Crash voraus: Globale Kreditkrise nimmt wieder an Fahrt auf!

Michael Snyder, The Economic Collapse, 17.04.2015

Bereiten Sie sich auf eine weitere weltweite Kreditkrise vor! Das gesamte Weltfinanzsystem entspricht gegenwärtig einer gigantischen Schuldenspirale. Zu praktisch jeder wirtschaftlichen Aktivität gehören auf irgendeine Art immer auch entsprechende Kreditflüsse, und das heißt, dass die einzige Möglichkeit, „Wirtschaftswachstum“ zu erzeugen, darin besteht, mehr Schulden ins System zu injizieren.

Als das System 2008 ins Straucheln geriet, reagierten die staatlichen Behörden in aller Welt, indem sie diese Schuldenspirale wieder aufpumpten und noch stärker anheizten als je zuvor. Unglaublich: Die Gesamtmenge weltweiter Schulden ist seit der letzten Krise um USD 35 Billionen gestiegen.

Leider ist es so, dass jedes System, das auf Schulden basiert, letztlich zusammenbrechen wird, und es gibt Hinweise, dass wir nun wieder vor solch einem Zusammenbruch stehen. Beispielsweise warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) vor wenigen Tagen davor, dass sich die Regulierungsbehörden auf einen „Liquiditäts-Schock“ einstellen sollten.

Am Freitag gaben die chinesischen Behörden bekannt, bestimmte Finanzierungsmethoden für außerbörslich gehandelte Aktien zu verbieten, und wir erfuhren, dass hinter den Kulissen Vorbereitungen für eine griechische Staatspleite und einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone laufen. Hinzu kommt der stärkste Anstieg von Kreditablehnungen, der in den USA jemals verzeichnet worden ist.

All das sind Hinweise darauf, dass sich die Kreditbedingungen immer weiter verschlechtern, und wenn die „Liquiditäts-Klemme“ erst einmal richtig da ist, kann das für jede Menge Angst sorgen.

Der chinesische Aktienmarkt ist in den letzten 6 Monaten explodiert, und das obwohl die chinesische Wirtschaft nun damit begonnen hat, sich abzuschwächen. Die Anleger haben für diese Aktienkäufe verschiedene gehebelte Fonds – sogenannte „Umbrella Trusts“ – genutzt, die ihnen die Möglichkeit bescherten, stärker an den Marktbewegung teilzuhaben, als es im Rahmen gewöhnlicher Aktienkäufe der Fall gewesen wäre. Das funktioniert auch prächtig, wenn die Aktien steigen. Doch wenn sie zu fallen beginnen, können daraus atemberaubende Verluste erwachsen.

Das ist der Grund, warum die chinesischen Behörden nun einschritten, bevor diese Blase noch schlimmer wird. Bloomberg berichtet über die aktuellen Ereignisse in China:

„Die chinesischen Fonds haben ihre Aktieninvestments im vierten Quartal um 28% auf 552 Milliarden Yuan (USD 89,1 Milliarden) ausgeweitet. Der stärkere Hebel sorgt dafür, dass der Privatanleger im Falle eines Aktienmarktrückgangs stärkere Verluste erleiden kann – Verluste, die sogar noch größer werden können, wenn die Anleger bei einem Abverkauf die Flucht ergreifen, um ihre Schulden zu bedienen.

Bei den ´Umbrella Trusts` kaufen die Privatanleger die Junior-Tranche, während das Geld von den Fonds und die Vermögensprodukte der Banken die Senior-Tranche stellen. Die Senior-Tranche bekommt einen Festzins, während die Junior-Tranche den Rest einstreicht – also im Grunde leihen sich die Privatanleger Geld von den Fonds und Banken.

Die Margin-Schulden an der Schanghaier Börse stiegen am Donnerstag auf ein Rekord von 1,16 Billionen Yuan. Bei einem Margin-Trade nutzen die Anleger nur einen Teil ihres Geldes für einen Aktienkauf und leihen sich den Rest. Die Kredite werden dann mit den Aktienbeständen des Anlegers besichert, und das heißt, dass sie bei fallenden Preisen einen Anreiz haben, diese Aktien zu verkaufen, um ihre Schulden zurückzuzahlen.“

Seit der letzten Rezession hat China ein größeres Schuldenwachstum als irgendeine andere Industrienation. Das Schuldenwachstum ist so dramatisch gewesen, dass die Behörden auf dem gesamten Planeten darauf aufmerksam geworden sind. Das Economic Policy Journal merkt dazu an:

„Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sagt, dass ´die Schuldenniveaus der Weltwirtschaft Anlass zur Sorge sind.`

Im Hinblick auf China merkte Schäuble an, dass sich die ´Schulden seit 2007 vervierfacht haben`. Er fügte hinzu, dass das chinesische Wachstum ´auf Schulden aufgebaut zu sein scheint, angeheizt durch einen Immobilienboom und Schattenbanken.`

Laut Untersuchungen von McKinsey ist die Gesamtsumme aller ausstehenden chinesischen Schulden von USD 7,4 Billionen in 2007 auf USD 28,2 Billionen in 2014 gestiegen. Dieses Zahl entspricht 282% des chinesischen BIP und ist damit höher als das Schulden/BIP-Verhältnis anderer G20-Länder, beispielsweise der USA, von Kanada, Deutschland, Südkorea oder Australien.“

Dieser Kreditboom in China ist in den letzten Jahren einer der Haupttriebkräfte für das „globale Wachstum“ gewesen, doch nun scheint sich die Lage zu ändern. Letztlich werden die Auswirkungen der aktuellen Geschehnisse in China in Kürze auf dem gesamten Planeten zu spüren sein.

Und in Europa steuert die griechische Schuldenkrise ebenfalls auf einen entscheidenden Kipppunkt zu. Jahrelang haben die Behörden Zeit herausgeschunden und Griechenland immer mehr Geld geliehen. Doch jetzt scheint ihnen die Geduld mit Griechenland ausgegangen zu sein.

Beispielsweise erklärte die IWF-Chefin, dass sie bei der Rückzahlung der im nächsten Monat fälligen IWF-Kredite keine Verzögerungen akzeptieren wird:

„Die Chefin des IWF, Christin Lagarde, versetzte die Währungs- und Anleihemärkte am Donnerstag in Aufruhr, als die Meldungen von ihrer Pressekonferenz hereinkamen, worin es hieß, dass sie den Griechen keinen Zahlungsaufschub für die im nächsten Monat fälligen IWF-Kredite geben wird.

Es ist aber unwahrscheinlich, dass Griechenland das Geld hat, um die Kredite des IWF zurückzuzahlen, sollte es Griechenland im Rahmen seiner Verhandlungen nicht gelingen, an weitere Rettungsgelder der Europäischen Union zu kommen.“

Und jetzt gibt es auch Meldungen, dass sich Europa hinter den Kulissen auf den unvermeidlichen Punkt vorbereitet, wo Griechenland die Eurozone verlassen und zu seiner eigenen Währung zurückkehren wird. Nehmen wir beispielsweise das, was Art Cashin am Freitag gegenüber CNBC erklärte:

„Zunächst ´gab es Meldungen in den Medien, in denen es hieß, dass die EZB und andere Bankbehörden den Banken empfahlen, alle von ihnen gehaltenen griechischen Staatsschulden, abzustoßen, was nahelegt, dass der nächste Schritt ein Austritt Griechenlands sein wird`, so Cashin gegenüber CNBC.“

Und eine der größten griechischen Zeitungen meldete, dass die Nachbarstaaten Griechenlands die in ihren Ländern operierenden Filialen griechischer Banken jetzt dazu zwingen, ihre Risiken gegenüber griechischen Staatsschulden auf null herunterzufahren:

„Laut einer Meldung von Kathimerini, einer der größten griechischen Tageszeitungen, haben die Zentralbanken von Albanien, Bulgarien, Zypern, Rumänien, Serbien, der Türkei und der früheren jugoslawischen Republik von Mazedonien die in ihren Ländern aktiven Filialen griechischer Banken gezwungen, ihre Risiken gegenüber Griechenland – und hierzu gehören kurz- und langlaufende Anleihen, Einlagen bei griechischen Banken und Kredite – auf null herunterzufahren.“

Wenn Griechenland aus dem Euro austritt, wird das in Europa für eine unglaubliche Kreditklemme sorgen, da sich die Angst dann wie ein Lauffeuer verbreiten wird. Jeder wird sich dann fragen, welches Land zum „nächsten Griechenland“ wird, und die Anleger werden ihre Gelder aus den vermeintlichen Gefahrenzonen abziehen wollen, bevor es sie erwischt.

In der Vergangenheit waren die europäischen Länder immer bereit gewesen, einzuknicken und gegenüber Griechenland Eingeständnisse zu machen, um genau diese Art von Schlamassel zu vermeiden. Doch diese Zeiten scheinen nun vorbei zu sein. Fakt ist, dass der der französische Finanzminister mittlerweile offen einräumt, dass die Franzosen kein Verständnis mehr für Griechenland haben:

„Griechenland kann bei den anderen schuldengeplagten europäischen Ländern kaum noch Sympathien einheimsen, während das Land nun kurz davor steht, die Rettungsgelder nicht zurückzahlen zu können. ´Wir haben kein Verständnis gegenüber Griechenland´, so der französische Finanzminister Michael Sapin in einem Interview während des Frühjahrstreffens des Internationalen Währungsfonds. ´Wir sind so fordernd, weil sich Griechenland an die europäischen Regeln halten muss, die für alle Länder gelten`, so Sapin.“

Ja sicher ist es denkbar, dass ein weiter kurzfristiger Deal vereinbart wird, mit dem man wieder ein paar Monate Zeit gewinnen kann. Aber wie dem auch sei – die Lage in Europa wird sich dennoch weiter verschlechtern.

Unterdessen kommt es nun zu einer Serie enttäuschender Gewinnberichte aus den USA, die die Anleger verschreckt. Beispielsweise erfuhren wir, dass General Electric im ersten Quartal USD 13,6 Milliarden verloren hat:

„Eine Woche nach der Ankündigung, dass man den überwiegenden Teil der GE-Capital Finanzoperationen streichen würde, um sich stattdessen auf die industriellen Wurzeln des Konzerns zurückzubesinnen, meldete General Electric für das erste Quartal einen Verlust von USD 13,6 Milliarden.

Diese Verluste gingen auch auf Kosten zurück, die mit der strategischen Neuausrichtung des Konglomerats in Verbindung stehen. Vor einem Jahr hatte GE für das erste Quartal noch einen Gewinn von USD 3 Milliarden gemeldet.“

Das ist jede Menge Geld. Wie kann ein Unternehmen in einem einzigen Quartal während einer „Wirtschaftserholung“ USD 13,6 Milliarden verlieren?

Und auch seitens anderer Unternehmen kommen enttäuschende Gewinnmeldungen herein:

„In einer Gewinnmitteilung erklärte American Express Co. am Donnerstagabend, dass das Ergebnis durch den starken US-Dollar, der die Gewinne in anderen Ländern verringert hätte, in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Geschäftsführer Kenneth Chenault wiederholte die Prognose, dass die Umsätze 2015 im Jahresvergleich stagnieren bis leicht zurückgehen würden. Die Aktie fiel um 4,6%.

Advanced Micro Devices Inc. sagte, dass die Verluste im ersten Quartal ausgeweitet wurden, da die Umsätze zurückgingen. Das Unternehmen sagte, dass es umgehend aus seinem Server-System-Geschäft aussteigen würde. Die aktuellen Umsätze und der Verlust drückten die Aktie um 13% nach unten.“

Und genauso wie wir es kurz vor der Finanzkrise von 2008 sahen, haben die US-Bürger auch jetzt immer größere Probleme dabei, ihre Rechnungen zu zahlen. Beispielsweise ist die Rate säumiger Studentenkredite nun auf ein beängstigendes Niveau gestiegen:

„Es gibt immer mehr Kreditnehmer, denen es nicht gelingt, ihre Studentenkredite fünf Jahre nach dem Verlassen der Hochschule abzubezahlen, was bei diesen Schuldnern laut der Federal Reserve Bank of New York für einen düsteren Ausblick sorgt.

Die Studentenschulden steigen weiter an, speziell bei den Menschen, die die Kredite vor Jahren aufnahmen. Diejenigen, die die Hochschule während der Großen Rezession (die 2009 endete) verließen, haben besonders große Probleme mit den Rückzahlungen. Viele sind zahlungsunfähig, mit ihren Raten stark in Verzug oder nicht in der Lage, die Hauptschuld zu tilgen, so die New York Fed heute.

Nur 37% der Kreditnehmer zahlen ihre Kredite aktuell planmäßig zurück oder tilgen die Hauptschuld, während 17% zahlungsunfähig oder säumig sind.“

Der amerikanische Verbraucher ist jetzt ziemlich klamm. Kaum zu glauben, aber 56% aller Amerikaner haben heute Kredite laufen, die als subprime (zweitklassig) erachtet werden, und wie ich bereits erwähnte, kam es jüngst zu dem stärksten Anstieg bei Kreditablehnungen, der je verzeichnet wurde.

Wir haben einen Punkt der Schulden-Sättigung erreicht, und die Kreditkrise, die folgen wird, wird extrem schmerzlich sein.

Natürlich war die US-Notenbank die letzten Jahre der größte Bereitsteller globaler Liquidität gewesen. Doch da sich die Fed nun aus ihren quantitativen Lockerungsmaßnahmen zurückzieht, kommt es weltweit zu immer größeren Problemen. Das Folgende stammt aus der britischen Zeitung Telegraph:

„Die große Sorge ist, was mit Russland, Brasilien und den Schwellenländern Asiens passieren wird, die massiv Dollar-Kredite aufgenommen haben, als die Fed die Welt noch mit billiger Liquidität flutete. Die Schwellenmärkte stellen ungefähr die Hälfte der USD 9 Billionen an ausländischen Dollar-Krediten.

Der IWF warnte, dass ein Großteil der Schulden von Unternehmen aus marktfernen Sektoren aufgenommen wurde. Diesen Firmen fehlen ´natürliche Finanzierungsquellen`, mit denen sie sich gegen den Doppelschlag aus steigenden Kreditkosten und einem weiteren starken Anstieg des US-Dollars schützen können.“

Und was ist das Fazit aus all dem? Das Fazit ist, dass wir jetzt gerade am Anfang einer Liquiditätskrise stehen. Die Kreditflüsse werden immer stärker zurückgehen, und das heißt, dass sich die Weltwirtschaftsaktivität abschwächen wird. Das geschah bereits während der letzten Finanzkrise, und während der nächsten Finanzkrise wird die Kreditverknappung viel schlimmer ausfallen.

Und das ist der Grund, warum es so wichtig ist, einen persönlichen Notgroschen aufzubauen. Bei einer solchen Krise, ist es wichtig, über seine eigene Liquiditätsquelle zu verfügen. In einer Phase, wo niemand Bargeld zu haben scheint, werden diejenigen, die etwas Geld haben, allen anderen zwei Schritte voraus sein.

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