Staatschulden-Bombe: Wohin mit den Ersparnissen?

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 23.05.2015

Frage: „Es gibt da eine Sache, die ich gerne verstehen möchte, doch jedes Mal, wenn ich Ihre Beiträge lese, bin ich noch verwirrter. Wie ist es angesichts der Deflation, deren Auswirkungen in einigen Länder ja bereits zu beobachten sind, angesichts des Platzens der Anleiheblase und des Finanz- und Wirtschafts-Chaos, das auch Firmen vernichten, Unternehmen in die Pleite, zu steigender Arbeitslosigkeit führen und die Banken in den Bankrott schicken wird – also wie soll es da möglich sein, dass Unternehmen, deren Umsätze fallen werden, den Dow Jones auf 23.000 oder 40.000 Punkte treiben? Wo fand so etwas schon einmal in der Vergangenheit statt?“

Antwort: Sie denken immer noch in alten Denkmustern. Sie sollten es einmal aus einer völlig neuen Perspektive heraus betrachten. Im Folgenden sehen Sie die Charts für den Dow Jones und den Dax. Warum hat der Dax (in Euro) den Dow Jones (in US-Dollars) ausgestochen? Ist es etwa, weil die Umsätze deutscher Unternehmen in die Höhe schießen? Nein, keineswegs.

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In Europa hat das Smart Money das Gefühl, dass Europa erledigt ist. Sie wetten darauf, dass der Euro zusammenbrechen wird und sie dann Deutsche Mark bekommen werden. Hier geht es also in Wahrheit um nichts anderes als das finanzielle Überleben.

Das ist der Trend, der aktuell im Gang ist, und er veranschaulicht, dass das Vertrauen derzeit zusammenbricht. In den USA ist das Vertrauen hingen noch nicht zerrüttet worden. Wenn es in den USA soweit ist, wird man dort genau dieselbe Flucht in private Vermögenswerte beobachten können wie in Europa, da die Menschen keine andere Wahl haben, wenn der Staat das Problem ist.

Aus rein wirtschaftlicher Sicht, geht es den USA fantastisch. Die US-Unternehmen sind so fett und happy, dass sie weiterhin ihre eigenen Aktien zurückkaufen. In Deutschland ist das nicht der Fall – dort dienen die Aktien derzeit als Währungsersatz.

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Ich habe stets davor gewarnt, dass es für alles immer zwei Prognosen gibt. Da haben wir zum einen den Preis und zum anderen die Zeit. Wenn der Goldpreis zu den Zeitzielen sein Tief ausbildet, ist es völlig unerheblich, ob das Tief dann nun bei USD 650 oder USD 920 pro Unze liegt. Die Zeit ist der allerwichtigste Faktor, und der Preis folgt dann lediglich an zweiter Stelle.

Hier sehen Sie den Dow Jones auf Monatsbasis. Wenn wir eine gewöhnliche Projektion bis in den März 2017 nehmen, sehen wir, dass der Dow Jones das Niveau von 30.400 Punkten erreichen könnte. Und dabei würde sich der Dow Jones immer noch nicht in einer extremen Phasentransformation befinden, sofern dieser Preis nicht in weniger als 6 Monaten und genau auf unseren Zeitzielen ausgebildet wird. Die extremste Preisprojektion für den Dow Jones liegt bei 43.000 Punkten. Der Preis ist aber immer nachrangig, das allerwichtigste ist die Zeit.

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Der Anstieg des DAX hat rein gar nichts mit der traditionellen Wirtschaftstheorie zu tun. Es geht einzig um Zeit und die Flucht in Richtung Sicherheit. Wenn dem Staat misstraut wird, geht man in private Vermögenswerte. Und dabei ist es auch unerheblich, ob diese privaten Vermögenswerte steigen oder fallen, da man mit ihnen etwas Reales hat, wohingegen sich Staatsanleihen immer in Luft auflösen.

Spanien war einst die reichste Nation in Europa, nachdem die Spanier das ganze Gold und Silber aus Amerika nach Hause gebracht hatten. Trotzdem brach Spanien zusammen und wurde zu einem notorischen Serien-Pleitier. Die Serie der Staatspleiten nahm 1557 ihren Anfang und ging dann 1570, 1575, 1596, 1607 und 1647 weiter – am Ende befand sich das Land auf einem Dritte-Welt-Niveau. Und das hing nicht damit zusammen, dass Spaniens Währung „Fiatgeld“ war, sondern begründete sich durch die Tatsache, dass die Spanier mehr Geld ausgaben, als sie hatten, und fortwährend Kredite aufnahmen, was dann im Bankrott mündete. All ihr Gold und Silber hatte nichts zu bedeuten. Ihre Schulden zerstörten Spanien.

Und selbst bei den Beispielen von Hyperinflationen handelt es sich in Wahrheit um einen Zusammenbruch des Staats und einen Übergang in Richtung privater Vermögenswerte. Es ist immer dasselbe. Man braucht einen Ort, wohin man flüchten und wo man sein Vermögen verstecken kann. Es kommt immer darauf an, wer gerade in Problemen steckt.

Seine eigenen Trading-Entscheidungen überleben: Man kann selbst sein schlimmster Feind sein

Einer der bedeutendsten Gründe, warum man beim Trading Geld verliert, ist, dass man zu voreingenommen ist und sich das Ganze dann in einen Kampf gegen einen bestimmten Markt verwandelt.

Ganz gleich, ob es Gold ist und man sich gegen einen Abwärtstrend stemmt oder ob es etwas wie der DAX ist und man gegen eine Rally kämpft – immer, wenn man auf der anderen Seite eines Trends steht, pokert man gegen die Wahrscheinlichkeiten und es ist ein Spiel mit dem Feuer.

Zunächst einmal muss man tief durchatmen. Und dann muss man aus seinen Verlusten lernen. Sie haben teuer für diese Lektionen lernen müssen. Fixiert man sich zu stark auf einen einzelnen Markt, wird es zu einer persönlichen Vendetta, um herauszufinden, wer am Ende noch übrig bleibt.

Nehmen wir doch einmal diese beiden Beispiele – Gold und den Dax: Wenn in Ihnen jetzt bereits etwas hochkocht und Sie mir einfach bloß widersprechen wollen, ganz gleich, was ich Ihnen dazu auch zu sagen habe, dann sind Sie in diesen Märkten bereits zu stark persönlich involviert. Das Erste, was Sie in diesem Falle tun sollten, ist, Ihre Positionen zu liquidieren und diesen Markt zu verlassen. Schauen Sie sich irgendeinen anderen Markt an, wo Sie nicht so stark persönlich involviert sind. Hier geht es nicht um irgendeinen Wettbewerb, wo man beweisen muss, dass man selbst Recht hat und der Rest der Welt falsch liegt.

Gold wie auch der DAX werden beide in sehr starkem Maße durch die aktuellen Währungstrends beeinflusst. Umso stärker der Euro fällt, desto stärker fällt die DAX-Rally aus. Da geht es überhaupt nicht um Unternehmensgewinne und Wirtschaftswachstum, hier geht es um Kapital, das gegen das Überleben des Euros wettet. Das muss man einfach begreifen.

Und genauso verhält es sich bei Gold: Umso stärker der Dollar ist, desto schwieriger wird es für Gold, auf Dollarbasis eine Rally hinzulegen, da es für Goldpreisanstiege einer Angst vor Banken und Staaten bedarf. Das ist immer der Punkt gewesen, wo Gold seine stärksten Rallys hinlegte. Vergessen Sie Inflation, Fort Knox und all den anderen Blödsinn.

Treten Sie einen Schritt zurück. Schauen Sie sich den Trend an. „The trend is your friend“ – wie es so schön heißt. Versuchen Sie in keinem Markt gegen den Trend zu traden, außer Sie traden völlig leidenschaftslos, denn nur dann können Sie basierend auf Trading-Signalen kaufen und verkaufen.

Suchen Sie sich einen Markt aus, mit dem Sie nicht auf Kriegsfuß stehen. Dort können Sie lernen, wie man tradet – leidenschaftslos. Es sollte hier darum gehen, Geld zu machen, nicht zu beweisen, dass man Recht haben. Solche Kriege können Sie nicht gewinnen – Sie werden verlieren.

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