Euro-Crash: Bargeldverbot und die Hatz auf Steuern und Gold

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 12.06.2015

Frage: „Wenn sie Bargeld abschaffen, welche Folgen hätte das für Dritte-Welt-Länder? Würde man diesem bereits darniederliegenden Teil der Welt nicht noch mehr Schaden zufügen? Und würden wir dann wieder in Richtung Silber gehen, da die Steuerbehörden da nicht rankommen? Also so wie die Gebrüder Hunt, die Silber kauften, als der Goldbesitz verboten war?“

Antwort: Also ich kann mir nicht vorstellen, wie es möglich sein soll, Bargeld abzuschaffen, da es auch von den Dritte-Welt-Ländern abverlangen würde, dass sie moderne Technologien einführen. Über die Hälfte der Welt hat mit Technologie aber nichts zu tun. Darüber hinaus gibt es auch in den Industrieländern nach wie vor eine beträchtliche Zahl von Menschen, die noch nicht im Technologiezeitalter angekommen sind. Dänemark macht sich nun auf, ab Januar 2016 fast vollständig auf elektronische Zahlsysteme umzusteigen. Die Läden sind dann nicht mehr dazu verpflichtet, Bargeld anzunehmen, wobei es Ausnahmen geben wird, wie beim Kauf von Arznei.

Eine solcher Vorstoß in Richtung elektronischen Geldes – wie sie von Rogoff und Buiter, den Vorboten des Wirtschafts-Totalitarismus energisch befürwortet wird – veranschaulicht lediglich, dass diese Menschen in einer Blase leben und einfach nicht begreifen, dass die Welt nicht in ihr persönliches Weltbild passt. Das soll nun nicht heißen, dass die großen Länder nicht versuchen werden, solche Pläne umzusetzen, denn sie brauchen jetzt händeringend jeden Cent.

Ein Freund von mir wollte eine Hypothek haben. Jeder Cent, den er als Anzahlung leistete, musste ganz genau geprüft werden, bis hin zu einem Scheck über USD 400. Sie wollten wissen, woher das Geld kam, wofür es war und warum die Verwandten ihnen USD 400 gegeben hatten. Die Fragen, die gestellt wurden, hingen alle mit dem zusammen, was sie als „Geldwäsche“ bezeichnen. Mit anderen Worten: Sie verfolgen jeden einzelnen Cent nach, um zu schauen, ob die Gelder besteuert wurden.

Europa ist darauf aus, zu elektronischem Geld überzugehen, weil das europäische Bankensystem mit den Euroschulden der einzelnen Euroländer infiziert wurde und es dem Euro an einem einheitlichen Reserveschuldensystem mangelt, wie es außerhalb Europas in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien (um nur einige Länder zu nennen) der Fall ist. Das strukturelle Design des Euros ist ein fataler Fehler gewesen, doch anstatt das Design des Euros zu korrigieren, haben sie sich dazu entschlossen, noch autoritärer zu werden.

Das gescheiterte Design des Euros hat das gesamte europäische Bankensystem untergraben. Die USA befinden sich nicht in einer solchen Lage. Europa geht davon aus, dass das Verbot von Bargeld und die Hinwendung zu elektronischem Geld Bank-Runs verhindern wird und das Steueraufkommen verbessert.

Ich persönlich bin nach wie vor skeptisch, dass eine solche bargeldlose Gesellschaft überhaupt funktionieren wird, solange nicht die gesamte Welt gleichzeitig in diese Richtung schreitet. Die Natur des Menschen diktiert, dass sich natürlich irgendeine Form von Schwarzmarkt entwickeln wird, die es dem Kapital erlaubt, zu fliehen – und zwar selbst dann, wenn sie Kapitalverkehrskontrollen einführen.

Das ist auch der Grund, warum sie zum jetzigen Zeitpunkt Hatz auf Gold machen, da Gold einer der offensichtlicheren Fluchtwerte ist. Eine Möglichkeit, die alle Staaten ergreifen könnten, ist, den Goldkauf und Goldverkauf einfach für illegal zu erklären. Wir dürfen hier ja nicht vergessen, dass Roosevelt das bereits 1934 getan hat. Die einzige Ausnahme für diese Regelung waren Sammlermünzen, daher empfiehlt es sich vielleicht, ältere Goldmünzen zu halten, anstatt Goldbarren.

Für die USA wird es überdies viel schwerer werden, in Richtung elektronischen Geldes zu gehen, da rund 40% aller Papier-Dollars außerhalb des Landes zirkulieren. Würde dieser Schritt seitens der USA ergriffen, würde das mit Sicherheit zur Destabilisierung der Weltwirtschaft beitragen, da eine Hinwendung zu elektronischen Dollars auch eine Maßnahme wäre, die den Prozess der Entthronung des US-Dollars als Reservewährung vorantreiben würde.

Die Bewegung in den USA zielt ganz eindeutig auf eine bessere Steuereintreibung ab. Sie nutzen ja auch den Terrorismus als Ausrede, in Wahrheit geht es ihnen aber einzig um das Geld. Ja, diese Boten des Wirtschafts-Totalitarismus sind recht schnell, wenn es darum geht, all unsere Freiheiten zu verraten und zu verkaufen für eine Theorie, die sie sich in ihren Büros ausgeheckt haben. Sie behaupten, dass die Abschaffung des Bargelds der Kriminalität den Garaus machen würde.

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Das hatten bereits die Römer probiert. Sie verboten es, Prostituierte mit Münzen zu bezahlen, die das Bild des Kaisers trugen, und natürlich trugen alle römischen Münzen das Konterfeit des Kaisers. Also wurden Jetons erfunden, die auf der einen Seite verschiedene Stellungen zeigten und auf der anderen Seite die Preise auswiesen. Man kaufte sich so einen Jeton und bezahlte die Prostituierte damit, die diese Münze dann wieder gegen römische Münzen eintauschte. Das ist die Natur des Menschen. Und dasselbe würde auch mit Drogen passieren.

02Und obwohl es sein könnte, dass Krypto-Währungen verboten werden – Frankreich hat sie ja bereits in seine Bargeldrestriktionen mit einbezogen, die im September dieses Jahres in Kraft treten und Barzahlungen von EUR 1.000 oder mehr verbieten –, diktiert die Natur des Menschen, dass sich etwas anderes entwickeln wird, das die Untergrundwirtschaft erleichtert. In Japan weigerten sich die Menschen über 600 Jahre, die Münzen ihres eigenen Staats zu akzeptieren, und in Zimbabwe nutzen die Menschen einfach Währungen anderer Länder. Wenn man Europäer ist, sollte man keine Euros horten – man sollte bis auf weiteres Dollars horten. Für die USA wird es viel schwerer werden, vollumfänglich zu einer elektronischen Währung überzugehen.

Ich warne ja seit 1985 davor, dass die USA letztlich in Richtung elektronischer Währung gehen würden. Es war völlig klar, dass sie US-Regierung alles in ihrer Macht stehende tun würde, um Einschränkungen des Bargeldverkehrs um implementieren. 1931 haben sie ja sogar noch 10.000-Dollar-Banknoten ausgegeben – heute ist der 100-Dollar-Schein der größte Geldschein. Und die ganze Zeit über haben sie die Bargeldversorgung so stark als möglich heruntergefahren.

Mit Stand Juli 2013 befanden sich noch rund USD 1,2 Billionen an Bargeld (Scheine und Münzen) in den Händen der Öffentlichkeit. Ende 2013 belief sich das US-BIP auf USD 16,77 Billionen. Das heißt also, dass der Bargeldanteil am BIP bei unter 8% liegt. Für die Akademiker ist die Transformation in Richtung elektronischen Geldes daher keine große Sache. Sie haben wirklich null Erfahrung, was den Umgang mit der echten Regierung hinter den Kulissen anbelangt, und sie haben keine Ahnung, was die totale Kontrolle in den Händen des Staats eigentlich bedeutet, nämlich dass letztlich niemand mehr in der Lage sein wird, irgendetwas zu kaufen oder zu verkaufen, ohne dass der Staat nicht sein okay dazu gibt.

In Europa beliefen sich die Bargeldbestände mit Stand April 2015 auf EUR 1,75 Billionen. Das BIP der Eurozone beläuft sich auf EUR 14,3 Billionen. Das heißt, dass der Bargeldanteil am BIP rund 12,2% ausmacht. Aber in 2013 fehlten den europäischen Banken auch EUR 115 Milliarden an Eigenkapital.

Die EZB hatte ja bekanntgeben, dass 12 der 25 größten Banken ihre Eigenkapitallücken im Jahr 2014 durch eine Kapitalerhöhung geschlossen hätten. Eine Überprüfung der Qualität der von den Banken gehaltenen Vermögenswerte brachte zu Tage, dass die Buchwerte Ende 2013 EUR 48 Milliarden zu hoch waren. Darüber hinaus sind die faulen Vermögenswerte dieser Banken – also alle Forderungen, die seit mindestens 90 Tagen in Verzug sind – um EUR 136 Milliarden auf EUR 879 Milliarden gestiegen. Die Überprüfung ergab ferner, dass das Szenario einer schweren Finanzkrise (3-jährige Rezession) das Tier1-Kapital der Banken von dem aktuellen Mittelwert von 12,4% auf 8,3% absenken würde. Das ist ein stärkerer Rückgang als bei vorangegangenen Prüfungen.

Die Schritte in Richtung elektronischen Geldes werden in Europa hinter den Kulissen als außerordentlich wichtig erachtet, vornehmlich um damit eine Bankenkrise zu verhindern, bei der es das Bankensystem wie einen Eiswürfel in der Sonne zerlegen würde. Das gescheiterte strukturelle Design des Euros ist nicht angegangen worden, da dies die vollumfängliche Föderalisierung Europas bedeutend würde. Man wird also darauf abzielen, elektronisches Geld zu schaffen, um Bank-Runs zu verhindern.

Wir sollten hierbei jedoch im Hinterkopf behalten, dass genau das der Auslöser für eine Phasentransformation bei US-Aktien sein könnte. Da wird es dann überhaupt nicht mehr um die Gewinne der US-Aktienkonzerne gehen, sondern es wird vielmehr um Kapitalerhalt gehen. Am Ende einer solchen Entwicklung werden dann Forderungen nach einem globalen Währungsgipfel laut werden, wo es in der Phase nach 2017 vielleicht zu einer Revision des Währungssystems kommen könnte. Sollten sich die USA in Richtung elektronischen Geldes bewegen, würde das die Weltwirtschaft so stark destabilisieren, dass allein dieser Schritt ausreichen könnte, um einen Weltkrieg auszulösen.

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