Griechisches „Nein“: Abverkauf bei Öl und Gold hält weiter an

Dan Norcini, Taderdan.com, 05.07.2015

Wenn man sich den asiatischen Handel am Montagmorgen so anschaut, scheint es aktuell einen allgemeinen Abverkaufstrend bei Rohstoffen zu geben. Das ist die Reaktion auf die Ereignisse in Griechenland, wo beim Referendum die Nein-Stimmen gewonnen haben.

Schauen Sie sich bitte an, was beim Rohölpreis geschah. Der Rohölpreis eröffnete mit einer Kurslücke, und fiel daraufhin in einen wichtigen Handelsbereich, in welchem sich der Preis schon in der zweiten Hälfte des Monats April befand.

Interessant ist überdies, dass der gleitende 50-Tagesschnitt seit Montagmorgen nach unten weist. Die gleitende 200-Tageslinie setzt ihren Abwärtstrend ebenfalls weiter fort.

Der ADX/DMI-Indikator zeigt, dass die –DMI-Linie auf das höchste Niveau seit März dieses Jahres gestiegen ist, wo sie ihr Tief ausgebildet hatte, während die +DMI-Linie auf Niveaus abgesunken ist, die ebenfalls im März das letzte Mal gesehen wurden. Und auch der ADX-Indikator beginnt nun zu steigen, während der RSI-Indikator auf unter 40 Punkte gefallen ist und in den überverkauften Bereich von 30 Punkten vorstößt. Es ist ganz eindeutig so, dass die Bären am Ölmarkt kurzfristig wieder das Heft in der Hand haben und es derzeit Ängste gibt, dass sich die weltweite Ölnachfrage abschwächen könnte.

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Gold verdeutlicht unterdessen, dass es seine Rolle als „sicherer Hafen“ verloren hat. Seit der asiatischen Handelseröffnung am Montagmorgen traf das Metall auf eine Welle von Verkäufen.

Die Trader, die nach sicheren Häfen Ausschau halten, sind aktuell stärker an US-Staatsanleihen und japanischen Staatsanleihen interessiert als an Gold.

Wenn wir uns den Goldpreischart so anschauen, sehen wir, dass Gold auf dem Tief seines dreimonatigen Handelskanals auf neue Verkäufer stieß.

Die –DMI-Linie liegt weit über der +DMI-Linie, was darauf hindeutet, dass die Bären seit Mitte letzten Monats die Oberhand haben.

Die Perma-Goldbullen sind mit Sicherheit enttäuscht, dass ihr geliebter Metallgott für seine Anhänger keine Wundertaten vollbringt.

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Aber jetzt mal im Ernst: Es kommt mir in der Tat so vor, als hätte Gold seine Anziehungskraft als traditioneller sicherer Hafen verloren. Es wird mit Sicherheit viele Griechen geben, die während der Krise Gold gekauft haben, um zu versuchen, den Rest ihrer Ersparnisse zu retten – aber außerhalb Griechenlands ist kein riesiger Ansturm auf Gold zu erkennen.

Vor dem Hintergrund, dass wir vom Goldkult fortwährend darüber in Kenntnis gesetzt wurden, dass die Welt am Wochenende zu Ende geht, ist es ziemlich aufschlussreich, dass sich Gold am Montag praktisch überhaupt nicht bewegt hat. Der Goldkult wird mich mit Sicherheit wieder stark dafür kritisieren, dass ich das sage, aber ich stelle hier lediglich fest, wie sich Gold in den letzten 3 Jahren entwickelt hat – und wir wissen ja alle, welche Ereignisse während dieses Zeitraums stattfanden. Doch trotz all dieser Ereignisse wies der Trend beim Goldpreis unzweideutig nach unten.

Der Goldkult wird dafür wieder die Preismanipulation verantwortlich machen – worüber wir in der Vergangenheit bereits unzählige Male berichtet hatten –, aber da die Rohstoffpreise ganz allgemein fallen (Silber, Kupfer, Platin, Palladium und jüngst auch der Energiesektor) und der US-Dollar relativ fest notiert, macht Gold in Wahrheit nichts anderes, als dem Weg des geringsten Widerstands zu folgen, und der weist nach unten.

Der Australische Dollar, der oftmals ein sehr guter Stellvertreter für Rohstoffe ist, ist nun auf ein neues 6-Jahrestief gefallen. Das ist ein schlechtes Omen für den Rohstoffsektor als Ganzes.

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Die gelegentlichen Anstiege werden von sehr vielen Spekulanten als Verkaufsmöglichkeiten erachtet. Solange sich am Chart des Australischen Dollar nichts Maßgebliches ändert, bedeutet das, dass es langsam aber sicher weiter nach unten gehen wird.

Wenn wir uns den Euro anschauen, stellen wir fest, dass er sich bisher ziemlich gut halten konnte, wenn man bedenkt, dass nun alle von einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone sprechen. Der Euro findet aktuell beim Niveau von USD 1,10 Stützung.

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Wir werden ja sehen, wie sich die Kurse im weiteren Tagesverlauf entwickeln werden, wenn auch in Europa gehandelt wird. Oftmals ist es so, dass sich im Tagesverlauf, wenn auch in Europa gehandelt wird, die anfängliche Reaktion an den asiatischen Märkten wieder umkehrt. Wir werden ja sehen, ob das auch dieses Mal so sein wird oder nicht.

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