Staatsschulden-Bombe: Die 76-Billionen-Dollar-Blase steht kurz vor dem Platzen

Michael Snyder, The Economic Collapse, 04.05.2015

Warren Buffett glaubt, dass „Anleihen sehr stark überbewertet sind“, und jüngst kam im Rahmen einer Umfrage unter Fonds-Managern heraus, dass 80% von ihnen davon überzeugt sind, dass Anleihen „massiv überbewertet“ sind. Der berühmteste Anleiheexperte auf dem Planeten, Bill Gross, kam kürzlich zu dem Schluss, dass der seit 35 Jahren anhaltende Bullenmarkt bei Staatsanleihen derzeit an sein Ende gelangt, und räumte ein, dass er sehr besorgt sei. Der Nobelpreisträger und Ökonom Robert Shiller fügte der neuen Ausgabe seines Bestsellers ein weiteres Kapitel hinzu, in welchem er behauptet, dass die Anleihepreise „irrational hoch“ sind. Die weltweite Staatsschuldenblase ist auf über USD 76 Billionen aufgebläht worden, während die Zinsen heute so niedrig sind wie nie zuvor. Fakt ist, dass 25% aller Staatsanleihen in Europa derzeit sogar Negativzinsen ausweisen. Der Anleihemarkt kann jetzt praktisch nur noch fallen, da kaum noch Luft nach oben ist, und wenn sich dieser Bullenmarkt in einen Bärenmarkt verwandelt, wird das überall auf dem Planeten zu Chaos und finanziellen Verheerungen führen.

In einem kürzlich erschienenen Artikel räumte der Anleihe-Guru Bill Gross ein, dass der 35-jährige Anleihe-Bullenmarkt – der ihn und all jene, die in ihn investiert hatten, reich gemacht hat – gegenwärtig an sein Ende gelangt:

„Stanley Druckenmiller, George Soros, Ray Dalio, Jeremy Grantham und andere warnen die Anleger, dass unser 35-jähriger Investment-Superzyklus an sein Ende gelangen könnte. Sie raten nun nicht unbedingt dazu, panisch die Flucht zu ergreifen oder seine Vermögenswerte zu liquidieren, aber sie sprechen davon, dass die künftigen Erträge zurückgehen werden und sich für die Zukunft die Möglichkeit eines ´Knalls` abzeichnet. Für sie (und für mich selbst) ist der aktuelle Bullenmarkt nicht 35 Jahre alt, sondern auf das menschliche Alter übertragen doppelt so alt. Sie und andere Gurus schauen auf ihre Untersuchungsergebnisse, um Hinweise auf den ´Todeszeitpunkt` zu erhalten, obwohl sie sich bezüglich des genauen Datums nicht schlüssig sind. Genießen Sie diesen Bullenmarkt-Augenblick, scheinen sie unisono zu sagen. Er wird für niemanden von uns je wieder kommen; vor uns liegen unruhige Zeiten und niedrige Profite. Vielleicht sogar starke Verwerfungen, wenn es zum Platzen einer Blase kommt.“

Und die Art, wie er seinen Artikel schließt, klingt auch ziemlich düster:

„Ich wünschte, dass ich in sagen wir 2020 immer noch aktiv bin, um zu sehen, wie das Ganze ausgeht. Aktuell, jetzt im Jahr 2015, habe ich lediglich das Gefühl, dass es zu Ende geht, dass der säkulare Bullenmarkt langsam aber sicher, nicht mit einem Knall, zu Ende geht. Aber wenn es so ist, dann ist es wie beim Tod jetzt nur noch eine Frage des Wann. Und aufgrund dieses Gefühls bin ich beunruhigt, immer beunruhigter. Und Sie sollten es auch sein.“

Bill Gross ist jemand, der weiß, wovon er spricht. Ich würde seine Worte jedenfalls ernst nehmen.

Ein weiterer Finanzexperte ist der Yale-Professor Robert Shiller. Er warnte uns 2000 vor der Aktienmarktblase und 2005 vor der Immobilienblase. Heute warnt er uns vor den Gefahren der Staatsanleiheblase:

„In der ersten Ausgabe seines im Jahr 2000 veröffentlichten Buchs ´Irrational Exuberance` warnte der Ökonomie-Professor aus Yale, der im Jahr 2013 den Nobelpreis erhielt, eindringlich davor, dass die Aktien einen sehr überteuerten Eindruck machen würden. In der zweiten Ausgabe, die 2005 kurz vor dem Platzen der Immobilienblase veröffentlicht wurde, fügte er noch ein Kapitel über die Bewertung der Immobilien hinzu. Und in seiner neuen Ausgabe, die im Verlauf dieses Monats erscheinen soll, hat Shiller ein weiteres neues Kapitel mit dem Titel ´Der Anleihemarkt aus historischer Perspektive` hinzugefügt, in welchem er sich Sorgen darüber macht, dass die Anleihepreise irrational hoch sein könnten.“

Den weltweiten Staaten war es über Jahre hinweg dank der ultraniedrigen Zinssätze möglich, sich in einer Schuldenorgie zu ergehen, die alles übersteigt, was die Welt je gesehen hat. Nach der letzten Finanzkrise haben sie sich nicht etwa zurückgehalten, sondern stattdessen Schuldenberge aufgehäuft, die nun zunehmend gefährlicher werden. Wenn sich die Zinssätze wieder ihrer historischen Norm annähern, würde dies sofort die größte Staatsschuldenkrise der Geschichte vom Zaum reißen.

IceCap Asset Management fasste jüngst zusammen, wo wir derzeit stehen:

„Berücksichtigen Sie dabei folgendes:

1. Die Staaten sind unfähig, ihre Haushaltsdefizite abzubauen.

2. Die weltweiten Staatsschulden nehmen exponentiell zu.

3. Die Nullzinsen erlauben es den Staaten, sich weitere Gelder zu leihen, um damit die alten Kredite abzulösen und ihre Defizite zu finanzieren.

4. Das Weltwirtschaftswachstum ist rückläufig, und das trotz des Gelddruckens und der Rettungsmaßnahmen. Und den neuesten und größten Fakt haben wir uns für den Schluss aufgehoben: So erstaunlich ein Zinssatz von 0% bereits klingen mag, in dem Finanz-Fantasia-Land namens Europa hat man mit Negativzinsen sogar noch eins drauf gesetzt.

Aktuell weisen über 25% aller Staatsanleihen, die von europäischen Staaten ausgegeben werden, eine negative Rendite für die Anleger aus.

Deutschland kann sich für eine Laufzeit von 5 Jahren Geld für -0,1% leihen. Ja richtig, anstatt dass man von Deutschland Zinsen erhält, wenn man dem Land Geld leiht, muss man ihnen sogar noch Zinsen zahlen.

Und exakt dieselben Negativzinsen gibt es auch in vielen anderen Ländern der Eurozone, aber auch in Dänemark, Schweden und der Schweiz.“

Negativzinsen sind von Natur aus irrational. Warum um alles in der Welt soll man jemanden dafür bezahlen, ihm Geld zu leihen?

Das macht absolut keinen Sinn, und dieser irrsinnige Zustand wird auch nicht mehr allzu lange anhalten.

An irgendeinem Punkt werden die Anleger begreifen, dass der 35-jährige Anleihebullenmarkt tot ist, und dann wird eine massive Flucht aus diesen Papieren einsetzen. Diese Flucht wird alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Robert Wenzel vom Economic Policy Journal sagt, dass diese kommende Anlegerpanik zu einer „Todesspirale“ führen wird:

„Jeder, der der Meinung ist, dass die Fed die Zinsen in nächster Zeit nicht anheben wird, begreift nicht den Charakter der sich hier gerade entwickelnden Krise. Das Ganze wird von einem Zusammenbruch des Anleihemarkts ausgehen.

Die Marktkräfte, die etwas irreführend als ´Bonde-Vigilantes` bezeichnet werden, werden diese Entwicklung anführen.

Kurzfristig bin ich nicht bärisch, was den Aktienmarkt anbelangt. Die Aktienmärkte werden aufgrund der Zinsanstiege volatil sein und den Beobachtern ab und an Angst einjagen, die Todesspirale wird aber im Anleihemarkt stattfinden.“

Und während sich diese Todesspirale immer weiter beschleunigt, werden wir erleben, wie die weltweiten Zinsen dramatisch steigen werden. Hierbei sollte man im Hinterkopf behalten, dass es über USD 400 Billionen an Zinsderivaten gibt – und das ist eine sehr beängstigende Sache.

Und der Aktienmarkt wird von all dem auch betroffen sein. Ich glaube, dass wir einen Aktienmarktcrash sehen werden, der schlimmer ausfallen wird als der, den wir in 2008 sahen. Und es gibt andere Experten, die ähnliche Dinge prognostizieren. Nehmen wir beispielsweise das, was Mark Faber jüngst gegenüber CNBC erklärte:

„´Die letzten 2 Jahre war ich der Meinung, dass bei US-Aktien eine Korrektur überfällig ist`, so Faber am Mittwoch bei CNBC. ´Aber ich sage immer, eine Blase ist eine Blase, und wenn es keine Korrektur gibt, wird der Markt weiter steigen, und eines Tages wird er dann fallen, und zwar richtig.`

´Der Markt befindet sich nun in einer Situation, wo es nicht einfach nur eine 10%ige Korrektur sein wird. Vielleicht steigt er zunächst noch ein wenig, aber wenn die Korrektur kommt, wird sie mindestens bei 30% oder 40% liegen!`, so Faber.“

Wir haben jetzt den Punkt erreicht, wo die Party vorbei ist. Es gibt zwar noch einige, die solange als möglich zur Musik tanzen wollen, aber die meisten können heute schon erkennen, dass es jetzt abwärts geht und begeben sich bereits an die Notausgänge.

Die irrationale globale Finanzblase, die die Anleger die letzten paar Jahre genossen haben, hielt länger an, als sie eigentlich hätte anhalten sollen. Aber das ist nun mal die irrationale Art, wie Spekulationsblasen funktionieren – sie halten einfach immer weiter an, selbst wenn jeder bereits sehen kann, dass sie völlig absurd geworden sind. Am Ende kommt aber immer irgendein Ereignis, das für ihr Platzen sorgt, und wenn das passiert, können die Märkte sehr, sehr schnell zusammenbrechen.

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