Griechenland sagt, es sei in 2 Wochen pleite: Kontensperrungen und Kapitalkontrollen drohen

Michael Snyder, The Economic Collapse, 20.05.2015

Die griechische Regierung sagt, dass am 05.06.2015 der „Moment der Wahrheit“ sei. Entweder die Kreditgeber würden sich einigen, dem Land bis zu diesem Datum weitere Gelder zu geben oder Griechenland würde seine EUR 300 Millionen Kreditrate an den IWF nicht leisten. Natürlich wäre das kein technischer „Zahlungsausfall“, denn laut den IWF-Regeln hätte das Land danach noch 30 Tage zusätzlich Verzugszeit – aber die Meldung, dass Griechenland nicht zahlen kann, würde an den weltweiten Finanzmärkten mit Sicherheit für ein Erdbeben sorgen. An diesem Punkt werden nämlich die Halter von griechischen Anleihen in Panik geraten, da sie begreifen, dass sie ihr Geld vielleicht nicht zurückbekommen werden. In ganz Europa gib es Großbanken, die große Mengen an griechischen Schulden und mit griechischen Schulden in Zusammenhang stehenden Finanzderivaten halten. Sollte nichts getan werden, um dieses Desaster im letzten Moment doch noch zu verhindern, könnte eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands noch in diesem Sommer eine große europäische Finanzkrise auslösen.

Ich hatte ja kürzlich darauf hingewiesen, dass Griechenland seit August 2014 weder von der EU noch vom IWF Gelder erhalten hat. Der griechische Staat steht nun also kurz davor, dass ihm das Geld ausgeht, und ohne neue Kredite wird das Land nicht in der Lage sein, die alten Kredite, die nun fällig werden, zurückzuzahlen. Fakt ist, dass die Lage bereits so schlimm ist, dass die griechische Regierung nun sogar schon in aller Öffentlichkeit davor warnt, dass es am 05.06. zu einem Zahlungsausfall kommen könnte:

„Griechenland kann die kommende Zahlung an den Internationalen Währungsfonds am 05.06. nicht leisten, außer die ausländischen Kreditgeber stellen weitere Hilfen bereit, so ein führender Parlamentarier der Regierungspartei am Mittwoch. Es ist die jüngste Warnung aus Athen, dass das Land am Rande eines Zahlungsausfalls steht.

Die linke Regierung von Premierminister Alexis Tsipras sagt, dass man darauf hoffe, in den nächsten Tagen einen neuen Geld-gegen-Reformen-Deal zu erzielen, obwohl die Kreditgeber der Europäischen Union und des IWF pessimistischer sind und sagen, dass sich die Gespräche dafür zu langsam gestalten würden.“

Das ist natürlich alles Teil eines hochriskanten Pokers. Die Griechen glauben, dass die Deutschen einknicken werden, wenn die Aussicht auf eine vollumfängliche europäische Finanzkrise droht, und die Deutschen glauben, dass die Griechen letztlich so stark unter Druck geraten, dass sie gezwungen sein werden, ihren Forderungen zuzustimmen.

Mit jedem einzelnen Tag rücken wir nun also ein kleines Stück näher an den Abgrund, und die Griechen versuchen aktuell ihr Bestes, alle wissen zu lassen, dass sie nicht bluffen. Am Mittwoch erklärte der Sprecher der griechischen Regierung, dass der IWF kein Geld bekommen wird, sollte es bis zum 05.06. keine Einigung geben:

„Griechische Beamte weisen nun daraufhin, dass es sich um einen Rennen gegen die Zeit handelt, um eine Vereinbarung zu erzielen, bevor die sich auf insgesamt EUR 1,5 Milliarden belaufenden Zahlungen an den IWF im nächsten Monat fällig werden, wobei die erste Rate in Höhe von EUR 300 Millionen am 05.06 zu entrichten ist.

´Jetzt ist der Augenblick, wo die Verhandlungen auf ihren Höhepunkt zusteuern. Jetzt ist der Augenblick der Wahrheit, am 05. Juni`, so Nikos Filis, der Sprecher der Regierungspartei Syriza gegenüber dem Fernsehsender ANT1.

´Wenn es bis dahin keine Vereinbarung gibt, mit der das aktuelle Finanzierungsproblem adressiert wird, werden sie überhaupt kein Geld bekommen`, so seine Worte.“

Die Deutschen wissen aber, dass die Griechen verzweifelt weitere Gelder brauchen und nicht mehr länger durchhalten. Das griechische Bankensystem steht nun so nahe vor dem Kollaps, dass die Ratingagentur Moody´s jetzt abermals die Bonität der griechischen Banken herabgesetzt hat und davor warnt, dass es für die kommenden Monate „eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass Kapitalkontrollen eingeführt und die Konten eingefroren werden.“

„Der Ausblick für das griechische Bankensystem ist negativ, was vornehmlich auf die akute Verschlechterung bei der Finanzierung und der Liquidität griechischer Banken zurückgeht, so Moody´s Investors Service in einem kürzlich veröffentlichten neuen Bericht. Dieser Druck wird in den kommenden 12 bis 18 Monaten wahrscheinlich nicht abnehmen und es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Kapitalkontrollen eingeführt und die Konten eingefroren werden …

Moody´s merkt an, dass es seit Dezember 2014 zu bedeutenden Kontenabhebungen von über EUR 30 Milliarden gekommen ist, wodurch die Abhängigkeit der Banken gegenüber Zentralbankgeldern gestiegen ist. Unseres Erachtens werden die Banken auch weiterhin extrem abhängig von Zentralbankfinanzierungen sein, da die anhaltende Unsicherheit im Hinblick auf das Stützungsprogramm Griechenlands das Vertrauen der Bankkunden untergräbt.“

Bedauerlicherweise könnte es für die Menschen in Griechenland, sollte die Lage richtig eskalieren, weit Schlimmeres geben als einfach nur eingefrorene Bankkonten. Ich schrieb vor wenigen Tagen darüber, dass in Griechenland auch die Aussicht darauf besteht, dass es sogar zu einer Vermögenskonfiskation im Stile Zyperns kommen könnte, sollten die Banken zusammenbrechen.

Fakt ist, dass die griechische Regierung heute bereits über die Möglichkeit einer Sondersteuer auf Banktransaktionen spricht.

„Athen wirbt für die Idee einer Sonderabgabe bei Banktransaktionen in Höhe von 0,1% – 0,2%, aber der Vorschlag für diese zweigliedrige Steuer – abhängig davon, ob die Zahlung bar oder mit Karte erfolgt – stieß bei den Kreditgebern des Landes auf heftige Ablehnung.

Ein leitender Regierungsvertreter erklärte gegenüber Kathimerini, dass zu den Vorschlägen, die mit der Eurozone und dem Internationalen Währungsfonds besprochen wurden, auch die Einführung einer Abgabe auf Banktransaktionen gehört, wobei die exakte Höhe der Abgabe mit den dabei zum Tragen kommenden Ausnahmeregelungen zusammenhängt. Das Ziel ist es, so jährlich zusätzlich zwischen EUR 300 Millionen und EUR 600 Millionen einzunehmen.

Die Gebühren würden bei Abhebungen am Geldautomaten und Transaktionen bis zu EUR 500 nicht anfallen – bei einer solchen Regelung rechnet die griechische Regierung mit jährlichen Einnahmen zwischen EUR 300 Millionen und EUR 600 Millionen.“

Leider interessieren sich die meisten Menschen in Nordamerika (also dort, wo die meisten meiner Leser leben) nicht wirklich für das, was da gerade auf der anderen Seite des Planeten passiert. Aber es sollte sie interessieren.

Wenn Griechenland in die Pleite abrutscht und das griechische Bankensystem kollabiert, werden die Aktien und Anleihen in ganz Europa crashen. Viele glauben, dass ein solcher Crash im Zaum gehalten und auf Europa „begrenzt“ werden kann, aber das dürfte in Wahrheit reines Wunschdenken sein.

Darüber hinaus würde der Euro drastisch einbrechen, was überall auf dem Planeten erhebliche finanzielle Probleme mit sich brächte. Ich hatte ja jüngst erst ausgeführt, dass sich der Euro in Richtung US-Dollar-Parität aufgemacht hat und die europäische Einheitswährung im Anschluss daran sogar noch unter Parität fallen wird. Bevor die ganze Geschichte vorbei ist, wird der Euro auf Allzeittiefs notierten.

Der US-Dollar wird schlussendlich auch zusammenbrechen, aber das kommt erst später und ist ein Thema, das wir uns für einen anderen Artikel aufheben werden.

Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gibt es derzeit rund USD 74 Billionen an Währungsderivaten, die direkt mit der Wertentwicklung des Euros, der Wertentwicklung des US-Dollars und der Wertentwicklung anderer globaler Währungen im Zusammenhang stehen.

Wer also glaubt, dass die aktuellen Ereignisse in Griechenland keine riesigen Folgen für das gesamte Weltfinanzsystem haben, liegt mit dieser Einschätzung komplett daneben. Das, was sich derzeit in Griechenland abspielt, ist außerordentlich wichtig, und es ist Zeit, dass wir alle langsam damit anfangen, den dortigen Entwicklungen Aufmerksamkeit zu zollen.

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