Staatsschuldenblase: Warum ein Crash am US-Aktienmarkt unwahrscheinlich ist

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 14.05.2015

Von allen Seiten ist lautstark zu vernehmen, dass der Aktienmarkt in Schutt und Asche gelegt werden wird. Und es ist tatsächlich so, dass alle sofort glauben, man meine den Aktienmarkt, wenn man sagt, dass uns ein Crash ins Haus steht. Es scheint, dass die Mehrheit all jener, die von sich behaupten, Analysten zu sein, der Auffassung ist, dass es zu einem Aktienmarkt-Crash kommen wird. Das ist typisch, da keiner von ihnen einen solchen Zusammenbruch der Staaten tatsächlich miterlebt hat.

In den USA kam es bei zahlreichen US-Bundesstaaten in den 1840er Jahren zum Zusammenbruch der Staatsschulden. Die US-Bundesstaaten erklärten die Zahlungsunfähigkeit auf ihre Staatsanleihen. Sie hatten versucht, die Privatbanken zu retten, nachdem Andrew Jackson die zweite US-Notenbank (die Second Bank of the United States) geschlossen hatte.

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Im Folgenden sehen Sie Welle Nr. 913 des Economic Confidence Models (ECM). Das Bedeutende an dieser Welle ist die berühmte Panik von 1837, die zur Hälfte des Zyklus stattfand, also nach dem Hoch, bei dem auch der US-Aktienmarkt während des Jahres 1835 sein Hoch ausbildete. Diese Welle fand 1839 ihr Tief, und danach setzten dann die Staatspleiten ein, wo die US-Bundesstaaten die Zahlungsunfähigkeit auf ihre Anleihen ausriefen, was auf die Zerstörung der Zentralbank durch Andrew Jackson zurückging und zum sogenannten „Wildcat Banking“ führte, wo die Staatsbanken der Bundesstaaten damit begannen, ihr eigenes Geld auszugeben.

0102Der US-Aktienmarkt bildete 1835 gemeinsam mit dem ECM sein Hoch aus und ging daraufhin für rund 7 Jahre bis zum Jahr 1842 zurück. Die Panik von 1837 brach aus, als Jackson im Grunde Austeritätsmaßnahmen implementierte und verlangte, dass alles in Gold bezahlt werden müsse. Dadurch wurde eine riesige Deflations-Welle losgetreten und durch die Schließung der Second Bank of the United States brach ein richtiger Albtraum los. Jackson schloss die Bank, weil sie politische Kandidaten finanziert hatte, die seine Rivalen waren. So gesehen hat Goldman Sachs mittlerweile dazugelernt, da sie nun beide Seiten finanzieren und im Grunde einzig auf sich selbst setzen.

Die oben gezeigte ECM-Welle Nr. 913 veranschaulicht, dass der US-Aktienmarkt während des Chaos von 1842 sein Tief ausbildete, während die massive Deflationswelle dank der Austeritätsmaßnahmen von Jackson so richtig in Gang kam. Doch als die US-Bundesstaaten damit begannen, auf ihre Staatsanleihen 1842 permanent die Zahlungsunfähigkeit auszurufen, stürmte das Kapital in private Vermögenswerte. Daher bildete der US-Aktienmarkt 1842 während der Deflation sein Tief aus und legte im Anschluss eine 10-jährige Rally hin.

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Die Zahlungsausfälle bei den Bundesstaaten und der Bundesregierung in den USA reichen sogar noch weiter, nämlich bis zum Zusammenbruch des Kontinentalkongresses und der Neuorganisation der Vereinigten Staaten, wo es den Bundesstaaten durch die Verfassung verboten wurde, jemals wieder eigenes Geld auszugeben. Der Übergang zum US-Dollar ging nicht schmerzfrei über die Bühne. Es war eine turbulente Sache, und Hamilton wies die Bank von New York an, seine Anleihen zu kaufen – eine Maßnahme, die absolut identisch ist mit den geldpolitischen Maßnahmen, die die EZB und die US-Notenbank in heutiger Zeit durchführen. Die Panik von 1791 war ebenfalls eine Bankenkrise.

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Also, wie haben die Finanzmärkte auf solche innerhalb der USA stattfindenden Ereignisse reagiert? Nach der Panik von 1791 entstand eine riesige Immobilienblase, die dann während der nächsten Panik, der Panik von 1792, platzte.

Aktuell haben wir es mit dem typischen Risiko einer Korrektur am Aktienmarkt zu tun – eine Korrektur, die die finale Phase der Anleiheblase einleiten könnte. Wir sollten hierbei jedoch im Hinterkopf behalten, dass diese Blase nicht bei den langlaufenden Anleihen/Bunds stattfinden wird. Was wir derzeit beobachten, ist, dass das Kapital nicht etwa in Staatsanleihen mit 10-jähriger oder noch längerer Laufzeit stürmt, sondern stattdessen in sehr kurzlaufende Papier. Die Zinsen sind dort bereits im negativen Bereich, da es nicht ausreichend kurzlaufende Papiere gibt, um die Nachfrage nach einer Möglichkeit, sein Geld zu parken, zu befriedigen.

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Wir gehen nach wie vor davon aus, dass Mai – Juli – September die wichtigen Zeitpunkte für Trendwenden sind. Welchen Trend wir auch immer im September sehen, dieser dürfte sich unmittelbar danach wieder umkehren. Jetzt, wo wir uns immer stärker der letzten Maiwoche/ersten Juniwoche nähern, müsste es eigentlich wilder werden.

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Es könnte durchaus sein, dass wir einen abermaligen Test der Stützung erleben werden, der den Leuten Angst einjagen und sie zu dem Glauben verleiten wird, dass der Aktienmarkt crasht. Das Hoch beim Dow Jones ist immer noch das Hoch vom 02.03.2015 im Bereich von 18.335 Punkten. Die Stützung beginnt bei 17.153 Punkten und ein Tagesschlusskurs unter dieser Marke wäre ein Signal, dass eine Korrektur möglich ist. Die wichtige Stützung verläuft bei dem Niveau von 16.540 Punkten. Ein Rückgang in diesen Bereich in den kommenden Monaten und Wochen müsste eigentlich alle davon überzeugen, noch stärker in Staatsanleihen zu gehen, und das finale Blasenhoch bei Staatsschulden schaffen.

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