Wenn der Staat nebenan wohnt

Gerhard Spannbauer, Krisenvorsorge.com, 13.10.2010

Auch ein Art, seine Ausgaben zu beschränken: In Dänemark fordern die Gemeinden ihre Bürger auf, Menschen zu denunzieren, die in den Verdacht geraten sind, Sozialleistungen zu missbrauchen. Die Meinungen darüber gehen auseinander: Einige halten dieses Denunziantentum für ein probates Mittel der sozialen Kontrolle, andere hingegen sehen darin ein Gefährdung des gegenseitigen Vertrauens in der Gesellschaft. Uns sollte es vor allem eines zeigen: Überlegen Sie genau, wem Sie was erzählen. Gerade in Zeiten der Krise gibt es Dinge, die Sie nicht unbedingt Ihrer Umgebung preisgeben sollten.

Der Plan der Kommunen in Dänemark, unrechtmäßig empfangene Sozialleistungen durch das Melden von Nachbarn, Bekannten oder „Freunden“ aufzudecken und zu bestrafen, würde in Deutschland einen Aufschrei durch das Land gehen lassen: Diese „Blockwartmentalität“ würde doch zu sehr an die dunklen Zeiten Deutschlands erinnern. In Dänemark ist dies hingegen schon mancherorts Realität, es werden Formulare angeboten und Internetseiten erstellt, um die Denunziation möglichst einfach weiterzugeben. Über 400 000 Euro an Sozialleistungen hat der dänische Staat dadurch eingespart.

Zuallererst: Betrug ist falsch, das ist klar. Doch jemanden beim Staat anschwärzen ist auch eine Sache, der ich nicht so einfach zustimmen würde. Doch darum soll es hier gar nicht gehen, sondern um einen Aspekt der Krisenvorsorge, der vielleicht nicht von jedem bedacht wird. Stellen Sie sich vor: Sie haben eine umfassende Krisenvorsorge betrieben, in der richtigen Annahme, dass die Zeiten schlimmer werden und Sie sich darauf vorbereiten sollten.

Angenommen, nun sind die Zeiten schlimmer, die Krise strahlt mehr und mehr auf den Alltag aus. Sie haben sich vorbereitet: Sie haben Ihre Finanzen abgesichert mit physischem Gold und Silber, Sie haben Vorräte angelegt und sich um stabile Einnahmequellen gekümmert. Sie haben sich mental und körperlich auf die Krise vorbereitet. Und was viele von uns wohl auch gemacht haben: Sie haben darüber mit Ihrem Umfeld gesprochen – mit Nachbarn, Bekannten, Freunden, Arbeitskollegen…

Das ist grundsätzlich nichts Falsches, denn normalerweise will man ja nicht seine nächsten Mitmenschen in den Abgrund rennen sehen. Und doch muss ich Ihnen eines raten: Je konkreter Ihre Erzählungen und Berichte von Ihrer eigenen Krisenvorsorge werden, umso mehr sollten Sie sich vorher klar sein, wem Sie wie viel und wie detailliert erzählen.

In Zeiten der Krise werden auch die Menschen anders: Sie sind, aus Sorge und aus Angst um die eigene Zukunft, sehr wahrscheinlich eher dazu bereit, den eigenen Vorteil über ihre moralischen Prinzipien zu stellen. Einigen Menschen, den Sie in normalen Zeiten vertraut haben, können Sie in schwierigen Zeiten nicht mehr unbedingt trauen – schlecht, wenn Sie diesen Menschen Dinge erzählt haben, die in Zeiten der Krise diese Leute besser nicht wüssten.

Um damit auf das staatlich geförderte Denunziantentum in Dänemark zurückzukommen: Es ist durchaus vorstellbar, dass ein verzweifelter Staat Gebrauch macht von dem Willen der Bürger, andere Bürger wegen irgendwelcher Dinge, die als unrechtmäßig ausgewiesen wurden, anzuzeigen, und eventuell dafür sogar eine Belohnung zahlt. Das müssen nicht unbedingt Sozialleistungen sein, es kann auch der Besitz von Dingen sein, der dem Staat ein Dorn im Auge ist und für dessen Anzeige er bereit ist, eine Belohnung zu zahlen.

Und hier kommen wir direkt zur Krisenvorsorge: Es ist wichtig, im Falle eines Crashs über Reserven aus physischem Gold und Silber zu verfügen, die man greifbar hat. Natürlich sollten diese sicher gelagert sein und durch einen anonymen Kauf erworben werden. Doch zur Sicherung Ihrer Finanzen gehört auch, dass Sie nicht zu vielen Leuten davon erzählen. Vorstellbar ist, dass der Staat den Besitz von Gold verbietet und die Besitzer enteignet – wie schon geschehen in den USA der 30er Jahre. Ein Mittel, die Edelmetalle seiner Bürger in seinen Besitz zu bringen, könnte sein, für die Anzeige eines (dann unerlaubten) Besitzes eine Belohnung auszuzahlen – und dann kann das Wissen um Ihren Edelmetall-Besitz gegen Sie verwendet werden.

Nur Ihre engsten Angehörigen und Freunde, also Leute, denen Sie blind vertrauen und auch vertrauen können, sollten daher wissen, wo sich Ihr Edelmetall befindet. Es ist gut, andere Menschen zu warnen vor den Auswirkungen des Zusammenbruchs unseres maroden Finanzsystems. Doch manche Dinge gehen andere Leute einfach nichts an – also sollten Sie darüber nur in Ausnahmefällen sprechen.

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