie dem auch sei, an irgendeinem Punkt, der in nicht allzu ferner Zukunft liegt, wird der Anstieg des Dollars eingegrenzt werden, entweder durch Interventionen oder eine Erschöpfung des Dollars. Und wenn das passiert, wird der Dollar wieder fallen und Gold steigen. Die Tatsache, dass Gold im Rahmen der aktuellen Dollar-Rally noch keine neuen Tiefs im Bereich von USD 1.143 pro Unze ausgebildet hat, zeigt die subtile Stärke, die Gold zu Grunde liegt.

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