Vollmond – bullisch für Gold!

Die Anleger und Trader ziehen sich derzeit weiter aus dem weltgrößten börsennotierten physischen Goldfonds zurück

Dan Norcini, Traderdan.com, 20.05.2015

Der gigantische börsennotierte Goldfonds GLD meldete am Mittwochnachmittag weitere Abflüsse bei seinen Goldbeständen. Dieses Mal reduzierten sich die Goldbestände des Fonds um 3 Tonnen auf 715.26 Tonnen. Damit liegen die GLD-Goldbestände gerade einmal 6,24 Tonnen über dem Stand von Anfang Januar und weit unter dem diesjährigen Höchststand von Februar, wo es zu einem Anstieg von 64 Tonnen Gold gekommen war.

Das lässt sich überhaupt nicht schönreden und so hinbiegen, dass man daraus irgendwie eine goldfreundliche, bullische Meldung machen könnte. Der Chart lügt nicht, und wie Sie anhand des Charts deutlich sehen können, weist der allgemeine Preistrend bei Gold nach oben, wenn die GLD-Goldbestände steigen. Fallen die Goldbestände des Fonds, weist der Preistrend bei Gold nach unten.

01Ja, so einfach ist das.

Ich finde es intellektuell einfach nur unehrlich, dass es da draußen jetzt abermals einige Vertreter aus dem Perma-Goldbullen-Lager gibt, die versuchen, diesen Rückgang bei den GLD-Goldbeständen so hinzustellen, als sei er irgendwie bullisch für Gold.

Aber noch einmal: Mit diesem Perma-Goldbullen-Lager verhält es sich stets so:

Mit anderen Worten: Alles ist die ganze Zeit über bullisch für Gold!

Ernsthafte und zielgerichtete Trader und Anleger werden diese närrischen Auffassungen natürlich umstandslos beiseite wischen, aber ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele leichtgläubige Typen es gibt, die immer noch auf das Zeug hören, was einige dieser Gauner zum Thema Gold verbreiten.

Die aktuelle Geschichte einiger dieser Perma-Goldbullen bezüglich des Rückgangs der GLD-Goldbestände lautet: „Einige große Institutionen ziehen Gold vom GLD ab, und das ist bullisch.“

Nun, schauen wir uns diese „Logik“ doch mal an – obwohl es mich schon anwidert, für diese bizarre Argumentationskette das Wort „Logik“ zu verwenden. Schauen Sie sich bitte noch einmal den Chart an, dort sehen Sie, wie die Goldbestände des Fonds im November 2008 ihr Tief ausbildeten. „Schauen Sie – die gemeldeten GLD-Goldbestände steigen immer weiter in die Höhe. Das kann ja nur bedeuten, dass einige große Institutionen die Käufe beim GLD nutzen, um ihr Gold auf den Markt zu bringen. Das ist ganz eindeutig bärisch.“

Wie blödsinnig dieses Argument ist, erkennt man, wenn man sich anschaut, wie der Preis von unter USD 700 pro Unze bis auf USD 1.900 pro Unze geschossen ist, während die gemeldeten GLD-Bestände ebenfalls gemeinsam mit dem Preis in die Höhe schossen!

Die Wahrheit ist simpel: Dieser börsennotierte Fonds (ETF) ist ein Investmentvehikel, das für große (und kleine) Anleger geschaffen wurde, die Gold besitzen wollen, aber deren Satzung ihnen Investments in Gold-Futures verbietet. Darüber hinaus war es durch den GLD auch anderen institutionellen Anlegern möglich, das Geld ihrer Kundschaft am Goldmarkt zu investieren, ohne dabei einzelne Goldminenfirmen heraussuchen zu müssen.

Die Geldverwalter und die großen Fonds und Institutionen begrüßen im Besonderen die Liquidität dieses ETF, da sie dadurch in der Lage sind, relativ schnell und einfach ein- und wieder auszusteigen.

Dies vorausgeschickt ist es so, dass sich der GLD in einen sehr guten Indikator für die westliche Anlegerstimmung im Hinblick auf Gold verwandelt hat. Fallende GLD-Bestände sind schlichtweg ein Hinweis darauf, dass die Stimmung dieser Anlegermeute im Hinblick auf Gold zurückgeht.

Ich glaube, dass die aktuelle Goldpreisentwicklung mit den Geschehnissen an den weltweiten Anleihemärkten in Zusammenhang steht, speziell mit der Entwicklung des US-Staatsanleihemarkts.

Die Anleihen sind abverkauft worden, und das obwohl es Ängste gibt, dass sich das weltweite Wirtschaftswachstum abschwächt, und obwohl bei der EZB derzeit in riesiges QE-Programm im Gange ist. Ich habe ja jüngst darüber berichtet.

Hier bahnt sich offenkundig etwas Größeres an, wobei noch nicht vollständig klar ist, was. Ich bin der Auffassung, dass wir hier gerade bei einer immer größeren Zahl großer Institutionen einen Stimmungswandel im Hinblick auf Anleihen beobachten können. Ob sich die Ängste nun durch einen Mangel an Liquidität begründen oder ob das Ganze auf einen wachsenden Konsens zurückgeht, dass die erste Zinserhöhung der US-Notenbank in diesem Jahr unvermeidlich ist, sei hier einmal dahingestellt – Fakt ist, dass einige aus den Anleihen aussteigen, solange die Lage noch gut ist. „Warum warten?“, wird jetzt immer häufiger gefragt, wenn es darum geht, aus Anleihen auszusteigen.

Die Trader und Anleger des GLD sehen diese Entwicklung und rechnen in Zukunft mit einem Umfeld, das viele für nicht sonderlich goldfreundlich halten. Der Grund dafür ist einfach und hat mit den Realzinsen zu tun.

Ich spreche hier ausdrücklich von „Real“-Zinsen und nicht von „Nominal“-Zinsen.

Es ist kein Geheimnis, dass den Zentralbankern die aktuelle Inflationsrate zu niedrig ist. Die Anleihepreise fallen aber, und das heißt, dass die Anleiherenditen – speziell für langlaufende Papiere – steigen. Eine niedrige Inflation bei steigenden Zinsen bedeutet jedoch, dass die Realzinsen aktuell positiv sind.

Damit Gold einen anhaltenden Aufwärtstrend bewerkstelligen kann, bedarf es aber negativer Realzinsen. Und da die Trader und Anleger gegenwärtig keinerlei Hinweise auf ein starkes Anziehen der Inflation erkennen können, gibt es auch keinen Anreiz, Gold zu halten.

Bitte verlangen Sie von mir nicht, die vorgenannten Ausführungen zu Gold und den Realzinsen irgendwie zu untermauern. Ich versuche hier lediglich darzustellen, was die Leute glauben, die derzeit ihr Gold verkaufen und aus dem GLD aussteigen.

Eine andere Sache wäre natürlich die Annahme, dass es zu einer Stagflation kommt … Im Rahmen einer Stagflation würden die nominalen Zinsen gemeinsam mit der Inflation steigen, wobei die Inflationsanstiege die Zinsanstiege aber überflügeln würden, wodurch es zu negativen Realzinsen käme. Ein solches Umfeld wäre positiv für Gold.

Das ist auch der Grund, warum ich immer wieder auf die Bedeutung der Zinsmärkte hinweise und sage, dass sie für die restlichen Märkte von entscheidender Bedeutung sind.

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