Clive Maund: Gold schraubt sich weiter in die Tiefe; USD 900 pro Unze sind durchaus denkbar

Clive Maund, Clivemaund.com, 05.07.2015

Gold ist nicht in der Lage gewesen, die Griechenlandkrise für eine Rally zu nutzen, was ein schlechtes Zeichen ist, speziell vor dem Hintergrund, dass es nun so aussieht, als würde sich der US-Dollar gerade darauf vorbereiten, aus seinem großen Konsolidierungsmuster nach oben hin auszubrechen.

Auf dem 8-Jahreschart für Gold sehen wir, dass sich Gold nach wie vor in einem sehr großen abwärtsweisenden Konsolidierungsmuster befindet, in welchem es nun bereits seit 2 Jahren hin- und herpendelt. Goldbugs glauben ja gerne, dass es sich bei diesem fixen Handelskanal um ein Bodenmuster handelt. Das könnte natürlich sein, aber ich halte es dennoch für Wunschdenken. Stattdessen sieht es eher so aus, als würden wir es hier mit der B-Welle eines großen A-B-C-Korrekturmusters zu tun haben, das beim Goldpreishoch von 2011 seinen Anfang nahm.

Sollte dem tatsächlich so sein, dann könnte die C-Welle nun unmittelbar bevorstehen. Bei der C-Welle würde Gold wenigstens bis auf seine starke Stützung bei USD 1.000 pro Unze fallen. Wohlmöglich könnte das gelbe Metall aber auch noch stärker fallen – nämlich bis auf die untere Linie seines großen Abwärtskanals. In diesem Fall würde das Preisziel bei USD 850 bis USD 870 pro Unze liegen.

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Die gute Nachricht ist, dass ein solches Preistief dann aber auch das Ende des Goldbärenmarkts einläuten würde, speziell vor dem Hintergrund, dass sich heute bereits ein Zyklus steigender Zinsen abzeichnet. Entgegen dem, was gemeinhin geglaubt wird, steigt der Goldpreis in einem Umfeld steigender Zinssätze. Erinnern Sie sich noch an das Ende der 1970er Jahre?

Der 6-Monatschart, der aus technischer Sicht nur von begrenztem Wert ist, zeigt uns die jüngste Preisentwicklung im Detail. Die Preisentwicklung auf diesem kurzfristigeren Chart ist bärisch, obwohl es auch einen positiven Aspekt gibt, nämlich einen Bullenhammer, der am Donnerstag letzter Woche ausgebildet wurde. Die letzten beiden Male, als ein Bullenhammer ausgebildet wurde – Ende April und Anfang Juni –, folgte eine kurzfristige Rally. Aber ganz allgemein macht dieser Chart einen negativen Eindruck, speziell weil der Goldpreis aktuell so nahe an seinen wichtigen gleitenden Durchschnitten liegt, die sich in einer bärischen Ausrichtung befinden. Und das legt nahe, dass selbst wenn es zu einer kurzfristigen Mini-Rally bei Gold kommt, es danach zu einem Preiseinbruch und einen ziemlich drastischen Preisrückgang kommen dürfte.

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Der jüngste CoT-Bericht von Gold ist ziemlich ausgeglichen und beschert uns nur wenige Hinweise. Bei dem nachfolgenden Chart fehlt das Update von letzter Woche, weil Freitag in den USA Feiertag war. Wenn die jüngsten Daten vorliegen, werden wir diesen Chart wieder entsprechend aktualisieren.

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Der Gold Hedgers Chart ist ebenfalls ausgeglichen und weist ebenfalls keinen klaren Trend aus.

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Der jüngste Gold Optix Chart sieht bullisch aus. Das wird Gold aber nicht davon abhalten, weiter zu fallen, da der Chart bei weiteren Preisrückgängen sogar noch bullischer werden könnte. Aber was uns der Gold Optix Chart und der Rydex Precious Metals Assets Chart verraten, ist, dass das finale Tief des aktuellen Goldbärenmarkts nicht mehr allzu weit weg sein kann.

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Der Rydex Precious Metals Assets Chart sieht bullisch aus. Dieser Chart ist eine Warnung, dass wir nicht allzu bärisch werden sollten, selbst wenn wir glauben, dass der Goldpreis mittelfristig noch weiter fallen wird. Er ist überdies eine Warnung, dass wir nach überzeugenden Hinweisen auf ein finales Tief oder einem bedeutenden neuen Aufwärtstrend Ausschau halten sollten, beispielsweise ein Preisausbruch bei starken Handelsvolumen.

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Ein sehr wichtiger Grund, warum wir davon ausgehen, dass Gold und Silber noch drastisch einbrechen und mittelfristig auf niedrigere Niveaus fallen werden, ist der Ausblick für den US-Dollar. Der US-Dollar komplettiert derzeit ein symmetrisches Dreiecksmuster, und dabei könnte es sich um ein Zwischenmuster oder ein Hoch handeln. Der Punkt, wo sich dieses Dreieck ausgebildet hat – über seiner immer noch aufsteigenden 200-Tageslinie –, legt nahe, dass der US-Dollar nach oben hin ausbrechen und es zu einem weiteren bedeutenden Aufwärtsschub kommen wird.

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Man kann sich auch gut vorstellen, warum dies passieren könnte: Der US-Dollar-Index setzt sich zu weiten Teilen aus dem Euro zusammen, und der Euro hängt derzeit in den Seilen und hatte in den letzten paar Monaten eine Gegenrally hingelegt.

Schlussfolgerung: Es sieht so aus, als würden Gold und Silber derzeit innerhalb ihrer Abwärtstrends konsolidieren und sich auf weitere drastische Preiseinbrüche vorbereiten. Diese Preiseinbrüche könnten mit einem weiteren Aufwärtstrend beim US-Dollar in Einklang stehen. Aus langfristiger Sicht – und entgegen der weithin verbreiteten Auffassung – können wir jedoch davon ausgehen, dass ein neuer Zyklus steigender Zinsen bei Gold einen Mega-Bullenmarkt entfachen wird, genauso wie Ende der 1970er Jahre. Dieser neue Zinszyklus dürfte bei den aufgeblähten Anleihe- und Aktienmärkten für Verheerungen sorgen.

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