Der Krieg gegen den Terror: Worum geht’s dabei überhaupt?

Paul Craig Roberts, Prisonplanet.com, 16.10.2010

Erinnert sich noch jemand daran, dass der Krieg gegen den Irak ein “Kinderspiel” sei, sechs Wochen dauerte und die Kosten zwischen 50 und 60 Milliarden US-Dollar mit irakischen Öleinnahmen finanziert würden?

Erinnert sich noch jemand daran, wie der Ökonom des Weißen Hauses Lawrence Lindsey von Goerge W. Bush gefeuert wurde, weil Lindsey schätzte, dass der Irakkrieg mehr als USD 200 Milliarden kosten würde?

Lindsey wurde gefeuert, weil er die Kosten für den Krieg zu hoch veranschlagt hatte, einen Krieg, der laut Joseph Stiglitz und Linda Bilmes bisher das 15-fache von dem kostete, was Lindsey geschätzt hatte. Und die USA haben immer noch 50.000 Soldaten im Irak.

Erinnert sich noch jemand daran, dass die US-Regierung kurz vor dem Einmarsch in den Irak den Sieg über die Taliban in Afghanistan verkündete?

Erinnert sich noch jemand daran, dass der Grund für George W. Bushs Einmarsch in den Irak Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen waren, Waffen, von denen die US-Regierung wusste, dass sie nicht existieren?

Sind sich die Amerikaner darüber im Klaren, dass dieselben Neokonservativen, welche diese grandiosen Fehler fabrizierten oder uns diese sagenhaften Lügen auftischten, in Washington immer noch die Kontrolle über die Regierung innehaben?

Der „Krieg gegen den Terror“ befindet sich nun im zehnten Jahr. Worum geht’s dabei eigentlich?

Im Grunde genommen geht es bei dem „Krieg gegen den Terror“ um die Schaffung echter Terroristen. Die US-Regierung benötigt händeringend echte Terroristen um die Ausdehnung ihrer Kriege gegen muslimische Länder rechtfertigen zu können und um das amerikanische Volk ausreichend ängstlich zu halten, so dass sie auch weiterhin den Polizeistaat im Inneren akzeptieren, der für „Sicherheit vor den Terroristen“ sorgt, jedoch nicht vor der Regierung, welche die Bürgerrechte zwischenzeitlich ausrangierte.

Die US-Regierung schafft Terroristen, indem sie in muslimische Länder einmarschiert, die Infrastruktur zerstört und eine riesige Zahl an Zivilisten tötet. Die USA schaffen auch dadurch Terroristen, indem sie Marionettenregierungen installieren, die dann über die Muslime herrschen, und indem sie die Marionettenregierungen dafür benutzen Bürger zu ermorden und zu verfolgen, so wie dies heute in großem Stil in Pakistan geschieht.

Die Neokonservativen verwendeten 9/11 um ihren Plan der US-Weltherrschaft zu starten. Ihr Plan stand mit den Interessen der amerikanischen Herrscherelite in Einklang. Kriege sind für den militärisch/sicherheitstechnischen Komplex gut um Profite zu machen, sie sind gut für die Ölindustrie um Ressourcen und die Ressourcenströme zu kontrollieren. Die Umwandlung des Nahen Ostens in einen gigantischen amerikanischen Marionettenstaat dient auch den zionistischen Bestrebungen der territorialen Ausdehnung der Israel-Lobby.

Die meisten Amerikaner können aufgrund ihrer Konditionierung nicht erkennen, was hier vor sich geht. Die meisten Amerikaner sind der Meinung, dass ihre Regierung die beste auf Erden ist, dass sie moralisch motiviert ist anderen zu helfen und Gutes zu tun und Hilfe in Länder bringt, wo Hungersnöte und Naturkatastrophen ausbrechen. Die meisten glauben, dass ihre Präsidenten ihnen die Wahrheit erzählen, sexuelle Affären einmal ausgenommen.

Die Hartnäckigkeit dieser Wahnvorstellungen ist merkwürdig angesichts der tagtäglichen Schlagzeilen, wo darüber berichtet wird, dass die US-Regierung praktisch jedes Land auf der Erde herumkommandiert und sich in dessen Angelegenheiten einmischt. Die US-Politik besteht darin Führer anderer Länder, welche die Interessen ihrer Völker repräsentieren anstatt US-amerikanischer, zu kaufen, zu stürzen oder gegen diese Krieg zu führen. Eines der letzten Opfer war der Präsident von Honduras, der die verrückte Idee hatte, dass die honduranische Regierung dem honduranischen Volk dienen sollte.

Es gelang der amerikanischen Regierung den honduranischen Präsidenten auszurangieren, da das honduranische Militär vom US-Militär trainiert und beliefert wird. Dasselbe gilt für Pakistan, wo die US-Regierung dafür sorgt, dass die pakistanische Regierung Krieg gegen ihr eigenes Volk führt, indem sie in Stammesgebiete einmarschiert, von denen die Amerikaner glauben, dass man den Taliban, Al-Qaeda, „Militanten“ und „Terroristen“ dort freundlich gesinnt ist.

Im Verlaufe dieses Jahres wies der US-Finanzminister Pakistan an die Steuern zu erhöhen, so dass die pakistanische Regierung für die Amerikaner noch wirksamer Krieg gegen die eigenen Bürger führen könne. Am 14.10.2010 wies die US-Außenministerin Hillary Clinton Pakistan erneut an die Steuern zu erhöhen, ansonsten würde man die Fluthilfe zurückhalten. Clinton machte auch Druck auf die amerikanischen Marionettenstaaten in Europa von Pakistan dasselbe zu verlangen und erklärte im selben Atemzug, dass die US-Regierung über die Einsparmaßnahmen des britischen Militärs besorgt sei. Gott bewahre, dass die bedrängten Briten, die aufgrund des amerikanischen Finanzbetrugs immer noch angeschlagen sind, nicht genügend Geld bereitstellen um amerikanische Kriege zu führen.

Auf Befehl Washingtons startete die pakistanische Regierung im Swat-Tal eine Militäroffensive gegen die Bürger Pakistans, bei der eine große Zahl an Pakistanis umkam und Millionen von Zivilisten aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Im Juli dieses Jahres wiesen die USA Pakistan an Soldaten gegen pakistanische Anwohner im Norden Waziristans zu entsenden. Am 06.07.2010 berichtete Jason Ditz auf Antiwar.com, dass „Pakistan auf Geheiß Amerikas eine Offensive gegen [die pakistanischen Provinzen] Swat, Bajaur, Südwaziristan, Orakzai und Khyber gestartet hat.“

Eine Woche später forderte Israels US-Senator Carl Levin (Demokrat aus Michigan) eine Ausweitung der Strategie der Obama-Regierung US-Luftangriffe in pakistanischen Stammesgebieten durchzuführen. Am 30.09.2010 schrieb die pakistanische Zeitung The Frontier Post, dass amerikanische Luftangriffe „schlicht und einfach eine offene Aggression gegenüber Pakistan sind.“

Die USA behaupten, dass ihre Truppen in Afghanistan das Recht besitzen bei ihrer Suche nach „Militanten“ die Grenze nach Pakistan zu überqueren. Kürzlich kamen drei pakistanische Soldaten durch einen US-Hubschrauberangriff ums Leben, da man sie fälschlicherweise für Taliban hielt. Pakistan schloss daraufhin die US-Hauptversorgungsroute nach Afghanistan, bis sich die Amerikaner entschuldigt hatten.

Pakistan warnte Washington vor weiteren Angriffen. Die US-Militärbeamten, die seitens der Obama-Regierung unter Druck stehen im endlosen Afghanistankrieg Fortschritte vorweisen zu müssen, reagierten auf die pakistanischen Warnungen jedoch, indem sie eine Ausdehnung des Afghanistankrieges nach Pakistan forderten. Am 05.10.2010 schrieb der kanadische Journalist Eric Margolis, dass „die USA immer mehr darauf drängen in Pakistan einzumarschieren“.

Bob Woodward schrieb in seinem Buch mit dem Titel „Obamas Kriege“, der amerikanische Marionettenpräsident von Pakistan, Asif Ali Zardari, sei der Meinung , die terroristischen Bombenanschläge innerhalb Pakistans, derer die Taliban bezichtigt werden, seien in Wirklichkeit CIA-Operationen, die ins Leben gerufen wurden um Pakistan zu destabilisieren und es Washington zu erlauben die pakistanischen Atomwaffen zu beschlagnahmen.

Um Pakistan auf Linie zu bringen, hat die US-Regierung ihre ursprüngliche Position zum „Times Square Bombenanschlag“ – es sei die Arbeit eines „Einzelkämpfers“ gewesen geändert. Der US-Justizminister Eric Holder beschuldigte nun auf einmal die „pakistanischen Taliban“ und die US-Außenministerin drohte Pakistan aufgrund des erfolglosen Bombenanschlags auf dem Time Square, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um eine auf Pakistan abzielende Operation unter falscher Flagge gehandelt hat, mit „sehr ernsten Konsequenzen“.

Um die Spannungen noch zusätzlich anzuheizen, wurde am 01.09.2010 eine hochrangige achtköpfige pakistanische Militärdelegation auf ihrem Weg zu einem Treffen mit dem Zentralkommando des US-Militärs (CENTCOM) in Tampa Florida auf dem Dulles Flughafen in Washington unverschämt behandelt und als Terrorverdächtige festgehalten.

Seit Jahrzehnten hat die US-Regierung die wiederholten Militäraggressionen Israels gegen den Libanon ermöglicht und es scheint so, als würde man sich nun auf einen weiteren israelischen Angriff auf das frühere US-amerikanische Protektorat vorbereiten. Am 14.10.2010 erklärte die US-Regierung ihre „Empörung“ darüber, dass die libanesische Regierung es dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad – der sich gerade im Zentrum Washingtons intensiver Dämonisierungsbemühungen befindet – erlaubt hatte dem Land einen Besuch abzustatten. Israels Repräsentanten um US-Kongress drohten die US-Militärhilfe an den Libanon einzustellen, wobei sie vergaßen, dass der US-Abgeordnete des Repräsentantenhauses Howard Berman (Demokrat aus Kalifornien) dafür gesorgt hatte, dass die Hilfen an den Libanon bereits seit August dieses Jahres blockiert werden um das Land für Grenzzusammenstöße mit Israel abzustrafen.

Die vielleicht aufschlussreichste Schlagzeile unter allen ist der Bericht vom 14.10.2010 mit dem Titel „Somalias neuer amerikanischer Premierminister“. Ein Amerikaner wurde als Premierminister von Somalia installiert – einem amerikanischen Marionettenstaat in Mogadischu, der durch zigtausende ugandische Soldaten, die auf der Gehaltsliste Washingtons stehen, gestützt wird.

Das ist jedoch nur die Spitze des Eisberges von Washingtons Nächstenliebe gegenüber anderen Ländern und bezüglich des Respekts gegenüber ihren Rechten, Grenzen und den Leben ihrer Bürger.

Unterdessen hat die „freiheitliche und demokratische“ Regierung in Washington das Spendenkonto von WikiLeaks geschlossen, indem man die Organisation auf die „Beobachtungsliste“ setzte und die australische Marionettenregierung dazu brachte WikiLeaks auf die schwarze Liste zu setzen, um so zu versuchen die Internetseite zum Schweigen zu bringen und weitere Enthüllungen über amerikanische Kriegsverbrechen zu verhindern.

WikiLeaks ähnelt nun einer terroristischen Organisation. Diese Praktik der amerikanischen Regierung Kritiker zum Schweigen zu bringen wird sich überall im Internet breit machen.

Vergessen Sie nicht, sie hassen uns, weil wir Freiheit und Demokratie, im Ersten Verfassungszusatz verbriefte Rechte und Habeas Corpus haben, weil wir die Menschenrechte respektieren und allen gegenüber Gerechtigkeit und Gnade an den Tag legen.

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