Credit Crunch 2010: Kreditkrise zermalmt US-Wirtschaft

The Economic Collapse Blog, 19.07.2010

In den letzten Jahrzehnten war die sich fortwährend ausdehnende Schuldenspirale eine der Hauptmotoren für den Erfolg der US-Wirtschaft. Solange die US-Regierung, die Regierungen der Bundesstaaten, Unternehmen und der amerikanische Verbraucher allesamt zunehmend größere Geldbeträge aufnehmen konnten, wuchs die Wirtschaft an und „die größte der Party der Welt“ konnte weitergehen.

Vielen von uns war jedoch klar, dass, sollte irgendwann einmal irgendetwas dazwischen kommen und diese Schuldenspirale unterbrochen werden, dies zu einer Kreditklemme führen würde, die in ihrer Schwere sogar noch gravierender wäre, als jene, die wir zu Beginn der Großen Depression in den 30er Jahren sahen. Wie Sie wissen, hatten die amerikanischen Unternehmen in den „goldenen 20er Jahren“ einen so hohen Fremdkapitalanteil wie nie zuvor. Die Schulden stiegen rasch auf Rekordwerte und als der Zapfhahn mit den Krediten plötzlich geschlossen wurde, brach das ganze System in sich zusammen und man brauchte ein ganzes Jahrzehnt und einen Weltkrieg um sich davon wieder zu erholen.

Die jetzigen Verhältnisse weisen erschreckende Ähnlichkeit zu dieser früheren Entwicklung auf. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre haben wir einen beispiellosen Berg an Schulden angehäuft, ja es ist in der Tat so, dass unsere gesamte Wirtschaft auf Schulden basiert. Was würde eine Kreditkrise also bei einer auf Schulden basierten Wirtschaft anrichten und stehen wir im Jahre 2010 vor einer solchen? Ja. Der Konsumentenkredit ist in den Vereinigten Staaten bereits 15 der vergangenen 16 Monate zurückgegangen und alle Zeichen deuten darauf, dass sich die Verhältnisse noch wesentlich stärker eintrüben werden.

Wenn der deflationäre Zyklus einmal begonnen hat, tendiert dieser dazu sich aus sich selbst zu nähren und eigenständig um sich zu greifen. Die Menschen hören auf Geld auszugeben, die Banken beenden die Kreditvergabe und jeder fängt damit an Geld zu horten.

Aktuell gibt es viel Angst da draußen. Laut einem der Hauptindikatoren sank die Verbraucherstimmung Anfang Juli dieses Jahres auf das niedrigste Niveau der vergangenen 11 Monate.

Die US-Verbraucher beginnen damit ihre Schulden abzubezahlen und ihr Geld festzuhalten. Andere sind nicht in der Lage mehr Geld auszugeben, weil sie keine Arbeit mehr haben oder komplett pleite sind.

Aber ohne weitere Ausgaben wird sich die US-Wirtschaft nicht wieder erholen können. Und wenn die US-Wirtschaft nicht bald wieder in Schwung kommt, wird es zu noch mehr Zwangsversteigerungen, mehr Pleiten und sogar Arbeitsplatzverlusten kommen.

In einem kürzlich in der britischen Zeitung Telegraph veröffentlichten Artikel zieht der Autor Ambrose Evans-Pritchard einige der Statistiken heran, die belegen, dass sich die US-Wirtschaft aktuell wirklich in einem katastrophalen Zustand befindet:

„Die US-Erwerbsbevölkerung ging innerhalb der letzten zwei Monate um 1 Million zurück, da entmutigte Arbeitslose die Jagd nach einem Arbeitsplatz aufgaben. Die Einzelhandelsverkäufe fielen innerhalb der vergangenen zwei Monate. Die Verkäufe neuer Eigenheime brachen im Mai auf 300.000 ein, nachdem die Steuergutschriften ausliefen, das ist das niedrigste Niveau seit Aufzeichnungsbeginn dieser Daten im Jahre 1963. Die Zahl der Hypothekenanträge fiel seit April um 42% auf ein 13-Jahrestief. Paul Dales von Capital Economics sagte, die ´Schattenbestände` nicht veräußerter Immobilien stieg auf 7,8 Millionen. ´Der Double Dip im Wohnimmobilienbereich hat begonnen.`, so Dales.“

Es scheint, dass heutzutage fast Jeder den Begriff „Double Dip“ verwendet. Es ist fast so, als würde es sich hier bereits um eine selbsterfüllende Prophezeiung handeln.

Tatsache ist jedoch, dass es sich lediglich um einen langanhaltenden wirtschaftlichen Abschwung gehandelt hätte, wenn die US-Regierung und zahlreiche weitere Regierungen auf der ganzen Welt in den letzten Jahren nicht derart viele „Konjunkturgelder“ in die Wirtschaft gepumpt hätten. Jetzt, wo sich die Regierungen auf der ganzen Welt wieder zurückziehen und damit anfangen Austeritätsmaßnahmen einzuleiten, lässt auch der „Drogenkick“ nach und der ursprüngliche wirtschaftliche Rückgang gewinnt wieder an Fahrt. Das einzige, was man mit diesen Billionen zur „Belebung“ erreichte, war der Welt einen vorübergehenden Auftrieb zu verschaffen und uns in wesentlich mehr Schulden zu manövrieren.

Lorimer Wilson beschreibt in seinem jüngsten Artikel mit dem Titel „Die USA am Rande eines wachsenden Deflationsschlundes“ auf sehr gute Art und Weise, wie die ganzen Schulden zu dem Fiasko führten, in dem wir uns nun befinden:

„Kapitalismus kann nicht funktionieren, außer dass seine sich fortwährend aufzinsenden Schulden bedient und/oder abbezahlt werden. Die USA, der weltgrößte Schuldner, ist heute nicht mehr länger in der Lage seine Schulden zurückzuzahlen, außer indem es seine Schulden in die Zukunft überrollt und noch mehr Schulden aufnimmt. Der verstorbene Ökonom Hyman Minsky bezeichnete dies als Schneeballfinanzierung. Der Begriff beschreibt die in der Endphase vollentwickelter kapitalistischer Systeme übliche Art der Finanzierung.

Laut Martin D. Weiss von Moneyandmarkets.com haben die ausstehenden US-Schulden nun Niveaus erreicht, die niemals wieder zurückgezahlt werden können. Die Regierung der Vereinigten Staaten und ihre Behörden haben – mit Abstand –

– den größten Berg zinstragender Schulden (USD 15,6 Billionen),

– die größte Anhäufung unbesicherter Verbindlichkeiten (über USD 60 Billionen),

– das größte jährliche Defizit (USD 1,6 Billionen) und

– die größte Auslandsverschuldung (USD 4,8 Billionen).“

Die Realität ist, dass sich die Vereinigten Staaten in der frühen Phase einer wahrhaft historischen Finanzimplosion befinden. Zu Beginn dieses Jahres lag der Focus auf der europäischen Schuldenkrise, nun sind jedoch wieder alle Augen auf die USA gerichtet. David Bloom, der Chef von HSBC, merkte jüngst an, dass die weltweiten Finanzmärkte über den aktuellen Zustand der US-Wirtschaft extrem besorgt sind:

„Wir befinden uns in einer Welt der sich abwechselnden Staatsschuldenkrisen. Zu einem Zeitpunkt scheinen die Märkte von einer Idee besessen zu sein um dann radikal in Richtung einer anderen umzuschlagen. Die Leute dachten, der Euro würde auseinanderbrechen. Jetzt bewegen wir uns in eine neue Phase, weil wir gerade die Alarmglocken eines US-Double Dips hören.“

Ohne direkte Eingriffe der US-Regierung befindet sich das US-Finanzsystem auf direktem Wege in eine Welt des Leides. Die Kreditmärkte erstarren gerade und ohne das effiziente Funktionieren der Kreditmärkte, ist es auch nicht möglich, dass das von uns aufgebaute Wirtschaftssystems am Laufen gehalten wird.

Die Folgenden Informationen wurden freundlicherweise vom Consumer Metrics Institute zur Verfügung gestellt. Wenn Sie die Internetseite des MCI noch nie besucht haben, dann sollten sie dies tun, da sie voller exzellenter Datensammlungen ist. In ihrem jüngsten Bericht beschreiben sie die atemberaubende Kreditverknappung, deren Zeugen wir in den letzten Monaten geworden sind, außerordentlich anschaulich:

„Während der vergangenen Woche gab es einen ganzen Schwall von Federal Reserve Berichten und Kommentaren über das aktuelle Kreditniveau der Wirtschaft. Die zwei erwähnenswertesten darunter waren:

I. Am 08.07.2010 berichten sie, dass das Niveau saisonal bereinigter ausstehender US-Verbraucherkredite (ihr G.19 Bericht) im Mai um USD 9,1 Milliarden zurückging, was aufs Jahr gerechnet einen Kreditrückgang von 4,5% darstellt. Obwohl diese Veränderung über dem Durschnitt der vorangegangenen zwölf Monate liegt, ist sie wesentlich kleiner, als die zuvor still und leise revidierte Zahl zum US-Verbraucherkredit des Monats April – wo man jetzt einen Rückgang um USD 14,9 Milliarden berichtete, was einem jährlichen Rückgang von 7,3% entspricht.

Die Federal Reserve unterlässt es diese Zahlen ins Verhältnis zu setzen:

1. Der Verbraucherkredit ging 15 der vergangenen 16 Monate zurück und erreichte über diesen Zeitraum einen Rekordrückgang in Gesamthöhe von USD 148 Milliarden.

2. Die USD 14,9 Milliarden ´Verlust` während des Monats April stellen den zweithöchsten monatlichen Kreditrückgang in der Geschichte dar, der nur von einem USD 23,4 Milliarden ´Verlust` während des Monats November 2009 übertroffen wird.

3. Der Gesamtrückgang bei Verbraucherkrediten innerhalb der letzten 16 Monate, der sich auf fast 6% beläuft, stellt den größten prozentualen Rückgang innerhalb dieses 16-Monatszeitraums dar, der sich seit 1944 ereignet hat – als sich Franklin D. Roosevelt immer noch im Weißen Haus befand und die Menschen Kriegsanleihen anstelle von streng rationierten Konsumgütern kauften.

II. Am 12.07.2010 merkte der Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Bernanke, an, dass die kleinen Unternehmen nicht die notwendigen Kredite bekommen würden, die sie bräuchten um Arbeitsplätze zu schaffen. Die Berichte der Federal Reserve weisen aus, dass die Kreditvergabe an kleine Unternehmen im ersten Quartal 2010 auf unter USD 670 Milliarden zurückging, was zum Stand vor zwei Jahren einen Rückgang um USD 40 Milliarden (5,6%) darstellt.

Die New York Times berichtete, dass sich Bernanke die Frage stellte: ´Wie viel dieses Rückgangs auf eine schwächere Nachfrage nach Krediten durch kleine Unternehmen, wie viel davon auf eine Verschlechterung der finanziellen Situation kleiner Unternehmen während des wirtschaftlichen Abschwungs und wie viel auf eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Krediten zurückzuführen sei? Zweifelsohne haben alle drei Faktoren eine Rolle dabei gespielt.`

Kleine Firmen, die für über 60% der Bruttoarbeitsplatzbeschaffung verantwortlich sind, zapfen, aus welchem Grund auch immer, nicht die notwendigen Kredite an um Arbeitsplätze zu schaffen.“

Wenn Sie irgendetwas von Wirtschaft verstehen, dann sollte Ihnen der Auszug, den Sie gerade lasen, einen eiskalten Schauer versetzen. Ohne Kredite können keine Unternehmen gegründet oder erweitert werden, Verbraucher können keine Häuser oder Autos kaufen und die Ausgaben im Einzelhandel sind dann ebenfalls komplett im Eimer. Wie in einem kürzlich bei USA Today erschienenen Artikel dargelegt wurde, ist ein weiterer Teil des Problems, dass gegenwärtig zahlreiche Amerikaner eine miserable Kreditbewertung haben:

„Die von FICO gelieferten Zahlen zeigen, dass 25,5% der Verbraucher – fast 43,4 Millionen Menschen – aktuell ein Credit Score von 599 oder darunter haben, was sie für Kreditgeber als schlechtes Risiko kennzeichnet. Es ist unwahrscheinlich, dass sie unter den härteren aktuell von den Banken angewandten Kreditvergabestandards in der Lage sein werden Kreditkarten, Autokredite oder Hypotheken zu erhalten.“

Auf dem Blog The American Dream wies ich vor kurzem darauf hin, dass historisch gesehen 15% der Amerikaner eine derart niedrige Kreditwürdigkeit hatten. Kann sich die US-Wirtschaft also wieder vollständig erholen, wenn sich die Zahl der Amerikaner mit einer schlechten Kreditwürdigkeit fast verdoppelt hat? Das ist eine gute Frage. Ich machte bereits darauf aufmerksam, dass der Einzelhandelsbereich in Wirklichkeit schon jetzt eine einzige Katastrophe ist und wenn wir es nicht schaffen, dass das amerikanische Volk in nächster Zeit seine Kreditkarten zückt, könnte sich die Weihnachtssaison schlussendlich als nicht besonders lustig herausstellen:

„Die Leerstände und Vermietungsraten von US-Shoppingcentern verschlechterten sich im Verlaufe des zweiten Quartals 2010 sogar noch weiter. Tatsache ist, dass einige Malls und Shoppingcenter in den am stärksten betroffenen Gebieten der Vereinigten Staaten bereits wie Geisterstädte aussehen könnten, bevor die Weihnachtszeit überhaupt angefangen hat.“

Ok, jetzt haben wir den Punkt erreicht, wo der Retter Barack Obama herbeieilt um die US-Wirtschaft zu retten, ist doch so oder? Naja, bisher hat sich Obama den anderen G20-Führern angeschlossen und zugesagt, er wolle die Regierungsausgaben unter Kontrolle bekommen.

Es gibt also aktuell keine Pläne für weitere Konjunkturpakete. Aber da die US-Wirtschaft gerade damit beginnt in eine deflationäre Depression abzurutschen, wird die Versuchung, die Wirtschaft mit noch größeren Staatsausgaben aufzublasen, einfach zu unwiderstehlich werden. Das gilt umso mehr, je näher wir an die Wahlen des Jahres 2012 gelangen. Wenn die Wahlkampfperiode beginnt, wird Obama wahrscheinlich deutlich bereitwilliger sein noch wesentlich mehr Schulden zu machen um dadurch einen kurzfristigen wirtschaftlichen Schub zu erreichen.

Ja, wir sind auf dem Weg in Richtung eines vollständigen wirtschaftlichen Albtraums, doch wie sich dies alles im Konkreten abspielen wird, hängt in bedeutendem Umfang davon ab, was Brack Obama, die Federal Reserve sowie die anderen Weltführer und Zentralbanken zu tun gedenken. Im Moment sind wir auf dem besten Wege in Richtung eines ultrabrutalen Credit Crunchs und wenn man nicht rasch irgendetwas unternimmt, wird dies die Weltwirtschaft auf dramatische Art ausbremsen.

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