Gold – für westliche Investoren immer noch uninteressant

Dan Norcini, Traderdan.com, 10.04.2015

Gold ist es bisher gelungen, einen vollständigen charttechnischen Zusammenbruch zu vermeiden, doch das geht eher auf asiatische Käufe am physischen Markt zurück als auf ein weitgefasstes Interesse seitens der finanzstarken und äußerst liquiden westlichen Anleger. Ich habe ja in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass ich fest davon überzeugt bin, dass die chinesischen und indischen Goldkäufe beim Goldpreis zwar eine Preisdecke einziehen können, diese Käufe aber nicht ausreichen, um den Preis drastisch steigen zu lassen, wie es so viele eingefleischte Goldbugs inständig hoffen.

Für einen solch drastischen Preisanstieg bedarf es der trendorientierten Investmentgemeinde, die höheren Preisen aufgrund von Chartsignalen nachjagt und sich im Grunde überhaupt nicht darum schert, was irgendein „fairer“ Goldpreis sein mag. Das interessiert diese Investoren bei anderen Märkten auch nicht.

Im Folgenden werden wir uns zwei unterschiedliche Charts anschauen, die das aktuelle Ausbleiben der westlichen Goldnachfrage verdeutlichen.

Der erste Chart, den ich regelmäßig aktualisiere und veröffentliche, weist die Goldbestände des weltgrößten börsennotierten Goldfonds, dem GLD, aus:
01Die Goldbestände sind diese Woche um 3 Tonnen auf 734 Tonnen zurückgegangen. Im bisherigen Jahresverlauf konnten die Goldbestände gerade einmal um 25 Tonnen zulegen – und damit liegt das aktuelle Wachstum bei den GLD-Goldbeständen weit unter der Rate von Februar dieses Jahres, wo es nach einem Stimmungsumschwung aussah und dem Goldfonds bedeutende 64 Tonnen zuflossen. Hier scheint die Begeisterung schon wieder nachgelassen zu haben.

Ein weiterer Chart, der den aktuellen Trend (dass die Gelder aus Gold weggehen und stattdessen in Aktien, speziell in europäische Aktien fließen) bestätigt, ist der jüngste Commitment of Traders Report. Auf diesem Chart sieht man, dass es bei den Gold-Futures ganz allgemein zu einem Rückgang des Offenen Interesses gekommen ist.02Schauen Sie sich bitte an, wie der Goldpreis dazu neigt, gemeinsam mit dem Offenen Interesse am Futures-Markt zu steigen und zu fallen. Das unterstreicht meine Auffassung, dass es die großen spekulativen Anleger (Offenes Interesse) sind, die unsere Märkte dominieren. Ohne dieses spekulative Interesse am Markt gibt es keine bedeutenden markttreibenden Kräfte – keine Kraft, die den Preis bedeutend in die Höhe treiben könnte. Stattdessen bekommen wir dann einen unsteten Markt, der von einem ständigen Auf und Ab geprägt ist – die Art von Preisentwicklung also, der ein klarer Trend fehlt.

Und fast immer, wenn ich so einen Mangel an spekulativen Interesse ausmache, ist das Resultat ein schrittweiser Rückgang des Preises. Und genau das lässt sich derzeit auch bei Gold beobachten.

Wenn wir uns den Goldpreis auf Wochenbasis anschauen, sehen wir auch genau, wovon ich spreche. Das ist die Art von Preisentwicklung, die die meisten Trader zu Tode langweilt. Die ADX-Linie ist weiterhin rückläufig, was darauf hindeutet, dass es keinen klaren Trend gibt, während die RSI-Linie irgendwo im Niemandsland feststeckt und sich genauso wie der Goldpreis seitwärts bewegt.

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Und wenn wir uns die Directional Movement Indicator Linien (+DMI-Linie und –DMI-Linie) genauer anschauen, sehen wir, dass sie sich ständig kreuzen und vorübergehend die Bullen und dann wieder die Bären das Heft in der Hand haben. Vergleichen Sie das einmal mit den Bewegungen der DMI-Linien während starker Trendphasen.

Der nächste Chart ist derselbe Goldchart auf Wochenbasis, doch dieses Mal setzen wir die Bollinger-Bänder ein, um weitere Einblicke in die Preisentwicklung zu gewinnen. Die Bollinger-Bänder haben sich im bisherigen Jahresverlauf etwas verjüngt. Im Grunde bewegen sich diese Bänder derzeit parallel zueinander, was die ADX-Daten bestätigt. Mit anderen Worten: Der Markt tritt derzeit auf der Stelle.

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Die Goldbullen bekommen gegenwärtig keine dauerhafte Aufwärtsbewegung bewerkstelligt, während die Bären in der Lage gewesen sind, eine Serie niedrigerer Hochs zu etablieren, es ihnen aber dennoch nicht gelang, den Goldpreis unter seine bei USD 1.150 pro Unze verlaufende Stützung zu drücken. Es steht außer Frage, dass diese Stützung auf die indischen und chinesischen Goldkäufe zurückgeht.

Es gibt jedoch noch eine weiter Sache, auf die hier hingewiesen werden sollte: Seit dem Goldpreiseinbruch von April 2013 und dem Eintritt in den Bärenmarkt fanden 3 der 4 Abwärtsschübe bei Gold statt, während sich die Bollinger-Bändern weiteten. Diese Entwicklung habe ich mit den roten Rechtecken verdeutlicht. Es gab einen sehr kurzen Anstieg, bei dem sich gleichzeitig auch Bollinger-Bänder ausweiteten – das war Anfang 2014, als es Gold gelangen, eine Jahresanfangsrally hinzulegen (ähnlich wie dieses Jahr auch), bevor das Metall wieder fiel und auf einen soliden Widerstand bei USD 1.400 pro Unze traf.

Das verrät uns, dass die Goldpreisanstiege eher sehr vorübergehender Natur und schlicht Gegenbewegungen zum länger anhaltenden Trend sind, und dieser Trend weist aktuell nach unten. Die letzten Preisanstiege neigten in der Regel dazu, Short-Eindeckungen zu sein, was schnell wieder abflaut.

Der nächste Chart zeigt das spekulative Gesamtinteresse und die Short-Positionen bei Gold (das sind reine Bruttozahlen, keine Nettopositionen). Wenn Sie sich den Bereich anschauen, der von mir eingekreist wurde, sehen Sie, dass es zu einem drastischen Rückgang bei den Short-Positionen der Spekulanten gekommen ist. Die Spekulanten haben in den letzten 2 Berichtswochen gigantische 40.000 Short-Kontrakte glattgestellt, was mit dem Goldpreisanstieg von USD 60 pro Unze korrespondiert.

05Und wenn wir uns die Zahl der spekulativen Long-Positionen auf dem Chart anschauen, sehen wir, dass diese im selben Zeitraum kaum zulegen konnten. In derselben spekulativen Kategorie kamen gerade einmal 5.000 neue Long-Kontrakte hinzu!

Ich möchte noch einmal auf den vorletzten Chart zurückkommen. Der Abwärtstrend bei Gold hat sich abgeschwächt und hier stellt sich in der Tat die Frage, wie stark Gold sich hier noch von seiner Stützung entfernen und steigen kann, wenn man bedenkt, dass die Volatilität im Goldmarkt (bei der sich die Bollinger-Bänder weiten) bisher immer nach unten hin ausschlug.

Ich habe das Gefühl, dass sich Gold hier Zeit gekauft hat und das Metall heute bereits unter seiner charttechnischen Stützung notieren würde, wenn die Fed bezüglich der Zinserhöhung nicht so zurückhaltend agieren würde. Aktuell ist es so, dass der Fed-Futures Markt darauf hindeutet, dass die Chance auf eine Zinserhöhung bis Dezember dieses Jahres bei 100% liegt. Das liegt natürlich bedeutend weiter in der Ferne als die alte Auffassung, dass die Zinsen bereits im Juni angehoben werden, aber es ist immer noch sehr aufschlussreich, dass die Märkte aktuell davon ausgehen, dass es in diesem Jahr zu einer Zinserhöhung kommen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinserhöhung im September kommt liegt aktuell bei 42%.

Es ist immer möglich, dass Gold durch geopolitische Ängste gestützt wird – speziell aufgrund von Sorgen um den volatilen Nahen Osten und der anhaltenden Bedenken im Hinblick auf Griechenland, des generell schwachen Wachstums der Weltwirtschaft usw. Doch wenn diese Sorgen wieder abklingen, wird auch das Interesse an Gold zurückgehen.

Mit anderen Worten: Die Goldbugs müssen in zunehmendem Maße auf ihre „Ende der Welt“-Szenarios hoffen, damit ihr geliebtes gelbes Metall in die Höhe schießen kann. Ich hatte ja in früheren Artikeln schon darauf hingewiesen, dass man einen ziemlich düstern Ausblick haben muss, um eine fortwährend bullische Einstellung bezüglich Gold zu haben. Und obwohl man im Hinblick auf die aktuellen Stressfaktoren für das Finanzsystem durchaus realistisch sein kann, muss man nicht gleich alle Wirtschaftsdaten, die nicht extrem bullisch sind, so hindeichseln, dass sie weitere Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch sind.

Schauen Sie sich einfach den Goldpreis an und versuchen Sie zu verstehen, was er uns über die Stimmung und die Kapitalströme verraten will – und dann werden Sie weit besser informiert sein als die Anhänger des Gold-Kults und Sie werden auch als Trader und Investor weit ausgewogenere Entscheidungen treffen können.

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