Dan Norcini: Aktuelle Lage am Goldmarkt

Dan Norcini, Traderdan.com, 21.03.2015

Die meisten von Ihnen wissen ja, dass ich mittelfristig bärisch bin, was Gold anbelangt, da ich glaube, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins letztlich weiter anheben muss, um so irgendwie zu versuchen, die Geld- und Zinspolitik wieder zu normalisieren.

Vielleicht liege ich diesbezüglich ja auch falsch, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Nullzinspolitik auf immer und ewig anhalten wird. Ich bin der Auffassung, dass die Fed allein mittels der Geldpolitik in der Lage ist, die Wirtschaft zu stützen. Sie kann weder Fiskalpolitik betreiben, noch etwas gegen die massive Regulierungswut der überbordenden Bundesregierung ausrichten. Dafür müsste es im Weißen Haus zu einem Machtwechsel kommen, aber bedauerlicherweise ist eine solche Entwicklung noch in weiter Ferne.

Ich behaupte, dass die Wirtschaft heute in einer besseren Lage wäre, hätten die USA eine wirtschaftsfreundliche Regierung und fiskalisch solidere Haushaltsbudgets gehabt. Das vorausgeschickt, müssen wir natürlich mit dem arbeiten, was wir haben, und nicht mit dem, was wir uns gerne wünschen würden. Und bis auf weiteres haben wir eine Fed, der es im Hinblick auf die Zinssätze gelungen ist, für ausreichend Unsicherheit zu sorgen, um den Abverkaufsdruck bei Gold wieder etwas abzumildern.

Wenn wir uns den Goldpreis auf Wochenbasis anschauen, sehen wir, dass sich hier ein Aufwärts-Umkehrmuster ausgebildet hat. Es kam zu einem Tief, das unter dem früheren Wochentief lag, und zu einem Hoch (dem Wochenschlusskurs), das über dem vorangegangenen Wochenhoch lag. Aus technischer Sicht wäre es daher keine Überraschung, sollte der Markt über noch etwas mehr Aufwärtspotenzial verfügen.

Damit der Goldmarkt über echtes Potenzial für weitere Anstiege verfügt, müsste Gold über den Widerstand bei USD 1.220 bis USD 1.225 pro Unze steigen. Würde das passieren, bestünde auch die Möglichkeit, den noch stärkeren Widerstand bei USD 1.250 pro Unze zu knacken. Ich wäre jedoch sehr überrascht, würde es Gold gelingen, diese Marke zu übersteigen, und ich würde auch mit massiven Verkäufen rechnen, sollte Gold in diesen Preisbereich vordringen.

Darüber hinaus ist es so, dass der Goldpreis aktuell in zwei Abwärtspreiskanälen verharrt und es überdies einen von mir verwendeten Indikator gibt, der ausgesprochen bärisch ist. All dies führt mich zu der Annahme, dass die aktuellen Goldpreisanstiege lediglich eine weitere kleine Erholung im Rahmen des anhaltenden Bärenmarkts sind. Wir werden abwarten müssen, um zu sehen, wie weit die aktuellen Short-Eindeckungen Gold noch in die Höhe treiben werden, bevor dem Anstieg wieder die Luft ausgeht.

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Wenn wir uns den Goldchart auf Wochenbasis noch einmal anschauen und dabei andere Indikatoren nutzen, sehen wir, dass die ADX-DMI-Linie ebenfalls bärisch ausgerichtet ist, da die –DMI-Linie derzeit über der +DMI-Linie liegt, was heißt, dass die Bären die Kontrolle haben. Darüber hinaus liegt der RSI-Index weiterhin unter der Marke von 60 Punkten, nachdem er mit gut 30 Punkten völlig überverkauft war und sich wieder etwas erholt hat. Auch hier ist nichts sonderlich Bullisches zu erkennen.

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Also für mich sieht es so aus, als wäre es der Fed gelungen, genügend Shorts zu verschrecken. Diese Shorts wurden dann glattgestellt, worauf die Preisanstiege folgten, und nun schauen sich einige Bären das Ganze von der Seitenlinie aus an.

Wenn wir uns den CoT-Bericht anschauen, sehen wir, dass die Gesamtzahl der Shortpositionen aller Spekulanten ziemlich hoch gewesen ist. Wir sollten hier auch daran denken, dass die jüngsten Daten vom Dienstag stammen, daher können wir heute auch noch nicht sagen, wie viele dieser Shorts am Mittwoch, dem Tag der Veröffentlichung des FOMC-Protokolls, eingedeckt wurden. Wenn Sie sich die eingekreisten Bereiche anschauen, können sie das jüngste Hoch bei den Short-Positionen auch ein wenig in Relation stellen.

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Wir werden abwarten müssen, wenn wir in Erfahrung bringen wollen, wie viele dieser Gold-Shorter ihrer Positionen eingedeckt haben und nun von der Seitenlinie aus darauf waren, wieder in den Markt einzusteigen. Kurzfristig sieht es daher freundlich aus, aber mittelfristig ist die Lage weiterhin bärisch.

Ich hatte ja gestern bereits darauf hingewiesen, dass die bedeutendste Hürde für die Goldbullen wieder einmal die Tatsache sein dürfte, dass es beim weltgrößten börsennotierten Goldfonds, dem GLD, erneut zu Abflüssen kommt. Der jüngste Bericht zu den Goldbeständen des GLD zeigt, dass am Freitag fast 5,5 Tonnen Gold abgezogen wurden, und in der Vorwoche waren es rund 6,3 Tonnen. Und obschon die Goldbestände seit Jahresbeginn um 35 Tonnen zulegen konnten, wurden seit den diesjährigen Hochs rund 27 Tonnen Gold abgezogen.

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Die Perma-Goldbullen können den lieben langen Tag über die chinesische und indische Goldnachfrage sprechen, ich hatte ja immer wieder darauf hingewiesen, dass die Nachfrage dieser beiden Länder niemals in der Lage sein wird, den Goldpreis drastisch in die Höhe zu treiben – dadurch wird lediglich eine Preisdecke eingezogen.

Für Goldpreisanstiege braucht es eine spekulative Goldnachfrage aus dem Westen. Und der GLD ist ein Stellvertreter für diese Art von Nachfrage. Fallen die Goldbestände des GLD ist das kein gutes Zeichen, und das lässt sich einfach nicht schönreden.

Euro & US-Dollar

Wenden wir uns noch kurz den Währungen zu. Im Folgenden sehen einen CoT-Chart für den Euro, der kurz vor dem FOMC-Protokoll am Mittwoch veröffentlicht wurde.

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Ich finde es ziemlich bemerkenswert, dass es bei der Gruppe „Other Large Reportables“ zu einem massiven Anstieg bei den Long-Positionen gekommen ist. Diese „Other Large Reportables“ sind große private Trader, Marktmacher und Broker usw. Sie haben vor der Veröffentlichung des FOMC-Protokolls eine riesige Zahl an Longs aufgebaut.

Ja ich musste die Daten sogar zwei Mal prüfen, um sicherzustellen, dass ich bei den Zahlen, die da auftauchten, nicht irgendeinen Fehler gemacht hatte. Damit sind diese Trader ein extremes Risiko eingegangen. Und in diesem Fall haben sie damit den Jackpot getroffen, aber ich möchte hier noch einmal ausdrücklich für meine Leser darauf hinweisen, dass das keine empfehlenswerte Strategie ist, da die Resultate für jeden Trader, der falsch liegt, katastrophal sein können.

Alles so auf eine Karte zu setzen, wie es diese Gruppe vor einem wirtschaftlich wichtigen Ereignis getan hat, kann einem zum Helden machen oder die Karriere beenden. Wer spielen will, sollte nach Las Vegas oder Atlantic City fahren. Wer traden will, sollte vernünftig agieren und nicht Haus und Hof auf etwas setzten, das genauso gut auch in die andere Richtung gehen kann.

Und wie Sie sehen, lagen die Hedge-Fonds falsch. Viele Longs der Hedge-Fonds-Kategorie (davon gab es insgesamt jedoch nicht allzu viele) wurden noch vor dem Mittwoch abgestoßen, da sie mit einem harten geldpolitischen Kurs der Fed gerechnet hatten. In dieser Kategorie hatten einige zu den bereits bestehenden Shorts sogar noch Shorts aufgebaut. Ups, das dürfte für ordentliche Verluste sorgen.

Noch einmal: Das ist der Grund, warum man vor diesen großen Ereignissen oder vor solch bedeutenden Berichtsveröffentlichungen aus seinen Positionen aussteigt oder diese zumindest reduziert. Man weiß nie, was dabei rumkommt. Also, warum sollte man dieses Risiko eingehen? Dieses Geschäft ist schon so schwer genug, da muss man sich nicht noch dem zusätzlichen Risiko aussetzen, vor einem Ereignis wie der Veröffentlichung des FOMC-Protokolls aggressiv positioniert zu sein.

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Und hier sehen Sie noch einmal den CoT-Chart für den US-Dollar-Index in seiner alten Form. Wie Sie sehen, gibt es doch eine Reihe an Spekulanten, die noch am Dienstag auf einen steigenden Dollar spekulierte. Einige dieser Long-Positionen werden in Kürze aus dem Chart verschwinden. Wir werden diese Daten im Auge behalten, um zu erfahren, wann sich der Preis stabilisiert und sich die Lage wieder etwas beruhigt hat.

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